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EUROPAS SMARTE STÄDTE


greenup - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 08.11.2019

Wie sieht die Stadt aus, in der wir leben wollen, was macht sie attraktiv für ihre Bürger? Saubere Luft, Vorrang für den Radverkehr? Bezahlbarer Wohnraum? Ein Blick in europäische Städte zeigt Beispiele für Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit


Artikelbild für den Artikel "EUROPAS SMARTE STÄDTE" aus der Ausgabe 7/2019 von greenup. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: greenup, Ausgabe 7/2019

Nachhaltigkeit beginnt vor Ort – in unseren Städten und Gemeinden. Dort haben die Menschen ihren Lebensmittelpunkt, sie nutzen Freizeit- und Kulturangebote, treffen Freunde, sind im Sportverein aktiv. Schnell erreichbare Kita-Plätze, gute Einkaufsmöglichkeiten und ein attraktiver ÖPNV werden konkret. Wie durch ein Brennglas zeigen sich dort Erfolge und Misserfolge ...

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... innovativer Stadtentwicklung.

KOMMUNEN LEBEN NACHHALTIGKEIT

Dies betonen nicht nur die rund dreißig Rathauschefs, die sich seit Anfang 2010 regelmäßig auf Einladung des Rates für Nachhaltige Entwicklung zum Dialog über strategische Fragen der nachhaltigen Stadt treffen. Ihnen ist klar: Die Agenda 2030 und die darin enthaltenen 17 Sustainable Development Goals sind auch für die deutschen Städte richtungsweisend. Zu Recht selbstbewusst weisen sie darauf hin, dass unzählige Maßnahmen und Projekte zur Umsetzung der globalen Ziele seit Langem erfolgreich angegangen werden.
Trotzdem lohnt es sich, einen Blick ins benachbarte Ausland zu werfen. Denn gut kopiert ist allemal besser als teuer erfunden.

Oslo – Umwelthauptstadt Europas 2019

Die Hauptstadt Norwegens mit ihren rund 680.000 Einwohnern gehört zu den am schnellsten wachsenden Hauptstädten in Europa. In den letzten Jahrzehnten haben große Bauprojekte der Stadt ein neues Gesicht gegeben. Dabei ist Zukunftsorientierung das Leitprinzip. Das neue Viertel „Vulkan“, erbaut auf einem ehemaligen Industriegelände, ist ein Beispiel umweltfreundlicher Stadtplanung. Ein energieeffizientes Stadtviertel wurde geschaffen, das durch eine lokale Energiezentrale mit Geothermiebrunnen, Gebäude mit Fassaden aus Solarpanelen und zwei Hotels, die Energie aus Kühlräumen und Aufzügen rückgewinnen, punktet.

© VisitOSLO/Didrick Stenersen

Als ein anderes Stadtviertel direkt am Oslofjord ausgebaut wurde, enthielten die Baupläne künstliche Unterwasserriffe mit Rückzugsorten für Fische und Schalentiere. Oslos Politiker spielen bei der grünen Umgestaltung der Stadt eine zentrale Rolle. Durch die Initiative „Autofreies Stadtleben“ wurden Parkplätze entfernt und der Verkehr eingeschränkt, damit es mehr Platz gibt für Fahrräder, Bänke, Straßenfeste. Die Folge: eine hohe Lebensqualität, zufriedene Einwohner, saubere Luft.
Oslo pflegt zudem grünes Unternehmertum. Das sogenannte Landwirtschaftsviertel steckt voller innovativer Projekte in den Bereichen Lebensmittel, Umwelt, Kultur und Musik.

© VisitOSLO/Didrick Stenersen

Digitalisierung trifft Nachhaltigkeit: Espoo

Die zweitgrößte Stadt Finnlands, Espoo, hat nicht nur den internationalen Intelligent Community Award 2018 gewonnen, sie gilt auch als eine der nachhaltigsten Städte Europas in Bezug auf ökologische, soziale und wirtschaftliche Kriterien. Ihre Stärke liegt in der strikt kundenorientierten, nachhaltigen Entwicklung einer intelligenten Stadt. Espoo, in der Metropolregion Helsinki gelegen, bindet seine Einwohner wo immer möglich ein. Gesundheit, Umweltbewusstsein, Mitbestimmung und Dynamik sind die vier übergeordneten Ziele der sogenannten „Espoo Story“.
Die Erfolge zeigen die Potenziale der Digitalisierung für die nachhaltige Entwicklung einer Stadt. Öffentliche Dienstleistungen werden unter einem Dach neben kommerziellen angeboten, leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Das Servicecenter versteht sich als Innovationsplattform – als ein Ort der gemeinschaftlichen Entwicklung, an dem sich Unternehmen, Stadt und Einwohner einbringen können. Einwohner mit speziellem Hilfebedarf werden durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Kundenservice proaktiv unterstützt.

© midfon/Shutterstock.com

© Patrik Fagerström

Klimametropole Kopenhagen

Kopenhagen mit seinen derzeit rund 600.000 Einwohnern ist vor allem für seinen malerischen Hafen bekannt. Doch Dänemarks größte Stadt hat mehr zu bieten. Sie war schon 2014 Umwelthauptstadt Europas und ist ausgesprochen erfolgreich im europäischen Green City Index. Kopenhagen plant, bis zum Jahr 2025 die erste klimaneutrale Metropole der Welt zu werden. Mit diesem ehrgeizigen Ziel ist die Stadt zum Vorbild weltweit geworden.
Ob Verkehrsplanung, nachhaltige Wirtschaft oder Energieeffizienz – Kopenhagen macht schon jetzt vieles richtig. Bis 2025 soll das stadtweite Radverkehrsnetz auf insgesamt 500 Kilometer erweitert werden. Teilweise sogar dreispurig. Mit kostenlosen Fahrradverleihen werden zusätzliche Anreize geschaffen. Für Elektroautos werden vielerorts reservierte Parkplätze geschaffen, kostenlose Ladestationen werden aufgestellt.
Kopenhagen zieht zielstrebig wirtschaftende Unternehmen aus der ganzen Welt an. In Partnerschaften revanchieren sich diese Firmen, indem sie mit der Stadt teilprivate Förderungen und Projekte umsetzen, die grünes Wachstum generieren. Das zeigt: Klimaschutz geht eben nicht immer auf Kosten des Wachstums. Schon 2009 setzte Kopenhagen mit der Eröffnung des „Green Lighthouse“ ein architektonisches Statement in Sachen Klimaneutralität. Das Energiekonzept des CO2-neutralen Universitätsgebäudes stützt sich vor allem auf die Nutzung von Tageslicht, ergänzt durch eine Kombination aus Fernwärme, Solarzellen, Solarkühlung und saisonaler Energiespeicherung. Das Ergebnis: Das erste öffentliche CO2-neutrale Gebäude Dänemarks verbraucht bis zu 75 Prozent weniger Energie als konventionelle Gebäude.

© Wonderful Copenhagen/Astrid Maria Rasmussen

© Wonderful Copenhagen/Andrea Nuñez

Stockholm – mit Datencentern Häuser beheizen

Wer sich am Beispiel Stockholm mit dem Thema Stadtentwicklung auseinandersetzt, landet über kurz oder lang beim „Stockholm Royal Seaport“, dem neuen Stadtquartier, das bis 2030 komplett unabhängig von fossilen Brennstoffen werden soll.
Aber neuerdings lässt eine andere Stockholmer Initiative aufhorchen: Fernwärme aus Datenspeichern. Instagram, Dropbox oder Dienste wie Flickr sind auf Datencenter an- gewiesen und verursachen daher einen nicht unwesentlichen Carbon-Footprint. Weltweit verbrauchen die großen Datencenter etwa die gleiche Menge Energie wie die kommerzielle Luftfahrt und diese Menge könnte sich in den nächsten zehn Jahren verdreifachen. Dabei könnte ein einziges 10-Megawatt-Datencenter genug Wärme für 20.000 Wohnungen bereitstellen. Die Initiative „Stockholm Data Parks“ will sich das zunutze machen. Die Datencenter sollen mit erneuerbaren Energien betrieben und die entstehende Abwärme soll an eine Fernwärme-Firma verkauft werden. Deren bestehendes Fernwärmenetz wird genutzt, um die Wärme zu verteilen. Am Ende könnte eine positive CO2-Bilanz stehen. Ein Null-Megawatt-Datencenter könnte die Emissionen um 8.000 Tonnen senken. Ein wesentlicher Beitrag zur städtischen Vision, bis zum Jahr 2040 CO2-neutral zu sein.

© Stockholm Media Bank

© iStockphoto/Alexander Farnsworth

Der niederländische Weg – Utrecht & Co.

Niederländische Städte sind weit vorn, wenn es um nachhaltige Stadtentwicklung geht. Amsterdam wird oft genannt, wenn ganzheitliches Denken, zukunftsfähige Mobilitätskonzepte oder smarte Gebäude- und Energiesysteme gefragt sind. Aber es gibt weitere Vorreiter. Utrecht zum Beispiel. Gesundes urbanes Leben ist zentrales Thema der niederländischen Stadt. Im Hinblick auf Lebensqualität ist man hier ehrgeiziger als anderswo. Die Stadt will im Jahr 2030 vollständig energieneutral sein und wird bei Neubauprojekten die Nutzung von Solarenergie zur Auflage machen. Die Innenstadt wird künftig nur noch mit Elektroautos zugänglich sein, natürlich werden auch die Stadtbusse mit Strom betrieben.

© Petra Appelhof

Utrecht ist ein Paradies für Fahrradfahrer. Da, wo sich früher eine Schnellstraße durch die Stadt fräste, liegt heute ein Kanal und Grünflächen. Utrecht hat die Fahrradwege strikt von den Autostraßen getrennt und breit angelegt. Unlängst wurde das größte Fahrradparkhaus der Welt eingeweiht (mehr dazu auf Seite 92) . Fahrradfahrer finden dort Servicestellen für Reparaturen und Ersatzteile und es stehen 1.000 Leihräder bereit.
Im Süden von Utrecht liegt die 50.000 Einwohner-Gemeinde Houten. Bei der Planung der Stadt wurde seinerzeit nicht vom Auto fahren sondern vom sozialen Leben her geplant. Grünflächen, Laufen, Radfahren standen im Vordergrund. Das Ergebnis: Heute erreicht man die wichtigen Punkte in der Stadt deutlich schneller mit dem Rad – die Autofahrer müssen große Umwege fahren. Wer nicht aufs Rad steigen kann oder mag, kann kleine E-Mobile wie Taxis nutzen.

© Petra Appelhof