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EXTRA: Papa, Mama - was würdet ihr machen?


plus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 03.03.2021

Rente, Altersvorsorge, Immobilien - vieles ist sehr kompliziert und unsicher geworden, vor allem für Jüngere. Doch was rät man den eigenen Kindern, wenn Sie einen nach Geldanlage und Zukunft fragen? Drei Experten (und Väter) geben Antwort.


Artikelbild für den Artikel "EXTRA: Papa, Mama - was würdet ihr machen?" aus der Ausgabe 4/2021 von plus Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: plus Magazin, Ausgabe 4/2021

Erst zuhören, welche Vorstellungen Kinder haben. Dann wenige, dafür wichtige Empfehlungen geben; aber die Kinder allein entscheiden lassen.

Papa, wie sollen wir Geld sparen?

10 Jahre dauert bereits die Null-Zins-Phase. Wer Geld spart, erhält keine Belohnung mehr. Festgeld (10 Jahre fix) ergibt noch 0,8 % Zins; selbst die Garantie für Lebensversicherungen liegt mit 0,9 % ...

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... unter der Inflation (2021 etwa 1,5 %). Und 2021 sollen die Zins-Werte weiter sinken. Es wird immer schwerer, Vermögen anzusparen, das auch über längere Zeit den Wert erhält.

ETF

Wer absolut sicherheitsorientiert ist, findet am Markt nichts, was selbst eine niedrige Inflation ausgleichen würde. Bei Tages- und Festgeld hat man faktisch einen negativen Zins. Wenn man im Moment die Börse betrachtet, sieht man nur strahlende Gesichter - das kann schnell wieder enden. Man muss als Sparer einen langen Atem haben und bereit sein, 10 Jahre und mehr dabei zu bleiben. Die Verbraucherzentralen empfehlen passive Investmentfonds, am besten ETFs als Indexfonds. Die haben weniger laufende Kosten und geringere Ausgabe-Aufschläge, und man hat im Grunde genommen dabei die maximale Transparenz, wie der ETF zusammengesetzt ist, nämlich wie der Index, den er abbildet. Dabei empfehlen wir ETFs auf den MSCI World. Wenn man ohne eine größere Summe anfängt, dann mit einem Fondssparplan. Das ist schon ab 25 Euro pro Monat möglich. Bei ETFs erzielte man in den letzten Jahren eine Rendite von 5-7 %.“
Thomas Hentschel

Aktien und Fonds

Am wichtigsten, gerade für die eigenen Kinder: Wenn ich zu spät mit dem Vermögens-Aufbau starte, habe ich keinen Zinseszinseffekt. Doch es kommt auf die Reihenfolge an: Einmal geht es darum, die oft genannten 2-3 Monatsgehälter anzusparen - als Reserve für die neue Waschmaschine oder andere unvorhergesehene Kosten. Dann erst geht es um die längerfristige Perspektive. Gute Renditen bieten eigentlich nur Aktien bzw. Aktienfonds. Klar, man kann in ETFs anlegen, auch als Sparplan. Aber man sollte auch aktiv gemanagte Fonds nicht von vornherein ausschließen. Und Fonds bzw. Aktien wählen, die in bestimmten zukunftsträchtigen Themen anlegen, etwa Wasserversorgung, oder Fonds, die auf Schwellenländer spezialisiert sind. Und: Ich würde raten, von Anfang an von jeder Gehaltserhöhung 25, besser 50 % abzuzweigen - und das Geld anzulegen.
Hendrik Stoltenberg

Fondsgebundene Policen

Mein erster Rat ist: Fang früh an! Das Sicherheitsbedürfnis, das viele, auch Jüngere, haben, kostet immer Rendite. Bei den heutigen Zinsen bringen viele Anlagen nicht mehr genug, um zu einer vernünftigen Rendite zu kommen. Daher werden fondsgebundene Lebensversicherungen eine größere Rolle spielen, da sie die Chance eröffnen, mehr als die Inflationsrate zu erwirtschaften. Aber auch das funktioniert nur, wenn man es langfristig angeht, mit 20, 30 oder besser noch mit 40 Jahren Laufzeit.
Thomas Saar

Mama, was soll ich fürs Alter machen?

46 % des Durchschnittsverdienstes soll es ab Mitte der 30er- Jahre nur nach 45 (!) Beitragsjahren als Rente geben. Ein optimistischer Wert, da viele 45 Arbeitsjahre nicht erreichen und viele nicht jedes Berufsjahr mindestens wie der Vollzeit- Durchschnitt verdient haben. Gleichzeitig soll mehr Geld für die Rente abgezogen werden, plant die Bundesregierung - 2034 sollen es 22,4 % sein. Und ein späterer Rentenbeginn steht auch im Raum.

Ganz schwierig …

Als die Zinsen noch ordentlich waren, waren Riester oder Bank- Sparpläne attraktiv, um zusätzlich fürs Alter vorzusorgen. Das sind sie jetzt kaum noch. Das Problem zeigt sich auch bei Renten-Versicherungen. Die klassische kapitalbildende Lebensversicherung ist Geschichte. Generell sollten Versicherungen (siehe rechts) und Vermögensaufbau getrennt werden. Riester ist nicht die alleinige Lösung, kann aber ein Baustein sein. Dabei muss man aber ganz arg vergleichen. Bei einer Riester- Renten-Police können die Kosten sehr niedrig sein, dann rentiert es sich durch die staatlichen Zuschüsse noch am ehesten. Es gibt aber auch Policen mit einer Kostenquote von über 20 %. Es hilft nur: vergleichen! Und sich beraten lassen. Ein 90-Minuten-Gespräch bei der Verbraucherzentrale kostet 190 Euro - gut angelegtes Geld. Denn wenn man bei der Altersvorsorge nur vielleicht 2-3 % laufende Kosten hat, spart man über die Laufzeit ein paar Tausend Euro.
Thomas Hentschel

Eine vermietete Wohnung

Zunächst sollten Kinder verstehen, wie unsere Rente aufgebaut ist. Dann versteht man, wie viel im Alter fehlen wird. Als Finanzbedarf setzt man 75-80 % vom heutigen Netto an; und dann noch die Inflation. Für die Altersvorsorge heißt das: so früh wie möglich anfangen. Manche denken erst mit Ende 30 nach und stellen fest, dass sie mit dem, was sie abzweigen können, bis zur Rente nicht weit kommen. Mit ETFs und Rentenfonds kann man vorsorgen, muss aber unbedingt auf die Kosten achten. Im Kern geht es darum, die Langlebigkeit abzusichern. Gut möglich, dass unsere Kinder 100 werden - und so lange auch Rente bzw. private Einkünfte brauchen. Solange es kaum Zinsen gibt, bleiben nur Sachwerte und Aktien. Deshalb ist es eine Überlegung wert, mit Blick aufs Alter früh an eine vermietete Immobilie zu denken. Das kann eine Eigentumsoder die Einliegerwohnung in der eigenen Immobilie sein. So bezahlt jemand mit Mieten die eigene Rente. Und zwar lebenslang.
Hendrik Stoltenberg

Finanzielles Planen heißt auch Lebensplanung. Und hier sollten Mütter ihren Töchtern auch sagen, was sie heute anders machen würden.


Hauptsache, früh starten

Je früher Altersvorsorge startet, umso eher lohnt es. Wer auch nur fünf Jahre wartet, braucht 40 % mehr Budget, um am Ende auf dieselbe Summe zu kommen. Die wichtigste Frage, die sich auch die Kinder stellen müssen: Reichen die Einnahmen aus, um im Alter die Rechnungen bezahlen zu können; und eventuell einen noch laufenden Kredit zu bedienen? Genau deswegen ist für viele die Aussicht, im Rentenalter mietfrei in der eigenen, abbezahlten Immobilie zu wohnen, ein so zentraler Teil der Altersvorsorge. Das macht gerade in Zeiten wie jetzt Sinn, in denen die Zinssätze sehr niedrig liegen.
Thomas Saar

Mama, sollen wir noch ein Haus kaufen?

48 % teurer wurden Einfamilienhäuser in Metropolen seit 2015. Selbst in ländlichen Gebieten kosten Häuser ein Drittel mehr als vor fünf Jahren. Im Schnitt wird für ein Quadratmeter gut 3.000 Euro verlangt, in München, Berlin, Frankfurt oder Hamburg sogar ein Vielfaches.

Jein

Ich bin gespalten. Am Grundsatz der Finanzierung hat sich nichts geändert: 20 % der Kaufsumme und Nebenkosten sollte man selbst aufbringen. Aber die hohen Preise bedeuten, dass immer mehr vorher gespart sein muss. Das Wichtigste bleibt, dass man genau rechnet, ob man die Finanzierung auch auf lange Sicht hinbekommt. Eben weil man neben Kredit auch noch die Altersvorsorge, Geldanlage und Versicherungen bedienen muss - und eine Reserve bleiben sollte. Wohneigentum anzuschaffen wird vom Gesetzgeber propa- giert, auch durch die vielen Fördermöglichkeiten. Aber man sollte auch die Rechnung aufmachen, wie es wäre, im Alter zur Miete zu wohnen. Wenn’s dann reintropft, sage ich es dem Vermieter, der sich darum kümmern muss, und habe nicht selber das Kostenrisiko. Man darf das nicht unterschätzen. Wenn ein Haus nach 30 Jahren bezahlt ist, ist es auch mindestens 30 Jahre alt - und es fallen immer Reparaturen an, selbst wenn man mietfrei wohnt.
Thomas Hentschel

Eher nicht

Wenn der Markt so bleibt, wie er ist, würde ich meinen beiden Kindern nicht unbedingt zur Immobilie raten. Wenn ich bei uns im Ort etwas für 500.000 Euro kaufe, bin ich auf Gedeih und Verderb daran gebunden. Und wenn ich aus beruflichen Gründen umziehen muss, komme ich vielleicht nur mit Verlust wieder da raus. In der Praxis merke ich, dass bei vielen, die neu kaufen, beide Gehälter nötig sind, um eine Immobilie zu finanzieren. Doch was, wenn Kinder kommen? Dann wird spätestens nach einem Jahr wieder mit 50 % eingestiegen, da ist dann kein Spielraum mehr.

Aber was, wenn es, wie in einem Drittel der Ehen, zur Scheidung kommt? Damit das Ganze nicht zu sehr auf Kante genäht ist, können Eltern einspringen. Die besten Konditionen bekommt man, wenn möglichst viel Eigenkapital vorhanden ist, also könnten die Eltern auf ihre eigene Immobilie als zusätzliche Sicherheit eine Grundschuld aufnehmen, die dann als volles Eigenkapital angerechnet wird - oder indem die Eltern eine Kapitalbeschaffung machen und z. B. 50.000 Euro einbringen. Das spart am Ende enorm, wenn man dadurch niedrigere Zinsen bekommt und schneller tilgen kann.
Hendrik Stoltenberg

Ja, aber …

Entscheidend ist die Finanzierung. Trotz der niedrigen Bau-Zinsen, wegen der hohen Preise ist dies schwieriger geworden. Eine Immobilie voll per Kredit zu finanzieren ist auch bei Niedrig-Zinsen nur für wenige möglich. Bei Voll- Finanzierung werden hohe Anforderungen gestellt. Aber selbst 20 % Eigenkapital hat man bei den heutigen Immobilien-Preisen nicht so schnell. Die meisten Berufsanfänger oder junge Familien haben weniger. Gerade sie sollten unbedingt KfW-Förderung und Programme der Landesförderbanken nutzen. Wichtig ist, dass die finanzierende Bank die KfWMittel als Eigenkapital ansieht. Und wenn man energieeffizient baut, kostet das zwar mehr, dafür gibt es Zuschüsse: 15 bis 25 % - bei 120.000 Euro werden einem z. B. 18.000 Euro erlassen
Thomas Saar


„Angesichts der rasant steigenden Immobilien-Preise sollten sich jüngere Leute schon die Frage stellen: Wie wäre es, auch im Alter zur Miete zu wohnen?
Thomas Hentschel (58), Verbraucherzentrale NRW

Thomas Hentschel (58), Experte für Finanzen und Versicherung, Verbraucherzentrale NRW, Mülheim/Ruhr


Hendrik Stoltenberg (44), Geschäftsführer TGI Finanzpartner, Satrup


Thomas Saar (59), Spezialist für Bau-Finanzierung und Versicherung, Dr. Klein Immobilien, Wiesbaden

Und welche Versicherungen?

Hausrat, Haftpflicht, BU - welche Policen sind für junge Leute nach Ausbildung oder Studium sinnvoll?

„Vorrang hat das Absichern der Arbeitskraft gegen Berufsund Erwerbsunfähigkeit“, sagt Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale NRW, „das ist wichtiger als Geldanlage.“ Leider dächten viele, dass man über Jahre viel Geld einzahlt, aber nichts rausbekäme, wenn man die Versicherung nicht brauche. „Aber man muss auch erwachsenen Kindern immer wieder sagen, dass eine Versicherung ja gerade die Absicherung für unvorhersehbare Ereignisse ist. Das sieht Hendrik Stoltenberg ähnlich: „Berufseinsteiger und junge Familien sollten neben der obligatorischen Haftpflicht die Arbeitskraft des Hauptverdieners absichern - als Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) oder Grundfähigkeits- Schutz“, so der Geschäftsführer von TGI Finanzpartner, „in manchen unfallträchtigen Berufen ist eine ‚normale‘ BU nicht zu bekommen oder viel zu teuer.“ Dafür gebe es Körperschutz- Policen als Alternative, bei denen bestimmte körperliche und geistige Fähigkeiten versichert seien. „Klar ist, es sind wenige, denen etwas passiert; aber wenn etwas passiert, ist es schlimm. Daher sollte auch der Todesfall versichert sein.“


Fotos: Getty Images/Oliver Rossi (2), privat (3)