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FAHRBERICHT: DUCATI PANIGALE V2: Appetito Rosso


Motorrad News - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 06.12.2019

Die Evolutionsstufe der Panigale 959 hört nun auf den Namen Panigale V2. Der »MF« durfte das letzte V2-Superbike auf dem GP-Kurs in Jerez testen.


Artikelbild für den Artikel "FAHRBERICHT: DUCATI PANIGALE V2: Appetito Rosso" aus der Ausgabe 1/2020 von Motorrad News. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Motorrad News, Ausgabe 1/2020

Im 4-Zoll-TFTDisplay dominiert der Drehzahlmesser (l. o.). Anpassungen an Assistenzsysteme erledigt die Panigale über Blinkerund Kippschalter (r. o.).


Kaum hatte sich mein Pulsschlag nach der Enthüllung der neuen Panigale V2 auf der Mailänder Messe gelegt, stand ich der feuerroten Schönheit im Fahrerlager gegenüber. Als Journalist sollte man sich von optischen Reizen nicht blenden lassen, doch bei diesem Anblick gelingt das kaum. Design und Proportionen dieses ...

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... V2-Sportlers sind einfach zum Niederknien. Ohne Zweifel ein großer Wurf, zumal Ducati die »Sünden« des Vorgängermodells Panigale 959 ausgebügelt hat. Seitliche Doppelrohr-Schalldämpfer und die lieblose Zweiarmschwinge der 959 sind Geschichte. Jetzt bollert der 955 cm³ große Superquattro Vau Due – der seinen Namen dem annähernd quadratischen Hub-/Bohrungsverhältnis verdankt – wieder aus herrlich knackigem Endrohr. Auch eine Einarmschwinge gehört nun wieder zum Panigale-Standard.

Im Zuge der Evolution wurde der kurzhubige 90-Grad-Twin für Euro 5 fit gemacht. Die Mechanik bleibt davon unberührt. Ein neues Mapping sowie die neue Ausrichtung der vier Einspritzdüsen über die beiden 62 mm dicken Drosselklappen, eine strömungsoptimierte Airbox und größere Katalysatoren reichen für Euro 5 und bescheren sogar fünf PS und zwei Nm mehr. Ansaugkanal und Airbox sind nach Art des Hauses im Monocoque-Frontrahmen integriert, welcher den Superquattro-Twin als zentrales Element im Rahmenkonzept nutzt. Auf das V2-Gehäuse stützen sich also Frontrahmen, Stahl-Heckrahmen, Einarmschwinge und das seitlich gelagerte Federbein. Das spart Platz und Gewicht: Ducati spricht von 176 Kilo (trocken) für die neue, 155 PS starke Pani-V2. Damit die Pferde mit dem Hinterreifen im Format 180/60-17 nicht durchgehen, bekommt die Panigale V2 das 2020er-Elektronikpaket der V4-Schwester spendiert. Traktionskontrolle und Blipper-Schaltassistent der Evo2-Generation regeln nun noch effizienter, Kurven-ABS, Wheelie-Kontrolle und die elektronische Motorbremsregelung wurden noch besser mit der 6-Achsen-Schräglagensensorik verknüpft.

Um dem neuen Panigale-Layout auf den Zahn zu fühlen, stand uns der GP-Kurs im spanischen Jerez zur Verfügung. Zum Warmlaufen starten wir im Modus »Sport«, der die 8-stufige Traktionskontrolle auf Level 4, die Wheelie-Kontrolle auf Stufe 3 von 4 und das Kurven-ABS mit moderater Hinterrad-Abhebeerkennung als Vorgabe anbietet. In allen drei Fahrmodi »Road«, »Sport« und »Race« lassen sich die Regelsysteme freilich individuell abstimmen.

Gesegnet mit Grip der Rennstreckengummis Typ Pirelli Supercorsa SC1/SC2 – serienmäßig rollt die Pani auf Pirelli Diablo Rosso II –, kratzt das Knie bereits in der dritten Kurve am Asphalt. Immer ein gutes Zeichen, dies gelingt eben nur so schnell, wenn die Fuhre Vertrauen spendet. Auf dem schmalen Sportler mit perfekter Sport-Ergonomie und breitem Lenker fühlt man sich schnell wohl. Auch der Umgang mit den 155 Cavalli gelingt ohne allzu großen Respekt. Die Drehzahlmarke von 6000 Touren sollte man für saftigen Antritt schon hinter sich lassen. Richtig vorwärts geht der Vierventil-Twin dann ab 8000 Umdrehungen und endet zu Beginn allzu oft im Begrenzer bei zirka 11.000 Touren, da der V2 bis zum Limiter kräftig anschiebt. Angesichts dieses schmal nutzbaren Drehzahlbandes ist, zumindest auf der Rennstrecke, viel Schaltarbeit gefragt. Was jedoch dank super abgestimmter Blipper-Schaltassistenz mühelos gelingt.

Offenbar hat Ducati die Regelqualität deutlich gesteigert

Die Regelsysteme lassen sich ausschließlich bei sehr beherzter Fahrweise auf den Plan rufen. Wenn das TC-Lämpchen im TFT-Cockpit blinkt, ist von den Eingriffen nichts zu spüren. Auch bleibt das Hinterrad bei provokanten Beschleunigungsattacken erstaunlich sauber in der Spur. Offenbar hat Ducati die Regelqualität gegenüber dem Vorgängermodell deutlich gesteigert. Keinerlei Kritik auch am Reaktionsverhalten der elektronischen Drosselklappen, denn diese führen den V2 selbst im scharfen Fahrmodus »Race« handzahm an der Leine. So kann sich der Pilot sorgenfrei der Zeitenjagd widmen. Angefeuert von kernigem Desmo-Sound aus der Airbox und mit spielerischer Handlichkeit brennt der V2-Sportler persönliche Bestzeiten auf die Uhr. Optimistische Bremspunkte verlieren mit standfesten Brembo-M4-Zangen und klarer Rückmeldung der 43-mm-Showa-BPF-Gabel ihren Schrecken. Besonders am Kurveneingang ist die Pani-V2 ein Gedicht. Offenbar das Ergebnis des Geometrie- und Ergonomie-Updates. Ducati hob das Heck mittels längeren Federbeins und die Sitzhöhe an. Daraus ergeben sich eine handlichere Geometrie, ein höherer Schwerpunkt und mehr Druck auf das Vorderrad. Einzige Kritik am Fahrwerk ist, dass die Gabel beim harten Ankern scheinbar am hydraulischen Anschlag agiert und wenig sensibel auf Bodenwellen reagiert. Leider fehlte uns für Feinabstimmungen von Showa-Gabel und ZF-Federbein die Zeit.

Das seitlich gelagerte ZF-Federbein wurde zwei Zentimeter länger und bekam ein neues Dämpfer-Setup spendiert.


Das neue Polster bekam einen griffigeren Bezug und wuchs in Länge und Dicke. Neu auch das Sitzkissen für Mitfahrer/-innen.


Das Schaltschema lässt sich problemlos umkehren, allerdings wird hierzu ein Kabel für den Blipper-Sensor benötigt.


Statt Zweiarmschwinge ziert das Panigale-Heck nun wieder eine Einarmschwinge, die den Blick auf die neue Hinterradfelge freigibt.


Schlank und rank präsentiert sich das neue V2-Gesicht und bietet hervorragenden Windschutz.


Mit dem »Under-Engine-Stummel« ist das seitliche Doppelrohr der 959 Geschichte.


Pani-Standard: Showa-BPF-Gabel und Brembo-M4-Zangen samt 320-mm-Bremsscheiben (u.).


Unterm Strich bleibt uns nur, eine Empfehlung für Ducatis letzten V2-Sportler auszusprechen. Abgesehen von ihrer ikonischen Schönheit präsentiert sich die »kleine« Panigale als äußerst harmonisches und leicht beherrschbares Sportgerät. So mancher V4-Ducatisti dürfte mit der V2-Panigale angesichts verträglicher Leistung und spielerischen Handlings ganz stressfrei schnellere Rundenzeiten in den Asphalt zaubern. Zumal die große Vierzylinder-Panigale satte 5000 Euro mehr kostet, die der V2-Treiber in reichlich Rennstreckenerfahrung investieren könnte.

ÄNDERUNGEN

Motor/Getriebe
• Euro-5-Abgasnorm
• + 5 PS u. + 2 Nm
• neue Einspritzdüsen u. Positionierung
• Auspuffanlage neu
• Airbox optimiert
Fahrwerk
• Einarmschwinge
• längeres Federbein, höheres Heck
• modifiziertes Setup (Gabel u. Federbein)
Ausstattung
• Ducati-Evo2-Assistenzpaket
Styling
• neues Design
• Fahrersitz 20 mm länger und 5 mm dicker
• Soziuspolster

TECHNISCHE DATEN

Motor: Leistung 114 kW (155 PS) bei 10.750/min, max. Drehmoment 104 Nm bei 9000/min, wassergekühlter 90-Grad-V-Zweizylinder, Hubraum 955 cm³, Bohrung x Hub 100 x 60,8 mm, Verdichtung 12,5:1, vier Ventile je Zylinder, Desmodromik, je zwei oben liegende Nockenwellen, Nasssumpfschmierung, Zünd-/Einspritzelektronik, E-Starter, G-Kat, Mehrscheiben-Anti-Hopping-Nasskupplung, 6 Gänge, Dichtringkette
Fahrwerk: Alu-Monocoque-Chassis, Motor tragendes Element, Stahl-Heckrahmen, Lenkungsdämpfer (nicht einstellbar), 43-mm-USD-Gabel, voll einstellbar, h. Einarm-LM-Schwinge mit über Hebel angelenktem Federbein, voll einstellbar, Federweg v./h. 120/130 mm, Alu-Gussräder, v. 3.50 x 17, h. 5.50 x 17, Reifen v. 120/70-17, h. 180/60-17, v. 320-mm-Doppelscheibenbremse m. Radial-Vierkolben-Monoblock-Festsätteln, h. 245-mm-Scheibenbremse mit Zweikolben-Sattel
Assistenzsysteme: 3 Fahrmodi, Traktions- u. Wheeliekontrolle (getrennt regelbar), Motorbrems-Management, Blipper-Schaltassistent, Kurven-ABS
Maße und Gewichte: Radstand 1436 mm, Lenkkopfwinkel 66°, Nachlauf 94 mm, Sitzhöhe 840 mm, Gewicht fahrfertig 200 kg, Tankinhalt 17 l
Preis: ab 17.990 Euro zzgl. Nk.
Farbe: Rot


Fotos: Ducati, Hamprecht