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FacetoFace Ute Groth


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FFussball Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 10.03.2022

“Frau Groth, Sie werden beim DFB-Bundestag im März als DFB-Präsidentin kandidieren. Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Ute Groth: Ich habe mich bereits 2019 habe für den Posten der DFB-Präsidentin beworben, in der Annahme, dass jedes geschäftsfähige Mitglied, wie bei eingetragenen, gemeinnützigen Vereinen üblich, kandidieren kann. Ich musste lernen, dass das im DFB anders ist. Nur die 27 Mitgliedsverbände und die DFL haben das Recht, Personen vorzuschlagen.

Im Vorfeld dieser außerordentlichen Wahl habe ich, gemeinsam mit der Aktionsgemeinschaft ‚Rettet die Amateure‘ versucht, Kontakte zu den Verbänden herzustellen. Es gab etliche gute Gespräche, aber das Ergebnis war schließlich ernüchternd. Ich habe bis heute Morgen, nach einer nachdenklichen Nacht, überlegt, nochmals, mit einem Schreiben nach Frankfurt, meine Kandidatur anzubieten. Ich bin nun abschließend zu dem Einsehen gekommen, dass mich ...

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... meine Beschäftigung mit den kritisierten Zuständen im DFB so viel Zeit und Energie kostet und so ohne Ergebnis ist, dass ich damit aufhören werde.

Dabei gibt es genug Belege dafür, dass man in den meisten NLZ wohl kaum von einer jugendgerechten Förderung sprechen kann. Hier müsste es eine komplette Reorganisation und Öffnung hin zu einer vernünftig geschulten Basis geben. Die von jedem NLZ beworbene Ausbildung von Persönlichkeiten darf dann auch ruhig mal auf der sozialen und pädagogischen Ebene punkten.

... und im Mädchen-und Frauenfußball ist diese Problematik sicherlich noch schwerwiegender...

Ja, im Bereich der Förderung von Mädchen und Frauen sollten wir künftig mal den Ausbruch aus der Diaspora wagen, die Deutschland leider in diesem Sport immer noch ist. Wenn ich beobachte, dass B-Juniorinnenteams aus der Verbandsliga auf Plätzen spielen müssen, die von jeder männlichen D-Jugend abgelehnt würden, wenn man schaut, wie wenig von Verbandsseite – abseits des Slogans „Nicht ohne meine Mädels“ – tatsächlich für die Talentförderung im Mädchenfußball getan wird, dann ist auch klar, warum wir von so vielen Ländern abgehängt werden und die guten Spielerinnen alle ins Ausland abwandern.

Die Führungsriege der Regionalverbände besteht fast durchweg aus Männern. Warum schaffen es so wenige Frauen in diese Positionen?

Das ist sicher eine gesamtgesellschaftliche Frage, die anscheinend nur mit Quoten oder anderen Regelungen durchzusetzen ist – was einige politische Parteien oder fortschrittliche Unternehmen im Ansatz schon vormachen. Der Fußball auf dem Platz ist deutlich vielfältiger als seine Vertreter in den Gremien, und das betrifft nicht nur die Frauen.

Wie könnte man Anreize schaffen?

Wenn ein Verband der Auffassung ist, dass alle Mitglieder angemessen vertreten sein müssen, dann heißt es, Posten anders zu besetzen. Da geht es dann nicht mehr, um „wie lange bist du schon dabei und welchen Posten haben wir noch für dich“. Dann muss man aktiv Leute aus allen gesellschaftlichen Gruppen ansprechen, und ernst gemeinte Angebote zur Mitarbeit machen.

Welche Fehler hat der Verband in der Corona-Pandemie gemacht?

Die Auswirkungen der Schließungen und damit die Isolation der Kinder und Jugendlichen war für den DFB zunächst überhaupt kein Thema, hätte aber mit einem öffentlichen kraftvollen Statement sicher den 25.000 Vereinen mit ihren Kindern und Jugendlichen frühzeitiggeholfen. Erst der Profisport und dann lange nichts. Spät, am Ende der ersten Phase der Pandemie kam vom DFB-Arzt Meyer der Hinweis, dass Sport auf dem Platz möglich ist. Der Profi konnte da schon Monate trainieren und bei Spielen statt Abstand zu halten, nach Torerfolgen den Mannschaftskollegen knuddeln. Die DFB-Aktion „Draußen muss drin sein“ kam erst, nachdem viele kreative Vereine im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten längst kleine Lösungen ermöglicht hatten, um Sport zu treiben.

Der DFB-Präsidentenposten schien zuletzt verflucht. Keller, Rauball und Co. haben sich Fauxpas geleistet, die in dieser Position ungewohnt dilettantisch waren. Wo könnten Gegner bei Ihnen eine Schwachstelle finden?

Ich habe schon mehr als eine Uhr selber gekauft und Logenplätze in Stadien oder öffentliche Aufmerksamkeit interessieren mich nicht. Wichtig sind die Themen, Sacharbeit und Ergebnisse. Meine Freunde aus der Jugendzeit würden allerdings erzählen, dass ich einmal bei einer Geburtstagsfeier, die zeitgleich mit einem wichtigen Fußballspiel stattgefunden hat, die Sicherung gezogen habe.

„Was hierzulande auffällt, ist die extreme Wucht, mit der viele Männer „ihren“ Fußball gegen alles Weibliche schützen wollen.“

Beim Thema Frauenfußball galt Dr. Theo Zwanziger als großer Befürworter und Förderer. Welche Maßnahmen haben Sie hier im Blick?

Ein erstes Signal, zu zeigen, dass der DFB den Frauenfußball ernst nimmt, wäre die Auszahlung der gleichen Provision für die Nationalmannschaften. Das hieße konkret: Die Provision der Herren in den Topf zur Provision der Frauen und dann geteilt durch zwei. Damit hätten auch die Herren das Signal gesetzt, dass es nicht um Geld, aber um die Vertretung der Nation geht und da haben beide Mannschaften den gleichen Anteil. Als nächstes muss das Thema Frauenfußball gleichwertig behandelt werden.

Wenn dieser, wie beim Bundestag des DFB 2019, erst nach der Pause auf der Tagesordnung steht, wo ein Drittel der Anwesenden schon den Saal verlassen hat, dann fehlt dieses Drittel, um die Sache voranzubringen. Warum werden überhaupt „Zukunft des Fußballs -Männer “ und „Zukunft des Fußballs – Frauen“ als getrennte Themen behandelt? Das gibt es so in keiner anderen Sportart.

Eine große Baustelle liegt direkt vor Ihrer Haustür. Ist Ihr Verein DJK TUSA 06 Düsseldorf inzwischen im Frauenfußball-Projekt der Stadt involviert?

Wir sehen das als Baustelle, die mit einem 1. Bauabschnitt gestartet ist. Düsseldorfer Vereine sprechen gezielt Mädchen in Kindergärten und Schulen an und machen Werbung für Fußball und stellen erste Mannschaften zusammen. Das alles in Zusammenarbeit mit Fortuna Düsseldorf garantiert Öffentlichkeit und Unterstützung für den Breitensport Fußball. Wir sind mit etwa 200 Mädchen und Frauen und einem Leistungszentrum schon seit ein paar Jahren einen Schritt weiter. Im 2. Bauabschnitt geht es um die Förderung der leistungsstarken Mädchen und Frauen. Da müssen Vereine ihre Egoismen aufgeben und im Sinne des Leistungssports denken und die optimale Förderung für die Sportlerin ermöglichen. Dazu fehlen im Düsseldorfer Frauenfußball-Projekt noch die gemeinsame Vision und ein Plan.

Würden Sie zustimmen, dass Neider, Nutznießer bis hin zu Korruption eine nachhaltige Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland behindern?

Korruption oder Neid sind keine ausschließlich auf Deutschland bezogenen Probleme. Was hierzulande allerdings auffällt, ist die extreme Wucht, mit der viele Männer „ihren“ Fußball gegen alles Weibliche schützen wollen. Den Fußballerinnen geht es aber gar nicht darum, mit den Männern zu konkurrieren. Sie wollen ihren Sport ausüben – und das auf dem möglichst höchsten erreichbaren Niveau.

Insgesamt kritisierten Sie die DFB-Verbandsstruktur als „aufgeblähten Fußballverwaltungsapparat“, der sich dringend verändern muss. Haben Sie sich die Struktur anderer Verbände angeschaut? Wo sehen Sie Vorbilder?

Warum ich vom Fußballver waltungsapparat spreche? Zwei kleine Bespiele: Für die Nichtteilnahme an einer Kreisverbandsitzung wird man mit einem Ordnungsgeld bestraft und die Nachrichten aus dem Verband werden als Amtliche Mitteilung verteilt. Der DJK Sportverband, in den ich durch einige Jahre Mitarbeit im Vorstand DV Köln und jetzt als ‚normales‘ Vereinsmitglied Einblick hatte und habe, wird in seinen Gremien immer diverser, die Kommunikation mit den Vereinen stimmt, Vereine werden, auch finanziell, bei Projekten unterstützt. Mitarbeit ist gewünscht. Das ist der Weg.

Interview: Marcel Hache