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FAHRBERICHT HARLEY-DAVIDSON LIVEWIRE : LAUTLOSE KRAFT


Tourenfahrer - Motorrad Reisen - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 06.08.2019

Dass ausgerechnet Harley-Davidson aus Milwaukee in den USA als erster traditioneller Motorradhersteller ein Elektromotorrad in Serie produziert, ist schon beeindruckend, auch wenn die LiveWire als Prototyp schon seit ein paar Jahren durch die Medien geisterte. Die fast lautlose Harley passt eigentlich so gar nicht zur Marke, wie sie jetzt ist, aber das kann sich ja ändern.


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Bildquelle: Tourenfahrer - Motorrad Reisen, Ausgabe 9/2019

Der Motor sitzt schwerpunktgünstig ganz unter dem 104 kg schweren Akku.


Nicht einmal das Markenlogo ist auf dem Motorrad zu finden und würde nicht der Markenname groß auf dem Tank stehen, dann könnte man fast jeden anderen ...

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... Motorradhersteller hinter der LiveWire vermuten – nur eben nicht die Marke der klassischen Cruiser und Chopper. Am Vorabend unserer Ausfahrt durch Oregon und die angrenzenden Berge hat man uns sehr viel erzählt, vom Design, von unzähligen Umfragen und natürlich von der Technik. Und man erzählte uns, dass der Sound der Harley nicht manipuliert ist, aber auch ohne zusätzliche Lautsprecher an einen Düsenjet erinnert.

Jetzt stehe ich also auf einem kleinen Parkplatz in den Bergen und vor mir starten die Düsenflieger zu ihren Bergrunden. Aber so würde ich das Geräusch sicher nicht beschreiben. Beim Beschleunigen erinnert es mich eher an eine eilig davonfahrende Straßenbahn, die sehr schnell hinter der ersten Kehre verschwindet. Als Fahrer höre ich eigentlich fast nicht, das Motorrad setzt sich lautlos in Bewegung, das allerdings mit einer unbändigen Kraft. In knapp drei Sekunden beschleunigt es auf 100 km/h und was man jetzt wahrnimmt, sind auch nur Windgeräusche. Es ist die ulti mative Abkopplung von Geräusch und Kraft. Das ist unglaublich beindruckend und macht auf den nächsten 100 Kilometern süchtig. Beschleunigen mit immer dem gleichen Drehmoment von fast 120 Nm und dazu niemals schalten, das ist eine neue Erfahrung, aber es ist auch eine gute Sache. Einfacher kann Motorradfahren nicht sein. Die 106 elektrischen PS sind kaum mit der Leistung eines Benzinmotors vergleichbar, das fühlt sich irgendwie anders an, vielleicht sogar besser.

Auf unseren Passstraßen ist die LiveWire eine echte Spaßmaschine, die lediglich bei sehr schlechtem Fahrbahn-Untergrund etwas hart federt.

Die LiveWire ist in Orange, Gelbgrün und Schwarz erhältlich. Die Lackierungen in Orange und Gelbgrün sind matt.


Technische Daten*

Motor: max. Leistung 78 kW (106 PS) bei 9000/min, max. Drehmoment 116 Nm, permanenterregter bürstenloser@@Synchronmotor, flüssigkeitsgekühlt, Lithium-Ionen-Batterie, Nennkapazität 15,5 kWh, nutzbare@@Kapazität 13,6 kWh, Sekundärantrieb über Zahnriemen, automatische Rekuperation im Schiebebetrieb@@Fahrwerk: Leichtmetall-Gussrahmen, v. Showa-USD-Gabel, Ø 43 mm, voll einstellbar, h. Alu-Zweiarmschwinge,@@direkt angelenktes Federbein, voll einstellbar, Federweg v. / h. 115 / 115 mm, vorn zwei@@300-mm-Scheibenbremsen mit Radial-Vierkolben-Monoblock-Festsätteln, hinten eine 260-mm-@@Scheibenbremse mit Zweikolben-Festsattel, Kurven-ABS, Alu-Gussräder, vorn 3.50 x 17, hinten@@5.50 x 17, Bereifung Michelin Scorcher Sport, vorn 120/70 ZR17, hinten 180/55 ZR17@@Assistenzsysteme: Kurven-ABS, mit Überschlagvermeidung, kurvenoptimierte Traktionskontrolle mit@@Wheelie-Kontrollsystem, Antriebsschlupfregelung, 7 Fahrmodi@@Ladedauer 100 %: 12,5 Std., DC-Schnellladedauer 100 %: 1 Std.@@Reichweiten : Stadt 235 km, Autobahn 113 km, kombiniert 152 km, WMTC (World Motorcycle Test@@Cycle) 158 km@@Maße und Gewichte: Radstand 1490 mm, Lenkkopf winkel 65,5°, Nachlauf 108 mm, Sitzhöhe@@780 mm, Boden freiheit 130 mm, Gewicht 249 kg, Zuladung 181 kg@@Preis: ab 32.995 Euro zzgl. Nk. 560 Euro;Farben: Vivid Black, Yellow Fuse, Orange Fuse@@Garantie: Motorrad vier Jahre, Akku fünf Jahre (ohne km-Begrenzung)

1 Eine eigenständige Optik integriert den großen Akku und den Elektromotor. 2 104 kg bringt der Lithium-Ionen-Akku auf die Waage und hat eine Gesamtkapazität von 15,5 kWh. 3 Der flüssigkeitsgekühlte Antriebsmotor sitzt in einem schicken Alu-Gehäuse. 4 Der 110 cm große Farb-Touchscreen setzt auf TFT-Technik und ist neigungsverstellbar. 5 Bei jedem Harley-Davidson- Händler, der die LiveWire verkauft, wird es eine DCFC-Ladesäule geben, an der der Käufer seine Elektro-Harley für zwei Jahre kostenlos aufladen darf.

Nach gut 100 Kilometern habe ich noch eine Restladung von etwas über 30 Prozent in meinem Akku

Die voll einstellbare Showa-Fahrwerkskomponenten und die Fahrwerksgeometrie machen die LiveWire ausgesprochen handlich und dank der ausgetüftelten Elektronik, die erstmals bei einer Harley verbaut wird, kann man zwischen vier vorkonfigurierten (Sport, Straße, Regen und Eco) und drei frei programmierbaren Fahrmodi wählen. Außerdem gibt es ein hochauflösendes Farb- TFT-Display mit Touch-Bedienung und eine moderne Software sowie – alle auch in der Schräglage aktiv – eine einstellbarer Traktionskontrolle, ABS und Wheelie-Kontrolle.

Dank des gesamten Antriebs und des dahinter stehenden Konzepts, dass beim Bremsen Energie zurückgewonnen wird – dann nämlich dient der Motor als Unterstützung der Bremse –, braucht man die hochwertigen Monoblock-Brembo-Bremsen deutlich seltener als bei konventionellen Motorrädern. Trotzdem ist es wichtig, das 249 Kilo schwere Fahrzeug jederzeit gut verzögern zu können, denn man ist häufig schneller unterwegs, als es sich anfühlt. Das mag am fehlenden Motorgeräusch liegen und sicher liegt es an den speziell für die Marke entwickelten Michelin-Reifen, aber auch an der Sitzposition, die so gar nicht zum Hersteller passt, für mich jedoch sehr gut abgestimmt ist.

Nach etwas über 100 Kilometern habe ich noch eine Restladung von ein wenig über 30 Prozent in meinem Akku und könnte noch circa 35 Kilometer weiterfahren. Das ist für ein Elektromotorrad eine ganz ordentliche Reichweite, setzt aber bei Touren deutliche Grenzen. Die Ladedauer gibt Harley-Davidson mit 40 Minuten, an um den Akku wieder auf 80 Prozent zu bringen. Doch dazu braucht man ein Gleichstrom-Schnelladeteil (DC-Fast- Charge), das nicht überall verfügbar ist. An einer Haushaltssteckdose muss man sich mehr als zwölf Stunden gedulden, um wieder eine volle Batterie zu haben.

An einer mit acht Ampere abgesicherten Steckdose kann auch nur ein Motorrad geladen werden, denn das Ladegerät hat eine Leistung von 1400 Watt und zieht dadurch sechs Ampere. Ist man in einer Gruppe mit Elektromotorrädern unterwegs, muss man dies berücksichtigen, selbst wenn man plant, die Motorräder über Nacht aufzuladen. Bei einem abendlichen Spaziergang habe ich zufällig gesehen, wie unsere 14 Vorführ-Motorräder nachgeladen wurden – mit drei großen Diesel-Aggregaten und daran angeschlossenen Schnellladegeräten.

Bei einer Schnellladung ist die LiveWire in 40 Minuten wieder auf 80 Prozent gebracht.


Doch wer wird denn jetzt die neue LiveWire kaufen? Für wen ist sie tatsächlich eine gute Alternative und hat keine gravierenden Nachteile aufgrund der noch nicht gelösten Problematik der Ladestationen außerhalb der Autobahn-Infrastruktur? Bisher erscheint mir dieses Motorrad die ideale Maschine für die Nutzung in Großstädten und für kleinere Ausflüge an Wochenenden. Erst wenn es wirklich genügend Schnelladesäulen gibt, sodass auch mehrere Motorräder gleichzeitig aufgeladen werden können, werden sich die LiveWire und andere Elektromotorräder durchsetzen können. Wie weit die Gesamt-Ökobilanz das sinnvoll escheinen lässt, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden, doch wenn der Strom nicht aus neuen regenerativen Quellen kommt, muss man all dies infrage stellen.

Für mich ist die Harley-Davidson LiveWire ein spannender Ausblick in eine Zukunft, die auch ohne Verbrennungsmotoren noch viel Spaß am Motorrad lässt. Und wer mir das nicht glauben möchte, sollte sich zu einer Probefahrt anmelden.

Herbert Schwarz


Fotos: Herbert Schwarz, Harley-Davidson