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FAHRSPASS IN DER FAMILIENPACKUNG


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 29/2022 vom 21.07.2022
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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 29/2022

Der Boaaaah-Optik-Preis geht an den Golf, er trägt deutlich dicker auf als der Cupra

DRIFTEN AUF BESTELLUNG, optimale Performance auf dem Nürburgring und zusätzlich genug Kofferraum für den Familienurlaub – was nach reinem Wunschdenken fahraktiver Familienväter oder dynamischer Damenrunden klingt, gibt es wirklich. Im VW-Konzern gleich im Doppelpack. VW Golf R Variant und Cupra Leon Sportstourer VZ streiten sich um die Krone der kraftvollen Kompakt-Kombis.

Also her mit den braven Familienkutschen, den stärksten Antrieb aus dem MQB-Regal geholt und alles ein bisschen sportlich verpackt, fertig. Wobei noch heute wie auch schon früher gilt: Der Wolfsburger Chef bekommt immer das beste Material. Heißt in diesem Fall ganz konkret: Im Golf R dürfen zehn PS mehr ran, die sich über den moderneren Allradantrieb auch spaßiger portionieren lassen. Der Cupra lockt dafür mit dem günstigeren Preis.

Womit wir bei einem erheblichen Unterschied zwischen den beiden schnellen Brüdern sind. Der Leon ...

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... Sportstourer VZ 4Drive kostet in der Basis knapp 8000 Euro weniger als der Golf R Variant. Preiswert sind beide Kombis dennoch nicht. Mit ein paar fahrdynamischen Extras wie Bremse (Cupra) oder Performance-Paket mit Torque Splitter, Drift Mode, Rädern und Anhebung der Höchstgeschwindigkeit (Golf) liegen beide über 50 000 Euro, der VW kommt sogar der 60 000er-Marke ziemlich nahe. Viel Geld für Golf-Klasse-Sportkombis.

Trotz der Differenz im Preis schlägt in beiden das gleiche heiße Herz. Die aktuelle Hochdruckvariante des Turbovierzylinders namens EA888 evo4 holt aus zwei Litern Arbeitsvolumen im Golf 320, im Cupra 310 PS. Das Drehmoment unterscheidet sich ebenfalls leicht, 400 zu 420 Newtonmeter. Wie es zu den verschiedenen Zahlen kommt? Man sagt, der Golf habe etwas mehr Ladedruck spendiert bekommen. Getriebe? Beide mit Siebengang-Doppelkupplung. Allrad? Im Spanier arbeitet wie schon beim Vorgänger das bewährte 4Drive-System, elektronisch gesteuert mit Haldex-Kupplung und variabler Kraftverteilung. Der VW hat da deutlich Spannenderes zu bieten. Hier verbaute man einen neuen Gaudi-Allrad namens Torque Splitter. Funktioniert wie? Dank eines neu entwickelten Hinterachsgetriebes wird die Antriebskraft nicht wie beim Cupra nur variabel zwischen Vorder- und Hinterachse „gemixt“, sondern je nach Einstellung und Bedarf werden die Antriebsmomente auch zwischen rechtem und linkem Hinterrad verteilt. Ein integrierter Fahrdynamik-Manager hält alle Fäden zusammen und sorgt für den perfekten Kurvenkick. Fahrwerk? Beide stehen auf 19-Zöllern und 15-fach verstellbarem Adaptivfahrwerk, beim Golf leider optional. Bremsen? Der VW mit gelochten 357er Scheiben vorne. Der Cupra tritt zum Test mit der 370 Millimeter großen, optionalen Brembo-Anlage an. Der Vollständigkeit halber wollen wir das Gepäckraumvolumen nicht unerwähnt lassen: Zwischen 611 und 1642 Liter schluckt der etwas kür- zere Golf, das Heckabteil des Cupra ist mit 620 bis 1600 Litern in etwa gleich groß bemessen.

CUPRA LEON SPORTSTOURER 4DRIVE

Das Cockpit des Spaniers bietet im Vergleich zum hypermodernen VW Golf einen gekonnten Mix aus Touch, Tastern und Drehknöpfen. Das Lenkrad (1) liegt gut in der Hand, Tacho und Drehzahlmesser lassen sich in mehreren Anzeigen darstellen. Das Display (2) arbeitet ähnlich langsam wie im VW, die Menüführung ist etwas einfacher. Die serienmäßigen Sportsitze (3) können gegen Aufpreis beledert werden, Sportlichkeit und Komfort sind gleichermaßen hervorragend. Im Vergleich zum Golf ist der ESP-Schalter nicht im Menü versteckt, sondern ein Taster in der Mittelkonsole (4). Fahrprogramme von zart bis hart (5). 19-Zoll-Räder sind im Leon Serie, die Bicolor-Black-Cooper-Räder kosten aber 1150 Euro extra (6).

! Mit dem Super-Allrad des Golf R Variant würde der Cupra den Vergleich ganz klar gewinnen

! Knapp 60 000 Euro für einen Golf? Viel Geld, aber auch fast so viel Fahrspaß wie im Sportwagen

VW GOLF R VARIANT

Wie hier schon so oft bemängelt, ist das Cockpit im Golf einen Hauch zu modern. Zu viele Touchfunktionen, die während der Fahrt schlecht zu bedienen sind. Außerdem ist die Menüführung (1) zum Einstellen des Fahrzeugs und der Assistenten langsam und umständlich. Daumen hoch dagegen für das gut in der Hand liegende Sportlenkrad (2) und die großen Schaltwippen. Die serienmäßigen Sportsitze (3) bieten etwas weniger Seitenhalt als im Cupra, sind aber genauso langstreckentauglich. Schade, dass man aufgrund der Modernität auf einen echten Getriebewählhebel verzichtet hat (4). Den Drift-Mode gibt es nur im 2095 Euro teuren Performance-Paket (5). 19-Zöller kosten bei VW 820 Euro extra (6).

Jetzt aber zu den noch wichtigeren Dingen und ab ins Kurvengewimmel. Also Kids und Koffer raus, motivierten Fahrer einladen. Reinsetzen und wohlfühlen geht bei beiden. Die Sitzposition ist in jedem Fall schön tief, das Gestühl des Cupra gefällt mit Seitenhalt und Komfort besser als im Wolfsburger. Das Leon-Cockpit präsentiert sich etwas einfacher gestaltet und verständlicher zu bedienen, weniger Touch & Co als im Golf. Und der Spanier hat sogar noch eine echte ESP-Taste in der Mittelkonsole. Auch gut: Startknopf und Fahrmodus-Schalter am Lenkrad. Beim Anlassen springt der Leon akustisch eher zaghaft ins Leben, der Golf meldet sich dagegen mit bassigem Auspuffbollern. In den Sport-Modi werden beide von einem Soundgenerator unterstützt, wobei der VW fast schon zu dick und dröhnig aufträgt.

Über Landstraßen fetzen beide sensationell. Der Golf ist mit seinem Superfahrwerk zielstrebiger und wirkt bei schnellen Richtungswechseln straffer. Seine Karosserie neigt sich weniger zur Seite als die des Cupra. Dagegen bietet die Lenkung im Cupra etwas mehr Feedback. Die Getriebe? Angenehm und eigentlich auch superfix. Ab und zu gönnen sich beim Kickdown aber beide auch mal ein kurzes Gedenkmomentchen. Und: Die XXL-Schaltpaddles im Golf bieten deutlich mehr Klickspaß als die kleinen Taster im Spanier.

Was gehen die Kombis auf 100? 4,7 und 4,9 Sekunden, der Golf hat mit einer etwas feiner agierenden Launch Control die Nase vorn. Auch die Tempo-200-Marke erreicht der R schneller.

Soweit das normale Straßenprogramm, doch wir wollen mehr. Suchen wir uns also eine Rennstrecke. Auch wenn man die beiden Kombis wohl eher selten am Ring sehen wird, wollen wir ihr Talent ausloten, stellen die Ampel der Boxengasse auf Grün. Was der Golf R Variant auf dem Racetrack abzieht, man kann es kaum glauben. Im „Special“-Nürburgring-Modus fliegt er (auch auf dem Sachsenring) lebendig, kurvengierig und mit jeder Menge Traktion um den Kurs. In schnellen Kurven drückt der Super-Allrad wie von Geisterhand das Heck gezielt ums Eck. Der Spanier ist wegen der fehlenden Allradzauberei nicht ganz so quirlig. Zwar kann auch der Leon ordentlich wedeln, doch ihm fehlt kurvenausgangs stets der passende Druck von der Hinterachse, die Vorderachse ist nicht ganz so präzise wie beim Golf. Dennoch fehlen ihm am Ende nur drei Zehntel auf den Golf.

Normalerweise würde der Cupra diesen Vergleich über Preis, Ausstattung und Komfort gewinnen. Doch diesmal lassen wir die Sportwertung entscheiden. Getreu dem Motto: Möge der sportlichste Kombi gewinnen. Und das ist nun mal der VW Golf. Er macht mehr Spaß, kann auf Knopfdruck driften und mit bis zu 270 Sachen rasen. Unser Dauergrinsen unterbricht nur sein Preis.

PLATZIERUNG

Punkte maximal 400

1. 293 Punkte

VW Golf R Variant Der Wolfsburger ist zwar sauteuer, doch seine fahrdynamischen Qualitäten sind überzeugend genug für Platz eins.

2. 289 Punkte

Cupra Leon ST 4Drive Dieses Mal gewinnt der Spanier nicht über den Preis, sondern verliert über Verbrauch und Fahrleistungen.

FAZIT

GUIDO NAUMANN

Das Ergebnis dieses seit Jahren andauernden Fights – wie immer knapp. Nur diesmal ist nicht der Cupra wegen seines günstigeren Preises vorne, sondern der Golf wegen seiner sensationellen Performance. Mehr Spaßkombi gibt es derzeit nicht in der Kompaktklasse!