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FAHRBERICHT LAND ROVER DEFENDER: DER NEUE ALTE


Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 14.07.2020

Der neue Land Rover Defender spaltet die Meinungen der Fan-Gemeinde. Seit dem 20. Juni steht er nun endlich beim Händler. Wir konnten ihn schon auf einer ersten Testfahrt etwas genauer unter die Lupe nehmen. Ist er jetzt mehr SUV als Geländewagen?


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Bildquelle: Off Road, Ausgabe 8/2020

Veränderung ist nicht jedermanns Sache! Doch wer nicht mit der Zeit geht, muss bekanntlich mit der Zeit gehen. Deshalb wurden in den letzten Jahren bereits zwei unserer heiß geliebten 4x4-Klassiker auf den Stand des 21. Jahrhunderts gebracht, und nach Jeep Wrangler und Mercedes GKlasse steht jetzt auch der Land Rover Defender komplett erneuert in den ...

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Veränderung ist nicht jedermanns Sache! Doch wer nicht mit der Zeit geht, muss bekanntlich mit der Zeit gehen. Deshalb wurden in den letzten Jahren bereits zwei unserer heiß geliebten 4x4-Klassiker auf den Stand des 21. Jahrhunderts gebracht, und nach Jeep Wrangler und Mercedes GKlasse steht jetzt auch der Land Rover Defender komplett erneuert in den Startlöchern. Das erste Urteil eingefleischter Fans: zwiegespalten! „Wieder so ein aufgeblasenes SUV, was ein bisschen auf Gelände machen möchte”, war sehr häufig zu hören. Aber: Auch Land Rover muss mit der Zeit gehen – und den aktuellen Nerv der Kunden treffen nun mal SUV. Deshalb: Ja, der neue Defender sieht definitiv mehr nach SUV aus als sein Vorgänger, ist insgesamt ein wenig „niedlicher” geworden.

WEITERGEDACHT

Doch keine Sorge: Nach wie vor ist der Landy als Defender zu erkennen. Die Designer haben das alte Erscheinungsbild, das nahezu unverändert seit 1948 bestand, eben weitergedacht. Wäre vom Defender, wie bei anderen Autos üblich, alle sieben, acht Jahre eine neue Generation auf den Markt gekommen, sähe die jetzt dann wahrscheinlich zehnte oder elfte Auflage vielleicht genauso aus wie der Defender II und es wäre nur ein weiterer kleiner, logischer Schritt gewesen. So aber macht der Land Rover einen riesigen Satz. Immerhin: Die typische Defender-Silhouette mit den sehr kurzen Überhängen an Front und Heck, die ihm sehr gute Böschungswinkel verschaffen, haben die Designer beibehalten. Ebenfalls typisch sind die Alpine-Fenster im Dach und die seitlich angeschlagene Hecktür mit dem außen angebrachten Reserverad. Dass die Tür immer noch nach rechts aufgeht, ist britisches Erbe; wenngleich man es sich im Rechtsverkehr gerne andersrum wünscht. Das neue Karosserie-Design beschert dem 5,02 Meter langen 110er einen cw-Wert von 0,38. Zum Vergleich: Ein Volkswagen Touareg hat einen cw-Wert von 0,32, der alte Defender kam auf schrankwandähnliche 0,65. Der Fortschritt macht sich freilich beim Verbrauch bemerkbar, aber auch in Sachen Windgeräusche.

VIEL PLATZ

Über fünf Meter Länge, 2,11 Meter Breite, fast zwei Meter in der Höhe und ein 3,02 Meter langer Radstand sind die Garanten für jede Menge Platz im Innenraum. Den 110er gibt es wahlweise mit fünf, sechs oder 5+2 Sitzen, der etwas später nachgereichte kleine 90er bietet Platz für bis zu sechs Personen. Dass es innen luftig zugeht, ist bei den Abmessungen keine Überraschung, aber für Defender-Fahrer ein ganz neues Gefühl. War der alte eng und kuschelig, geht es nun auf allen Plätzen gemütlich zu und nie kommt man den Mitreisenden zu nahe. Hinter der zweiten Sitzreihe nimmt es der Kofferraum mit bis zu 857 Liter auf. Werden die Plätze nicht benötigt, steigt das Volumen auf beachtliche 1946 Liter an. Die Sitze selbst sind, auch das ist ganz anders als früher, bequem und machen trotzdem einen robusten Eindruck. Letzteres gilt für das gesamte Interieur, das aber dennoch sauber und ordentlich verarbeitet ist und aus angenehmen Materialien besteht – der Spagat zwischen Komfort und Abenteuer ist definitiv gelungen. Gar nicht abenteuerlich ist dagegen das Cockpit, in dem sich jede Menge getan hat. Hier ist der Defender nicht mehr wiederzuerkennen! Als erstes Modell bei Land Rover hat er das neu entwickelte Infotainment-System Pivi Pro an Bord. Die Bedienung ist benutzerfreundlich gestaltet, alles funktioniert intuitiv per Touch. Sehr erfreulich ist die nun schnellere Reaktionszeit; wer Land Rover-Modelle kennt, weiß, dass das bisherige Navi-Infotainment-System mitunter die Befehle recht langsam ausführt. Dank der Always-on-Funktion steht das neue System dagegen immer Gewehr bei Fuß und reagiert deutlich flinker. Dank Software-Updates „Over-The-Air” ist das Defender-System außerdem immer auf dem neusten Stand.

Schräg: Verschränkungen im Gelände meistert er ohne Probleme. Sein maximaler Neigungswinkel liegt bei 45 Grad.


Sein Revier: Abseits der festen Straßen fühlt sich der Defender wohl.


Gestiegen: Steigungen bis 45° sind drin.


Der Renner: An der Spitze läuft der D240 188 km/h und braucht 9,1 Sekunden für Tempo 100 km/h.


Bequem: In der ersten Reihe kommt man dem Beifahrer nie zu nahe.


Fernreisetauglich: Auch in der zweiten Sitzreihe gibt es genügend Platz.


LEITER ADE

Genauso viel wie im Innenraum hat sich auch unter dem Blech getan. Den Leiterrahmen haben die Briten kurzerhand rausgeschmissen und dem neuen Defender eine selbsttragende Karosserie verpasst. Interessant: Die Plattform nennt sich D7x, wobei das X – wie könnte es anders sein? – für extrem steht. Denn das Extreme soll auch zukünftig das Revier des Defenders sein: Die auf einem leichten Aluminium-Monocoque basierende Konstruktion ist laut Land Rover die steifste, die man je in Serie gehen ließ; sie ist dreimal steifer als herkömmliche selbsttragende Karosserie- und Chassis-Lösungen und bietet damit eine solide Grundlage für die Einzelradaufhängung des neuen Defender. Ebenfalls neu ist die Luftfederung, die bei der langen 110-Version Serie ist; der kurze 90er kommt ab Werk mit Schraubenfedern.

ER KANN KURVE

An Motoren gibt es derzeit zwei Diesel und zwei Benziner – erst später wird das Angebot noch um einen Plug-in-Hybrid erweitert. Bei den Selbstzündern handelt es sich um zwei Zwei-Liter-Vierzylinder-Twinturbo-Motoren mit 200 PS (D200 AWD) oder 240 PS (D240 AWD). Die Ottos gibt es wahlweise als Zwei-Liter-Vierzylinder-Turbo mit 300 PS (P300 AWD) oder in Form eines 400 PS starken Drei-Liter-Sechszylinder-Tur bos (P400 AWD). Im ersten Test sind wir den D240 AWD gefahren: Der stärkste Diesel schickt sein maximales Drehmoment von 430 Newtonmetern bei niedrigen 1400 Umdrehungen permanent – wie könnte es anders sein? – an alle vier Räder. Verwaltet wird die Kraft von einer präzise arbeitenden Achtgang-Automatik, ein zweistufiges Verteilergetriebe stellt das Vorwärtskommen auch unter schwierigen Verhältnissen sicher. Ebenso gibt es ein sperrbares Mittendifferenzial und optional ein aktives Hinterachs-Sperrdifferenzial. Tritt man einmal ordentlich aufs Gaspedal, schnellt der Defender in 9,1 Sekunden auf Landstraßentempo. Apropos Straße: Hier liegt der Land Rover satt und sicher und lässt sich sogar zu einer flotten Kurvenfahrt bewegen. Ein großer Wurf, wenn man bedenkt, welche Schaukelpartie man mit dem Vorgänger mitunter durchmachte. Hier dagegen reist man genauso kommod wie im Discovery oder Range Rover: Butterweich federt das Luftfahrwerk über Bodenunebenheiten und schluckt selbst Schlaglöcher gekonnt weg. Apropos schlucken: Den Verbrauch gibt Land Rover (nach NEFZ-Lesart) mit 7,7 Liter an.

Sauber: Das neue Defender-Cockpit wirkt robust und sehr aufgeräumt.


Wie immer: Natürlich gibt es eine Tür und keine Heckklappe.


Viel Platz: In den neuen 110er-Defender passen bei umgelegter Rückbank bis zu 1946 Liter Gepäck.


Direkt: Die Lenkung des neuen Defender reagiert präzise.


Alles im Blick: Auf Wunsch zeigt der Rückspiegel ein Kamerabild.


Flott: Das neue Navi-Infotainment-System reagiert genauso schnell wie die Achtgang-Automatik.


DIE KÜR

Und wie sieht es im Gelände aus? Werfen wir erstmal einen Blick auf die Geländewerte. Dank seiner bereits erwähnten kurzen Überhänge hat der Defender einen Böschungswinkel von maximal 38 Grad vorne und 40 Grad hinten. Die Wattiefe liegt bei 90 Zentimetern, die Steigfähigkeit und die maximale seitliche Neigung betragen je 45 Grad und die maximale Bodenfreiheit liegt bei stolzen 29,3 Zentimeter. Um eine Vorstellung davon zu vermitteln, hat Land Rover nach einem lebensnahen Beispiel gesucht: Fährt man über eine Weinflasche, bleibt sie auf jeden Fall stehen. Mit gutem Gewissen, aber ohne Wein, wagen wir uns also ins Gelände – das Kür-Programm für den Defender. Langsam tasten wir uns voran, die erste größere Steigung liegt vor uns – und die meistert er ohne Mühen, als ginge es nur geradeaus. Munter klettert er auch über größere Steine und verschränkt sich tadellos, und auch die Wasserdurchfahrt ist für ihn keine große Herausforderung. Spannend: Großes Neuland im Defender sind die vielen Helfer, die vor allem für Offroad-Neulinge von Vorteil sein dürften. So warnt der Landy beispielsweise vor zu tiefem Wasser. Dank des auch von anderen Land-Rover-Modellen bekannten Terrain-Response kann man nun auch im Defender alle relevanten Fahrzeugeinstellungen an die Umgebung anpassen, außerdem gibt es einen individuell konfigurierbaren Modus. Man kann aber auch einfach den Auto-Betrieb aktivieren und das System selbst entscheiden lassen, welche Einstellungen am besten geeignet sind. Damit man im Gelände auch weiß, welches eventuelle Hindernis gerade unter der Motorhaube lauert, stattet Land Rover auch den Defender mit der Clear-Sight-Ground-View-Technologie aus. Damit wird die Motorhaube praktisch durchsichtig: Kameras übertragen Bilder vom Untergrund unmittelbar vor den Vorderrädern auf den Touchscreen. Und ist das Auto mal voll beladen und die Sicht nach hinten eingeschränkt? Kein Problem! Den Rückspiegel gibt es ebenfalls mit Kamerabild.

Auswahl der Antriebe: Insgesamt wird es den Defender mit fünf Motorisierungen geben.


Gezogen: An den Haken nimmt der Brite bis zu 3,5 Tonnen.


Defender ahoi: Wasserdurchfahrten sind bis zu einer Höhe von 90 Zentimeter möglich.


Robust: Die Oberflächen lassen sich leicht wieder reinigen.


Versorgt: Neben USB-Ports gibt es auch eine Steckdose.


Flott ums Eck: Flotte Kurvenfahrten sind dank des gut abgestimmten Fahrwerks keine Herausforderung für den Landy.


Bequem vorwärts: Gemütlich kraxelt der neue Defender auch über größere Steine.


AUS FÜNF UND VIER

Den neuen Land Rover-Geländewagen gibt es in den Ausstattungsversionen S, SE, HSE, First Edition und als Topmodell Defender X. Und auch für Individualisierung haben die Briten noch etwas im Angebot. Dank vier Zubehörpaketen kann sich jeder seinen Defender nach seiner persönlichen Vorliebe gestalten. Egal ob Explorer, Adventure, Country oder Urban – da ist für jeden etwas dabei. Wer Freund des matten Lacks ist, findet in der Optionsliste eine neue, seidenmatte Lackschutzfolie, die das Fahrzeug vor unliebsamen Kratzern und Schrammen schützt. Sie ist mit den Farben Indus Silver, Gondwana Stone und Pangea Green kombinierbar und wird ab Werk aufgebracht. Auch eine fernbedienbare Elektrowinde, ein Dachzelt oder ein ausfahrbares, wasserfestes Sonnensegel gehören zum Zubehörangebot.