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EXCLUSIV: DAGTWAS


GRIP - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 31.01.2020

McLarens erster Versuch, mit dem 570 GT einen Grand Turismo auf die Räder zu stellen, war eher halbherzig. Der brandneue McLaren GT soll jetzt alles besser machen. Ob er das schafft, haben wir in Südfrankreich getestet


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Bildquelle: GRIP, Ausgabe 1/2020

Man könnte meinen, dass es fast an Snobismus grenzt, wenn ein Hersteller an einem seiner Modelle den Griff der Kofferraumklappe kühlt. Und wenn überhaupt, würde man das gerade noch Bentley oder Rolls-Royce Zutrauen - so als krude Idee, Luxus auf eine noch höhere Spitze zu treiben. Falsch gedacht: Es ist ausgerechnet der Supersportwagenbauer McLaren, der das in seinem neuesten Produkt ...

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... einführt. Das kann also kein Snobismus sein - vielleicht aber britischer Übermut?

Nicht mal das. Denn sein neuester Wurf, der McLaren GT, soll ein reisefähiger Gran Tu- rismo sein. Das kommt Ihnen bekannt vor? Richtig: McLaren schuf auch schon den 570 PS starken 570 GT - letztlich ein 570 S mit Handschuhfach, Spiegel in den Sonnenblenden, viel Leder und einem 370 Liter fassenden Gepäckraumvolumen, das meiste davon unter der nach links öffnenden Glasheckklappe. Ein bisschen wenig für einen echten Reisewagen. Jetzt also der pure GT - das mit rund 4,7 Meter bislang längste Modell der Sports und Super Series. Und kein klassischer GT mit Frontmotor und Hinterradantrieb, sondern einer mit Mittelmotor. Womit wir bei dem gekühlten Kofferraumgriff sind. Denn so ein Mittelmotor hat das große Problem, nur schlecht seine Wärme abführen zu können, die sich im McLaren auf 520 Grad summiert. Zwar haben es die Ingenieure geschafft, diese Bullenhitze schnell auf 200 Grad herunterzukühlen, aber auch das ist noch viel. Das meiste wird nach außen abgeführt, der Kofferraum ist gut gedämmt, und trotzdem bestand die Gefahr, dass sich die holde Kundschaft am Kofferraumgriff übermäßig erhitzt. So schufen sie zwei Lüftungstunnel, die durch den Rand der Heckklappe führen und tatsächlich den Griff kühlen. Und dass, obwohl sich unterm Griff gar kein Mechanismus zur Klappenöffnung befindet. Aber die solvente Klientel muss sich gleich von Beginn an wohlfühlen - ohne Einschränkungen.

Der GT soll letztlich nichts weniger sein als ein absolut langstreckentauglicher Reisewagen. Technisch gesehen, sind 620 PS aus dem Vierliter-V8-Biturbo dafür schon mal gar nicht so schlecht. Dank Launch-Control kann der engagierte GT-Driver in 3,2 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen und das Gaspedal bis zu 326 km/h durchtreten. Im Comfort-Modus federt der GT sogar deutlich, was uns bei anderen McLarens so noch nicht aufgefallen ist. Die „proaktive Dämpfungssteuerung” liest und interpretiert die Fahrbahn, was als Nächstes passieren

wird und soll somit vorausschauend reagieren - zwei Millisekunden vor dem Ereignis. Glauben wir es mal, denn wirklich nachprüfen lässt sich das nicht. Was man aber merkt, ist, dass die hydraulische Lenkung auf die gewählten Modi Comfort, Sport und Track reagiert und zu jeder Zeit und bei jedem Tempo für gutes Lenkgefühl sorgt. Mit 110 Millimetern Bodenfreiheit liegt der GT höher als die sportlicheren Brüder und Schwes tern, die Liftanlage kann noch bis 130 Millimeter nachhelfen. Damit sollen Innenstädte problemlos zu erforschen sein, ohne an jeder Fahrbahnschwelle mit hässlichem Geräusch hängen zu bleiben.

Apropos hängen bleiben: Optisch unterscheidet sich der GT deutlich von den Sportlern aus der McLaren-Manu- faktur. Das liegt nicht an seiner neuen Farbe „Burnished Copper”, mit der wir unterwegs sind, sondern an einem sich tatsächlich deutlich unterscheidendem Design. Das Auto Ist weniger zerklüftet, folgt stringenteren Linien und glänzt mit den größten McLaren-Hinterrädem ever (21 Zoll). Durch eine vorne angeschlagene Heckklappe mit Softdose-Funktion (optional ist sogar eine Fernbedienung und eine automatische Schließfunktion zu haben) blickt man auf den edlen Kofferraum, der alleine 420 Liter fasst (unter der Fronthaube befindet sich noch eine Kuhle für weitere 150 Liter). So soll jetzt sogar eine Golftasche mitreisen können oder aber auch zwei 1,85 Meter lange Ski-Sets. Der Rest des Autos ist bekannt: Kohlefaserstruktur und ein supersteifes Monocoque.

Ein- und Ausstieg fordern nur altersbedingte Verrenkungen, wie immer bei einem McLaren kommt auch das neue Modell mit recht wenig Schaltern und Knöpfen aus. Das Lenkrad ist völlig frei davon. Ebenfalls wie bei anderen McLa- rens sind die Schaltwippen der Siebengang-Doppelkupplung nicht nur am Lenkrad befestigt, sondern auch miteinander verbunden, sodass man mit jeder Hand hoch- und runterschalten kann, was so cooles wie vielleicht manchmal auch notwendiges einhändiges Fahren möglich macht. Die neuen GT-Sitze sind so bequem wie sportlich – sie halten uns bestens fest und bieten trotzdem eine lange Bein- auflage und Polsterkomfort. Den Sound hat McLaren absichtlich städtefähig gemacht – es grollt angenehm tief, und das bei den sportlichen Fahrmodi dank Klappen und Ventile noch etwas lauter, aber nie störend oder nervend. Und der Wagen verzichtet völlig auf elektronisch erzeugtes Nachbrazzeln oder Blubbern – das ist eines GTs durchaus würdig. Die Instrumente sind komplett digital – für Fans der Mehrdimensionalität wirkt das etwas zu flach. Die Ablesbarkeit aller-dings lässt keine Wünsche offen.

Und so birgt der McLaren GT nur wenige Überraschungen. Wie sich das Fahrwerk im Grenzbereich verhält, können wir auf den engen und verkehrsreichen Straßen um Nizza nur mit eingeschalteter Sicherheit überprüfen: Da lässt sich der GT nicht aus der Ruhe bringen, die Kurventempi sind dabei schon beein- druckend. Der Aufmerksamkeitsgrad der Passanten ist beim GT übrigens genauso hoch wie bei jedem McLaren – die Produkte aus dem englischen Woking sind eben noch immer recht rar gesät. @@Kein Wunder, denn sie sind nach wie vor nicht gerade billig. Für den GT verlangt McLaren 198.000 Euro brutto (exklusive zum Beispiel der Sonderfarbe für 5.000 Euro) – erstaunlicherweise sind das nur rund 2.650 Euro mehr, als der pure 570 GT kostete. Der Preis pro PS ist beim neuen GT sogar um 23,37 Euro günstiger. Vielleicht deshalb, weil der alte drei km/h schneller war? Aber das Gepäckabteil ist nun eindeutig besser – das kann man jetzt optional sogar mit der „SuperFabric“-Verkleidung ordern. Die kommt mit einer Schicht winziger gepanzerter Schutzplatten, die vor Schnitten, Ris- sen, Kerben und Abrieb schützen soll, sich leicht reinigen lässt und schnell trocknet. Na also, so ein ganz bisschen britischer Snobismus ist dann eben doch dabei …

TECHNISCHE DATEN

MCLARENGT

Motor: V8-Biturbo
Hubraum: 3.994 ccm
Leistung: 456 kW (620 PS) bei 7.500/min
Max. Drehmoment: 630 Nm bei 5.500–6.500/min
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplung
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 4.683/2.045/1.223 mm
Gewicht: 1.530 Kilo
Sprint 0–100 km/h: 3,2 Sek.
Top-Speed: 326 km/h
Preis: 198.000 Euro


Fotos: McLaren, Matthias Mederer (1), Löwisch