Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

EXTRA GRILLEN TEST GRILLKOHLE: Auf glühenden Kohlen


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 28.05.2020

Grillkohle besteht in der Regel aus Holz. So weit, so klar. Aber aus welchem genau? Wir haben getestet, ob Tropenholz darunter ist. Und auch, wie gut es sich mit den Kohlen und Briketts grillen lässt. Ergebnis: Rund die Hälfte der Produkte können wir empfehlen.


Artikelbild für den Artikel "EXTRA GRILLEN TEST GRILLKOHLE: Auf glühenden Kohlen" aus der Ausgabe 6/2020 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 6/2020

RATGEBER

1

11 von 20 Produkten können wir empfehlen. Sie stammen aus vertrauenswürdigen Quellen und sorgen für ein gutes bis akzeptables Grillergebnis.

2

Wir raten zu Holzkohle und Briketts mit einem Zertifikat für nachhaltige Forstwirtschaft. Dazu zählen Naturland und FSC.

3

Von Briketts auf Basis von Braun- oder Steinkohle raten wir ab. Fossile ...

Weiterlesen
Artikel 2,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2020 von GUT DURCH DEN ALLTAG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GUT DURCH DEN ALLTAG
Titelbild der Ausgabe 6/2020 von ÖKO-TEST WIRKT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ÖKO-TEST WIRKT
Titelbild der Ausgabe 6/2020 von GEMEINSAM BESSER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GEMEINSAM BESSER
Titelbild der Ausgabe 6/2020 von Leitungswasser gegen Mineralwasser: Das Wasserduell. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leitungswasser gegen Mineralwasser: Das Wasserduell
Titelbild der Ausgabe 6/2020 von Menschenrecht Wasser: Alles nichts ohne Wasser. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Menschenrecht Wasser: Alles nichts ohne Wasser
Titelbild der Ausgabe 6/2020 von TEST MINERALWASSER: Unsere Besten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST MINERALWASSER: Unsere Besten
Vorheriger Artikel
EXTRA Grillen TROPENWALDZERSTÖRUNG: Klimakiller Kohle
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel EXTRA GRILLEN TEST KINDERGESCHIRR AUS MELAMIN: Mit Vorsicht zu ge…
aus dieser Ausgabe

... Brennstoffe haben unter dem Grillrost nichts verloren.

Was brennt denn da? Wer genauer hinschaut oder mit den Fingern pult, kann unter dem schwarzen Ruß der Grillkohle noch Strukturen des Ausgangsmaterials erkennen: Holz. Bei den stärker verarbeiteten Briketts ist das weniger der Fall. Doch in der bröseligeren Holzkohle können sogar mal ganze Stückchen samt Astansätzen darunter sein. Um welche Holzart es sich genau handelt, kann man mit bloßem Auge allerdings kaum erkennen. Dafür benötigt man schon ein spezielles hochauflösendes 3-D-Mikroskop.

Ein solches steht im Hamburger Thünen-Institut für Holzforschung. Die dortigen Experten haben für ÖKO-TEST untersucht, was die Läden in der jetzigen Grillsaison anbieten. Wir haben 20 Produkte, je zehn Sorten Kohlen und Briketts, eingekauft und ins Labor geschickt.

An Strukturmerkmalen wie Poren und Fasern erkennen die Wissenschaftler, um welche Baumart es sich handelt. Im Abgleich mit Datenbanken können sie bestimmen, ob beispielsweise Buche oder Eiche unterm Mikroskop liegt. Sie können sogar die Herkunft näher eingrenzen: So ist in tropischen Klimazonen die Bildung von Jahresringen weniger ausgeprägt, da es dort kaum Jahreszeitenwechsel gibt.

Für den Verbraucher ist es angesichts von Berichten über Raubbau in Tropenwäldern und anderen Regionen der Erde ärgerlich, dass die Anbieter und Hersteller nicht dazu verpflichtet sind, Angaben zur Holzart und Herkunft zu machen. Auf lediglich rund der Hälfte der Verpackungen fand ÖKO-TEST denn auch dementsprechende Deklarationen. Bei den restlichen haben wir die Informationen erfragen müssen.

Tropenholz drin, aber nicht deklariert

In drei Fällen stellte das Thünen-Institut gröbere Abweichungen zu den Angaben der Hersteller fest. Besonders gravierend im Fall der Max Premium Holzkohle Grill & Barbecue: Hier nannte uns der Anbieter auf Anfrage europäische Hölzer wie Hainbuche und Eiche sowie als Herkunft die Ukraine. Auch die auf der Verpackung aufgedruckte FSC-Zertifikatnummer lässt lediglich europäische Hölzer zu. Das Thünen-Institut wies jedoch Hölzer aus tropischem oder subtropischem Klima der Pflanzenfamilie Fabaceae (Hülsenfrüchtler) nach. Dazu zählen zum Beispiel die Akazie oder der in Afrika beheimatete Mopane. Nach ÖKOTEST- Ansicht sind das irreführende Angaben, für die wir Notenabzug vergeben.


„Eine Deklarationspflicht über die Art und Herkunft der Hölzer ist dringend nötig. Selbst per FSC-Zertifikatnummer erhält der Verbraucher nur vage Informationen.“


Frank Schuster ÖKO-Test-Redakteur


Eine weitere Abweichung entdeckte das Institut bei der Favorit Buche Premium-Grill Holzkohle. Sowohl der Produktname als auch die Deklaration legen nahe, das sie aus Buche besteht. Die Laborexperten analysierten jedoch keine Buche. Gerade Buche gilt unter Grillmeistern als besonders hochwertig.

Bei den vier anderen Produkten im Test mit Hölzern aus der Familie der tropischen und subtropischen Fabaceae machten die Anbieter korrekte Angaben. Bis auf die Flammenco Grill-Holzkohle tragen sie alle ein Siegel des Forest Stewardship Councils (FSC) für nachhaltige Forstwirtschaft. In keinem Fall hat das beauftragte Labor Hölzer festgestellt, die durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geschützt sind.

Die Verwendung von tropischen oder subtropischen Hölzern wertet ÖKO-TEST nicht ab, wenn uns Nachweise über einen nachhaltige Gewinnung vorliegen. In Namibia etwa, woher das Material in vier Produkten stammt, werden Resthölzer aus Forstprogrammen zum Stopp der Verbuschung von Weideland verwendet. Eingeschleppte Arten, darunter Fabaceae, breiten sich dort massenhaft aus.

Braunkohle hat im Grill nichts verloren

Zwei Produkte im Test, Der Dauerbrenner High Energy Grillbriketts und Grillprofi Grillbrikett, haben als Ausgangsmaterial überhaupt kein Holz, sondern Braunkohle. Das wertet ÖKO-TEST ab, da der Rückgriff auf fossile Brennstoffe unseres Erachtens nicht nachhaltig ist. Es gibt genügend Alternativen aus nachwachsenden Rohstoffen.

Blick durch das Mikroskop: Anhand von Strukturen wie Poren und Fasern erkennen Experten, um welche Holzart es sich handelt. Auf dem Bild unten ist Eiche zu sehen. Im Gegensatz zu den oben abgebildeten tropischen oder subtropischen Fabaceae (Hülsenfrüchtler, darunter Akazien) sind Zuwachszonen (Jahresringe) zu erkennen.


ÖKO-TEST wollte nicht nur wissen, welches Ausgangsmaterial verwendet wurde, sondern auch wie gut es sich mit Kohlen und Briketts grillen lässt. Dazu haben wir zum einen die Zusammensetzung bestimmen lassen und zum anderen einen aufwendigen Praxistest in Auftrag gegeben. Kohle brennt umso besser, je höher der Gehalt an festem Brennstoff - Experten sprechen von fixem Kohlenstoff - ist. Diesen ließen wir bestimmen. Ebenso den Gehalt an Asche, die bereits beim Verkohlungsprozess entsteht. Da sie nicht brennt, sollte ihr Anteil möglichst gering sein. In fünf Produkten wies das beauftragte Labor einen Kohlenstoffgehalt nach, der unter der Norm für Grillholzkohle und Grillholzkohlebriketts DIN EN 1860-2 liegt.

Bei den Briketts ziehen wir zweimal Noten ab, da das Labor eine zu große Menge an Verunreinigungen fand. In den K-Classic Let’s BBQ Holzkohle-Briketts und in den Schmitz Grillbrikkis Barbecue analysierte es einen nach der DIN-Norm zu hohen Gehalt an unzulässigen Zusätzen aus fossilen Kohlearten und anorganischen Einschlüssen, darunter Quarz. Zwei der Holzkohlen wiederum, die Favorit Buche Premium-Grill Holzkohle und die Max Premium Holzkohle Grill & Barbecue, enthielten zu viele kleine Holzkohlestückchen unter einem Zentimeter Größe. Auf Brösel und Steinchen kann der Grillmeister gern verzichten.

Vorglühen lange, Temperaturen niedrig

Im Praxistest erreichten die Produkte insgesamt nur mäßige Ergebnisse. Auffälligkeit Nummer eins: Auch Grillholzkohle kann eine sehr lange Vorglühzeit haben - mehr als 50 Minuten trotz Anzündkamin. Darin unterscheidet sie sich kaum von den kompakteren Briketts. Grillbereit ist Kohle, wenn sie von einer feinen Ascheschicht überzogen ist und gleichmäßig glüht. Das sollte mit einem Anzündkamin im besten Fall in weniger als 20 Minuten so sein. Das erreichen jedoch lediglich zwei der Holzkohlen: die Kingstone Premium Charcoal und die Favorit Buche Premium-Grill Holzkohle. Auffälligkeit Nummer zwei: Nicht alle Briketts erreichten zufriedenstellend hohe Temperaturwerte und eine konstante Temperaturentwicklung nach Ende der Vorglühzeit. Wer schnell, gut und lange grillen will, findet in unserem Test aber Produkte mit guter Leistung.

Glühen und Messen Grillkohle im Praxistest

Wichtig für die Praxis: Sind die Stücke schön groß, oder ist viel Kleinzeug in der Tüte (oben links)? Wie lange dauert das Vorglühen im Anzündkamin (oben rechts). Und wie hoch sind die Temperaturen auf dem Rost (unten rechts)? Gemessen haben die Experten gleich nach dem Einfüllen sowie nach 15, 30 und 60 Minuten.

So haben wir getestet

Grillexperten nehmen die körnigere Holzkohle gern zum Anfeuern und dickere Briketts für ein langes Glühen. Wir haben von beiden Varianten je zehn Produkte eingekauft. Fachleute eines spezialisierten Prüfinstituts testeten unter anderem das Brennverhalten inklusive Funkenflug und Rauchentwicklung sowie die Dauer der Vorglühzeit und die Temperaturentwicklung in der Grillphase.

Ein weiteres Speziallabor begutachtete die Zusammensetzung und Qualität in Anlehnung an die Norm für Grillholzkohle und Grillholzkohlebriketts DIN EN 1860-2. Es ermittelte den Gehalt an fixem Kohlenstoff - dem festen Brennstoff in der Kohle - und an Asche. Je mehr Kohlenstoff und je weniger Asche enthalten sind, desto besser brennt die Kohle. Zudem begutachtete das Labor die Größe der Stücke und bei Briketts den Grad der Verunreinigungen mit Fremdkörpern, zum Beispiel mit Steinkohle, Schlacke, Pech, Quarz oder Steinen.

Wichtig war ÖKO-TEST zudem, ob das verwendete Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Anbauflächen stammt. Die Anbieter sind nicht verpflichtet, Angaben über Art und Herkunft auf der Verpackung zu machen. Das Hamburger Thünen-Institut bestimmte für uns die verwendete Holzart. Unter dem Mikroskop können die Experten an kleinsten Merkmalen wie Poren, Fasern und Jahresringen erkennen, um welche Baumart es sich handelt und ob sie aus Regionen mit gemäßigtem oder tropischem und subtropischem Klima stammt. Wir glichen die Ergebnisse mit Auslobungen auf den Verpackungen sowie den Antworten und Belegen ab, die uns die Anbieter auf unsere Anfragen schickten.

Ausschlaggebend für das Gesamturteil ist, dass die Kohle eine gute Zusammensetzung und Qualität aufweist und dass sich mit ihr gut grillen lässt. Liegt für Holz aus tropischem oder subtropischem Klima kein Zertifikat vor, dass es aus nachhaltigen Quellen stammt, oder macht der Anbieter keine oder irreführende Angaben zur Holzart, gibt es Notenabzug.

GESUND GRILLEN

Kurz vor dem Grillen das Fett oder Öl abtupfen, sodass weniger davon in die Glut tropft. Denn dabei können polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) entstehen. Einige PAK sind krebsauslösend. Über den aufsteigenden Rauch gelangen sie ans Grillgut.

Fleisch und Co. nicht verkohlen lassen. Nur die ersten ein, zwei Minuten direkt über der Glut anbraten. Anschließend zur Seite schieben.

Mit Kugel- oder Vertikalgrills lässt sich indirekt grillen. Das heißt, die Kohle lagert seitlich, das Grillgut in der Mitte. So tropft das Fett nicht in die Glut. Die Hitze steigt von den Seiten über die Innenwände herauf und umströmt Steak und Saitan wie in einem Umluftherd.

Auch mit gewöhnlichen Grills lässt sich indirekt grillen: Glühende Kohle einfach mit der Zange an die Seiten schieben und aufschichten. Fett auffangen. Liegt die Kohle an den Seiten, bleibt in der Mitte genügend Platz für eine Abtropfschale.

Liegt das Grillgut nicht auf dem Rost, sondern in einer feuerfesten Schale, fängt diese tropfendes Fett oder Öl auf. Weiterer Vorteil: Man kann sie - im Gegensatz zum Rost - gut abspülen und reinigen.

RICHTIG GRILLEN

Als Anzünder kein Benzin oder Spiritus benutzen. Sie sind gefährlich! Auch keine anderen chemischen Substanzen. Natürliche Anzünder, etwa aus Holz, gibt es auch FSC-zertifiziert.

Sicher und bequem geht das Vorglühen mit einem Anzündkamin. Den Blechbehälter mit Belüftungsöffnungen mit Kohle füllen. Unter der Auflage anzünden - fertig. Die Kaminwirkung sorgt dafür, dass die Kohlen schnell anglühen.

Den Grillboden gleichmäßig mit Kohle oder Briketts belegen.

Mit dem Grillen erst beginnen, wenn die Kohle oder die Briketts mit einer weißen Ascheschicht überzogen sind.

Niemals in geschlossenen Räumen grillen. Kinder im sicheren Abstand zum Grill halten.


Foto: imago/Photocase Illustration: noun project

Fotos: Anja Waegele; Thünen-Institut; OlgaChernyak/Shutterstock

Fotos: Labor