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FÄCHER IM STURM


Weltkunst - epaper ⋅ Ausgabe 161/2019 vom 27.08.2019

James Tissot war ein heißblütiger Revolutionär und stieg zum erfolgreichen Malerchronisten der High Society auf. Sein widersprüchliches Leben und Werk gibt noch immer Rätsel auf. Auf Spurensuche in einem Schloss an der Loue


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Bildquelle: Weltkunst, Ausgabe 161/2019

James Tissot (o. ein Foto von 1866) wurde als Maler schon früh gefeiert. Nach Ende der Pariser Kommune floh er in die Londoner High Society


wo er Szenen wie »Die Brautjungfer« (1883–1885,links ) und »Der Fächer« (1875,vorige Seiten ) verewigte. Das Château de Buillon war sein Alterssitz


Langsam öffnet sich das Tor des Wachhäuschens. Mit seinem Turm und seinem Fachwerkgiebel wirkt ...

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... es wie die Miniaturversion einer mittelalterlichen Festung. Eine vergessene Welt tut sich auf, tief in der französischen Provinz Franche-Comté. Auf der einen Seite des Weges ragt ein bewachsenes Kalkstein-Kliff in den Himmel, auf der anderen schimmert zwischen Ulmen und Buchen immer wieder das klar plätschernde Wasser der Loue durch, übersät mit duftenden Teppichen aus weißen Wasserranunkeln.

Es dauert etwas, bis sich der Wald lichtet und den Blick auf das prachtvolle Anwesen des Château de Buillon freigibt. Beschnittene Weiden, ein elegantes Schlösschen mit Andachtskapelle, Tropenhäusern und ausladenden Gärten. Die alte Klosterruine hätte jedem romantischen Dichter das Herz aufgehen lassen, genau wie die Pferdestallanlagen, die Freivolieren und das überraschend hübsche Mühlenhäuschen am Fluss. Ein Filmset für Merchant-Ivory-Filme, irgendwo zwischen Haute-Bourgeoisie-Traum und viktorianischer Landlebenfantasie.

In dieser bukolischen Welt hat er gearbeitet und die letzten Jahre seines Lebens verbracht: James Tissot, jener begnadete Chronist des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Zu Lebzeiten war er einer der berühmtesten Maler der Welt. Heute kennen ihn nur noch wenige. Doch das könnte sich ab Herbst ändern. Die Legion of Honor, eines der beiden Häuser der Fine Arts Museums of San Francisco, hat zusammen mit dem Pariser Musée d’Orsay eine große Retrospektive organisiert. Mit Leihgaben aus aller Welt soll die Schau vom 12. Oktober bis zum 9. Februar 2020 den Schleier des Vergessens lüften, der sich seit einigen Jahrzehnten über Tissots OEuvre legt.

Jacques-Joseph Tissot wurde 1836 als Sohn einer wohlhabenden Textilhandelsfamilie in Nantes geboren. Man weiß nur wenig über seine Kindheit und die Beziehung zu seinen Eltern. Seinen Geburtsnamen sollte er später ablegen und sich James nennen. 1855 zog er nach Paris, um an der prestigeträchtigen École des Beaux-Arts zu studieren. Dort wurde der von Jean-Auguste-Dominique Ingres geprägte Klassizismus gelehrt, und dessen Ideen von Perfektion, kompositorischem Gleichmaß und naturtreuer Vollkommenheit formten das Werk des jungen Malers maßgeblich. Seine beiden Lehrer – Hippolyte Flandrin und Louis Lamothe – waren Schüler Ingres’ gewesen.

Schon 1859 wurde Tissot mit fünf Bildern für den Salon de Paris zugelassen, der wichtigsten Verkaufsausstellung ihrer Zeit. Zunächst wandte er sich dem Historismus zu. In einer Reihe von Bildern, etwa »Das Treffen von Faust und Margarete« (1860), interpretierte er Goethes »Faust«-Stoff neu und legte dabei den Fokus auf das Schicksal von Gretchen. In einem von der Ästhetik des niederländischen und deutschen Mittelalters beeinflussten Stil malte er einen zweifelnden Martin Luther. Und er setzte die Geschichte vom verlorenen Sohn neu in Szene.

Erst mit den Bildern »Die zwei Schwestern « (1863) und »Porträt von Mademoiselle L. L.« (1864), mit denen er im Salon von 1864 vertreten war, betrat der junge Maler neues Terrain. Dabei fand er zu seinem ureigenen Thema, das ihn bis zum Ende seiner Karriere begleiten sollte: die Soziologie der höheren Gesellschaft seiner Zeit und ihre Mode. Beide Gemälde sind von einem bemerkenswerten Spiel mit malerischen Wertigkeiten geprägt.

Den Kleidern und der Umgebung seiner Figuren schenkt Tissot darin ebenso große Aufmerksamkeit wie ihren Gesichtern, ihrer Mimik und Gestik. Dem aparten roten Bolero, der mit kugelförmigen Quasten besetzt ist, und dem aufbauschenden schwarzen Kleid der »Mademoiselle L.L.« wird genauso viel Bedeutung zugestanden wie der unbekannten Mademoiselle selbst, die da ein wenig gelangweilt auf einem kleinen Tischchen sitzt. Die ungewöhnliche Komposition aus der Perspektive eines knienden Modefotografen sorgt dafür, dass man nicht sagen kann, wer hier eigentlich porträtiert wird: Mademoiselle oder ihr aufregendes Kleid.

Ein Vogue-Titelbildavant la lettre .

Tissots Salon-Auftritt von 1864 machte ihn innerhalb weniger Monate berühmt. Er hatte den Puls der Zeit getroffen. Zwei Jahre später, er war noch nicht einmal dreißig, wurde ihm zudem derhors concours -Status zuerkannt. Eine Art Ritterschlag, der dafür sorgte, dass seine Gemälde nicht mehr dem komplizierten Juryprozess des Salons unterworfen waren und die Preise, die er für sie verlangen konnte, in die Höhe schnellten. Auf dem Anwesen des Château de Buillon befindet sich auch das mehrstöckige, mit großblättrigen Pfeifenwinden bewachsene Atelierhaus von Tissot. Der Maler ließ das einstige Wohngebäude der hier ansässigen Zisterziensermönche im Tudor-Revival-Stil erweitern. Auch mehr als ein Jahrhundert nach seinem Tod ist das Atelier mit den viereinhalb Meter hohen Bleiglasfenstern so gut wie unberührt. Frédéric Manton, der heutige Besitzer des Châteaus, hat hier ein kleines, der Öffentlichkeit nicht zugängliches Privatmuseum eingerichtet. Dort kann man die Staffeleien, Pinsel und angebrochenen Farbtuben des Malers bestaunen. An den mit Eichenholz vertäfelten Wänden hängen japanische Drucke und einige von Tissots eigenen Radierungen, Aquarellen und Gemälden. In Glasvitrinen sind von ihm illustrierte Bibeln, von ihm aufgenommene Fotos und die exquisiten Cloisonné-Emailarbeiten zu sehen, die er anfertigte, wenn er nicht malte.

Neues Terrain betritt Tissot 1864 mit dem »Porträt der Mademoiselle L. L.« (re. ). Die Perspektive ähnelt der eines knieenden Modefotografen. Kompositorisch verwegen sind auch das »Porträt von Algernon Moses Marsden (1877,o. ) oder das Gemälde »Der Ball an Bord« (1874,nächste Doppelseite)


1870, bei Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs, entschied sich Tissot im Gegensatz zu vielen anderen seiner Malerkollegen, in Paris zu bleiben. Die Ereignisse jenes »l’année terrible«, wie Victor Hugo es nannte, sollten langwierige Folgen haben. Während der Kriegshandlungen diente der Maler als Scharfschütze. Als gegen Ende des Kriegs eine konservative Übergangsregierung die napoleonische Monarchie ablöste, stieß das unter großen Teilen der Pariser Bevölkerung auf Ablehnung. Es kam zur Gründung der Revolutionsregierung La Commune de Paris. Auch Tissot gehörte zu den Kommunarden. Im Mai 1871, während einer der blutigsten Bürgerkriegswochen, wurde die Commune niedergeschlagen. Über 25 000 Menschen kamen dabei ums Leben. Tissot ergriff die Flucht und zog nach London.

Mehr als ein Jahrzehnt sollte der Maler in der Stadt an der Themse leben. Sowohl in professioneller als auch in privater Hinsicht gehörten diese Jahre zu den glücklichsten seines Lebens. Auf einer Venedig-Reise lernte er die junge Irin Kathleen Newton kennen, die sich kurz zuvor von ihrem Mann hatte scheiden lassen und in den Augen der Gesellschaft als gefallene Frau galt. Newton wurde die große Liebe seines unsteten Lebens und sein bevorzugtes Modell. Mit ihr und ihren beiden Kindern zog er nach St. John’s Wood im Nordwesten Londons.

Tissots Bilder jener Jahre wirken wie Dokumente eines Befreiungsschlags. Beeinflusst von den malerischen Trends der britischen Hauptstadt, die sich in ihrer viktorianischen Blütezeit befand, erlangen sie neue narrative Kraft und verlieren die letzten Spuren der starren akademischen Tradition. Der Maler setzte sich mit den Präraffaeliten auseinander, mit den L’art-pour-l’art-Ideen des Ästhetizismus und den stilistischen Ekstasen des Japonismus. Gesellschaftliche Szenen in Ballsälen, auf Ausflugsschiffen und in Tropenhäusern stellte er in ungewöhnlichen Perspektiven und verwegenen Kompositionen dar. Die Kleider der Damen sind von einer schwelgerischen Eleganz; lukullische Fliedersträuße, gigantische Glashauspalmen und opulente Chrysanthemenmeere werden mit ebenso detailversessener Leidenschaft darge- stellt wie orientalische Teppiche und üppige Vorhangkaskaden. Henry James sagte über Tissots Bilder einmal, dass »ihre Motive nur durch eine malerischetour de force in Szene zu setzen« seien. Es sind Bilder einer schlicht überragenden Virtuosität.

Doch zugleich sind sie mehr als das. Tissot gelang es, mit feinem Auge die Stil-Apotheose jener Jahre zu sezieren, als das gehobene Bürgertum das Heim, die Mode, das Reisen und die Liebe für sich entdeckte. Als das geformt wurde, was man als »bürgerliche Identität« bezeichnet. Geradezu analytische Kühle paart sich nicht selten mit mildem Amüsement und einer zumindest für die damaligen Betrachtenden offensichtlichen Zeitkritik. Die jungen herausstaffierten Damen, die in »Zu früh« (1873) in einem Ballsaal warten, nachdem sie zur Unzeit zum Fest erschienen sind, wirken, ohne es zeigen zu wollen, peinlich berührt. Die Dampferszene in »Der Ball an Bord« (1874) zeichnet sich trotz ihres Versprechens auf Unterhaltung und Romanzen durch eine überaus höfliche Form des Ennui aus. Und wenn Kathleen Newton in »Die ältere Schwester« (1879) mit einem ihrer Kinder auf der hübsch bewachsenen Treppe des Hauses in St. John’s Wood sitzt, bedeutet das auch, dass ihr aufgrund der herrschenden Moralvorstellungen nichts anderes übrig blieb, als sich in die häusliche Sphäre zurückzuziehen. Was sich in diesen Werken abspielt, ist der große Ernst der Comédie humaine. Sie sind Zeugnisse einer Welt, in der Äußerlichkeiten immer so viel mehr als nur Äußerlichkeiten sind.

Ein Grund für den vergleichsweise geringen posthumen Ruhm Tissots liegt sicherlich in der schweren Klassifizierbarkeit seines Werks. Am ehesten ließe sich dieses noch mit den Gemälden von John Singer Sargent, John Everett Millais oder James McNeill Whistler vergleichen, den anderen großen Einzelgängern dieser Zeit. Tissot war mit Édouard Manet, Edgar Degas und Berthe Morisot befreundet und wurde 1874 von Degas sogar dazu eingeladen, an der ersten Ausstellung der Société anonyme teilzunehmen. Doch obwohl es gewisse Parallelen gibt, etwa das Spiel mit der Farbigkeit des Lichts, würde kaum jemand auf die Idee kommen, ihn ernsthaft als Impressionisten zu bezeichnen. Seine Gemälde nur als eine sinnliche Variante des Naturalismus zu verstehen, wäre allerdings genauso falsch. Je näher man an seine Bilder tritt, desto stärker lösen sich die perfekten Oberflächen seiner frappierend lebensechten Motive in bewegte Pinselstriche und dahingeworfene Farbtupfer auf. Nicht selten scheint an einigen Stellen sogar noch die impulsiv aufgetragene dunkelbraune Lasur durch. Ein überraschender, nur schwer in Worte zu fassender Effekt, der eine soghafte Wirkung hat. Tissot war einer der ersten Maler, der konsequent Fotos von Modellen und Szenerien machte und diese als Vorlagen benutzte. Seine teils ungewöhnlichen Formate und Kompositionen entstanden im Dialog mit den von ihm so verehrten japanischen Holzschnitten. Der filmische Blick seiner narrativ komplexen Gemälde nahm die Entwicklung eines anderen Mediums vorweg.

Umgeben von japanischen Holzschnitten und Fotografien in seinem Atelier schuf Tissot als Spätwerk den Aquarellzyklus »Das Leben Christi« (1886–1894,u. : »Jesus steigt einen Berg hinauf, um zu beten«).


Von prachtvollen Szenen wie »Chrysanthemen« (um 1876,li. Seite ) nahm er Abstand


Tissot gelang in seinem Werk nichts weniger, als eine elegante Brücke zwischen Klassizismus, Realismus und Moderne zu bauen. Er blieb der Einzige, der über diese Brücke ging. Im Atelier in Buillon steht, gleich neben den Bleiglasfenstern, auf einer Staffelei ein kleines, schnell gemaltes Bild mit Goldrahmen.

Es zeigt zwei in weißes Tuch gehüllte Figuren, einen Mann und eine Frau, aus deren geöffneten Handflächen ein helles Licht erstrahlt. Das Bild bezeugt eine jener spiritistischen Séancen, denen Tissot in seinen letzten Lebensjahren häufiger beiwohnte. Es ist ein Geisterporträt. Die Frau trägt die Gesichtszüge von Kathleen Newton. Newton starb 1882 an Tuberkulose. Von diesem Einschnitt sollte sich Tissot nie wirklich erholen. Kurz nach der Beerdigung verkaufte er das Haus in St. John’s Wood an den befreundeten Maler Lawrence Alma-Tadema und verließ London. Mit seiner Bildserie »Die Frau in Paris« (1883–1885) versuchte er kurzzeitig vergeblich, wieder in der Pariser Kunstszene Fuß zu fassen. Seine Bilder hatten an Strahlkraft, an Überzeugung verloren.

Nicht nur sein eigenes Leben schien für Tissot vorbei, sondern auch das moderne, das er so virtuos dokumentiert hatte. In London war er von einem wohlhabenden zum sehr reichen Mann geworden, die britische Oberschicht und amerikanischen Sammler des Gilded Age hatten ihm seine Bilder förmlich aus der Hand gerissen. Er zog sich auf das ererbte Château de Buillon zurück und begann mit großer Sorgfalt, es auszubauen. Ausgerechnet hier sollte seine Karriere eine letzte, überraschende Wendung nehmen.

Denn er wandte sich nicht nur dem Spiritualismus, sondern – angeregt durch eine religiöse Vision, die er in der Pariser Kirche Saint-Sulpice gehabt hatte – auch der katholischen Religion zu. Dreimal reiste er ins Heilige Land, und bis zu seinem Tod 1902 arbeitete er ohne Unterlass an Aquarellen, mit denen er die Bibel und das Leben Jesu Christi illustrierte. Die fast schon kinematografische Vorstellungskraft dieser Aquarellserie sorgte weit über die Grenzen Europas hinaus für eine Sensation, als Tissot sie 1894 zum ersten Mal im Salon du Champ-de-Mars in Paris ausstellte. Die New York Times berichtete von weinenden Besuchern, die sich still vor die Werke knieten oder sich andächtig bekreuzigten. Er hatte abermals den Puls der Zeit getroffen. Die weltweite Tour der Serie »Das Leben Christi« machte Tissot viele Jahre lang zum meistbekannten und bestverdienenden Künstler seiner Zeit.

Es ist schwer zu beurteilen, was von einem künstlerischen Vermächtnis bleibt. Tissot erlebt regelmäßig kleine Renaissancen. Steven Spielberg und George Lucas etwa setzten ihm ein popkulturelles Denkmal, als sie 1981 die biblische Bundeslade in ihrem ersten »Indiana Jones«-Film nach einer Tissot- Zeichnung gestalteten. Martin Scorsese ließ in seiner Edith-Wharton-Verfilmung »Zeit der Unschuld« von 1993 die Kamera über mehrere Werke des Malers streifen. Seit einigen Jahren erlangen Tissots Großformate bei Auktionen verlässlich einstellige Millionenbeträge. Es wäre also falsch zu sagen, dass man ihn ganz vergessen hätte. Und doch stünde ihm ein würdigerer Platz in der Kunstgeschichte zu als der, den er innehat. Noch ein letzter Spaziergang durch das sattgrüne Anwesen des Château de Buillon.

Vor dem inneren Auge sieht man sie um die Ecke kommen, die Damen der Belle Époque, mit ihren rauschenden Kleidern, Fächern und Parasolen, den Schleifen im Haar. Die hübschen Männer mit den gepflegten Bärten, in Anzug, Fliege und Zylinder. Man ruft es sich noch ein letztes Mal in Erinnerung, Tissots 19. Jahrhundert, das bei niemandem schöner und melancholischer aussah. Dann geht es zurück in die wirkliche Welt.


Bilder links: Leeds Museums and Galleries, LEEAG.PA.1897.0015, Leeds Art Gallery, UK/Bridgeman Images; rechts: Collection Frédéric Mantion (2); vorige Doppelseite: Allen Phillips/Wadsworth Atheneum Museum of Art, Hartford, Connecticut

Bild links: Private Collection, Courtesy of Grant Ford Ltd./Universal Images Group North America LLC/Alamy Stock Photo; rechts: Musée d’Orsay, Paris/Bridgeman Images

Bild links: Sterling and Francine Clark Art Institute, Williamstown, Massachusetts, USA/Bridgeman Images; rechts: Courtesy of the Fine Arts Museums of San Francisco; Brooklyn Museum, Purchased by public subscription, 00.159.137, Courtesy of the Brooklyn Museum; vorige Doppelseite: Tate, London, Presented by the Trustees of the Chantrey Bequest, 1937, N04892, Tate, London, 2008