Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 9 Min.

Extra Diäten Fit bleiben: TEST Energieriegel: Fett statt fit


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2016 vom 29.01.2016

In manchem untersuchten Energieriegel steckt so viel Fett wie in einem Mars oder einem Snickers. Das hilft nicht, das schadet beim Sport. Nur ein einziger der 19 getesteten Riegel bekommt das Testurteil „gut“. Sieben Produkte sind „mangelhaft“ oder sogar „ungenügend“.


Artikelbild für den Artikel "Extra Diäten Fit bleiben: TEST Energieriegel: Fett statt fit" aus der Ausgabe 2/2016 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: imago/Icon

Kilometer zwölf, eine Stunde ist vorbei. Die Beine werden schwerer, der Körper schwächer. Bis zum Ziel liegen aber noch gute 30 Kilometer vor dem Marathonläufer. Höchste Zeit, für Energienachschub zu sorgen. Er zieht einen Energieriegel aus der Tasche, reißt ihn auf, isst ihn – und die Kraft kehrt langsam zurück. Woran liegt ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 2/2016 von Chancen: Hier gibt Integration den Ton an. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Chancen: Hier gibt Integration den Ton an
Titelbild der Ausgabe 2/2016 von Nachwirkungen: REAKTIONEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: REAKTIONEN
Titelbild der Ausgabe 2/2016 von Nachwirkungen: `Was unsere Tests bewirkt haben. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: `Was unsere Tests bewirkt haben
Titelbild der Ausgabe 2/2016 von Meldungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meldungen
Titelbild der Ausgabe 2/2016 von Extra Diäten Fit bleiben: Was Diäten bringen: Alles sattsam bekannt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Extra Diäten Fit bleiben: Was Diäten bringen: Alles sattsam bekannt
Titelbild der Ausgabe 2/2016 von Extra Diäten Fit bleiben: Fasten: Essens-Pause. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Extra Diäten Fit bleiben: Fasten: Essens-Pause
Vorheriger Artikel
Extra Diäten Fit bleiben: TEST Diät-Shakes: Keinen Schu…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Extra Diäten Fit bleiben: Das Gewicht halten: Kein Rauf nach…
aus dieser Ausgabe

... das?

Energie zieht der Körper aus den drei Grundnährstoffen Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß. Über Fett und Eiweiß verfügt der menschliche Organismus in aller Regel zur Genüge, um langen Ausdauermärschen standzuhalten. Was Ausdauersportler aber nach etwa einer Stunde langsam brauchen, ist ein Nachschub an Kohlenhydraten. Da sind die kleinen Energie riegel natürlich praktisch, denn genau die liefern sie in konzentrierter Form. Allerdings muss klar sein: Hier geht es ausschließlich um Ausdauersportler. Wer lediglich zwei-, dreimal in der Woche eine Stunde lang joggt, der ist in der Regel nicht auf die Zufuhr von Kohlenhydraten während des Sports angewiesen. Da reicht es, vor dem Training die Kohlenhydratspeicher des Körpers zu füllen – und dafür sind Bananen oder ein Vollkornbrot völlig ausreichend. Doch wie sollte so ein Riegel im Idealfall zusammengesetzt sein? Worauf müssen Sportler beim Blick auf die Verpackung achten?


Zu viel Fett kann die Leistungsfähigkeit von Sportlern beeinträchtigen


Kohlenhydrate! Je mehr, desto besser: 75 Energieprozent sollten laut Empfehlung des European Committee on Food deswegen aus Kohlenhydraten bestehen. Aber es ist natürlich nicht nur der prozentuale Anteil wichtig, sondern auch die Frage: Wie viel Gramm Kohlenhydrate liefert ein Riegel? Empfohlen werden, etwa vom American College of Sports Medicine (ACSM), 30 bis 60 Gramm pro Stunde. Ein Riegel sollte also mindestens 30 Gramm liefern – schließlich hat man beim Sport Besseres zu tun, als alle paar Minuten in die Tasche zu greifen und einen neuen Riegel aufzureißen.
Zucker! Die Mischung macht’s: Das „Kraftfutter“, das Ausdauersportler brauchen, besteht in erster Linie aus komplexen Kohlenhydraten, die in stärke reichen Lebensmitteln stecken. Sie liefern langfristig Energie, weil sie im Körper nach und nach zu Traubenzucker verarbeitet werden und der Blutzuckerspiegel so nur langsam ansteigt. Schnelle Kohlenhydrate, also Zucker, liefern schnelle Energie – für den Sofortkick quasi. Zu viel zu schnell ist allerdings wie so oft nicht gut: Der Körper schüttet Insulin aus, um den Blutzucker abzubauen. Das hemmt die Fettverbrennung und sorgt dafür, dass die Kohlenhydratreserven des Körpers zu schnell abgebaut werden. In der Nährwerttabelle sollte der Anteil des Zuckers an Kohlenhydraten also nicht über 50 Prozent liegen.
Fett! Je weniger, desto besser: Der Körper verfügt von Natur aus über ein nahezu unbegrenztes Energiedepot an Fett. Daher rät Sportmediziner Dr. Christoph Raschka: „Die Riegel sollten möglichst wenig Fett enthalten – ideal wäre ein Anteil von 10 bis 15 Prozent.“ Fett hemmt die Glykogenspeicherung (also die der Kohlenhydrate) in den Muskeln, deswegen kann ein Zuviel an Fett die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.
Eiweiß! Unnötig: Auch Sportler decken ihren Proteinbedarf mehr als ausreichend über die normale Ernährung. Die meisten Menschen nehmen sogar deutlich mehr Eiweiß mit ihrer Nahrung auf, als sie benötigen. Spezielle Proteinpräparate sind daher unnötig, ein hoher Eiweißanteil verbessert die Riegel in keinem Fall. Gleiches gilt für unnötige Vitamin- und Mineralstoffzusätze; die braucht kein Mensch.

ÖKO-TEST hat 19 Energieriegel unter die Lupe genommen, die Nährstoffzusammensetzung geprüft und gewohnt umfangreich auf Schadstoffe untersuchen lassen.

Energie auf Rädern: Dieser Sportler will sich offenbar das lästige Aufreißen während der Tour sparen.


Foto: imago/GEPA pictures

Das Testergebnis
Ganz schön unsportlich: Ein einziger von 19 Energieriegeln im Test schneidet mit „gut“ ab, sieben hingegen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Im „guten“ Multipower Fruit Power, Fruchtriegel stecken keinerlei unerwünschte Inhaltsstoffe, und die Nährwertzusammensetzung ist vorbildlich – bis auf einen leicht zu hohen Zuckergehalt. Auf der anderen Seite der Tabelle teilen sich vier Riegel mit einem glatten „ungenügend“ den letzten Platz: Gleich zwei verschiedene, gentechnisch veränderte Sojasorten, Pestizide, Aromen, unnötige Zusätze und/oder unsinnige Nährstoffzusammensetzungen sind die Gründe dafür, dass Champ Active Oat Bar, Latte Macchiato, Dextro Energy Sport-Snack, Chocolate, der Taxofit Sport Natural Energy Riegel und der Ultra Bar Kohlenhydrat-Molken-Riegel durchrasseln. Pech gehabt hat Taxofit: Die Nährstoffzusammensetzung des Taxofit Sport Natural Energy Riegels ist vorbildlich und schneidet als einzige im Test mit einem „sehr gut“ ab. Allerdings ziehen die Rückstände von Pestiziden, unnötige Zusätze und Deklarationsmängel das Gesamturteil trotzdem auf ein „ungenügend“.
Energielose Energieriegel: Der Ultra Bar Kohlenhydrat-Molken-Riegel, Apricot trägt deutlich mehr Kohlenhydrate im Namen als im Riegel – er bringt es gerade einmal auf 16,1 Gramm. Davon müssen Sportler also gleich zwei essen, um auf die gewünschte stündliche Zufuhr zu kommen. Ähnlich schlecht ist die Nährstoffzusammensetzung im Champ Active Oat Bar, Latte Macchiato: Gerade einmal gut die Hälfte der Energie stammt hier aus Kohlenhydraten – das ist zu wenig. In 14 der getesteten Riegel liegt der Anteil von Energie aus Kohlenhydraten unter 75 Prozent, in zweien davon sogar deutlich unter 60.
Fett statt fit: Noch bedenklicher ist im Champ Active Oat Bar, Latte Macchiato allerdings der Fettanteil. Satte 41 Prozent der Kalorien stammen aus Fett, damit ist der Riegel des Herstellers Champ Sport die unangefochten größte Fettbombe im Test. Selbst ein Marsriegel hat weniger Fett und vergleichbar viele Kalorien. Insgesamt liefert der Fettanteil in 14 Riegeln über 15 Prozent der Energie.
Hoch verarbeitet: Die Zutatenlisten auf den kleinen Riegeln sind teils so lang, dass die Hersteller nur mit Müh und Not und einer winzigen Schrift alles unterbekommen. Wirklich natürlich ist da oft nur noch wenig, auch wenn viele mit „der Kraft aus der Natur“ werben. In 17 Riegeln stecken Aromen, die den Geschmack standardisieren sollen. Völlig unnötige Vitaminund/ oder Mineralstoffzusätze werten wir in weiteren elf Riegeln ab. Den Gipfel an Unsinnigkeit erreicht hier der Clif Bar Chocolate Chip, Energy Bar mit dem Zusatz von: Calcium, Magnesium und den neun (!) Vitaminen C, E, A, B3, B2, B1, B6, D2 und B12. Rossmann wirbt auf seinem Well-Mix Sport Fitness Riegel mit dem Zusatz von L-Carnitin; dieses Pseudovitamin hat keinerlei nachgewiesenen Nutzen für Sportler, auch wenn sich hartnäckig das Gerücht hält, es sorge für Leistungssteigerung und sei ein Fettverbrenner.

Pestizide in der Sporttasche: Spuren von Pflanzengiftstoffen stecken in vielen Energieriegeln. Trauriger Spitzenreiter hier: der Taxofit Sport Natural Energy Riegel. „Natural“ ist der leider nicht: Spuren von insgesamt zehn verschiedenen Pestiziden fand das von uns beauftragte Labor darin. Wenn dann auch noch Aromen auf der Zutatenliste stehen, muss man sich schon fragen, was genau der Anbieter da unter der „natürlichen Energie“ versteht, die er verspricht.
Gen-Technik mal zwei: In vier Riegeln war Soja einer der Hauptbestandteile, in dreien davon fand das von uns beauftragte Labor Spuren von gentechnisch veränderten Organismen, sogar von zwei verschiedenen Gen-Sojasorten. Die Höhe spricht nicht für einen gezielten Einsatz von Gen-Technik, zeigt aber wieder einmal, dass Kontaminationen mit Gen-Technik inzwischen fast unvermeidbar sind, wenn ein Hersteller auf Soja setzt.
Recht viel Chlorat hat das von uns beauftragte Labor im Dextro Energy Sport Snack, Chocolate festgestellt. Allein ein Riegel reicht aus, um mehr als die Hälfte der von der Euro päischen Lebensmittelbehörde (EFSA) neu festgelegten täglichen tolerierbaren Aufnahmemenge (TDI) an Chlorat zu sich zu nehmen. Ein zweiter Riegel – und die Menge ist überschritten. Im menschlichen Organismus kann der Stoff die roten Blutkörperchen schädigen und die Jodaufnahme in die Schilddrüse hemmen.
Den Mund zu voll genommen: Vollmundige Werbeversprechen sind wir ja gewöhnt. Aber sie sollten zumindest nicht jeglicher Grundlage entbehren. Und wer mit den großen Worten „Aus dem Kraftwerk der Natur“ wirbt (Energy Oatsnack Banane-Schoko), der kann eben nicht gleich mehrere Aromen, Farbstoffe und Emulgatoren verwenden. Noch dreister: Taxofit verspricht auf der Verpackung „natural energy ohne künstliche Aromen“ – führt aber Aromen in der (recht langen) Zutatenliste. Das ist Irreführung. Ein ähnlicher Fall falscher Versprechen: Die Abbildung einer Zitrone auf Das Gesunde Plus Sportness Energie, Zitrone-Buttermilch-Geschmack. Aber sollte dann nicht auch drin sein, was draufsteht? Fehlanzeige – von Zitrone ist in diesem Riegel keine Spur zu finden.

Best for athletes? Wohl eher: Best for Dr. Feil! Der Anbieter des Ultra Bar Kohlenhydrat-Molken-Riegel, Apricot geht in Sachen vollmundiger Auslobung noch etwas weiter. „Best for athletes by Dr. Feil“ steht auf dem von uns mit „ungenügend“ bewerteten Produkt. Aber wer ist Dr. Feil? Und sind nicht gesundheitsbezogene Aussagen von einzelnen Ärzten laut Health-Claims-Verordnung der EU verboten? Die erste Frage lässt sich mit einem Blick auf die Website des Anbieters Ultra Sports erklären: Dr. Wolfgang Feil ist Angestellter des Unternehmens. Die zweite Frage beantwortet uns die Pressestelle der Europäischen Kommission so: Ja. „Artikel 12 (c) der Verordnung (EC) 1924/2006 verbietet Auslobungen, die sich auf Empfehlungen einzelner Ärzte oder Gesundheitsspezialisten wie Dr. Feil beziehen“, heißt es von dort. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUAS) sieht das anders – man erkenne keine gesundheitsbezogene Aussage, heißt es auf unsere Anfrage hin. Ob verboten oder nicht – die Auslobung spielt mit dem Schein einer unabhängigen, wissenschaftlichen Aussage. Dafür gibt es Punktabzug unter Weitere Mängel.

So reagierten die Hersteller
Dextro Energy teilt mit, man nehme die Chloratfunde „sehr ernst“. „So wurden die gesamten Reinigungs- und Desinfektionsmittel überprüft sowie alle Rohstoffe analysiert. Die Chlorat-Kontamination konnte eindeutig auf den Rohstoff Sojaprotein-Crispies zurückgeführt werden“, heißt es. Diese Crispies dürften auch Grund für die Funde von zwei verschiedenen, gentechnisch veränderten Sojasorten sein.
Power Bar stellt fest, dass das Sternchen hinter „made with natural ingredients“ zu beachten sei. In der Tat, da ist ein Sternchen – und es verweist auf den Hinweis, dass lediglich die mit diesem Sternchen gekennzeichneten Zutaten natürlich seien. Aber wird hier nicht absichtlich ein falscher Eindruck erweckt? Und wo ist das Sternchen hinter dem Namensbestandteil des Riegels „Natural Energy“?
Ultra Sports teilt mit, dass bereits erste Tests laufen würden, den Ultra Bar Kohlenhydrat-Molken-Riegel, Apricot ohne Soja zu produzieren, weil das Unternehmen alle Produkte gentechnikfrei produzieren wolle.

Mehr zum Thema

Wenn Sie sich für Sporternährung interessieren, können Sie im Internet aufwww.oekotest.de auch folgende Tests abrufen: Isotonische Getränke (ÖKO-TEST 08/2015) und Eiweißpulver für Sportler (ÖKO-TEST 06/2015).

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wer Ausdauersport betreibt, braucht Energie – und die bekommt er vor allem durch die Zufuhr von Kohlenhydraten. Kleine Energieriegel sind praktisch und stecken deswegen in den Sporttaschen vieler Läufer und Radler. In unserem Einkaufskorb landeten also 19 Riegel mit einem hohen Anteil an Kohlenhydraten. Da „Eiweißriegel“ im Allgemeinen und für Ausdauersport im Speziellen unsinnig sind, haben wir sie gar nicht erst eingekauft.

Die Inhaltsstoffe
Die Untersuchungen waren so breit gefächert wie die Zusammensetzung der Energieriegel: Gehörte Reis zu den Hauptbestandteilen, haben wir auf Arsen untersuchen lassen; war es Soja, überprüfte ein von uns beauftragtes Labor, ob sich gentechnisch veränderte Organismen in dem Riegel finden. Auf Pestizide und Keimbelastung haben wir alle Produkte gecheckt. Außerdem ließen wir prüfen, ob unerwünschte Zusätze wie Aromen, kritische Farbstoffe oder Vitamine in den Produkten stecken.

Die Nährwerte
Wer einen Marathon läuft, ist darauf angewiesen, dass der Riegel in seiner Tasche auch die Energie liefert, die er verspricht. Deswegen haben wir überprüft: Stimmt das Verhältnis von Energie aus Kohlenhydraten und Energie aus Fett? Zu viel Fett kann die Glykogenspeicherung in den Muskeln beeinträchtigen. Liefert der Riegel genügend Kohlenhydrate, um eine Stunde vorzuhalten? Und wie steht es um den Zucker: Macht er nicht mehr als die Hälfte der Kohlenhydrate aus?

Auf die Kohlenhydrate kommt es an: Die speichert der Körper in den Muskeln. Ein Zuviel an Fett hemmt diese Speicherung.


Foto: vlad.georgescu/Shutterstock

Die Bewertung
Unerwünschte Schadstoffe und Zusätze will ein Sportler im Moment des Trainings genauso wenig zu sich nehmen wie einen Riegel, der nicht die Energie liefert, die er braucht. Deswegen kann ein Riegel nur so gut abschneiden wie das schlechtere der Test ergebnisse Inhaltsstoffe oder Nährstoffe. Ins Gewicht fallen allerdings auch viele „Weitere Mängel“: vollmundige Auslobungen, etwa über vermeintliche Natürlichkeit, oder eine recht freie Interpretation der Zutaten – Apfelsaftkonzentrat ist nun wirklich keine „real fruit“.

ÖKO-TEST rät

Nur Ausdauersportler brauchen gegebenenfalls einen Energieriegel. Wer höchstens eine Stunde lang Sport treibt, sollte sich klarmachen, dass er mit einem einzigen Riegel bis zu 257 Kalorien aufnimmt. Da ist der (Abnehm-)Effekt des Sports schnell dahin.

Im Testergebnis Nährstoffe hat am besten das Taxofit-Produkt abgeschnitten, allerdings bekommt es im Testergebnis Inhaltsstoffe nur ein „ungenügend“. Eine Alternative sind die drei Riegel mit einem „guten“ Testergebnis Nährstoffe.

Fettarme Riegel sind für jede Sportart geeigneter als fettreiche – mit einer Ausnahme. Wer in Eiseskälte Berge erklimmen will oder Skilanglauf betreibt, muss eine fettreichere Variante wählen, weil die Riegel in der Kälte steinhart werden.

Kompakt

Banane, Müsliriegel und Milchschnitte als Alternativen?

■ Höchstens 15 Prozent Fett, mindestens 75 Prozent Kohlenhydrate – so sollte ein Energieriegel im Idealfall zusammengesetzt sein. Wie nah kommen Alternativen an diese Zusammensetzung heran? ÖKO-TEST hat sich dazu eine Banane, einen Müsliriegel und eine Milchschnitte einmal genauer angeschaut.
■ Die Banane ist der ideale Energieriegel: Rund 90 Prozent der Energie stammen aus Kohlenhydraten und gerade einmal zwei Prozent aus Fett. Besser geht es im Grunde nicht. Einen Nachteil hat der „Energieriegel“ allerdings: Eine große Banane mit 100 Gramm essbarem Anteil liefert absolut gesehen 20 Gramm Kohlenhydrate; eine in der Stunde reicht also nicht. Der Sportler muss dann mehrere einpacken, was wiederum unpraktisch ist. Ein Plus ist dagegen der Kaloriengehalt: In 100 Gramm stecken gerade einmal 88 kcal.
■ Auch ein Müsliriegel liefert oft zu viel Fett: Als Beispiel haben wir den Corny Classic Nussig ausgewählt. Der Energieanteil aus Fett liegt bei 32,6 Prozent – das ist zu viel für einen Sportler, allerdings immer noch weniger als der Spitzenwert in unserem Test Energieriegel. Auch Kohlenhydrate liefert der Müsliriegel mit 59,1 Prozent zu wenig. Immerhin: Der Zuckeranteil an den Kohlenhydraten liegt unter 50 Prozent. Eine wirkliche Alternative zu einem guten Energieriegel ist der Müsliriegel nicht.
■ Die Milchschnitte ist wenig überraschend die schlechteste und damit keine Alternative: Fast 60 Prozent der Energie stammen aus Fett, lediglich 32 Prozent aus Kohlenhydraten. Und auch die Zusammensetzung der Kohlenhydrate ist beachtlich schlecht: Fast 90 Prozent bestehen aus Zucker.

Experte

Erst ab 90 Minuten Sport sinnvoll

Foto: Privat

„Ab einer Beanspruchung von über 90 Minuten wirkt sich die Aufnahme von Kohlenhydraten positiv auf die Leistung aus. Vorausgesetzt die Glykogenspeicher sind gefüllt, wäre bei einer Belastung, die kürzer ausfällt, eine zusätzliche Kohlenhydratzufuhr nicht zwingend erforderlich. Für den Wettkampf und intensive Belastungen lautet die Empfehlung: ab einer Stunde etwa 30 bis 60 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde aufnehmen.“

Privatdozent Dr. Christoph Raschka , Sportwissenschaftler an der Universität Würzburg, Autor und Vizepräsident des Sportärzteverbands Hessen