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EXKLUSIV-INTERVIEW THOMAS BJØRN: „MARTIN IST NOCH IM SPIEL“


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GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 60/2018 vom 30.05.2018

Thomas Bjørn führt das europäischeRyder Cup-Team im September in Paris gegen die USA. Der Däne hat Martin Kaymer trotz dessen Durchhänger noch nicht abgeschrieben, wie er Detlef Hennies beim Exklusiv-Interview in London verriet


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Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 60/2018

Das Spiel „Wer darf mit zum Ryder Cup“ hat längst begonnen. Thomas Bjørn fand die Idee, ihm einzelne Kandidaten auf von uns modifizierten Memory-Karten des Ravensburger Spielverlags vorzulegen, witzig. „Am besten aber“, so sagte er mit einem Augenzwinkern, „gefällt mir die Originalkarte ganz vorn.“


Oh, hier komme ich sonst nicht hin. Sieht alles sehr elegant aus.“ Peter, mein ...

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... Taxifahrer, ist tief beeindruckt, nachdem wir das gusseiserne Tor des Wisley Golf Clubs im Südwesten von London passiert haben. Kein Wunder, der denn Club ist sehr privat und gilt als einer der besten und vornehmsten des Landes.

Hier habe ich gleich meinen Termin mit Thomas Bjørn: 47-jähriger Däne, Ecco-Botschafter (die Schuhmarke stammt aus Dänemark), seit 22 Jahren erfolgreich auf der European Tour und aktuell Boss der Euro-Fighter, die sich im September in Paris den Ryder Cup zurückholen wollen (2016 hatte Europa im Hazeltine National Golf Club 11:17 verloren). Das Duell gegen die besten Jungs aus den USA ist das beherrschende Thema für den Rest des Golfjahres und Bjørn der wichtigste Protagonist auf unserer Seite des Atlantiks.

Ich stemme mich gegen die massive Tür des Clubhauses; auch hier wurde Qualität verarbeitet. Innen empfängt mich eine sehr freundliche Mitarbeiterin mit der Bitte, mich mit dem bereit liegenden Füller ins Gästebuch einzutragen. Sehr gern. Die Seite ist fast noch leer, trägt nur einen weiteren Namen – Thomas Bjørn. Der Captain ist also schon da!

Eigentlich sollte Bjørn draußen zunächst ein paar Werbespots für Ecco drehen; da es aber gerade immer dunkler wird heftige Regengüsse angesagt sind, ziehen wir das Interview vor. Thomas sitzt entspannt in einer ruhigen Ecke des Clubhauses, winkt mich herüber. Umständliches Vorstellen fällt aus; wir kennen uns ja schon eine Weile. „Also, legen Sie los“, sagt Bjørn und grinst sich eins. Der Mann hat gute Laune.

Und sie wird nicht schlechter, als ich einen Stapel Memory-Karten aus meinem Rucksack ziehe. Noch sieht Bjørn nur die blauweißen Rückseiten der XL-Karten, die ungefähr so groß wie Bierdeckel sind. „Was wird das?“ fragt er? „Das“, antworte ich, „ist eine nicht ganz enstgemeinte Möglichkeit, sich das europäische Ryder Cup-Team zusammenzustellen.“

Damit drehe ich die erste Karte um. Sie zeigt Justin Rose, also das Gesicht eines Spielers, der aufgrund seiner stabilen Leistungen und Erfahrungen in jedem Fall dabei sein wird. Die weiteren Enthüllungen übernimmt Bjørn selbst, dreht alle Karten um und sortiert sie in drei Reihen. Ich habe ihm ein paar Fragezeichen untergemischt, die für die vier Wild Cards stehen, die Bjørn Anfang September an Spieler vergeben kann, die sich nicht automatisch qualifiziert haben, die er aber gern dabei hätte.

Martin Kaymer hat kein Fragezeichen; seine Karte liegt offen auf dem Tisch. Und damit natürlich die Frage, ob der Däne den Deutschen für den Ryder Cup 2018 auf dem Spielplan hat? Im Moment wahrscheinlich nicht, nachdem Kaymer seit der US Open 2014 kein Turnier mehr gewonnen hat und inzwischen sogar aus den Top 100 der Weltrangliste gerutscht ist. Fragen wir doch einfach mal nach.

Martin Kaymer guckt skeptisch. Captain Bjørn aber hat den Deutschen für den Ryder Cup im September in Paris noch nicht abgeschrieben.


Thomas Bjørn kennt den Ryder Cup, war bisher dreimal als Spieler und dreimal als Co-Captain dabei. Jetzt ist er der Chef der Euro-Fighter.


Mit dem gelochten Putt aus rund zwei Metern sicherte Martin Kaymer den Sieg der Europäer beim Ryder Cup 2012.


GOLF MAGAZIN: Herr Bjørn, was geht Ihnen als Kapitän des europäischen Ryder Cup-Teams durch den Kopf, wenn Sie die Karte und das Foto von Martin Kaymer vor sich auf dem Tisch sehen?
Thomas Bjørn (tippt auf die Karte, bevor er antwortet): Dass Martin absolut noch im Spiel ist für den Ryder Cup 2018.

Obwohl er lange nicht gewonnen hat und in den europäischen Ryder Cup-Ranglisten weit zurückgefallen ist (siehe unten; Anmerkung der Redaktion )?
Martin wird meiner Ansicht nach zu Unrecht kritisiert, auch deshalb, weil er die große Golfwelt in Deutschland quasi allein tragen muss. Es ist auf dem extrem hohen Niveau, auf dem sich die Jungs bewegen, völlig normal, wenn ein Spieler mal eine ganze Weile keine Siege holt, keinen so großen Erfolg hat. Das gab und gibt es bei jedem großen Spieler. Irgendwann aber sind sie dann wieder da, häufig sogar noch stärker als vorher. Darauf hoffe ich auch bei Martin. Allerdings muss er jetzt natürlich zeigen, dass er noch zum Ryder Cup will. Es stehen aber in den nächsten Wochen und Monaten noch so viele große Turniere mit so hohen Preisgeldern an, dass er es durchaus auf direktem Weg schaffen kann.

Das klingt aber sehr optimistisch…
Ja, aber Martin hat eindeutig das Potenzial dazu. Er versteht sehr viel vom Spiel, analysiert deshalb auch mehr als andere. Man darf ja nicht vergessen, was er bisher schon geleistet hat. Er war die Nummer eins der Welt, hat mit der PGA Championship und der US Open zwei Majorsiege geholt; das sind genauso viele wie bei Bernhard Langer. Und damit hat er mehr als andere, die hier auf dem Tisch liegen. Nehmen Sie Justin Rose oder auch Sergio Garcia, die beide bisher nur ein Major gewonnen haben.

Im Vergleich zu früher scheint es in der Weltspitze mehr Bewegung zu geben…
Das stimmt, die Jungs haben heute eine andere Strategie. Sie sind Hochleistungssportler, die mit ihrer professionellen Einstellung den Athleten anderer Sportarten in nichts nachstehen. Sie sehen sich auf einer permanenten Reise zum nächsthöheren Level. Sie wollen sich und ihr Spiel immer weiter verbessern, und wenn auf dem Weg dahin der ein oder andere Turniersieg abfällt, nehmen sie den natürlich gern mit. Wir dagegen haben früher viel mehr auf die reinen Ergebnisse geachtet.

Wir wollten das anstehende Turnier gewinnen, und auch das nächste, aber das war es dann auch. Bei den meisten hatte das wenig mit einer langfristig geplanten und umgesetzen Entwicklung zu tun.

Da wir gerade so schön in der Vergangenheit schwelgen: Sie haben 1997 ihren ersten Ryder Cup unter dem legendären Seve Ballesteros gespielt. Wie hat sich die Rolle des Captains in diesen mehr als 20 Jahren verändert?
Dramatisch. Früher waren wir zwölf Spieler, die Caddies, der Captain – und gut. Heute gehört zu jedem Spieler noch der Schwung-Coach, ein Putting-Guru, der Mental-Trainer und natürlich die Familie. Du sprichst also nicht mehr nur mit einem, sondern quasi immer mit einer Gruppe von Menschen, auch wenn tatsächlich nur der Spieler vor dir steht.

Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, wer in Ihrem Team mit wem harmonieren könnte, wer bisher immer gut miteinander klargekommen ist, wer Nerven wie Drahtseile hat…
Nicht wirklich. Bei der Zusammenstellung der Paare muss ich so viele Faktoren bedenken, dass es überhaupt keinen Sinn macht, jetzt schon darüber nachzudenken.

Worüber Thomas Bjørn aber schon mehr und ziemlich konkret Auskunft geben kann, erfahren Sie im zweiten Teil des Interviews in der kommenden Ausgabe des GOLF MAGAZIN.


„Martin versteht viel vom Spiel und analysiert mehr als andere“
– Thomas Bjørn hält viel von Martin Kaymer


Thomas Bjørn war gut gelaunt und klar in Aussage und Gestik.


Ecco-Botschafter Thomas Bjørn im vornehmen Wisley Golf Club am Rande von London. Der Däne lebt seit Jahren in England.


Wer bekommt die vier Wild Cards fürs europäische Ryder Cup-Team? Wir bekamen immerhin schon ’mal eine Unterschrift vom Captain.


FOTOS: KEVIN MURRAY, GETTY IMAGES, STEFAN VON STENGEL