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Fachtagung zur Zertifizierung von Gartenschauen und Freianlagen: IGA 2017 als Blaupause für nachhaltige Gartenschauen


Deutsche Baumschule - epaper ⋅ Ausgabe 7/2018 vom 13.07.2018

Wie können durch intelligente Grünplanung nachhaltige urbane Lebensräume entstehen? Bei einer Fachtagung auf dem ehemaligen IGA-Gelände in Berlin wurden vor kurzem erste Ergebnisse vorgestellt und Möglichkeiten für die Durchführungsprozesse einer Zertifizierung von nachhaltigen Gartenschauen diskutiert.


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Bildquelle: Deutsche Baumschule, Ausgabe 7/2018

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... Grünplanung für Gartenschauen und urbane Freianlagen sollen in Zukunft laut der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (DBG) nachhaltige Lebens- und Erlebnisräume entstehen. Ein erster Feldversuch dieser Vision wurde bereits 2017 mit der Internationalen Gartenausstellung (IGA) in Berlin gestartet und erfolgreich umgesetzt.

Bei einer Fachtagung auf dem ehemaligen IGA-Gelände wurden nun erste Ergebnisse vorstellt und weitere Möglichkeiten für die Durchführungsprozesse einer Zertifizierung von nachhaltigen Gartenschauen diskutiert.

Zertifizierte Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist heutzutage ein oft strapazierter Begriff. Ursprünglich wurde das Wort von Hans Carl von Carlowitz 1713 im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung von Wäldern im Sinne eines langfristig angelegten und verantwortungsbewussten Umgangs mit einer Ressource geprägt. Die Verbindung mit der grünen Branche und dem Grün an sich scheint daher mehr als perfekt.

Mit der Veranstaltung „Zertifizierung von Gartenschauen“ in Berlin hat die DBG zusammen mit der IGA Berlin GmbH einen Verfahrensprozess initiiert, der nun auch bundesweit Schule machen soll. Bereits im Sommer 2016 wurde mit der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) zusätzlich ein Arbeitskreis für das Projekt „Kriterien für nachhaltige Gartenschauen“ ins Leben gerufen, für den der Landschaftsarchitekt und Fachsprecher des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla), Markus Gnüchtel, einen umfangreichen Kriterienkatalog erarbeitet hat.

Mehr Grün in Städten: Reiner Nagel.


Moderator Dr. Martin Thieme-Hack.


Markus Gnüchtel stellte das Audit vor.


Alle Aspekte einbeziehen

Dabei ist der Kriterienkatalog für eine nachhaltige Gartenschau sehr komplex und bezieht sich nicht nur auf die Verwendung von nachhaltigen und ressourcenschonenden Materialien, Regenwassermanagementsystemen oder standorttauglicher Bepflanzung, sondern schließt zudem den ganzen Planungs- und Durchführungsprozess einer solchen Veranstaltung mit in das Gesamtkonzept ein.

Schon in der Planungsphase (Phase 0) sollen die Chancen einer möglichen Standortentwicklung unter dem Aspekt einer späteren Nachnutzung berücksichtigt werden, die unter Beteiligung der Anrainer auch eine Aufwertung und einen Mehrwert des Stadtgrüns in den Vordergrund stellt. Zudem sollen Umweltbildungsangebote wie auf der IGA 2017 den Nachwuchs und dessen Eltern mit den Themen Natur, Umweltschutz und Nachhaltigkeit auf einem speziellen Campus vertraut machen.

In seinem Vortrag „Verbindung Grün und Stadtentwicklung“ betonte der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur, Reiner Nagel: „Grün hat eine entscheidende Bedeutung für die Qualifizierung der Städte. Die einst autogerechte Stadt wird zu einer menschengerechten Stadt. Es geht zukünftig um überschaubare, gute Räume. Man muss die Potenziale der Innenentwicklung nutzen.“ Diese Aufwertung des Stadtgrüns manifestiere sich laut Nagel sehr gut in dem Leitbild der Stadtentwicklung der DBG. Somit werden Potenzialflächen für eine grüne und nachhaltige Stadtentwicklung zu einem Strategieraum, die unter dem Aspekt der DBG-Leitlinien zu einem Mehrwert zusammengeführt werden müssen.

Mit der IGA 2017 habe man einen Grundstein für die Standortentwicklung und -verbesserung des Bezirks Marzahn-Hellersdorf gelegt und so einen nachhaltig gestalteten Park als integratives Element einer nachhaltigen Stadtentwicklung geschaffen, so die Planer. In der Vorstellung des Evaluierungsberichts stellten DBG-Geschäftsführer Jochen Sandner und IGA-Geschäftsführer Christoph Schmidt heraus, dass die IGA 2017 ein ideales Praxisbeispiel zur Zertifizierung von zukünftigen Gartenschauen sei und das Verfahren auch für andere große Grünprojekte skalier- und anwendbar sei.


„Mehr Kosten, dafür Mehrwert für die Bevölkerung.“
Dr. Thieme-Hack, Professor an der Universität Osnabrück und Mitglied im Präsidium der FLL


Sandner dazu: „Wir wollen dies mit Ihnen gemeinsam nutzen, Formate und Durchführungen zusammen erarbeiten, unser Angebot ist fakultativ. Die Zertifizierung soll BUGAs bei der Zusammenarbeit mit Partnern, Politikern und Medien helfen. Wir zeigen: Wir sind transparent. Der Grün Berlin GmbH dient das Verfahren bereits als Matrix für Folgeprojekte: als nächstes für den Spreepark.

Christoph Schmidt führte weiter aus: „Großprojekte der Entwicklung von Freiräumen und Parkanlagen folgen ähnlichen Systematiken und Vorgehensweisen. Hier beschränkt sich die Betrachtung nicht nur auf BUGAs und IGAs. Insofern wollen wir versuchen, bei den für uns zukünftig anstehenden Vorhaben, wie bei der Entwicklung des 30 Hektar großen Spreeparks in Berlin, die Zertifizierungsmatrix anzuwenden.“

Rund 80 Teilnehmer aus nahezu allen Bereichen der grünen Branche nahmen teil.


Fotos: Marc Vorwerk

Exkursion über das ehemalige IGA-Gelände, um die nachhaltige Planung zu veranschaulichen.


Größtmögliche Transparenz

Einen Einblick in einen möglichen Zertifizierungsprozess konnte Markus Gnüchtel anhand der Auswertung der Parameter für die IGA 2017 vorstellen, bei der die Zertifizierungsmatrix erstmalig zur Anwendung kam. Dabei wurden 130 verschiedene Parameter aufgelistet und im laufenden Betrieb der Gartenausstellung kontinuierlich abgefragt und dokumentiert. Das IGA-Audit ruht dabei auf den sechs Basispfeilern: Umgang mit dem Standort, ökologische Qualitäten, Ökonomie, sozial funktionale Kriterien, Technik, Bau und Pflege sowie dem Durchführungsprozess.

Hier spannen sich die Themen von einer qualitativen Grünplanung, Erhaltung und Förderung von Biodiversität, Anbindung der Freianlage an den öffentlichen Personennahverkehr, naturnahes Regenwassermanagement bis zu der Versorgung der Grünanlage mit ausreichend Papierkörben oder Besuchertoiletten. Auch haben Besucherbefragungen Hilfestellung bei der Evaluierung der IGA geleistet.

Gnüchtel konnte in seinem Vortrag bestätigen, dass auf dem IGA-Gelände eine betrieblich-ökonomische, eigenständige Struktur aufgebaut worden sei, um Lebenszykluskosten zu erfassen und eine Kostenkontrolle auch nach der IGA zu ermöglichen. Letztendlich ist es jedoch das eigentliche Ziel, eine fachliche, aber unabhängige Expertise für eine Zertifizierung zu finden, unter deren Nachhaltigkeitssiegel dann Gartenschauen und Freianlagen geführt werden können.

Dafür sollen auch Umweltverbände, Entscheider aus der grünen Branche und der Politik in das mögliche Prüfverfahren einbezogen werden. Laut DBG können sich auch produzierende Betriebe wie Baumschulen, Gärtnereien, GaLa-Bau-Betriebe, Zulieferer von Technik und Infrastruktur an dem Entwicklungsprozess für nachhaltige Gartenschauen und Freianlagen im Rahmen des gärtnerischen Wettbewerbs beteiligen. „Wir werden den Betrieben keine Vorschriften machen“, sagt Sibylle Eßer, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DBG. „Wir werden Ausstellerware jedoch auf ihre Standorttauglichkeit abfragen: Ist zum Beispiel eine spezielle Baumart so verschult worden, dass sie auf der BUGA an ihrem Standort gut, das heißt über Jahre nachhaltig gedeihen wird?“

Überflüssige Unsicherheit

Eine große Unsicherheit herrscht zur Zeit noch bei Baumschulen über die Ausbringung von nicht gebietseigenen Pflanzen im Freiland, wie es das Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (BNatSchG) § 40 regelt. Hier scheint die Sorge berechtigt, ist aber unbegründet, wie Jochen Sandner, DBG, und Markus Guhl, Geschäftsführer des Bundes deutscher Baumschulen (BdB), betonen. Da es sich hier nicht um Freiland-, sondern urbane Flächen handele, seien auch nicht gebietseigene Gehölze oder sonstige Vegetation von dem Verbot ausgeschlossen.

Mehr Kosten, mehr Nutzen

Gütesiegel, nachhaltige, ökologische Planung und Durchführung nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) drehen natürlich auch an der Kostenschraube für solche Freianlagen. Der Moderator der Fachtagung, Professor Dr. Martin Thieme-Hack von der Universität Osnabrück und Mitglied im FLL-Präsidium, äußerte sich dazu:

„In Deutschland wird immer zuerst nach den Kosten gefragt. Aber letztendlich muss man auch die Frage stellen, wie viel Mehrwert und Nutzen für die Bevölkerung durch die Gestaltung einer Grünanlage über einen sehr langen Zeitraum erreicht werden kann. Das lässt sich nicht ohne weiteres an Zahlen oder Kosten festmachen.“ Auf der einen Seite ist diese Argumentation stimmig. Sie kann aber andererseits nur dann erfolgreich sein, wenn man mit absoluter Transparenz, schlüssigen Konzepten und Einbindung der Öffentlichkeit einen Konsens findet, der genau diese grüne Stadtentwicklung mit einem nachhaltigen Ansatz fördert.

Wann es letztlich einen Zertifikatsgeber für ein Nachhaltigkeitssiegel geben wird, ist allerdings noch offen, einen genauen Zeitplan gebe es laut DBG noch nicht. „Da wir noch nicht wissen, wer die Zertifizierung übernehmen wird, können wir auch noch keinen definitiven Termin benennen. Sobald er feststeht, informieren wir die Presse“, so Sibylle Eßer zur Deutschen Baumschule.