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FAHRRAD-WOHNWAGEN


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CamperDogs - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 10.12.2021

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Bildquelle: CamperDogs, Ausgabe 4/2021

Bis jetzt war ich Wanderfrau. Ich bin gerne mit meinen 2 Hunden mehrere Tage im Gebirge unterwegs gewesen. Mit Rucksack und Zelt. Absolut minimalistisch. Dann kam Hund Patchi … Meine Tochter lebte 5 Jahre in Spanien und kam zurück mit 2 Pferden, 2 Katzen und Patchi. Patchi hatte als kleiner Bub einen schrecklichen Unfall mit einem Traktor. Dabei wurde die Wachstumsfuge eines Hinterbeine beschädigt und das Bein ist nun 10 Zentimeter kürzer. Das bedeutet, dass Patchi nicht länger als 1 Stunde am Stück laufen darf. Was mache ich Wanderfrau mit einem Hund, der nur 1 Stunde am Stück laufen darf! Unmöglich! Unmöglich? »Wo ein Wille, da ein Weg« gehörte immer schon zu meinem Lebensmotto. Ich fand als Lösung den Jogger. Jenen Hundefahrradanhänger, der durch Anbringung eines Vorderrades geschoben werden kann. Im Gebirge zu wandern war nun zwar nicht mehr möglich, aber dank Patchi entdeckte ich für mich die ...

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... wunderbare Welt der Weitwanderwege. Wir zogen über Land, über Stock und Stein, aber auch gerne auf Fahrradwegen. Das Übernachten mit dem Zelt war dabei eher ein notwendiges Übel. Zelt aufstellen, Luftmatratze aufblasen. Oder noch schlimmer, am anderen Morgen die Luft wieder auszupressen. Feuchtes Zelt einpacken. Penible Organisation des Equipments. Für das Zelt muss ein geeigneter Boden gefunden werden. Eben sollte er sein und frei von Ästen und Steinen.

Und jetzt: Fahrradwohnwagen!

Ich war total elektrisiert und fing an zu recherchieren. Das wäre was für uns! Auch wenn ich bis dato nur mein altes 20-jähriges Mountainbike hatte. Das Fahrrad erschien mir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht wichtig. Der Fahrradwohnwagen tanzte nur mehr vor meinem inneren Auge.

Auf YouTube fand ich einiges dazu, auch YouTuber, die einen Fahrradwohnwagen selbst gebaut hatten. »Was ist denn das für eine nette Kugel?« Ein Dübener Ei im Miniformat! Mit Jörg Skowronek, dem Erfinder, kam ich recht schnell ins Gespräch. Sogar im Fernsehen war er schon mit seinem kleinen »Ei« bei »Das Ding des Jahres«, wo er seine Erfindung vorgestellt hatte.

Wenn etwas passt, dann merkt man das sofort, weil sich das auf Anhieb stimmig anfühlt. Unsere Sonderanfertigung ging in Auftrag. Eine große Dachlüftung wollte ich. Patchi brauchte unbedingt ein eigenes Fenster zum Rausschauen. Patchi ist taub. Er kann die Welt nur riechen und sehen. Die Türe musste geteilt werden, damit sie oben immer aufbleiben kann und der vordere Teil des Bettes muss sich nach hinten umklappen lassen, damit Patchi tagsüber viel Platz hat. Aus dem gleichen Grund musste das Bett noch 10 Zentimeter höher und 10 Zentimeter schmaler werden. Vom vorderen, umklappbaren Bereich kamen noch mal 5 Zentimeter weg. Der liebe Jörg setzte alle Wünsche geduldig und bestens um. Ende Juni 20 brachte er uns unser neues Rad-Wanderzuhause sogar persönlich vorbei. Das passende Fahrrad dazu erstand ich beim örtlichen Fahrradhändler, der, wie ich mittlerweile sagen kann, genau das Richtige für uns auf Lager hatte.

Das ist nun schon über ein Jahr her. Mittlerweile haben wir bestimmt an die 3.000 Kilometer erfüllende (Lebens-) Zeit damit verbracht. Unsere längste Tour war dieses Jahr im Sommer. Der »Fränkische Wasserradweg« mit etwa 400 Kilometern. Da wir ja von zu Hause aus starten, beläuft sich unsere Strecke insgesamt auf 640 fantastische Kilometer. Vom fränkischen Wasserradweg gibt es eine praktische und informative Broschüre, in der sogar Kartenmaterial zu finden ist. Der Tourismusverband »fränkisches Seenland« gibt diese Broschüre kostenlos heraus.

Außer dem Bestellen der Broschüre und dem Abhaken meiner Checkliste bereite ich nichts weiter vor. Um Übernachtungen brauche ich mich nicht zu kümmern und Einkaufsmöglichkeiten gibt es am Weg. Patchi lässt mich nicht mehr aus den Augen, wenn ich die Fahrradtaschen bereitstelle und das Packen anfange. Da ist neben der ganzen Aufregung auch so ein Leuchten in seinen Augen. Für eine längere Radtour (wir waren 12 Tage unterwegs) braucht man doch etwas mehr Dinge. So müssen alle Ladekabel und Adapter für das Rad mit (auf Wochenendtouren brauche ich überhaupt kein Ladekabel mitzunehmen). Patchis Trockenfutter muss im Gesamten mit, da es dieses Futter nicht überall gibt. Feuchtfutter kaufe ich unterwegs nach. Bei den Kleidungsstücken ist die Anzahl die gleiche, egal ob ich 1 Woche oder 1 Monat unterwegs bin. Hoch lebe meine Wandererfahrung!

Hintergrundinfos

Patchi ist 6 Jahre alt, ich bin 64 Jahre. Unser gefahrener Tagesdurchschnitt war 53 Kilometer pro Tag.

Für die ganzen 12 Tage hatte ich 90 Euro ausgegeben. In dem Betrag sind auch 3 Speicherkarten enthalten. Ohne die Speicherkarten hätten 55 Euro gereicht. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit trank ich fast jeden Tag Kaffee. Ob im Supermarkt, an einer Tankstelle oder spendiert.

Zu essen gab es, was schnell geht. Auch mal Wildgemüse und süße Crêpes. Gerne mache ich Wildgemüsepesto. Dazu mixe ich mit meinem USB Mixer Wildgemüse, Salz, Öl und Wasser. Schnelles Fladenbrot (nur Wasser, Mehl und Salz) mit dem Spirituskocher ist auch ein Hit. Aus dem Supermarkt kaufe ich veganen Brotaufstrich, Haselnussmilch, Tofu und mal eine Breze oder Semmel zum Frühstück. Ich esse unterwegs nicht so viel wie zuhause.

Auf meinem YouTube Kanal: »Susi Kronstein – Das Glück ist am Weg« erzähle ich von unseren Radreisen: www.youtube.com/c/SusiKronsteinDasGlückistamWeg

Die ersten beiden Tage gehts zu unserem Startpunkt – Beilngries

Schon die ersten Meter sind Urlaub! Keine lästige Anfahrt mit dem Auto irgendwohin. Jeder Meter ein Genuss. Vorbei am Teich mit den Teichhühnern. Vorbei am malerischen alten Bahnhof Götzdorf, der mein Auge immer wieder erfreut. Auf einmal höre ich einen lustigen Jodler hinter mir! Mein lieber Freund Hans ist uns nachgeradelt. Ich habe die Karotten vergessen und die gekochten Nudeln. Danke, mein Schatz! Patchi hatte sicher gehofft, dass Hans jetzt mit uns reisen würde. Aber es kommt der Abschied und wir fahren jeder in seiner Richtung weiter. Unser Weg führt entlang des kleinen, flachen Bachlaufes, in den Patchi immer unbedingt hinein möchte. Da patscht er drin herum und macht seinem Namen alle Ehre. Diese schönen Erlebnisse alle schon innerhalb der ersten Stunde. Mein Herz ist weit und die Freude groß. Wir sind wieder unterwegs! Patchi und ich sind glücklich. Mehr brauchen wir nicht.

Landshut lassen wir bald hinter uns und ich freue mich schon auf die alte Bahntrasse der Museumsbahn Altdorf. Pause machen wir, wo es uns gefällt. Obwohl ich Tisch und Stuhl greifbar habe, ist es trotzdem schön, solches in der Natur vorzufinden. Leider gibt es solche Möblierung bei uns unten in Bayern recht selten. Unsere erste Pause ist an einem schönen Bachufer.

Wenn Patchi läuft, laufe ich sehr oft auch und schiebe das Rad. Ich brauche das Wandern! Damit Patchi auch mal galoppieren kann, setze ich mich auf das Rad und fahre langsam mit. Er galoppiert dann meist im »Linksgalopp« und schont so sein beeinträchtigtes rechtes Hinterbein. So laufend, fahrend, Pausen machend, und genießend bewegen wir uns über das Land. Hinein in die Hopfengärten und weiter Richtung Donau. Die Zeit vergeht dabei wie im Flug!

Ein Blick zum Himmel und in den Wetterbericht, der Regen ankündigt. Nach 65 Kilometern am ersten Tag liegt für uns am Weg die ideale Übernachtungsmöglichkeit. Freundliche Leute lassen uns sofort auf ihrem Grundstück bleiben. Es gibt draußen eine Steckdose, die bis zum Einsetzen des Regens den Akku ziemlich füllt. Als der Regen beginnt, befinden wir uns schon trocken unter einem Stadeldach. Es kommen unglaubliche Wassermengen vom Himmel. Da ist es schön, es auch außen um den Wohnwagen trocken zu haben. Es regnet die ganze Nacht durch.

Um 9 Uhr, als wir wieder aufbrechen, hört der Regen auf

Der zweite Tag hat ziemlich viele Steigungen. Am Nachmittag ist klar, dass ich den Fahrradakku nachladen muss. Sogar so dringend, dass ich Bedenken habe, die 15 Kilometer nach Beilngries noch zu schaffen. Das andere Problem ist nämlich, dass in den Wohnwagen-Reifen viel zu wenig Luft ist! Deshalb spüre ich einen deutlich höheren Akkuverbrauch. So fahre ich ein Haus an und frage freundlich, ob ich eine halbe Stunde Strom tanken dürfte. Die Begegnung ist wieder so nett und bleibt mir sicher im Gedächtnis. Patchi freundet sich derweilen mit der Hündin des Hauses an.

Später dann, in Beilngries, gibt es eine öffentliche Ladestelle. Meine erste Erfahrung überhaupt mit Ladestellen. Es gibt eine Schukosteckdose und alles ist gut, derweilen ich mir Pommes gönne. Als ich mit Patchi ein wenig umhergehe, finde ich eine »Servicestation«. Eine Säule, in der Werkzeug zur Verfügung steht. Juhuu! Jetzt nur noch gewusst wie! Und wie immer beim Unterwegssein, ist sofort ein junger Mann zur Stelle, der mich einweist bzw. gleich selber die Luft in die Reifen nachfüllt. Es ist ein Phänomen des Weges. Schon beim Wandern hatte ich diese Erlebnisse, dass immer zur passenden Zeit Hilfe erschien. Jeder Pilger kann davon erzählen.

Bald darauf sehe ich das erste Mal unseren Wegweiser des »fränkischen Wasserradweges«. Für die Nächte frage ich immer bei privat an, ob wir stehen bleiben dürfen. Die Gastfreundschaft ist enorm! Sogar Wäsche wird mir gewaschen. Duschen darf ich auch hin und wieder (länger als 5 Tage muss ich nie ohne Dusche unterwegs sein). Manchmal werde ich zum Frühstück eingeladen oder bekomme noch etwas Leckeres mit auf den Weg. Am 3. Tag ist es eine fantastische Heidelbeermarmelade, die mir die kommenden Frühstücke verzaubern wird.

Auf Abwegen lohnt sich manchmal

Es kommt auch vor, dass ich umdrehen muss, weil der Weg für uns nicht mehr befahrbar ist. So geschehen bei einer Unterführung. Bei der ersten Brücke kommen wir noch gut durch, aber der Weg unter der zweiten Brücke am Fluss entlang ist zu schmal und ohne Geländer. Da heißt es nun umkehren. Aber wir haben ja Zeit. Als ich mich auf der zweiten Hälfte der Tour wegen einer Baustelle mal ziemlich grob verfahre, kommen wir dafür an einer Oase im Wald vorbei. Wunderschön angelegt mit Tisch, Bänken und einem großen Trinkwasserbrunnen. Das nutze ich gleich zum Wäsche waschen. Dieser schöne Platz lohnt es, die Hauptroute mit Absicht zu verlassen und in das Waldstück von Bammersdorf bei Wolframs-Eschenbach zu fahren. Die Oase ist direkt neben der kleinen Autostraße.

Der Brombachsee ist für uns ein besonderes Erlebnis. Wie noch öfters, weiche ich von der Route ab. Ich will am See bleiben. Das beschert Patchi ein Erlebnis der dritten Art. Als wir es uns für die Pause bei einer schönen Sitzmöglichkeit gemütlich machen, erkenne ich nicht, dass es sich um eine Schiffsanlegestelle handelt. Als der riesige Ausflugsdampfer angefahren kommt, kann Patchi sich nicht mehr beruhigen. Er bellt und bellt! Mit Erfolg! Das unheimliche Riesending ergreift bald die Flucht.

Es ist Heidelbeerzeit!

Ein nettes Ehepaar schenkt mir einen guten Schwung selbst gepflückter Heidelbeeren. Dort haben wir alles was das Herz begehrt, plus genug Wasser für Patchi. Von der Temperatur her ist es nicht wirklich sommerlich. Jeden Tag gibt es Gewitter. Aber immer finden wir eine gemütliche Unterstellmöglichkeit. Einmal auch in einer Autowerkstatt. Wenn ich die Möglichkeit habe wo unterzukommen, ist mir das lieber als auf freiem Feld zu stehen.

Der nächste See ist der Altmühlsee. Ich wäre so gerne auf die dortige Vogelinsel gegangen, müsste dann aber das Fahrrad alleine stehen lassen. Das ist mir zu riskant. Da weiß ich noch nicht, dass mich die Suche nach einem Übernachtungsplatz direkt unter ein Nest von Schleiereulen bringt. Der freundliche Hausherr zeigt mir auf dem Dachboden das Nest mit den kleinen, fast flüggen, zwei Schleiereulen. Was für ein Erlebnis! Ich war so beglückt!

Am nächsten Tag fängt mein Hals an zu kratzen. Woher das denn? Zu Hause liege ich 2-3 Tage flach, wenn sich eine Krankheit ankündigt. Was mache ich, wenn das passiert? Aber, oh Wunder! Nach 2 Tagen leichtem Unwohlsein ist alles wieder gut. Vielleicht sollte ich in Zukunft, wenn ich fühle, dass ich krank werde, das Rad nehmen und auf Tour gehen ... Wenn wir unterwegs sind, gibt es das Abendessen für Patchi viel später als zu Hause. Zwei Stunden später sicher. Und auch in der Früh fällt das Essen später aus. Das hat er sich selber so ausgesucht, nachdem er bei unseren Wanderungen das Essen in der Früh oft verschmäht hat. Mit spätem Vormittag ist der ideale Zeitpunkt für sein Frühstück. Bei Regen wird drinnen gespeist.

Wassertrüdingen steht auf der Route

Durch fremde Städte und Dörfer zu fahren hat immer etwas Spannendes an sich. In Wassertrüdingen ist das schöne Rathaus und der Brunnen, in dem die Tauben baden, ein Highlight. Und natürlich sind die selbstschwingenden Relaxliegen, bei denen wir Pause machen, eine besondere Attraktion. Mit Attraktionen kann der Wasserradweg gut dienen. So viele Kneippanlagen wie auf diesem Weg, habe ich noch auf keiner Tour gesehen. Ja, nur gesehen. Es ist so kalt, dass ich kein Bedürfnis verspüre, Wasser zu treten. Auf meinen Touren, wo die Sonne nur so herunterbrannte hätte ich mir die Kneippanlagen gewünscht. Es gibt es, das »Gesetz der großen Gemeinheit«. Sogar ein in den Boden eingelassenes, kleines Trampolin gibt es mal neben dem Weg. Da ist Patchi sofort mit mir drauf. Er kennt Minitrampolin von zu Hause und liebt das.

Die Städte Dinkelsbühl und Rothenburg ob der Tauber können wir wegen des Kopfsteinpflasters nur peripher besichtigen. Immerhin kann ich mir in Rothenburg einen Salat gönnen. Zweimal ist vom Wohnwagen schon die Deichsel gebrochen. Ich bin nun doppelt vorsichtig was holprige Wege angeht. Kopfsteinpflaster ist nicht nur holprig, es ist geradezu zerschmetternd! Auch Wolframs-Eschenbach verwehre ich mir deshalb. Das Wichtigste ist für uns die Natur, deshalb kann ich diesen Verzicht verschmerzen.

Mit genug Luft in den Reifen ist nun deutlich mehr Reichweite möglich. Zwischen 70 und 110 Kilometer komme ich mit den beiden Akkus, die sich wechselseitig entladen. Am 6. Tag zeigt der Akku gegen Spätnachmittag, nach 43 gefahrenen Kilometern, noch 4 Striche an. Das ist die Gelegenheit für »wildes Übernachten«. Passend zur Abendstunde kommen wir an einem schönen See vorbei, wo ich beschließe zu bleiben. Das Wetter ist gut und ich fühle mich richtig gut aufgehoben. In der Früh kommt ein Auto. Oje, denke ich. Ein Mann steigt aus. Er interessiert sich sonderbarerweise gar nicht für uns. »Guten Morgen, wir sind eh schon beim Aufbruch,« kommt mir spontan über die Lippen. »Nein, nein! Bleiben sie nur! Ich kontrolliere hier nur die Angler.«

Kurz darauf kommen die Regentage

Stundenlang durch den Regen zu fahren hat auch etwas Schönes. Die Luft ist so würzig und die Stimmung ist ruhig und ausgeglichen. Pünktlich, als wir auf die Colmburg kommen hört der Regen auf. Wie bestellt! Ich kann dort in Ruhe das Fahrrad laden, ein Frühstück bei dem freundlichen Wirt genießen und zur Burg hinauf gehen. Der dort übende Alphornspieler passt perfekt in die Stimmung der sich verziehenden Regenwolken und der wunderbaren Aussicht.

Das Beste kommt zum Schluss ...

Das Highlight der Tour ist am 12. Tag, 9 Kilometer von zu Hause entfernt. Eine Begegnung mit einem anderen Fahrradwohnwagenfahrer. Ein junger Mann, der noch 700 Kilometer vor sich hat. Einfache Strecke. Wir tauschen uns so angeregt aus, dass ich das Bedürfnis verspüre, ihm den irischen Reisesegen zu singen. Im Wohnwagen habe ich immer griffbereit meine kleine Babyharfe. Den lieben Leuten, die uns bei sich auf dem Grundstück übernachten lassen, singe und spiele ich den irischen Reisesegen. Als ich da stehe mit meiner Harfe, sagt Johannes: »Ich habe eine Ukulele dabei.« Zusammen stehen wir nun auf dem Fahrradweg am Straßenrand und spielen und singen uns den irischen Reisesegen, »möge die Straße uns zusammenführen«. Als würden wir das immer schon so machen. Nachdem wir unsere Telefonnummern und Adressen ausgetauscht haben, fährt jeder in die entgegengesetzte Richtung davon.

Ein wunderbarer Abschied von einer wunderbaren Tour. Wer mich virtuell auf meinen weiteren Reisen begleiten will, findet Patchi und mich auf meinem YouTube Kanal (siehe Kasten auf Seite 51). ��

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