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Extra: Der Zau bervogel


Funk Uhr - epaper ⋅ Ausgabe 51/2018 vom 14.12.2018

Eine Weihnachtserzählung von Christina Telker


Schmökern unterm Tannenbaum

Artikelbild für den Artikel "Extra: Der Zau bervogel" aus der Ausgabe 51/2018 von Funk Uhr. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Funk Uhr, Ausgabe 51/2018

Gerade war Charlotte damit beschäftigt, ihre Weihnachtsdekor at ion durchzusehen, die sie vom Dachboden geholt hatte. Auch wenn sie schon lange allein lebte, liebte sie die Gemütlichkeit und vor allem die Adventszeit. Es waren ganz besondere Momente, wenn sie in der Woche vor dem ersten Advent die wohlsortierten Kartons durchsah, um zu überlegen, wie sie in diesem Jahr ihre kleine Wohnung gestalten würde. Wie viele Erinnerungen hingen an jedem einzelnen dieser Gegenstände! Ob es nun der Leuchter mit den vier Engeln war, den sie zu ...

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... ihrem zehnten Hochzeitstag, der kurz vor dem ersten Advent lag, von ihrem Mann geschenkt bekommen hatte. Oder die kleinen Kurrendesänger, die noch aus ihrer Kindheit stammten, und die sie an ihre Eltern erinnerten. An den kleinen Holzfiguren hatte Charlotte so manches Jahr das eine oder andere Detail ausgebessert.

Aber umso mehr liebte sie diese Miniaturen: Sie durften nie fehlen! Doch plötzlich wurde Charlotte, mitten in ihren Gedanken, von einem Geräusch gestört, das vom Fenster kam. Mit suchendem Blick trat sie näher und entdeckte einen Vogel, der an ihre Glasscheibe pickte. „Na du bist ja ein lustiger Geselle“, sagte Charlotte erfreut zu dem unerwarteten Gast auf dem Sims. „Du bist es nicht gewöhnt, draußen zu schlafen. Wie ich sehe, bist du ein Wellensittich. Pass auf, ich öffne jetzt ganz behutsam das Fenster und dann kannst du reinkommen.“ Als ob der blau gefiederte Vogel die Frau verstanden hatte, blieb er auf dem Fensterbrett sitzen und beobachtete jede ihrer Bewegungen. Nachdem das Fenster offen stand, trat Charlotte zurück und gab die Flugbahn frei. Eigentlich hatte sie erwartet, dass der Kleine schnell das Weite suchen würde, aber das Gegenteil war der Fall. Er flog tatsächlich durch das geöffnete Fenster ins Zimmer. Vielleicht spürte er ja, dass das seine Überlebenschance war – bei dem nasskalten Wetter.

Sofort schloss Charlotte behutsam das Fenster. „Na, das wird jetzt schwierig mit uns beiden“, meinte sie und fing an zu überlegen. „Ich habe keinen Käfig für dich, und sicher bist du furchtbar hungrig.“ Schnell lief sie in die Küche, um einen Rest Hafenflocken zu holen. „Begeistert wirst du davon nicht sein, aber im Moment gibt’s in meinem Vorrat leider nichts anderes.“ Dann griff sie zum Telefon und rief ihren Enkel an, der nicht weit entfernt am Stadtrand wohnte. „Jonas, stell dir vor, mir ist eben ein Wellensittich zugeflogen. Du hattest doch auch mal einen Vogel. Gibt es seinen Käfig noch?“ – „Kein Problem, er steht im Keller. Ich komme gleich mal vorbei und bringe ihn dir. Auf dem Weg besorge ich Sand und Futter und bringe es mit. Bis gleich.“ Schon hatte der junge Mann aufgelegt. „Na, da hast du aber Glück gehabt, gleich bekommst du eine Bleibe und feine Körner“, sagte Charlotte, während der Vogel sie erwartungsvoll musterte. Für eine Weile hatte sie ganz ihr Werk vergessen, das sie begonnen hatte. Das kann nun warten, dachte sie und stellte die Kartons mit der Weihnachtsdekoration ordentlich aufeinander. Morgen ist ja auch noch ein Tag, sagte sie zu sich selbst. Jetzt muss ich erst einmal einen Platz für den Käfig finden.

Da läutete bereits ihr Enkel an der Tür und stand mit allem Gewünschten da. „Wie hast du dir das eigentlich gedacht?“, fragte er seine Großmutter. „Soll der Kleine jetzt hier einziehen?“ – „Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Sicher wird der Vogel vermisst. Ich werde morgen eine Anzeige aufgeben.“ – „Gib mir einfach Bescheid, wenn du Hilfe brauchst“, sagte Jonas, gab seiner Großmutter einen Kuss auf die Stirn und war schon wieder verschwunden. „Bis Sonntag“, rief er noch aus dem Treppenhaus. Zuerst versorgte Charlotte den Käfig mit etwas Sand, Trinkwasser und der Körnermischung, dann richtete sie für sich selbst das Abendbrot. Es dauerte nicht lange und „Peterle“, so nannte Charlotte den hübschen Wellensittich, begann in seinem neuen Heim fröhlich zu trällern.

Bereits wenige Tage später erschien die Anzeige in der Zeitung. Auf einen Anruf wartete Charlotte a l lerdi ngs vergeblich. „Keiner scheint dich zu vermissen“, raunte sie ihrem neuen Mitbewohner zu. „Seltsam! Da du dich hier wohl fühlst, ist das aber kein Problem. Du bleibst einfach hier.“ Auch Peterle schien die Idee zu gefallen, denn er antwortete mit einem kräftigen Zwitschern. „Wie schön, dass du zu mir kamst“, begrüßte sie jeden Morgen ihren Vogel, den sie schon längst ins Herz geschlossen hatte. Da plötzlich, es war bereits Mitte Januar, läutete das Telefon und eine fremde Stimme sagte: „Sie haben eine Anzeige aufgegeben, dass Ihnen ein Wellensittich zugeflogen sei. Ich las sie erst heute. Gibt es Hansi noch?“ Am liebsten hätte Charlotte geantwortet: „Der Vogel wurde schon vom Besitzer abgeholt.“ Es fiel ihr schwer, die Wahrheit zu sagen, so sehr hing sie an Peterle, den der Mann am Telefon Hansi nannte. Dann entschied sie sich und sagte: „Peterle geht es gut, er ist mir zum lieben Gesellschafter geworden.“ – „Darf ich mal vorbeikommen, damit wir uns unterhalten und ich Ihnen alles erklären kann?“, fragte der Herr höflich. „Warum nicht“, sagte Charlotte nach einigem Zögern. „Wir sehen uns dann heute zum Kaffee.“ Warum habe ich mir das angetan, fragte sich Charlotte, als sie den Hörer auflegte. „Nun heißt es Abschied nehmen“, erzählte sie ihrem Peterle, der sie ansah und keinen Pieps machte.

Mit bangem Herzen sah Charlotte dem Nachmittag entgegen. Pünktlich läutete es an ihrer Tür. Als der Vogel die Stimme seines Besitzers hörte, begann er sofort zu singen und war fröhlich wie nie. Es wurde ein wunderschöner Kaffeenachmittag mit angeregten Gesprächen. Norbert, so hieß der alte Mann, berichtete von seinem Krankenhausaufenthalt und darüber, dass er seiner Nachbarin den Schlüssel gegeben hatte, um Hansi zu versorgen. Dann, eines Tages, öffnete sie – völlig in Gedanken – Fenster und Käfigtür gleichzeitig. Das war ihr wirklich sehr peinlich! Also besorgte sie aus der Zoohandlung einen neuen Vogel und meinte, ihr Nachbar würde es nicht bemerken, wenn er wieder nach Hause kam – natürlich vergebens. Wenn Norbert es ihr auch nicht sagte, er sah sofort, dass dies nicht sein Hansi war, der da auf der Stange saß. Eines Tages im Januar, als er die alten Zeitungen aus der Zeit seiner Abwesenheit durchblätterte, entdeckte er dann die Anzeige und wusste sofort: Das konnte nur Hansi sein, von dem da die Rede war. „Nur gut, dass er überlebt hat“, freute sich Norbert und beschloss, sofort anzurufen. „Nun möchten Sie bestimmt Peterle wieder mitnehmen – ich meine natürlich Hansi“, verbesserte sich Charlotte. „Schade, wir haben uns gerade so aneinander gewöhnt.“– „Nein, ich lasse Hansi hier bei Ihnen. Was sollte ich denn sonst mit dem jetzigen Vogel machen, der in meiner Wohnung auf mich wartet?“, entgegnete Norbert. Charlotte fiel ein Stein vom Herzen! Beim Abschied lud Norbert sie zum Gegenbesuch ein. Die beiden Alten verstanden sich bestens. Es gab ja so viel zu erzählen aus der Vergangenheit und endlich war da jemand, der zuhörte. Als Charlotte zum nächsten Advent ihre Wohnung erneut schmückte, war diese um einiges größer. Und nicht nur zwei Vögel sangen jetzt in einem Käfig ihr Weihnachtslied, auch zwei Menschen freuten sich auf die gemeinsamen Jahre, die noch vor ihnen lagen.

Christina Telker

Geboren 1949 in Erfurt, aufgewachsen in einem christlichen Elternhaus. Sie lebt in Bernau bei Berlin. Von Beruf Kindergärtnerin, verfasst sie schon lange und seit ihrer Rente verstärkt Lyrik, Märchen und Erzählungen, zu lesen u. a. auf ihrer Homepage: www.gartenderpoesie.de
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