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FAIR FASHION


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bewusster leben - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 04.05.2022
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„Wer seine Garderobe nachhaltiger gestalten möchte, muss bereit sein, in langlebige Stücke zu investieren.“

Aloïs Guinut

Bei einer Shoppingtour mit meinen Schulfreundinnen entdeckte ich einst bei einer preiswerten französischen Kette etwas, was mir gefiel, und ich fragte meine Mutter, ob ich es kaufen solle. Sie riet davon ab, weil sie die Kleidung „zu minderwertig“ fand. Ich kaufte es trotzdem, aber meine Mutter hatte recht – ich hatte nicht lange Freude an dem Teil.Wieso ist das so? Seit dem Aufkommen der Fast Fashion Ende der Neunzigerjahre hat die Qualität der Kleidung stetig abgenommen. Gleichzeitig beschleunigte sich die Trendbildung immer mehr, und qualitativ minderwertige Kleidung überlebt einen Trend kaum. Jahrelang manövrierte der „Mode-Elefant“ ohne dramatische Zwischenfälle durch den Porzellanladen, aber diese ständig wachsende Produktion von minderwertiger Kleidung musste ...

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... Nebenwirkungen haben. Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch im Jahr 2013 kam einem Weckruf gleich: Mehr als tausend Menschen starben allein bei diesem Unfall.

Flachs ist robust und perfekt geeignet für den Bio-Anbau, da diese ökologische Naturfaser wegen ihrer natürlichen Eigenschaften so gut wie keinen Dünger oder Pflanzenschutz braucht. Textilien aus Flachs sind ideal für den Sommer, da er kühl und trocken auf der Haut liegt. Die Knittereigenschaft ist bei der heutigen Eco Fashion Mode sogar gewünscht, um ein cooles und lässiges Outfit zu präsentieren.

Die Schnelllebigkeit der Mode zerstört unseren Planeten

2015 enthüllte der Dokumentarfilm „The True Cost – Der Preis der Mode“ die verheerenden Auswirkungen der Fast Fashion auf unseren Planeten. Jahrzehntelang hatte man gute Miene zum bösen Spiel gemacht, aber niemand wollte die Verantwortung übernehmen, geschweige denn aktiv dagegenwirken. Mittlerweile behaupten Marken auf der ganzen Welt, die Nachhaltigkeit ihrer Herstellungsprozesse sowie die Arbeitsbedingungen ihrer Angestellten verbessert zu haben. Laut der Greenpeace- Kampagne »Detox« haben die meisten Unternehmen tatsächlich Dinge verbessert, aber es reicht nicht aus. Selbst wenn die Kohlenstoffdioxid-Freisetzung bei der Produktion von Kleidungsstücken verringert wird, kann dies den CO2 -Fußabdruck nicht positiv beeinflussen, solange weiterhin Jahr für Jahr und weltweit immer mehr Kleidung fabriziert wird.

Die einzige Möglichkeit, die Modeindustrie umweltverträglicher zu gestalten, besteht darin, weniger zu produzieren, das verrückte Ausrufen von Trends zu bremsen und wieder langlebigere qualitative Produkte herzustellen. Heutzutage prägen die Modewochen sechs Mal pro Jahr neue Looks. Viele Fast- Fashion-Ketten wechseln wöchentlich ihre Kollektionen. Warum sollte man sich angesichts so rapide wechselnder Trends überhaupt um Langlebigkeit bemühen?

Wir müssen den Wert der Qualität neu schätzen lernen

Bei Instagram zählt nur der Look. Nach ein paar Tagen ist das It-Item „zu oft gesehen“ worden, und die Leute gehen zum nächsten über. In meiner Garderobe befinden sich unter anderem ein Kleid aus den späten Achtzigern und ein Baumwollpullover, der früher meiner Mutter gehörte. Diese Stücke waren damals keineswegs Luxusartikel, aber ihre Qualität war und ist immer noch einwandfrei. Vor zwei Jahren kaufte ich ein Kleid von einer bekannten Marke im mittleren Preissegment. Es war nicht billig, aber es fusselte bald und die Nähte lösten sich.

Glücklicherweise erheben sich in der jüngeren Generation immer mehr Stimmen gegen Wegwerfmode. Um die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Slow-Fashion-Artikeln zu befriedigen, entstehen überall auf der Welt junge Marken, die lokal gefertigte, hochwertige und nachhaltige Kleidung produzieren und handwerkliches Können wieder ins Rampenlicht rücken. Qualität bedeutet immer mehr, dass es allen und allem entlang der textilen Kette gut oder zumindest besser geht, meint also Produkte, die ohne Kinder-und Zwangsarbeit, bei Bezahlung gerechter Löhne und ohne schädliche Chemikalien hergestellt werden. Wer seine Garderobe nachhaltiger gestalten möchte, muss bereit sein, in langlebige Stücke zu investieren. Dies setzt jedoch voraus, darüber Bescheid zu wissen, was hochwertige Kleidung ausmacht – die Stoffe, die Techniken und die Details zu kennen. Nehmen wir daher einige Materialien in Bezug auf ihre Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit genauer unter die Lupe:

„The e asy way of life“

Diese Gelassenheit kommt aus Kalifornien. Farben bringen sonnige Laune und sind gut für deine Seele. Denn GELB steht für Licht u nd Optimismus, ROT für die Liebe, BLAU s teht für Ruhe, GRÜN für Glück, Leben und H offnung. Trag, was dir am meisten fehlt und f inde deinen bunten Stoffgürtel zum Knoten f ür Hosen, Kleider und Blusen. Die Gürtel kom- m en aus L.A. und werden dort von Hand herg estellt. Sie sind zu 100 % fair und vegan, d.h. d ie verwendeten Farben sind tierversuchsfrei.

www.stadt-land-kult.com

julesstadtlandkult

stadtlandkult

“Kaufe weniger, kleide dich besser und wähle mit Bedacht. Denn weniger Kleidungsstücke kommen dem Stil zugute.”

Flachs

Leinen ist als Textilfaser vielfältig einsetzbar und vor allem im Sommer beliebt. Leinen wird hauptsächlich aus den Fasern der Flachspflanze (Linum usitatissimum) hergestellt, die bereits vor 30000 Jahren im Textilbereich verwendet wurde. Heutzutage stammen 80 Prozent der weltweiten Flachspoduktion aus Frankreich und Belgien, wo das Klima für den Anbau ideal ist. Verarbeitet wird das Material jedoch oft anderswo.

Woran erkennt man Qualität?

Da Flachsfasern aufgrund ihrer Steifheit schwer zu verarbeiten sind, werden sie oft mit anderem gemischt. Gerne mit Baumwolle (wegen der Weichheit), ebenso mit Seide, wobei die Raffinesse der Seide die Robustheit des Flachses ausgleicht und der Stoff weicher fällt. Grundsätzlich solltest du beim Kauf von Naturfasertextilien möglichst auf Bio-

Qualität achten. So unterstützt du eine ökologische Landwirtschaft und den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen.

Wie nachhaltig ist Flachs?

Der Anbau von Flachs in seiner heimischen Umgebung (feuchtes ozeanisches Klima) erfordert keine künstliche Bewässerung und verbraucht fünfmal weniger Pestizide als konventionell angebaute Baumwolle. Allerdings wird der Flachs oft in China weiterverarbeitet, was mit Transportkosten und Chemikalieneinsatz im Produktionsprozess verbunden ist. Die Bio-Leinenproduktion wächst aber mittlerweile.

Wolle

Wolle ist die Bezeichnung für Textilfasern, die aus den Haaren von Schafen, Ziegen, Kaninchen und anderen Tieren gewonnen werden und seit Tausenden von Jahren eine wichtige Rolle bei der Produktion von Kleidung spielen. Wolle besitzt wärmende und atmungsaktive Eigenschaften, an die bislang kaum ein synthetisches Material herankommt.

Biobaumwolle braucht aufgrund nachhaltigerer Anbaumethoden meist weniger Wasser: Tröpfchen-und Regenbewässerung kann bis zu 90 Prozent Wasser sparen. Es dürfen weder synthetische Pestizide und Dünger noch Gentechnik eingesetzt werden.

Was zeichnet hochwertige Wolle aus?

Generell kann man sagen: Je länger und feiner die Faser, umso hochwertiger die Wolle. Jede Wollsorte hat jedoch ihre spezifischen Vorzüge. Für einen winterfesten Mantel sind dickere Wollsorten besonders gut geeignet; für einen eleganten, flauschigen und warmen Pulli lange, seidige Kaschmirwolle und für einen leichten Sommer-Sweater atmungsaktive Merinowolle. Es gibt außerdem tolle Mischungen, die die Eigenschaften verschiedener Wollsorten kombinieren. Für einen sowohl robusten als auch luxuriösen Mantel beispielsweise kann Schafwolle mit einem Kaschmiranteil gemischt werden.

Woran erkennt man Qualität?

Befühle die Wolle, begutachte ihren Glanz und informiere dich über die Marke.

Sind einige Wollsorten nachhaltiger als andere?

Ein einziges Schafsvlies liefert Wolle für 15 Pullover, während man für einen einzigen Kaschmirpullover zwei Ziegen mühevoll »auskämmen« muss. Wenn man bedenkt, dass man einen Kaschmirpullover bei guter Pflege 15 Jahre oder länger tragen kann, ist dieser Aufwand aber durchaus zu rechtfertigen.

Baumwolle

Musselin, Batist, Chambray, Popeline, Gabardine, Denim, Flanell … Jedes Baumwollmaterial hat einen anderen Stil, andere Eigenschaften und andere Verwendungszwecke. Aber wichtiger, als diese im Einzelnen zu kennen, ist die Qualität: die Oberflächenbeschaffenheit und das Aussehen des Baumwollstoffes sind das Wichtigste.

Was zeichnet Qualitätsbaumwolle aus?

Einige Baumwollpflanzen produzieren längere Fasern. Je länger die Faser, umso hochwertiger die Baumwolle. Die Qualität hängt außerdem vom Produktionsprozess ab. Ruppige mechanische Ernte und giftige Chemikalien mindern die Qualität der Fasern – hochwertige Baumwolle hat ihren Preis.

Sollte man auf Bio-Baumwolle setzen?

Baumwolle ist von allen Textilpflanzen diejenige, die am meisten Wasser und Pestizide verbraucht. Laut WWF werden 2700

Liter Wasser benötigt, um ein einziges Baumwoll-T-Shirt herzustellen – das wäre genug, um den Trinkwasserbedarf eines Menschen fast drei Jahre lang zu decken. Konventionell angebaute Baumwolle verbraucht 16 Prozent der weltweit eingesetzten Pestizide, obwohl sie nur 2,5 Prozent der weltweiten Agrarflächen beansprucht. Aus all diesen Gründen empfehle ich, auf herkömmliche Baumwolle zu verzichten. Heutzutage produziert eine Reihe umweltbewusster Hersteller Produkte aus Bio-Baumwolle. Diese ist frei von Gentechnik sowie Pestiziden, lässt den Boden atmen, verbraucht weniger Wasser, erlaubt es anderer Vegetation, in ihrer Nachbarschaft zu wachsen, und wird während des Produktionsprozesses keinen giftigen Behandlungen unterzogen.

Hanf

Wie herkömmliches Leinen gehören Hanftextilien, hergestellt aus der Pflanze Cannabis sativa, zu den ältesten Europas – man denke nur an mittelalterliche Mönchskutten. Entscheidend ist auch, dass Hanffasern sehr steif und daher aufwendig und kostenintensiv in der Verarbeitung sind.

Woran erkennt man Qualität?

Hanf-Textilien sind deutlich unempfindlicher gegenüber Umwelteinflüssen, als andere Materialien. Das liegt vorrangig an den Fasern. Die sind beim Hanf nämlich ziemlich lang und dicht. Durch die feste Struktur leiern die Sachen nicht so schnell aus. Achte beim Kauf von Hanf-Textilien oder anderen Naturfasern auf die Siegel „Naturtextil“ oder „Global Organic Standard“.

Wie nachhaltig ist Hanf?

In seiner natürlichen Umgebung (gemäßigt feuchtes Klima) angebaut, erfordert Hanf keine zusätzliche Bewässerung oder den Einsatz von Pestiziden. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist, dass die Pflanzen 15 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar absorbieren, also fünfmal mehr als eine entsprechende Fläche an Regenwald.

Stoffe aus recycelten Fasern

Um die steigende Nachfrage nach umweltbewusster Mode zu befriedigen, entwickelt die Textilindustrie patentierte neue Stoffe, deren Grundmaterialien durchaus überraschen können. Während der Produktionsprozesse entstehen auch in der Modeindustrie Abfallprodukte, die von anderen Unternehmen wiederverwertet werden können. So auch zum Beispiel eine italienische Firma, die Kaschmirabfälle von Unternehmen aus ganz Europa einsammelt, sie nach Farben sortiert und sie wieder zu Garn verspinnt. Ähnliche Verfahren gibt es für viele andere Stoffe, wie Baumwolle. Früher wurden bei der Baumwollproduktion die »Baumwoll-Linters« (die kurzen Fasern, die an den Baumwollsamen haften) weggeworfen. Mittlerweile werden sie chemisch mit einer Kupferoxidlösung zu modalähnlichen Fäden verarbeitet.

Recycelte synthetische Fasern

Der Planet wird von Erdöl-und Plastikabfällen geradezu überflutet, also können wir sie genauso gut zu etwas Positivem verwenden. So gibt es mittlerweile umweltbewusste Unternehmen, die Plastikflaschen zu Stoff verarbeitet oder aus ausrangierten Fischernetzen und anderen Nylonabfällen neues Nylon produzieren.

Fasern aus recycelter Kleidung

Ein kleiner Prozentsatz der gespendeten Kleidung wird zu neuen Rohfasern recycelt, die unter anderem zur Herstellung neuer Kleidungsstücke verwendet werden. Es gibt keine spezifischen Namen für solche Stoffe, aber Unternehmen, die recycelte Ressourcen aufbereiten, verweisen auf ihren Webseiten darauf. Generell ist ein Blick auf die Website eine gute Möglichkeit, Bekleidungsfirmen zu entdecken, die Nachhaltigkeit ernst nehmen.

Eco Gold und Silber

Die Gewinnung von Gold schadet der Umwelt und den Menschen, welche im Goldabbau arbeiten. Darüber hinaus herrschen schlechte soziale Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter.

Sollte man auf Eco Gold umsteigen?

Eco Gold oder grünes Gold bezeichnet man das Gold, welches vor Ort ohne lange Transportwe- ge und ohne umweltbelastende chemische Prozesse gewonnen wird. Bei diesem „mechanisch“ gewaschenem Gold handelt es sich um Goldflitter, die z.B. aus Flüssen im Prozess der Kies- und Sandtrennung in sehr kleinen Mengen gewonnen werden. Es lässt sich nachvollziehen, aus welcher Mine das Gold stammt. Es ist dadurch der Verwendung von Gold aus herkömmlichen Quellen vorzuziehen.

Der Artikel ist ein Auszug aus dem Buch: Aloïs Guinut Dress Vintage Like a Parisian – Der Style-Guide für einen nachhaltigen Kleiderschrank Prestel Verlag 18 Euro

Aloïs Guinut ist Pariserin mit Leib und Seele. Nachdem sie am renommierten Pariser Institut Français de la Mode studierte, war sie lange Zeit als Trendscout in der Modebranche tätig. Heute betreibt sie ihren eigenen Personal Shopping und Style Coaching Service, über den bereits Le Figaro und der Observer berichteten.