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FacetoFace Selina Cerci


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FFussball Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 05.05.2022

Interview

“Selina, wie geht es Dir nach Deiner schweren Verletzung?

Selina Cerci: Mir geht es soweit ganz gut, obwohl die Tage auf Grund der Rehamaßnahmen zur Zeit ziemlich anstrengend sind. Deshalb liege ich gerade auf der Couch und chille ein wenig. Es war heute wieder ziemlich kräftezährend und ich bin daher total erschöpft nachhause gekommen.

Was war denn so anstrengend heute?

Es fühlt sich irgendwie zur Zeit alles sehr anstrengend an. Für den Muskelaufbau standen verschiedene Stabilitätsübungen, Zirkeltraining oder Radfahren an. Dabei merkt man schon, dass die Kondition einfach weg ist. Dann sind selbst die Kleinigkeiten kräfteaufreibend. Aber darauf freut man sich auch immer wieder – Muskelkater zu verspüren und zu merken, dass dein Körper wieder arbeitet und es bergauf geht.

Wie ist der Stand? Wann kannst Du wieder voll einsteigen?

Das ist eine gute Frage, die wohl schwer zu beantworten ist. ...

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... Allgemein sprechen die Ärzte vom Winter, aber ich werde sehen, wie die Rehamaßnahmen vorangehen und steige dann ein, wenn es meinem Knie wieder gut geht und entsprechend belastbar ist. Ein genaues Zeitfenster kann man da zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bestimmen.

Wie würdest Du Deinen fußballerischen Stil beschreiben? Was sind Deine Stärken?

Ich glaube schon, dass ich vor allem mit meiner Schnelligkeit und meiner Torgefahr in der Box punkten kann. Ich sehe meine Stärken auch darin, was Eins-gegen-eins-Situationen im Strafraum betrifft.

Kann man Torgefahr trainieren?

Das ist eine gute Frage. Ich denke schon, dass man es durch viele Torschüsse und entsprechenden Situationen im Training erlernen kann. Es kommt aber auch viel über Selbstbewusstsein – das ist sicherlich speziell bei Stürmerinnen besonders wichtig. Dadurch traust du dir auch selbst mehr zu und wirst kaltschnäuziger vor dem Tor, wie man so schön sagt. Diesen gewissen Egoismus sollte man sich als Stürmerin auch behalten, um torgefährlich zu sein. Aber es ist sicherlich auch eine Mischung aus Training und Talent, das man mitbringen muss.

Wo siehst Du noch Verbesserungspotential in Deinem Spiel?

Ich denke, man kann sich in jeglicher Hinsicht immer verbessern – das gilt übrigens auch für die Stärken, die man hat. Wenn ich jetzt aber etwas nennen müsste, dann wäre es vielleicht mein Flankenspiel. Aber im Spiel bin ich ja sowieso eher selten auf den Außen zu finden.

Du gehörst zu den Shooting Stars der Bundesliga und wirst sicherlich auch von der internationalen Konkurrenz beobachtet. Was sind Deine nächsten sportlichen Ziele?

Das ist zum jetzigen Zeitpunkt sicherlich schwierig zu beantworten, weil ich erst einmal verletzungsfrei sein möchte. Man könnte also sagen, ein kurzfristiges Ziel ist es, dass meine Reha gut läuft und ich so schnell wie möglich wieder auf dem Platz stehen kann. Erst danach kann ich mir meine nächsten sportlichen Ziele setzen.

Leserfrage von Christian Wieting: Dennoch bietet der internationale Frauenfußball mittlerweile viele hochklassige Möglichkeiten. Welche Liga wäre interessanter für Dich: USA oder England?

Ohne jetzt der US-amerikanischen Liga nahetreten zu wollen, würde ich schon eher sagen: England. Die Super League ist für mich viel interessanter und von den großen Namen her sicherlich auch ansprechender.

Vor knapp anderthalb Jahren sangst Du „Heja BVB“ auf Instagram. Wie kam es damals dazu?

Das war eine lustige Geschichte. Ich hatte ein Inter view mit dem FUMS-Magazin. Dabei vergibt der vorangegangene Inter viewpartner immer eine Aufgabe an den nächsten. Bei mir war es damals Kevin Großkreuz, der die Aufgabe gestellt hatte, dass der oder die nächste Kandidatin die BVB-Hymne singen müsse und das auf Instagram posten solle. Das blieb dann an mir hängen.

Was haben Deine Fans dazu gesagt?

Sie konnten darüber lachen. Die Dortmund-Fans fanden es natürlich toll aber es wussten ja auch alle, dass es eine Aufgabe war. Das hat mich am Ende auch nicht gestört – ich bin für solche Sachen immer offen.

„Wenn ich heute zum Beispiel bei TikTok live gehe und die Leute kennen mich nicht und fragen, für welchen Verein ich spiele, dann wissen sie oft nicht, wer Turbine Potsdam überhaupt ist.“

Verfolgst Du eigentlich die Männer-Bundesliga?

Ja, auf jeden Fall. Wenn ich Zeit habe und am Wochenende die Bundesliga läuft, dann schalte ich auch ein. Wenn zur selben Zeit aber Frauenfußball läuft, dann schaue ich das.

Für welchen Verein schlägt Dein Herz?

In der Bundesliga drücke ich tatsächlich keinem Verein speziell die Daumen, da bin ich total neutral. Ich bin Real-Madrid-Fan.

Dann verfolgst Du sicher auch die Wahnsinns-Entwicklung der Frauen?

Ja, auf jeden Fall. Es ist schon eindrucksvoll, was die in so kurzer Zeit geschafft haben. Ich durfte im letzten Jahr ja auch schon gegen sie auflaufen – damals bei der Kaif Trophy in Österreich. Wir konnten sie mit Turbine Potsdam mit 3:0 im Finale schlagen, aber sie waren da auch noch nicht ganz so stark besetzt wie heute. Die Real-Frauen haben sich seitdem regelmäßig gesteigert und haben sich zum Ziel gesetzt, Barcelona den Rang abzulaufen. Ich bin echt gespannt, was da noch passieren wird.

Mit etwas Glück könntest Du eines Tages selbst in der Bundesliga gegen Dortmund oder Schalke antreten. Was bedeuten solche Vereine für die Liga?

Es sind natürlich Traditionsvereine, die jeder kennt. Dadurch, dass da ein großer Männerverein dahintersteht, weißt du, womit du es zu tun hast und welche Ressourcen dahinterstehen. Solche Spiele haben dann auch für die Fans einen ganz anderen Stellenwert. Wenn ich heute zum Beispiel bei TikTok live gehe und die Leute kennen mich nicht und fragen, für welchen Verein ich spiele, dann wissen sie oft nicht, wer Turbine Potsdam überhaupt ist. Das ist schon sehr schade, weil es ja auch ein Traditionsverein mit großen Erfolgen ist. Dortmund oder Schalke kennt in Deutschland dagegen jeder, auch Nicht-Fußballfans. Das sind schon große Namen, die die Liga bereichern würden.

Hast Du sportliche Vorbilder?

Ich mag Alex Morgan oder Alexia Putellas und finde auch Karim Benzema sehr gut. Das sind SpielerInnen, die schon wahnsinniges geleistet haben und stets aufs Neue überraschen können.

Leserfrage von Frauen-und Mädchenfußball National und International: Was muss sich Deiner Meinung nach für den Frauenfußball und die Spielerinnen verändern, dass sie sichtbarer werden und mehr Respekt und Wertschätzung erfahren?

Das ist sicherlich ein leidiges Thema worüber man lange Diskussionen führen könnte. Ich finde, Respekt sollte man immer haben – auch gegenüber Frauen, die Fußball spielen. Ich schaue ja auch nicht jeden Sport oder finde alles gut, aber ich akzeptiere und respektiere es. Sicherlich haben die letzten Spiele in der Champions League viel Werbung für den Frauenfußball gemacht – sowohl aufgrund der hohen Zuschauerzahlen als auch den Spielen auf hohem Niveau. Solche Spiele locken sicherlich auch mehr Fans zum Frauenfußball.

Bei der EM kannst Du ja nun leider nicht dabei sein. Wie und wo wirst Du das Turnier verfolgen?

Ich werde die Europameisterschaft im Sommer sicherlich zu Hause oder bei Freunden schauen. Vielleicht fliege ich auch mit nach England und schaue mir vor Ort ein Spiel an. Das ist aber noch nicht ganz sicher, da bin ich noch in der Planung.

Wie sehr schmerzt es, dass Du nicht dabei sein kannst? Du hättest sicherlich gute Chancen gehabt.

Ich bin ja noch ganz neu in der Nationalmannschaft und muss mich da erstmal hinten anstellen. Unsere Offensive ist sehr gut besetzt und wenn alle fit sind, habe ich da sicherlich noch keine Chance. Dann wäre ich für die EM vielleicht auf Abruf gewesen. Sicherlich kann bis zur EM noch viel passieren und auch für mich stand sicherlich die Tür offen. Von daher schmerzt es schon ein wenig, auch, weil ich ja einen kleinen Lauf hatte und in Potsdam bis zu meiner Verletzung regelmäßig getroffen habe. Aber ich bleibe optimistisch und habe ja auch noch ein paar Fußball-Jahre vor mir.

Stimmt es, dass Du gerade beim Einkaufen warst, als Dich die Bundestrainerin im Februar anrief? Wie war das für Dich?

Ja, das stimmt. Ich war im Supermarkt und mein Handy klingelte. Es war eine Nummer, die ich nicht kannte und ich bin auch nicht drangegangen, weil ich gerade an der Kasse stand. Mein Trainer schrieb mir dann eine Nachricht, dass ich gleich einen Anruf bekommen werde und da ahnte ich schon, dass es Martina sein würde. Draußen auf dem Parkplatz habe ich dann direkt zurückgerufen.

Welche Überschrift möchtest Du eines Tages über Dich lesen?

Da könnte ich jetzt natürlich so einiges nennen – in Richtung Weltfußballerin oder Ballon d’Or zum Beispiel. Aber ich bin da eher für kleinere, bescheidenere Ziele. Ich bin schon super happy, wenn ich irgendwann lesen könnte: „Cerci-Comeback mit Doppelpack!“

Ein Interview von Marcel Hache