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FahrradZukunftMünster #2 : Fahrradstadt 2.0


Münster! - epaper ⋅ Ausgabe 82/2019 vom 29.06.2019

Münster – »Karlsruhe, Freiburg – zieht Euch warm an!« Mit trotzigen Worten machte OB Markus Lewe klar, wohin die Reise für Münster gehen soll: Zurück auf den Thron der deutschen Fahrradhauptstadt. Und zeigte gleichzeitig wie tief der Stachel saß, eben diesen Titel verloren zu haben (MÜNSTER! berichtete). Die Antwort der Stadtplaner: Ein Konzept, das es in sich hat. Und das die Prioritäten im innerstädtischen Verkehr neu ordnen wird.


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Bildquelle: Münster!, Ausgabe 82/2019

BISMARCKALLEE So stellen sich die Planer die neue Fahrradstraße vor


SCHILLERSTRASSE Hier wird klar, wie schwierig künftig das Miteinander von Leeze und Auto ausfallen wird. ...

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... Wo parken?


Als Münster vor fast 30 Jahren eine der ersten Fahrradstraßen der Bundesrepublik einrichtete, zog das nationale Aufmerksamkeit auf sich. Geht es nach Verwaltung und Politik, soll das diesmal ähnlich sein, wenn der Rat der Stadt am 3. Juli über die Vorlage »Neue Qualitätsstandards für Fahrradstraßen« entscheidet. Lewe: »Das Ziel ist, den Anteil des Fahrradverkehrs auf 50 Prozent und den Radius der zurückgelegten Strecken von 7 auf 15 Kilometer zu erhöhen.

ROTER ASPHALT

Besser erkennbar, sicherer und komfortabler: Durch eine einheitliche neue Gestaltung der Fahrradstraßen sollen Radler dort künftig deutlich entspannter unterwegs sein. »Wir sehen Fahrradstraßen als zentrales Element der Radverkehrsinfrastruktur. Wenn wir die Fahrradstadt 2.0 schaffen wollen, dann brauchen auch unsere Fahrradstraßen eine neue Qualität«, erläutert Stadtbaurat Robin Denstorff. Denn zurzeit ist häufig kaum ein Unterschied zu normalen Straßen zu erkennen. Leezen und Autos düsen häufig munter durcheinander, geparkt wird meist auf beiden Straßenseiten.

VELOROUTE Ein Teil der Veloroute bei schön animiertem Wetter. Ob sie auch bei Regen und Wind so angenommen wird, muss sich dann zeigen…


Das soll sich bald ändern: So ist für bestehende und künftige Fahrradstraßen eine Fahrgasse von mindestens vier Metern Breite vorgesehen. Das Parken wird nach dem neuen Konzept häufig nur noch auf einer Straßenseite möglich sein. Und dann ist da ja noch die bereits beschlossene – und aufgrund der hohen Kosten reichlich umstrittene – Roteinfärbung der Fahrradstraßen. Weil diese von Autos gerne als Schleichweg genutzt werden, soll evtl. auch der Kfz-Verkehr eingeschränkt werden, etwa nur für Anlieger freigegeben oder Sackgassen sowie Einbahnstraßen eingeführt werden. Außerdem sollen Fahrradstraße gegenüber einmündenden Straßen Vorfahrt haben. Aber, sagt Denstorff, man brauche eben auch Kompromisslösungen, denn der Autoverkehr gehöre nun mal zum »echten Leben« dazu.

WIE GEHT ES WEITER?

Für eine erste Umgestaltung nach neuen Standards sind die Fahrradstraßen Goldstraße und Bismarckallee vorgesehen. Später einmal sollen sie ein Teil der Velorouten nach Greven und Senden werden. Perspektivisch sollen 13 Velorouten Münster sternförmig mit den Umlandgemeinden verbinden.

FAHRRADPARKEN: FH UND STADT SUCHEN LÖSUNGEN

Abgestellte Fahrräder sind in Münsters Stadtbild allgegenwärtig: An Hauswänden, auf Gehwegen, eben da wo noch ein bisschen Platz ist. Für Kreuz, Hansa- und Erphoviertel wollen das Amt für Mobilität und Tiefbau und der FH-Fachbereich Bauingenieurwesen jetzt Lösungen suchen. Im Rahmen einer Projektarbeit erfassen die Studenten sowohl den Bestand an Fahrradständern als auch die wild abgestellten Fahrräder. Anschließend erarbeiten sie Verbesserungsvorschläge für das Fahrradparken in Münster. Mit ersten Ergebnissen ist im Herbst zu rechnen.

PER LEEZE NACH TELGTE

Als erste Veloroute wird die nach Telgte entwickelt: Für 3,9 Mio. Euro wird – ausgehend vom Hörster Tor – eine fast ampelfrei zu befahrende Strecke entwickelt, die über Bohlweg, Dieckstraße, Dingstiege, die Boniburg, Handorf, schließlich nach Telgte führt. Der Haken: Die Strecke ist nicht die schnellste, sondern bedeutete für Leezen-Pendler, die es morgens oder abends vielleicht eilig haben, einen relevanten Umweg von mehreren Kilometern. Dafür werden neue Baugebiete z.B. in Handorf direkt angeschlossen. »Außerdem ist die Streckenführung einfach schöner«, sagt Lewe, der selbst mit dem Rad pendelt. Die Schönheit einer Stecke sei für Fahrradfahrer ein wichtiger Aspekt.

Um die Veloroute auch in der dunklen Jahreszeit gut nutzbar zu halten, sind Winterdienst und eine intelligente, bedarfsgesteuerte Beleuchtung vorgesehen. Der einsame Fahrrad-Pendler, der sich in dunklen Winternächten nach Telgte arbeitet, wird also gewissermaßen vom Flugzeug aus sichtbar sein – anhand der entlang der Strecke aufhellenden Lichter. »Diese Strecke nach Telgte wird die erste Route sein, die wir umsetzen. Aber wir wollen sukzessive auch die anderen Routen vorantreiben «, sagt Denstorff.

SCHÖNER RADELN AM KANAL

Mit einer schon heute sehr beliebten Route soll es ebenfalls bald vorangehen: Der Seitenweg am Dortmund-Ems-Kanal soll als Alltagsradroute für Studenten, Pendler und Touristen attraktiver werden. Geplant ist, den Betriebsweg der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) auf einer Kanalseite auszubauen. Denstorff: »Mit dem Ausbau können wir auf einer 27 Kilometer langen Strecke eine durchgängige und attraktive Fahrradroute realisieren.« Heute ist das eher ein Schotterweg, der bei Regen reichlich Matsch zu bieten hat. Dazu kommen die regelmäßigen Kanalseitenwechsel. So ist der Weg entlang des Kanals bislang weder bequem noch besonders zügig und eignet sich kaum für Rad-Pendler.

Ziel der Stadt ist es, den Weg auf ganzer Strecke durch Münster auf einer Kanalseite zu asphaltieren. Die Asphaltoberfläche erzeugt einen geringeren Fahrwiderstand, ist bei Regen gut zu befahren und ermöglicht einen Winterdienst. Der Weg soll auf mindestens drei Meter verbreitert werden, so dass sich Fußgänger und Radfahrer nicht in die Quere kommen und niemand auf sein Sonnenbad verzichten muss. Im Zuge des ohnehin fälligen Kanalausbaus soll ein solcher Weg abschnittsweise realisiert werden. Zuerst soll es dort losgehen, wo kein Kanalausbau stattfindet. Und auch auf der Kanalpromenade soll die oben genannte adaptive Beleuchtung zum Einsatz kommen. Spätestens da werden Karlsruhe und Freiburg ganz sicher neidisch erblassen…