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EXTRA Kosmetik TEST FESTE SHAMPOOS UND HAARSEIFEN: Stück für Stück


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2020 vom 27.08.2020

Feste Shampoos und Haarseifen brauchen keine Plastikverpackung und liegen im Trend. Aber sind sie auch gut fürs Haar? Wir haben die stückigen Produkte erstmals getestet. Und nahezu alle für top befunden.


Artikelbild für den Artikel "EXTRA Kosmetik TEST FESTE SHAMPOOS UND HAARSEIFEN: Stück für Stück" aus der Ausgabe 9/2020 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 9/2020

RATGEBER

1

Für mehr Schaum die Haarwaschstücke direkt über das feuchte Haar reiben und danach mit den Händen shampoonieren.

2

Feste Haarwaschmittel sind ergiebig: Ein Stück kann - je nach Größe - für ebenso viele Haarwäschen reichen wie zwei Flaschen Shampoo.

3

Seifen und feste Shampoos immer trocken lagern - in einer Schale mit Löchern oder in einem aufgehängten Netz.

Sie sind Minimalisten durch und durch: Den ...

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... neuen Haarwaschmitteln ohne Wasser sieht man auf den ersten Blick an, dass sie sich an eine neue Generation von Verbraucherinnen und Verbrauchern wenden. Denn auf den dekorativen Schachteln steht vor allem, was nicht drin ist. Ohne Silikon, ohne Parabene, ohne tierische Bestandteile, so heißt es da häufig. Ohne Konservierungsstoffe und Plastikflasche kommen sie sowieso durchweg aus - denn wo kein Wasser ist, da muss wenig haltbar gemacht und nichts abgefüllt werden. Also alles bestens mit den neuartigen Waschstücken? Um das zu erfahren, haben wir 26 Produkte auf ihre Inhaltsstoffe getestet: Neun mal Haarseife und 17 mal festes Shampoo. Der Unterschied: Haarseifen enthalten in der Regel hauptsächlich klassische Seife als waschaktive Substanz und haben einen basischen pH-Wert. Feste Shampoos waschen mit naturnahen oder synthetischen Tensiden und ihr pH-Wert ist meist sauer eingestellt (siehe auch Seite 58 und Kasten Seite 62).

Ergebnis: ohne Tadel

Von 26 Waschstücken erhielten 24 die Note „sehr gut“ - bei diesem tadellosen Ergebnis können wir das „ohne“ in den Zutatenlisten dick unterstreichen. Auch wenn zehn Produkte gar kein Naturkosmetik-Siegel tragen, verzichten selbst sie auf die meisten Substanzen, die wir in konventionellen Shampoos so häufig kritisieren: In keinem einzigen Waschstück fanden sich Silikone, ebenso wenig wie synthetische Poly- mere, Parabene oder PEG/PEG-Derivate. Das ist nicht selbstverständlich - denn theoretisch könnten auch im festen Stück Haarwaschmittel alle möglichen umstrittenen Zusätze stecken, die häufig in den flüssigen Varianten zu finden sind. Aber offenbar sprechen die Hersteller der Trendprodukte eine ganz bestimmte Klientel an, bei der das Bewusstsein für Zero Waste mit dem Wunsch nach einer nachhaltigen und reizstoffarmen Zutatenliste einhergeht.

Umstrittene Duftstoffe

Lediglich in puncto Parfümierung tauchten ein paar der üblichen Verdächtigen auf und wir ziehen bei zwei Produkten Noten ab: Das feste Shampoo der Marke Lush enthält den künstlichen Duftstoff Lilial. Dabei ist inzwischen hinreichend bekannt, dass dieser Stoff im Verdacht steht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu gefährden. Tierversuche weisen darauf hin. Bitter - denn das Shampoo des britischen Kosmetiklabels mit eigenen Shops rund um den Globus ist das teuerste Produkt im Test. Mit gleich zwei künstlichen Moschusdüften ist die Sementes Natur-Haarseife mit Pracaxi Öl parfümiert: Galaxolid und das hautreizende Tonalide reichern sich beide im Fettgewebe von Tier und Mensch an, gelten als gewässergefährdend und sind schlecht biologisch abbaubar.

Der Freiburger Regenwaldladen, der die Sementes-Serie produzieren lässt und vertreibt, schreibt uns, man habe schon vor drei Jahren mit dem brasilianischen Partner vereinbart, die ursprünglichen synthetischen Duftstoffe gegen natürliche Varianten auszutauschen. Doch die nun eingesetzten künstlichen Moschusdüfte stammen definitiv nicht aus den natürlichen Rohstoffen, die das Unternehmen über seine eigentlich lobenswerten Fairtrade- Projekte im brasilianischen Regenwald einsammeln lässt.

Gut gemeint reicht nicht

Das Beispiel ist bezeichnend für die neue Produktgruppe der festen Haarwaschmittel: Denn hier tummeln sich auch einige kleine Firmen, die es an Kontrollen anscheinend fehlen lassen oder ihre Produk te ungenau und nicht ganz professionell deklarieren. Im Produkt des Regenwaldladens stecken unerwünschte künstliche Duftstoffe, zudem fehlt eine vorgeschriebene Chargennummer. Die Anbieter Rosenrot, Lush und Saling versäumen es, allergene Duftstoffe wie Geraniol zu deklarieren, was gesetzlich verpflichtend wäre. Für diese Deklarationsmängel vergeben wir unter dem Testergebnis Weitere Mängel ein kleines Minus.


„Sehr gute Haarwaschstücke gibt es mit und ohne Naturkosmetikzertifizierung"


Heike Baier ÖKO-TEST-Redakteurin


Ist das jetzt Naturkosmetik?

Gerade jene Waschstücke, die nicht als Naturkosmetik zertifiziert sind, nutzen ihre Verpackung häufig umso offensiver, um den Kunden mitzuteilen, auf welche Problemstoffe sie verzichten oder ob sie zum Beispiel Bio-Rohstoffe einsetzen. Umgekehrt praktizieren viele der Naturkosmetik-Produkte echtes Understatement: Außer ihrem winzig gedruckten Siegel gibt es keinerlei Hinweis, dass auch bei ihnen weder Silikone noch Parabene noch Mikroplastik drin sind. Klar: Eine Naturkosmetikzertifizierung garantiert das. Aber: auch nicht zertifizierte Produkte können in Ordnung sein. Manche kleinen Hersteller können sich eine Zertifizierung womöglich nicht leisten und verwenden dennoch gute Inhaltsstoffe. Gerade unter den Haarseifen sind einige, die hauptsächlich natürliche Öle einsetzen, manche sogar in Bio-Qualität.

Eine Frage der Tenside

Tenside in zertifizierter Naturkosmetik sind nicht unumstritten, denn sie kommen nicht natürlich vor, sondern werden durch chemische Prozesse hergestellt - wenn auch im Falle der Naturkosmetik aus natürlichen Rohstoffen. In festen Shampoos stecken bis zu 80 Prozent Tenside. Als sehr hautverträgliche Varianten gelten Kokosund Zuckertenside wie Sodium Cocoyl Glutamate oder Coco Glucoside, die allerdings kostspielig sind und nicht besonders gut schäumen. Am anderen Ende des Spektrums befindet sich Natriumlaurylsulfat (Bezeichnung auf der Zutaten-Liste: Sodium Lauryl Sulfate). Es steht als aggressives, hautreizendes Tensid in der Kritik, ist jedoch günstig und schäumt sehr gut. In unserem Test kommt Natriumlaurylsulfat lediglich in den Shampoos der Marken N.A.E. und Lush vor.

Aber: Auch hinter dem Tensid Sodium Coco-Sulfate, das in fast jedem zweiten der von uns getesteten Haarwaschmittel steckt und als deutlich milder gilt, kann sich bis zu 50 Prozent des aggressiven Natriumlaurylsulfats verbergen. Beide Tenside sind übrigens auch in zertifizierter Naturkosmetik erlaubt.

Wir haben getestet

Schöner Waschen

Plastikverzicht ist schön. Aber deshalb auch auf schönes Haar verzichten? Lieber nicht. Wir waren neugierig und wollten wissen, wie gut sich beides vereinbaren lässt. Zwölf Kolleginnen und ein Kollege haben über mehrere Wochen die Haarseifen und festen Shampoos unseres Tests ausprobiert. Nicht repräsentativ, deshalb flossen die Ergebnisse auch nicht in unsere Noten ein. Doch sie sollten mindestens drei Mal mit demselben Produkt waschen und ihre Erfahrungen notieren: Wie riecht es, wie ist die Handhabung, wie fühlt sich das Haar an? Was wir daraus gelernt haben: Menschen sind verschieden - vor allem beim Haarewaschen! Es gibt Produkte, da waren sich die Tester einig und lobten einhellig „den guten Schaum“ oder das schöne Haarvolumen. Doch mindestens ebenso häufig sind die Versuchskollegen völlig entgegengesetzter Meinung. Ihre Haare seien „glatt und gut kämmbar“ schreibt die eine Testerin, die andere findet ihre Haare nach der Wäsche mit dem gleichen Shampoo „hart und unbiegsam“. Was sich allerdings herauskristallisiert: Es gibt die ausgemachten Fans der festen Shampoos (häufiger) und die Anhänger von Haarseifen (seltener). Und bestimmte Klagen wiederholen sich: Das mühsame Aufschäumen mit manchen Produkten sowie sprödes, störrisches Haar. Und ein strähniges, „unsauberes“ Gefühl speziell nach dem Benutzen von Haarseife . Meistens, aber leider nicht immer, half dagegen eine saure Rinse.

Alles so schön bunt hier: Zero- Waste- Haarwaschmittel sind auf dem Vormarsch.


So haben wir getestet

Im Einkaufskorb landeten für unserem Test 17 feste Shampoos und 9 Haarseifen, vor allem aus Drogeriemärkten und Reformhäusern. Die Produkte sind überwiegend für „normales“ oder „jedes“ Haar ausgelobt. Preislich bewegen sich die Produkte zwischen rund drei und zwölf Euro für 60 Gramm.

Im Labor ließen wir die festen Shampoos und Haarseifen auf unerwünschte Substanzen untersuchen: halogenorganische Verbindungen etwa, allergene Duftstoffe oder polyzyklische Moschusverbindungen. Zudem prüften wir die Deklaration auf Mängel und weitere problematische Inhaltsstoffe.

Deklarationsmängel verschlechtern das Testergebnis Weitere Mängel. Dieses beeinflusst das Gesamturteil aber nur dann, wenn es schlechter als „gut“ ausfällt. Ein Notenabzug bei den Inhaltsstoffen wirkt sich hingegen immer auf das Gesamturteil aus.

TIPP: Sauer macht lustiger

Haarseifen enthalten klassische Seifen: Das sind Öle und Fette mit Laugen verkocht. Im Gegensatz zu festen Shampoos, die mit moderneren Tensiden waschen, sind Haarseifen alkalisch bzw. basisch. Seife kann sich mit Kalk verbinden, diese Rückstände können sich am Haar anlagern.

Eine „saure Rinse“ schafft Abhilfe. Sie verschiebt den pH-Wert wieder in den sauren Bereich, entfernt Rückstände und hilft dabei, das Haar wieder glatt zu machen. Für die Rinse einen Liter kaltes Wasser plus ein bis zwei Esslöffel Zitronensaft oder Apfelessig über das gewaschene Haar geben. Nicht nachspülen.

Schade nur, dass nicht alle Anbieter von Haarseifen in unserem Test auf diesen Trick hinweisen. Ein Hersteller lobt sein Produkt auf der Vorderseite sogar als Shampoo aus, dass Seife im Produkt steckt, erfährt man erst beim Blick ins Kleingedruckte.


Foto: Anna Rogalska/Shutterstock Illustration: noun project

Foto: thomas w.cheney Illustration: noun project

Fotos: Anja Wägele; Nina Rocco/ ÖKO-TEST; Photographer/getty images