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EXKLUSIV INTERVIEW: ALLEIN gegen die Baumafia


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 14.02.2020

Exklusiv: Anke Engelke und Nina Kunzendorf über ihren neuen Thriller, die Krise des Journalismus, Populismus und Menschenhandel


Artikelbild für den Artikel "EXKLUSIV INTERVIEW: ALLEIN gegen die Baumafia" aus der Ausgabe 8/2020 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 8/2020

DIE OPFER Bauarbeiter Taras (Ivan Shvedoff, l.) sucht unter den Schwarzarbeitern seinen Sohn


DIE TÄTER Bausenator Schülke (Mark Waschke) und Referentin Urban (Petra Schmidt-Schaller)


DIE REPORTERINNEN Rommy (Nina Kunzendorf, l.) und Karin (Anke Engelke, r.) stoßen in ein Wespennest



“Ich bin eine Zweckpessimistin, aber im Kern eine Optimistin.“ Nina Kunzendorf, Schauspielerin


Ein toter Bauarbeiter, ein verschwundener junger Mann, ein skrupelloser Populist, ein Filz aus Mafia ...

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... und Politik: Die dritte Folge der Thrillerreihe „Tödliche Geheimnisse“ führt die investigativen Journalistinnen Rommy und Karin ins Baumilieu. Und in einen Kampf um Wahrheit und Menschenwürde. Im Interview erklären die Protagonistinnen Nina Kunzendorf und Anke Engelke, was Zweckpessimismus und Pizza damit zu tun haben.

HÖRZU: Wie viel Mitspracherecht haben Sie bei der Entwicklung Ihrer Figuren Rommy und Karin?
KUNZENDORF: Wir haben durchaus Mitspracherecht. Wir waren uns etwa im Vorfeld schnell einig, dass die Liebesbeziehung von Rommy und Karin nicht im Vordergrund stehen soll. Im Zentrum stehen zwei Journalistinnen, die gute Arbeit machen.

Wie ist es 2020 um den Journalismus bestellt? Und das Vertrauen in ihn?
ENGELKE: Meine zwölf Jahre beim Südwestfunk haben mich sehr geprägt, nicht erst seit der Zeit halte ich den Beruf der Journalisten für einen Ehrenberuf. Bei den Öffentlich-Rechtlichen habe ich vor allem gelernt, dass man korrekt recherchiert, präzise, und dass man in Interviews fair ist. Rumfummeln an aufgezeichneten O-Tönen war tabu, man schnitt höchstens Längen oder mal ein Räuspern raus. Aber um Ihre Frage zu beantworten …


“Wahrheit? Es gibt so viele Meinungen wie Menschen auf der Erde.“ Anke Engelke, Schauspielerin


Ja, bitte!
ENGELKE: Das Vertrauen in Journalisten steht gerade in der Kritik, „Lügenpresse“ war das „Unwort des Jahres“ 2014. Dabei ist die Möglichkeit, Dinge zu beleuchten, zu hinterfragen, das Schönste, was einem in einer Demokratie passieren kann: Reporter haben die Chance, den Mächtigen auf die Finger zu schauen und, wie in unserem Film, etwa Korruption offenzulegen.

Im Film heißt es sehr fatalistisch: Es wird auf der einen Seite immer Journalisten geben und auf der anderen jene, die ihnen beim Scheitern zuschauen. Sehen Sie das auch so?
ENGELKE: Nein, ich bin ein positiver Mensch und weigere mich, das Glas halb leer zu sehen. Glücklicherweise gibt es viele gute Journalisten, die Gehör finden, und kluge, neugierige Leser, die an sie glauben.
KUNZENDORF: Genau. Ich bin eine Zweckpessimistin, aber im Kern eine Optimistin.
ENGELKE: Außerdem gehört es sich nicht zu sagen, es sei alles umsonst. Wir sind gefordert, beim Denken flexibel und wach zu sein, das Privileg zu nutzen, dass wir uns überall informieren können. Wer sich für ein Thema interessiert, kann mehrere Zeitungen lesen und sollte für ein umfassendes Bild mindestens drei unterschiedliche Quellen nutzen. Das mache ich auch gern, ich habe gedruckte Zeitungen abonniert. Sehr letztes Jahrhundert, oder?

Momentan wird viel um den Begriff „Wahrheit“ gerungen. Gibt es überhaupt „die eine Wahrheit“?
ENGELKE: Es gibt so viele Perspektiven und Meinungen wie Menschen auf der Erde.
KUNZENDORF: Aber es gibt Zahlen und Fakten, auf deren Basis man sich eine Meinung bilden kann.

Hätten Sie vor dem Dreh gedacht, dass auf Großbaustellen regelrechter Menschenhandel betrieben wird?
KUNZENDORF: Konkrete Zahlen kannte ich nicht. Obwohl das Thema nicht unbekannt ist, lässt es sich leicht verdrängen, wenn man sich nur die hübschen Gebäude ansieht und nicht erwägt, dass für deren Errichtung Menschen für einen Hungerlohn hierher verfrachtet wurden und unter unmenschlichen Bedingungen schuften.

Im Thriller geht es um viel Geld. Es heißt: Geld verdirbt den Charakter.
KUNZENDORF: Daran möchte ich nicht glauben. Zumindest nicht grundsätzlich. Geld öffnet auch Möglichkeiten. Es lässt sich damit etwa leichter klimabewusst leben: Der teurere Zug ist dann eine Alternative zum Billigflug. „Geld regiert die Welt“, das stimmt auf jeden Fall.

Populismus ist ein weiteres Thema des Films: Ist der Riss in unserer Gesellschaft noch zu kitten?
ENGELKE: Auf mich wirkt das Glas halb voll.
KUNZENDORF: Sehe ich genauso. Wir dürfen optimistisch sein. Und handeln.
ENGELKE: Jeder kann das Schlechte sein lassen. Schon Wilhelm Busch sagte: „Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Böse, das man lässt.“

Können Unterhaltungsfilme überhaupt Denkanstöße vermitteln?
ENGELKE: Ja, klar! Das ist wie mit Pizza: Man isst nicht jeden Tag Pizza, aber dann und wann frische Pizza – herrlich!
KUNZENDORF: Wenn es uns mit dieser Art Unterhaltungsfilm nicht gelingt, auch etwas anzustoßen, machen wir was falsch.
ENGELKE: Für mich ist ein Film gelungen, wenn ich danach das Bedürfnis habe, etwas zu überdenken, mit jemandem zu reden, etwas aufzuschreiben. Unterhaltung kann durchaus nachhaltig sein. Meine Sketchreihe „Ladykracher“ sollte ursprünglich „Nee, ne?“ heißen, weil wir die Vorstellung mochten, dass man erst lacht und dann stutzt: „Warte mal, hat die das eben wirklich gesagt? Nee, ne!?“

Denkbar, dass Sie noch mal für „Ladykracher“ vor der Kamera stehen?
ENGELKE: Ob das „Ladykracher“ heißt oder anders: Menschen zum Lachen zu bringen mag ich sehr. Und Lustiges sollte immer Platz haben in einem Drama. Alles andere wäre nicht die Abbildung des Lebens. Bei allem Unglück lachen wir zwischendurch ja doch über uns und das Leben.

Im Thriller vergeht den Abzockern am Ende das Lachen. Glauben Sie an so eine Art Gerechtigkeit?
KUNZENDORF: Ja, es kommt alles zu einem zurück. Es fliegt einem alles irgendwann um die Ohren.