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EXKLUSIV: Der Millionär der Herzen


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 35/2019 vom 23.08.2019

ZUM 2 0. JUBILÄUM DER BELIEBTESTEN QU I Z-SHOW

Artikelbild für den Artikel "EXKLUSIV: Der Millionär der Herzen" aus der Ausgabe 35/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 35/2019

JUBILARGünther Jauch moderiert „Wer wird Millionär?“ seit 20 Jahren


PREMIERE1999 ahnte Jauch noch nicht, dass sein Quiz so populär werden würde


Am 2. September feiertGünther Jauch den 20. Geburtstag von „Wer wird Millionär?“. In HÖRZU zieht der Moderator Bilanz

Das Studio ist kleiner als gedacht, der Kandidatenstuhl höher. Einzig Günther Jauch wirkt beim Treffen genauso wie im TV: spitzbübisch, nie um eine Antwort verlegen, voll und ganz in seinem Element. Vielleicht liegt es auch daran, dass HÖRZU-Chefreporter Mike Powelz den Star, der in einer ...

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... aktuellen HÖRZU-Umfrage zum besten Quizmoderator Deutschlands gekürt wurde (s. Seite 11), am Arbeitsplatz interviewen durfte: in den Kulissen zu „Wer wird Millionär?“. Eine große Ausnahme – die einen großen Anlass hat: Das Erfolgsformat wird 20.

HÖRZU: Herr Jauch, in der 1408. Ausgabe feiern Sie nun 20 Jahre „Wer wird Millionär?“. Was ist geplant?
GÜNTHER JAUCH: Wir erinnern an 20 Jahre „Wer wird Millionär?“, indem wir echte Highlights aus der Geschichte Revue passieren lassen. Außerdem habe ich die leise Hoffnung, dass wieder ein Kandidat Millionär wird. Denn bei unserer letzten kleinen Jubiläumssendung zum 15-Jährigen ist das tatsächlich zufällig passiert.

In einer exklusiven Forsa-Umfrage von HÖRZU wurden Sie gerade zum besten Quizmoderator Deutschlands gekürt – mit 87 Prozent Zustimmung. Überrascht?
Über das Ergebnis freue ich mich natürlich sehr. Und ehrlich gesagt: nach 20 Jahren umso mehr!

Sie gewinnen solche Umfragen seit Jahren. Kämen Sie damit klar, wenn Sie einmal nicht mehr der Sieger wären?
Der Tag wird kommen, an dem sich die Umfrageergebnisse automatisch „normalisieren“. Ich glaube, dass ich damit gut zurechtkommen würde.

Ein kurzer Rückblick auf 20 Jahre „WWM“: Vom Kollaps im Studio über Flirts bis zu Heiratsanträgen per Telefonjoker war so ziemlich alles dabei. Was war für Sie der denkwürdigste Moment?
Am schönsten ist es immer, wenn man den Eindruck hat, mit einem Geldgewinn den Richtigen getroffen zu haben: jemanden, der es besonders nötig hat oder der wahnsinnig tapfer war und irgendwann gestrauchelt ist. Aber was die Millionäre dann mit ihrem weiteren Leben machen, können wir nicht beeinflussen. Übrigens haben wir nicht wenige Kandidaten, bei denen wir bei der Überweisung feststellen, dass der schöne Gewinn komplett ans Finanzamt geht. Am allerschönsten ist es für mich immer, wenn Kandidaten aus der „Klischee-Schublade“ herausspringen: wenn sich etwa ein „maulfauler Schluffi“ plötzlich als schlagfertiger Witzbold entpuppt, der das Publikum für sich einnimmt.

Wie viel Spaß macht Ihnen das Quiz noch? Wie lang bleiben Sie dabei?
Die Sendung macht mir nach wie vor großen Spaß, was natürlich daran liegt, dass jeder Kandidat anders ist und „Gottes großer Zoo“ bei uns einläuft. Die Vielfalt der Menschen ist wirklich unbegrenzt. Deswegen kann es einem hier gar nicht langweilig werden. Und wie lange ich weitermache? Ehrlich gesagt weiß ich das nicht, weil es immer von folgenden drei Komponenten abhängt. Wenn RTL es nicht mehr will, hat es sich erledigt. Wenn die Zuschauer abschalten, bedeutet das ebenfalls das Aus. Und wenn ich die Lust verliere, ist auch Schluss. Aber solange wir drei alle mitziehen und noch so viel Spaß dran haben wie momentan, machen wir einfach weiter.

Sind Änderungen im Konzept von „Wer wird Millionär?“ geplant?
Im Prinzip nicht. Was jedoch nicht bedeutet, dass nicht immer mal wieder an der einen oder anderen Stellschraube gedreht wird. Aber der Charakter, der ganze Kern der Marke sollte tunlichst nicht verändert werden.

Als Thomas Gottschalk 2011 „Wetten, dass..?“ verließ und Harald Schmidt 2012 zum Pay-TV-Kanal Sky ging, hieß es: Sie seien der letzte TV-Dino und gehörten auch in die „Parkgarage des Privatlebens“. Gibt’s einen Masterplan für Ihren Weg in die TV-Rente?
Ich habe keinen! Man sollte jedoch im Kopf haben, dass es vielleicht irgendwann tatsächlich gut ist. Da empfehlen sich drei Dinge. Das Beste ist, wenn man es selbst merkt. Das Zweitbeste, wenn Freunde und wohlmeinende Bekannte einen darauf hinweisen. Und die schlechteste, aber immer noch letzte Möglichkeit, die Kurve zu kratzen, ist, wenn das Publikum einem dauerhaft wegläuft. Danach wird es ein bisschen eng. Manche merken es selbst dann immer noch nicht und wollen immer weitermachen. Das kann tragische Züge annehmen.

Warum haben Sie dennoch jüngst Ihre Produktionsfirma i&u TV verkauft?
Ich bewege mich jetzt auf Mitte 60 zu. Wenn man eine Firma hat, muss man vorausdenken – und bedenken, wie es in fünf oder zehn Jahren um den Betrieb bestellt ist. Dann gehe ich bereits auf die 70 beziehungsweise 75 zu und müsste mich fragen, ob ich noch der Richtige bin für diesen doch sehr kompetitiven Medienwettbewerb. Und weil die Friedhöfe voller Menschen sind, die sich für unersetzlich gehalten haben, wollte ich mich da nicht schon zu Lebzeiten einreihen. Gleichzeitig ist ein weicher Übergang geplant, weil ich, zumindest vor der Kamera, noch weiter an Bord bin.

Gottschalk sagt Folgendes über Sie: „Der Kerl ist selten bis nie zufrieden. Am wenigsten mit sich. Die ganze Nation liebt ihn, aber er selbst mäkelt dauernd an sich und seinen Erfolgen rum. Hat er zehn Millionen Zuschauer, grübelt er, warum es keine elf Millionen waren.“ Richtig beschrieben?
Ein bisschen ja. Das war lange Zeit so. Und die Lust, sich miteinander zu messen, in den Wettbewerb mit anderen zu treten und zu sehen, ob die Dinge noch gut funktionieren, habe ich immer noch verinnerlicht. Andererseits bin ich auch ein bisschen ruhiger geworden. Insofern kann Thomas sehr gelassen sein, denn ich bin mittlerweile mehr auf seiner Schiene, als dass er sich auf meine hätte begeben müssen.

Neben „Wer wird Millionär?“ haben Sie eine ganze Menge anderer Shows moderiert: etwa „6! Setzen“ und „500: Die Quiz-Arena“. Ist aktuell etwas Neues in der Pipeline?
Im Herbst mache ich eine große Livesendung namens „Bin ich schlauer als Günther Jauch?“, in der sich alle Zuschauer mit mir messen können. Vorher muss ich mir tatsächlich in mein Gehirn schauen lassen.

Hätten Sie derzeit, also in Zeiten von erstarkendem Populismus, Lust auf eine Rückkehr ins Talkgenre?
Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so gut meinen Frieden schließen kann mit allem, was ich selbstbestimmt abgeschlossen habe. „stern TV“ habe ich nach 21 Jahren aufgegeben, das „Sportstudio“ nach zehn Jahren und bin genauso mit der Champions- League-Moderation und dem Skispringen verfahren. Beim Sonntagabendtalk in der ARD war es das identische Muster. Ich habe ihn für mich beendet, wobei ich gern auf die Zeit zurückschaue. Es gibt aber keinerlei Sehnsucht, eines der Formate für mich wieder aufzuwärmen.

Ihre größte Stärke?
Dass ich mich mit Menschen unterhalten und damit Menschen unterhalten kann.

Und Ihre größte Schwäche?
Ich neige nicht zu Kompromissen, und mir gehen viele Dinge zu langsam. Zuweilen bin ich dann leicht erregbar und neige zu Entscheidungen, die nicht zwangsläufig oder gar immer die richtigen sind.

Ihr Lebensmotto?
Zum Glück habe ich keins.

Warum „zum Glück“?
Mottos à la „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume“ führen dazu, dass ich widerstandslos in mich zusammensinke. Kein erstrebenswertes Gefühl.

ROLLENTAUSCHGünther Jauch stellt sich den Fragen von HÖRZUCshefreporter Mike Powelz


Sollten Sie je in TV-Rente gehen, wer wäre der beste Nachfolger für „Wer wird Millionär?“?

Es gibt sicherlich einige, die das hinkriegen: Menschen, die schlagfertig und/oder witzig sind, aber auch Menschen, die gut mit ihrem eigenen Wissen oder Nichtwissen kokettieren können. Wie gesagt: Die Friedhöfe sind voll von unersetzlichen Menschen. Insofern mache ich mir da keine Sorgen. Das Format ist weltweit nirgendwo so lange am Stück gelaufen wie in Deutschland. Das haben selbst die Engländer mit dem Original nicht geschafft. Insofern schauen wir mal, wie lang unser Vorsprung noch reicht.

Schlussfrage: Würden Sie, wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, alles wieder so machen oder doch lieber Jurist, Kripobeamter oder Bankangestellter werden, wie Sie es auch einmal angedacht hatten?

Rückblickend bin ich mit meiner Berufswahl nicht nur zufrieden, sondern wirklich glücklich. Als Banker oder Kripobeamter stünde ich jetzt vor der Pensionierung. Die Frage stellt sich beim Fernsehen zum Glück nur, wenn die Zuschauer einen nicht mehr sehen wollen.

INTERVIEW: MIKE POWELZ


FOTOS: S. 8-9: GREGOROWIUS/TVNOW; S. 10-11: GREGOROWIUS/TVNOW, KNABE/WDR, LEIDIG/ARD