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Ex-DFL-Chef Seifert startet Sport-Streaming-Dienst


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Digital Fernsehen - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 10.06.2022
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Bildquelle: Digital Fernsehen, Ausgabe 5/2022

Auf dem Markt für Sportrechte dürfte es künftig deutlich ungemütlicher werden, denn ein neuer Mitspieler hat sich angekündigt: Ex-DFL-Chef Christian Seifert will gemeinsam mit Axel Springer einen neuen Streaming-Dienst für Sportrechte auf die Beine stellen.

Einen Namen hat das Projekt offiziell zwar noch nicht, doch zumindest der Zeitplan steht offenbar schon fest: Im Herbst 2023 soll das Angebot Premiere feiern, das von der S Nation Media betrieben wird. Springer wird die Mehrheit an dem neugegründeten Unternehmen halten, Seifert zwar nur eine Minderheitsbeteiligung haben, diese soll aber signifikant ausfallen. Zudem wird der Sportmanager als geschäftsführender Gesellschafter tätig sein und damit alle Strippen für das Projekt in Händen halten.

Kein Fußball!?

Das besondere an der neuen Plattform sind aber keineswegs die Köpf, die hinter dem Projekt stecken, sondern ist in erster Linie ihre ...

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... Ausrichtung: Auch wenn man eigentlich vermuten würde, dass Seifert dem Fußball nach all den Jahren treu bleibt, so wird der Zuschauermagnet auf dem neuen Dienst keine Rolle spielen. „Deutschland ist eine sportbegeisterte Nation, in der sich Millionen von Fans auch für andere Sportarten als Fußball interessieren. Dieser großen Sport-Community wollen wir mit unserem Streaming-Portal eine neue Heimat bieten“, erklärte Seifert in einem Statement. Der TV-Markt für Fußball sei hierzulande gut aufgestellt. Es gebe genug Plattformen für die Sportart, die Nachfrage sei hoch.

Einen weiteren Konkurrenten aufzubauen, macht für ihn daher offenbar keinen größere Sinn. Seifert sieht daher an einer anderen Stelle das Potenzial, um ein neues Angebot zu starten: „Andere Sportarten haben hier noch sehr viel Luft nach oben. Unser Konzept ist sehr klar: Wir holen Sportarten aus der zweiten Reihe und stellen sie in die erste“, erklärte der Sportmanager im Februar gegenüber der dpa.

Begehr te Inhalte

Statt also nur ein weiterer Bieter im Kampf um überteuerte Fußball-Rechte zu sein, wollen Seifert und Springer andere Reviere abstecken – und das dürfte der Konkurrenz nicht gefallen. Denn auf dem offiziellen Einkaufszettel der neuen Plattformbetreiber stehen in erster Linie Handball, Basketball und Eishockey. Dabei geht es nicht nur um den Liga-Betrieb, sondern auch einzelne Sportevents sollen einen Platz auf dem Dienst finden. Meisterschaften wären dabei ebenso denkbar wie EMs oder WMs.

Einen ersten großen Coup hat Seifert hier auch schon gelandet: Mitte Mai verkündete die S Nation Media, dass man sich die TV-Rechte an der Basketball Bundesliga (BBL) gesichert hat. Der Vertrag gilt dabei ab der Saison 2023/24 für insgesamt sechs Spielzeiten. Magenta TV, wo die Spiele bereits seit 2014 übertragen werden, hat damit eins seiner großen Sport-Highlights an den neuen Konkurrenten verloren.

Kooperation statt Abschottung?

Neue Wege könnten Springer und Seifert auch in einer anderen Frage gehen: Während die meisten Anbieter versuchen, sich in eine Hülle der Exklusivität zu hüllen, gehen die neuen Partner offenbar andere Wege. So kündigte S Nation Media nach dem Kauf der Basketball-Bundesliga-Rechte an, bei deren Verwertung mit „Bild“ und der ARD zu kooperieren. Die Verknüpfung zu „Bild“ macht natürlich durch die Springer-Beteiligung Sinn, die ARD so früh ins Boot zu holen, überrascht dagegen ein wenig. Doch Seifert will vor allem auch die Reichweite der verschiedenen Ligen steigern und das gelingt ihm nicht allein hinter einer Bezahlschranke. Ein weiterer Vorteil: Auch der neue Streaming-Dienst erfährt mehr Aufmerksamkeit.

Es kommt daher vermutlich nicht von ungefähr, dass die Telekom daraufhin ihre anderen Schäfchen schnell ins Trockene bringt: Bereits wenige Tage nach dem BBL-Streich verkündete der Konzern, dass man den TV-Vertrag mit der Deutschen Eishockeyliga (DEL) vorzeitig verlängert habe. Für weitere vier Saisons, bis einschließlich 2027/28, hat sich die Telekom nun die exklusiven TV-Rechte gesichert – bevor es vielleicht Seifert und Springer getan hätten. Der Ex-DFL-Chef bedauerte zwar, auf die DEL in den nächsten Jahren verzichten zu müssen, wolle der Liga in der Zeit aber zeigen, dass sich ein Wechsel lohnen könnte.

Auch in Sachen Handball könnte es nun richtig spannend werden. Denn die Rechte für die Handball Bundesliga sind aktuell neu zum Verkauf ausgeschrieben und neben dem derzeitigen Inhaber Sky steht nun ein weiterer ernstzunehmender Interessent parat. Zumindest die Saison 2022/23 wird auf jeden Fall noch bei Sky zu sehen sein, was danach kommt, bleibt abzuwarten.

Andere Prioritäten

Es wäre auf jeden Fall ein ziemlich bemerkenswerter Auftakt, wenn Seifert und Springer zum Start ihrer Streaming-Plattform gleich mit zwei von den drei großen Sportarten auftrumpfen könnten. Eins macht der Sportmanager aber schon jetzt klar: „Für unser Angebot haben diese Sportarten absolute Priorität – alle anderen größeren Plattformen haben, objektiv betrachtet, einfach ein anderes Kerngeschäft“, so Seifert gegenüber der dpa. Heißt konkret: Auf seiner Plattform werden diese Sportarten nicht nur Randfiguren neben König Fußball sein, sondern Hauptdarsteller. Und das dürfte so mancher Liga gefallen, die das Dasein im Schatten des allmächtigen Fußballs Leid ist.

Für den deutschen Markt

Insgesamt wollen die Partner ihr Projekt auf den deutschen Markt zuschneiden, wie es in der Ankündigung hieß. Das könnte bedeuten, dass ausländische Ligen keine größere Rolle spielen sollen.

Vielmehr wollen Seifert und Springer offenbar die hiesige Sportlandschaft fördern und nach solchen Rechten die Hände ausstrecken, die den Interessen der Deutschen entsprechen. Neben der BBL haben die Partner bereits zwei weitere Deals im Gepäck: Als erstes holte sich der neue Streaming-Dienst die Tischtennis-Bundesliga für sechs Spielzeiten ins Boot, als zweites folgte ein Vertrag mit der Volleyball-Bundesliga über drei Saisons. Und das werden vermutlich nicht die Letzten sein, denn Seifert und Springer haben nach eigenen Aussagen „zahlreichen Ligen und Verbänden attraktive Kooperationsangebote“ unterbreitet.

Kann das funktionieren?

Am Ende stellt sich eigentlich nur eine Frage: Kann dieses Konzept funktionieren und sich vor allem auch refinanzieren? Die Vorraussetzungen sind sicher nicht schlecht. Seifert kommt zwar aus der Fußball-Welt, ist aber gerade beim Thema Rechte-Kauf ein echter Fachmann. Nicht umsonst haben sich die Einnahmen aus den Bundesliga-Rechten von 400 Millionen Euro auf über eine Milliarde unter seiner Führung gesteigert. Nun ist er zwar Käufer statt Verkäufer, doch er kennt das Spiel genau. Zudem verfügt er über hervorragende Kontakte in der Branche, die er nun auch nutzen kann. Springer bringt dagegen die Finanzkraft und die nötige Infrastruktur für so ein Projekt mit. Zudem trifft die Idee, möglichst viele Sportarten auf einer Plattform zu bündeln, einen Nerv. In den vergangenen Jahren gab es vermehrt den Trend, TV-Rechte auf diverse Anbieter aufzuteilen, sodass Fans gleich mehrere Abos benötigten, um alle Wettkämpfe sehen zu können. Die Kritik, dass sich das bald niemand mehr leisten können wird, wurde zuletzt immer lauter und könnte S Nation Media in die Hände spielen, wenn es dem Konzen gelingt, genug Rechte einzusammeln und so auch zum Sammelbecken aller Sportfreunde zu werden, denen es nicht um Fußball geht.

Das Drama um den Fußball

Der Fußball ist nach wie vor die beliebteste Sportart der Deutschen und entsprechend begehrt sind auch die TV-Rechte für die Spiele. Zuletzt wurden über eine Milliarde Euro für die Bundesliga aufgerufen – und das nicht etwa, weil die Liga so spannend ist, sondern weil mehrere TV-Veranstalter den deutschen Profi-Fußball um beinahe jeden Preis in ihrem Portfolio wollen. Gleiches gilt für andere europäische liegen oder auch Wettbewerbe a la Champions League. Für die Fans hat das zwei große Nachteile: Zum einen gibt es nicht mehr alles aus einer Hand, sondern es müssen mehrere Abos abgeschlossen werden, um die große Auswahl zu haben. Zum anderen kosten besagte Abos immer mehr, weil die teuren Sportrechte refinanziert werden müssen. Schuld daran sind aber auch nicht nur diejenigen, die die Rechte verkaufen. So hat das Bundeskartellamt für die Bundesliga vorgegeben, dass es mindestens zwei Rechteinhaber geben muss. Auch die UEFA hat für ihre Spiele entschieden, dass die Rechte an mehrere Plattformen vergeben werden.

Ein Sammelbecken für Sport

Diese Positionierung als Sammelbecken dürfte auch hinsichtlich der zu erwartenden Nutzerzahlen hilfreich sein: Zwar sind die Fan-Gemeinden für Basketball, Handball oder auch Tischtennis nicht mit denen des Fußballs zu vergleichen, doch nimmt man all diese zusammen, könnte eine beachtliche Menge zustande kommen. Nicht zu unterschätzen ist dabei auch die Tatsache, dass so manche Sportart vielleicht zum ersten Mal eine feste TV-Heimat findet, bei der Fans in der mittlerweile gewohnten Streaming-Qualität regelmäßige Übertragungen schauen können – und das im besten Fall nicht nur live, sondern auch flexibel auf Abruf. Das könnte Seifert und Springer ganz neue Nutzergruppen erschließen, die sich bisher mit Streams in vielleicht unterirdischer Qualität oder ausschließlich mit Zusammenfassungen oder reinen Videoschnipseln zufrieden geben mussten.

Wie hoch ist der Preis?

Ganz entscheidend wird am Ende aber die Frage sein, welchen Preis die S Nation Media für die Nutzung seiner Streaming-Plattform aufrufen wird. Denn ganz egal, wie groß die Gruppe möglicher Abonnenten auch ist: Sind diese nicht bereit, das Abo am Ende auch abzuschließen, ist der Streaming-Dienst zum Scheitern verurteilt. Konkret lässt sich Seifert hier noch nicht in die Karten schauen, dafür ist es vermutlich auch noch zu früh, doch im Interview mit „Bild100 Sport“ verriet der 53-Jährige Ende Mai: „Es wird ein sehr, sehr attraktiver monatlicher Preis sein, den ich noch verrate. Wir haben uns sehr intensiv befasst, dass das ein Preis ist, der für alle Sportarten auch für sich funktioniert.“

Sport-Streaming in Deutschland

Aus diesen Worten könnte man schließen, dass die Kosten wirklich eher moderat ausfallen könnten – gerade auch mit Blick auf die verschiedenen Zielgruppen. Denn während Fußball-Fans es seit vielen Jahren gewöhnt sind, für ihre Lieblingssportart tiefer in die Tasche zu greifen, sieht das bei Sportarten wie Tischtennis oder auch Volleyball anders aus. Abo-Kosten im zweistelligen Bereich könnten hier durchaus abschreckend statt einladend wirken. Vor allem auch für jene, die sich wirklich nur für eine Sportart interessieren und nicht für die ganze Bandbreite.

Zittert die Konkurrenz?

Die Konkurrenz wird die nächsten Schritte der S Nation Media in den nächsten Monaten sicher ganz genau beobachten. Denn sowohl für die großen wie die kleinen Player könnte es deutlich ungemütlicher werden. Mit dem BBL-Deal hat das Unternehmen bewiesen, dass man es ernst meint. Die vorzeitige Verlängerung der Telekom mit der DEL zeigt, dass in Bonn durchaus eine gewisse Nervosität herrscht. Auch Sky kann sich der Handball-Bundesliga nicht mehr so sicher sein wie zuvor. Zudem dürfte die S Nation Media zunehmend die Hände nach weiteren Randsportarten ausstrecken. Leichtathletik, Motorsport oder auch Wintersport wären für den deutschen Markt sicher gute Investitionen, denn diese erfreuen sich hierzulande großer Beliebtheit. Auch Darts, Schwimmen oder Boxen könnten Ziele sein. Und damit könnten Seifert und Springer so ziemlich jedem Konkurrenten gefährlich werden.

DAZN hat noch ein weiteres Problem: Der Dienst muss zwar um die Bundesliga und vermutlich auch den meisten US-Sport nicht bangen, doch hinsichtlich seiner neuen Preisstrategie wird die Luft immer dünner. Anfang des Jahres hatte DAZN angekündigt, seine Preise von knapp 15 Euro im Monat auf rund 30 Euro zu verdoppeln. Diese gelten aktuell nur für Neukunden und solche, die nach einer Pause wiederkehren. Wie es mit Bestandskunden weitergeht, will der Dienst erst im Sommer verraten, es ist jedoch anzunehmen, dass es auf jeden Fall aufwärts geht. Sollte S Nation Media also wirklich mit einem attraktiven Preis und einem ansehnlichen Portfolio an Rechten locken, dürfte so mancher Sport-Fan auch einfach nur wegen des Preises abwandern. Ob es am Ende so kommt, wird sich zeigen müssen.

Bis zum Herbst 2023 ist noch eine Menge Zeit, in der sich sowohl die S Nation Media als auch die Konkurrenz positionieren kann. Eines ist aber auf jeden Fall jetzt schon klar: Christian Seifert und Axel Springer werden den Markt für Sport-Streaming ordentlich aufmischen. 3

FRANCES SCHLESIER

Frisch von der Telekom geangelt: Die Basketball Bundesliga läuft ab der Saison 23/24 bei Seiferts Dienst

Sport-Streaming in Deutschland