Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

Extremhitze 2018: Sommer, Sonne, Trockenheit


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 22.08.2018

Für die Urlauber am Meer ist das Wetter traumhaft, für alle, die von und mit der Landwirtschaft leben, ist es ein Albtraum. Es herrschen die höchsten Temperaturen seit 2003, die größte Trockenheit seit 1959. Das wirkt sich auf die Heuund Strohernte aus –mit teuren Folgen.


Artikelbild für den Artikel "Extremhitze 2018: Sommer, Sonne, Trockenheit" aus der Ausgabe 9/2018 von Reiter Revue International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Reiter Revue International, Ausgabe 9/2018

Der Boden ist hart und rissig, das Getreide trocken und kurz. Dementsprechend leiden auch die Stroh-Erträge massiv.


Schon beim ersten Grasschnitt dieses Jahres gab es große regionale Unterschiede in der Quantität der Erträge. Die lang anhaltenden kühlen Temperaturen bis in den März hemmten das Pflanzenwachstum und erst Ende des Monats ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Reiter Revue International. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 9/2018 von AUFSITZEN: Das wird teuer. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AUFSITZEN: Das wird teuer
Titelbild der Ausgabe 9/2018 von LESERBRIEFE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESERBRIEFE
Titelbild der Ausgabe 9/2018 von Kleinkindalter, Flegeljahre, Rentenzeit: Altern Pferde wie Menschen?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kleinkindalter, Flegeljahre, Rentenzeit: Altern Pferde wie Menschen?
Titelbild der Ausgabe 9/2018 von Springen auf gebogener Linie: Kurvenreich abheben. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Springen auf gebogener Linie: Kurvenreich abheben
Titelbild der Ausgabe 9/2018 von Kurvenreiche Übungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kurvenreiche Übungen
Titelbild der Ausgabe 9/2018 von Was die Muskeln verraten: Das Hals-Geständnis. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Was die Muskeln verraten: Das Hals-Geständnis
Vorheriger Artikel
Kleinkindalter, Flegeljahre, Rentenzeit: Altern Pferde wie Mensch…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Springen auf gebogener Linie: Kurvenreich abheben
aus dieser Ausgabe

... kam langsam der Frühling. Der April brachte dann sommerliche Temperaturen, aber die Niederschlagsmenge war bereits zu diesem Zeitpunkt in vielen Regionen zu gering.

Von der Hoffnung, der zweite Schnitt würde besser, ist nichts geblieben. Es ist zwar gebietsweise sehr unterschiedlich, aber in großen Regionen Deutschlands ist von Mai bis Juli so gut wie kein Tropfen Regen gefallen. Dazu zählen vor allem Landstriche im Norden und Osten. Hier ist an einen zweiten oder gar dritten Schnitt nicht zu denken. Es ist kein Gras gewachsen, das man schneiden könnte. Lohnunternehmer Willi Niebuhr aus dem Landkreis Uelzen fasst die Situation mit einem Wort zusammen: „Katastrophe!” Flächen, auf denen rein gar nichts mehr wächst und „Heu am Halm” ist alles, was Pferde-und Rinderhaltern für ihre Tiere zur Verfügung steht. „Schon beim ersten Schnitt lagen die Erträge in unserem Kreis teilweise unter 50 Prozent dessen, was wir sonst haben. Jetzt gibt es einfach gar nichts mehr,” so Niebuhr. „Wir pressen alles Stroh, was verfügbar ist. Die Preise sind bereits hoch und werden ab November oder Dezember sicherlich noch richtig anziehen.”

Kann gutes Stroh Heu ersetzen?

Stroh kann begrenzt zugefüttert werden. Die Empfehlung liegt bei einer Menge von maximal 0,6 bis 0,8 kg Stroh/100 kg Lebendmasse/Tag. Zu viel Stroh könnte wegen des hohen Ligningehalts zu Verstopfungskoliken führen. Die Ration muss aufgrund des niedrigen Energiewertes, Phosphor und Calciumgehalts sowie des geringen Gehaltes an verwertbaren Nährstoffen sorgfältig ergänzt werden. Fütterungsberatungen helfen an dieser Stelle weiter.

Für Pferdehalter, Zucht-und Pensionsbetriebe wird das gravierende Auswirkungen haben. „Deutschland ist zweigeteilt”, so Dr. Christa Finkler-Schade, Fachberaterin für Pferdebetriebe aus Verden. „Während die Ernte von Heu und Silage im Süden ertragreich war, gibt es im Norden und Osten bereits jetzt große Probleme und die Knappheit wird sich intensivieren. Die Pflanzen sind aufgrund der Witterung unter extremem Stress und es wächst fast nichts mehr. Die Wiesen sind karg und abgefressen und den Betriebsinhabern bleibt keine andere Wahl, als bereits jetzt das Winterfutter zuzufüttern.” Die Preise steigen schon seit Juli und inzwischen liegt der Netto-Preis frei Hof bei über 20 Euro pro Doppelzentner (dz = 100 Kilogramm). Normal sind 12 bis 16 Euro. „Ich kann nur jedem, der Lagerflächen zur Verfügung hat, empfehlen, jetzt zu kaufen und einzulagern”, so die Fütterungs-Expertin. „Das gilt für Heu und für Stroh. Auch die Strohernte ist signifikant von der Trockenheit betroffen und die Preise werden weiter steigen. Bis wohin, kann niemand prognostizieren.”


„Schon beim ersten Schnitt lagen die Erträge in unserem Kreis teilweise unter50% dessen, was wir sonst haben. Jetzt gibt es einfach gar nichts mehr.”
Willi Niebuhr, Lohnunternehmer


Bernd Schmidt betreibt seit 42 Jahren Landwirtschaft, seit 1988 baut er Ackergras an und stellt „Powergras” her, ein Heu das bei garantierter Qualität vor allem bei Besitzern allergischer Pferde beliebt ist. Sein Betrieb liegt im Landkreis Uelzen. „Das haben wir so noch nie erlebt. Für uns ist die Lage existenzbedrohend”, so der Landwirt. „Wir haben es geschafft, mit hohem Aufwand 40 Prozent Ertrag beim ersten Schnitt zu erlangen, der zweite Schnitt konnte schon nur noch auf den 30 Prozent unserer Flächen erfolgen, die wir beregnet haben. An einen dritten Schnitt ist nicht zu denken. Auch der Zukauf von Heu in der Qualität, die unseren Ansprüchen gerecht wird, ist ausgeschlossen.” Diese Ausgangslage führt zu einer Preiserhöhung und zu Lieferengpässen: „Nicht einmal unsere Stammkunden können wir komplett beliefern. Und Preiserhöhungen ins Unermessliche sind auch keine Option. Eine Alternative könnte die Fütterung von gutem Sommergerstenstroh mit entsprechendem Ergänzungsfutter werden. Hier möchten wir für unsere Kunden einen Ausweg schaffen.”

Hoffnung auf 2019

Noch gibt es bei Heu und Stroh kein einheitliches und belastbares Bild über die regionale Preisentwicklung. Klar ist jedoch, dass beides knapp und teuer werden wird. „Die Preise werden sich perspektivisch entwickeln”, so Prof. Dr. Dirk Winter, Studiendekan Pferdewirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen. „Wir können nur raten, möglichst zeitnah zu versuchen, Kontrakte mit Futtermittelhändlern zu bekommen. Einsteller in Pensionsbetrieben müssen verstehen, dass die Monatsmieten anziehen. Transparente Preisgestaltung und offene Kommunikation helfen Betriebsleitern ungemein, Verständnis für diese Maßnahme zu erhalten. Und wenn die Lage sich entspannt und die Preise wieder normalisieren, dann sollten die monatlichen Belastungen auch für die Einsteller sinken.”

Es gibt also Hoffnung auf ein gutes Erntejahr 2019, in dem das Preiseniveau wieder sinkt.

Vergleichen Sie?!

Wenn Sie Heu-und Strohpreise vergleichen, achten Sie darauf, dass Sie dieses auf gleicher Basis tun. Handelt es sich um kleine Ballen, Rundoder Quaderballen? Um wie viel Gesamtgewicht geht es? Gilt der Preis ab Lager oder frei Hof? Handelt es sich um Brutto-oder Nettopreise? All dies muss bekannt sein, um wirklich eine Vergleichsbasis zu haben.

Die Preise steigen schon seit Juli und inzwischen liegt der Netto-Preis frei Hof bei über20 € pro 100 Kilogramm.