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Fachkräftemangel: Die Rezepte der anderen


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Neue Ruhr Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 19/2023 vom 23.01.2023

Berlin. Wer einen Handwerker braucht, muss lange warten, und das Lieblingsrestaurant öffnet nur noch vier Tage in der Woche – der Fachkräftemangel ist überall spürbar und lähmt die Wirtschaft. Doch nicht nur Deutschland ist betroffen. Ein Blick in andere Teile Europas zeigt: Vielen Nachbarländern geht es nicht besser. Auch sie suchen Auswege aus der Krise:

Frankreich plant Sonder-Greencard

Trotz einer Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent ist der Fachkräftemangel in Frankreich noch größer als in Deutschland. Der Hauptgrund hierfür ist die weit auseinanderklaffende Schere zwischen den Stellenangeboten und den Qualifikationen der Jobsuchenden. Fast alle Bereiche sind vom Fachkräftemangel betroffen sind, besonders aber das Gesundheits- und Transportwesen und die Schulen. In zahlreichen Krankenhäusern mussten Betten oder Notfallstationen geschlossen werden, in mehreren Gemeinden, vorneweg Paris, wurde der ...

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Bildquelle: Neue Ruhr Zeitung, Ausgabe 19/2023

Mangelndes Pflegepersonal in Kliniken ist in vielen europäischen Ländern ein massives Problem.
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... Takt, in dem die Busse fahren, vergrößert. In den Schulen wird nach Lehrpersonal so verzweifelt gesucht, dass die Rektorate Bewerber auch dann einstellen, wenn ihnen pädagogische oder fachliche Qualifikationen fehlen.

Personalmangel herrscht auch im Baugewerbe und bei der medizinischen Versorgung. Deutschlands östlicher Nachbar hat die geringste Arztdichte in der EU. Auf 1000 Einwohner kommen dort 2,4 Ärzte. Beim Pflegepersonal war die Lage noch angespannter, was sich aktuell aber ändert. Rund 1,5 Millionen Geflüchtete aus der Ukraine haben in Polen Schutz gefunden. Die meisten von ihnen sind Frauen, die oft in der Pflege, der Kinderbetreuung oder der Buchhaltung arbeiten.

Spanien: Talente wandern aus

Das Land hat mit knapp 13 Prozent die höchste Erwerbslosenquote der EU. Entsprechend ist die Zahl der unbesetzten Stellen vergleichsweise niedrig. Trotzdem erwarten die Experten, dass der Fachkräftemangel auch in Spanienwachsen wird. So warnt bereits die Bauindustrie, dass ihr der Nachwuchs auszugehen droht. Ähnliche Probleme haben jetzt schon das Hotel- und Gaststättengewerbe, die Landwirtschaft, das Handwerk, die Transportbranche und der Pflegesektor.

Laut Statistik können derzeit mehr als 140.000 Stellen nicht besetzt werden. Bei vielen Bewerbern fehlt die berufliche Qualifikation. Und Spaniens Jugend studiert lieber, als eine Lehre zu machen. Größtes Hindernis sind aber nach Gewerkschaftsangaben die schlechten Arbeitsbedingungen, die viele Talente zum Auswandern bewegen: Berufseinsteiger können in Spanien kaum mehr als den Mindestlohn von 1000 Euro erwarten – oft nur mit Zeitverträgen.

Die Regierung versucht nun, mit einer schrittweisen Anhebung der Mindestlöhne und einer verstärkten Anwerbung ausländischer Fachkräfte gegenzusteuern. Zudem plant Madrid, illegalen Immigranten, die sich schon im Land befinden und eine Ausbildung in einem Mangelberuf mitbringen, das Aufenthaltsrecht zu verleihen.

Österreich: Es mangelt an Ideen

Die Liste der Mangelberufe in Österreich, die die Regierung in Wien aufgestellt hat, ist lang: Sie reicht von „Ärzten“ über „Holzmaschinenbearbeiter“ bis „Zimmerer“. Doch auch auf einer Regierungsklausur vor wenigen Tagen konnten sich die Kanzlerpartei ÖVP und die Grünen nicht einigen, wie Lösungen aussehen könnten. „Migration“ ist ein Reizwort für die ÖVP. Und so lautet die österreichische Lösung: „Arbeitsgruppe“. Ergriffene Maßnahmen zielen darauf ab, Zeit zu gewinnen: Um Fachkräfte länger im Arbeitsleben zu halten, wird die Regelung zur Altersteilzeit reformiert. Bisher lautete die Formel: Entweder Teilzeit über den vollen Zeitraum oder die erste Hälfte Vollzeit, die zweite freigestellt. Letztere Möglichkeit wird nun schrittweise abgeschafft.

60.000 bis 70.000 Fachkräfte fehlen Österreich im Arbeitsmarkt, so das sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Institut KMU Forschung Austria. Betroffen sind vor allem Gewerbe, Handwerk sowie der Dienstleistungssektor – vor allem Gastronomie und Hotellerie. Lösungen sind nicht in Sicht. Auch der Versuch, Mütter schneller wieder an den Arbeitsplatz zu holen, scheitert: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung.

Italien: Leichterer Uni-Zugang

Bis 2027 könnte es Probleme geben, 1,5 Millionen Jobs zu besetzen, meint der italienische Verband der Berufsberater. Allein 2022 fehlten in Italien 180.000 Mitarbeiter, vor allem in der Gastronomie, im Tourismus und in der Landwirtschaft. Zu den Mangelberufen gehören aber auch Pharmazeuten, Biologen und Spezialisten in den Biowissenschaften sowie Ärzte.

Zwischen 2018 und 2021 schrumpfte die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre) erheblich, mit einem Rückgang von 636.000 Personen, davon 262.000 unter 35 Jahren. Die Zahl derjenigen, die nicht auf Arbeitssuche sind, ist um 1,5 Prozent auf 194.000 gestiegen. Die Politik ist besorgt. Diskutiert wird über die Einführung eines gesetzlich festgelegten Mindestlohns von neun Euro netto pro Stunde, wogegen sich die Wirtschaft wehrt.

Zudem will die Regierung von Giorgia Meloni will legale Migrationswege fördern. 2023 sollen 82.000 Einwanderungsgenehmigungen für Nicht-EU-Bürger erteilt werden. Um Personalmangel im öffentlichen Gesundheitssystem zu beheben, will die Regierung den Numerus clausus abschaffen, der derzeit für den Zugang zu medizinischen Fakultäten gilt.

Großbritannien: Streit über Visa

Die Gesundheitskrise, die seit Wochen Schlagzeilen macht in Großbritannien, ist nicht zuletzt eine Krise des Fachkräftemangels. Laut jüngsten Statistiken fehlen im staatlichen Gesundheitsdienst NHS über 130.000 Mitarbeiter, in der Pflege sind fast zwölf Prozent der Stellen frei. Auch in der Gastronomie und im Baugewerbe melden Branchenverbände, dass sie zu wenige Mitarbeiter finden.

In der Corona-Pandemie hat der britische Arbeitsmarkt Tausende Fachkräfte verloren, hinzu kommt der Brexit: Die verschärften Einwanderungsregeln, die der EU-Austritt nach sich gezogen hat, halten viele ausgebildete Arbeiter aus der EU davon ab, nach Großbritannien zu ziehen. Seit Monaten fordern führende Unternehmer, dass die Visaregeln aufgeweicht werden sollten, um die klaffenden Lücken füllen zu können. Der einflussreiche Industrieverband CBI fordert zeitlich begrenzte Visa in jenen Sektoren, in denen Mitarbeiter fehlen. Premier Rishi Sunak sagt zwar, dass er „die besten und die gescheitesten“ Fachkräfte aus der ganzen Welt anlocken will. Aber seine Priorität sei die Beschränkung der Migration.