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familie&entwicklung: SOMMERDÜFTE


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 7/2018 vom 06.06.2018

ErsteGeruchseindrücke speichern wir besonders gründlich. Daher bleiben Düfte aus der Kindheit und die damit verbundenen Emotionen in tiefer Erinnerung


Artikelbild für den Artikel "familie&entwicklung: SOMMERDÜFTE" aus der Ausgabe 7/2018 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 7/2018

Wenn wir intensiv schnuppern, sind beide Nasenlöcher aktiv. Unbewusst im Alltag bevorzugen wir ein Nasenloch – nur gelegentlich übernimmt das andere


Bevor Sie weiterlesen: Schließen Sie die Augen und schnuppern Sie in Gedanken den Geruch des Sommers. Und? Kommen Ihnen frisch gemähtes Gras oder Freibad-Chlor und Sonnenöl in den Sinn? Grillgeruch mit Spiritus oder verdunstender Regen auf heißem Asphalt? Schnell landen wir bei Kindheitserinnerungen – ...

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... vielleicht bei Omas Apfelkuchen im Garten oder muffigen Zeltplanen im Urlaub.

Autohersteller beduften ihre Fahrzeuge Der Geruchssinn ist bei der Geburt bereits ausgereift. Der Duft leitet Neugeborene zur mütterlichen Brust. Baby erkennen schon nach wenigen Stunden den Geruch ihrer Mutter wieder – und umgekehrt. Die Einordnung von Duftstoffen lernen Kinder aber erst im Laufe der ersten Jahre. Das Riechempfinden entsteht in einem evolutionsgeschichtlich alten Hirnbereich – daher sind Gerüche eng mit Gefühlen und Erinnerungen verbunden. Und sie sind schwer in Worte zu fassen: „Das riecht wie …, wie …?“ Wir kennen den Geruch, das Wort liegt uns auf der Zunge, es kommt aber nur schwer über die Lippen – möglicherweise, weil wir den Duft viel früher kennengelernt haben als das Wort dafür.
Kindheitserinnerungen sind eng mit Gerüchen verbunden. „Der Geruch ist der Sinn mit dem schnellsten und direktesten Zugang zu den Erinnerungs- und Gedächtniszentren des Gehirns“, erklärt der Bochumer Geruchsforscher Prof. Hanns Hatt. Düfte werden direkt an der Stelle im Hirn verarbeitet, die Emotionen steuert und Triebe lenkt. Sehen, Hören und Fühlen nehmen hingegen den Umweg über die Großhirnrinde. Gefühle und Entscheidungen sind viel mehr vom bisherigen Geruchserleben geprägt, als wir glauben.
Geschickte Verkäufer machen sich diese Erfahrung zunutze: Autofirmen beduften ihre Fahrzeuge, um ein Wohlgefühl zu erzeugen. Ein deutscher Hersteller verkauft neuerdings sogar vier verschiedene Duftpakete für seine Luxusmodelle. Ein Trierer Krankenhaus will mit beruhigenden Düften Patienten die Angst nehmen. Hotels und Geschäfte beeinflussen uns subtil mit edlen Düften oder Gerüchen der Saison, um uns zum Bleiben, Kaufen und Konsumieren anzuregen. Üblicherweise setzen sie eine Dosis ein, die etwa ein Zehntel unterhalb unserer Erkennungsschwelle liegt: Das regt unsere Emotionen an, ohne dass es uns bewusst wird.

Unsere Nase warnt vor Giftigem und Gefahren
Besonders häufig werden Gerüche verwendet, die eine Kindheitsbindung und positive Erinnerungen erzeugen. Langfristig denkende Hersteller wie eine Fernseher-Marke erzeugen so heute schon die emotionale Bindung für den Käufer von morgen.
Vanille ist unser Geruchs-Favorit. Vermutlich weil schon Muttermilch ähnlich duftet. Ihr Duft vermittelt uns eine lebenslange Erinnerung an Geborgenheit und Glück. Echte Vanille enthält über 100 verschiedene Duftmoleküle.
Vanilleduft sticht sogar die ähnlich beliebte Schokolade aus: Bei Versuchspersonen ließ sich damit die Gier nach Schokolade verringern. Dabei betont der Londoner Neuropsychologe Neil Martin die „starken Effekte des Geruchs von Schokolade“: Er stimuliere das Belohnungszentrum im Gehirn, wecke positive Gefühle und Erinnerungen und führe zur Ausschüttung von Glückshormonen. Dass Geruch eine frühe Funktion im Leben hat, macht Sinn: Die Nase warnt vor Giftigem, Verdorbenem oder Gefahren wie Feuer. In der Schwangerschaft sind viele Frauen besonders geruchsempfindlich; dies schützt das Ungeborene vor unverträglicher Nahrung.

Geruch oder Gestank? Vergammelte Milch oder leckerer Käse?

Wie der Geruchssinn funktioniert

Mmh – wie der Schokoladenkuchen duftet! UnzähligeMoleküle gelangen in die Atemluft und von dort in unsere Nase. 15 Millionen Riechzellen verarbeiten den Duft – pro Nasenloch! Jede dieser Riechzellen hat 20 bis 30 fädige Anhänge, die in den Nasenschleim ragen. An ihrem Ende sitzen Duftsensoren, 350 solcherSchlüssel-Schloss-Duftsensoren sind bekannt. Der Duft „Schokoladenkuchen“ aktiviert ein bestimmtes Muster verschiedener Sensoren. Ist der Kontakt hergestellt, leiten die Riechzellen einen Impuls über Nervenfasern an das Gehir n. Dort wird das Muster entschlüsselt und wir riechen: „Schokoladenkuchen!“ Etwa10000 Düfte können wir so unterscheiden – je nach Begabung und Übung.

Hier kommt die enge Verknüpfung von Riechen und Schmecken ins Spiel: Probieren Sie einmal Zimt mit zugehaltener Nase: Er schmeckt nach nichts. Erst über die Nase nehmen wir die Aromastoffe wahr.
Zucker können wir nicht riechen, nur schmecken. Die Rezeptoren für sauer, süß, salzig und bitter sitzen in Form von etwa 2000 Geschmacksknospen auf der Zunge, alle anderen Aromen nehmen wir über den Duft mit der Nase wahr. Oder eben nicht, wenn wir bei verstopfter Nase kaum noch etwas schmecken … Haben Sie schon mal im Dunkeln gegessen? Es ist erstaunlich, wie anders wir Speisen dann wahrnehmen. Ein Winzer bewies mit ungewöhnlichen Untersuchungen, dass unser Geschmack sich mit der Beleuchtung ändert: Bei rotem Licht hielten Probanden den gleichen Wein für süß, bei Grün für sauer, im Blaulicht dominierte bitter. Geschmacksforscher Hatt beschreibt dies als „Beweis dafür, dass Sinneseindrücke wie Farben, Düfte, Geschmack und Bilder im Gehirn immer als Paket abgespeichert werden“. Kein Wunder, dass der Wein im Urlaub besser schmeckt als zu Hause.

Natürliche Zutaten liefern ein vielfältiges Duftbukett. Verwenden Sie daher Salz, Zucker und Geschmacksverstärker sparsam


Beim ersten Kontakt speichert das Hirn ein Duftmuster mit Emotionen dieses Moments

BUCHTIPP

HANNS HATT, REGINE DEE: DAS KLEINE BUCH VOM RIECHEN UND SCHMECKEN
Unsere Nase entscheidet, was uns schmeckt, wen wir lieben oder nicht riechen können. Experten erklären in kurzweiligen Kapiteln unseren Geruchs- und Geschmackssinn. Tests am Buchende verraten: Wie gut riechen Sie? KNAUS VERLAG, 16 EURO

Düfte bestimmen unsere sozialen Beziehungen
Der Geruchssinn lässt sich aber trainieren. Parfümeure, Weinkenner und Lebensmittelspezialisten können nach einiger Übung sehr differenziert Düfte unterscheiden und benennen.
Manche Gerüche sind allerdings so schwach, dass wir sie nicht bewusst wahrnehmen können. Dazu zählen die Pheromone, die Hormone und Sexualverhalten steuern – ob wir also jemanden „gut riechen können“. Sie werden bei Stress, Angst oder sexueller Erregung gebildet. Und sie bestimmen unsere sozialen Beziehungen.
Sympathie und Antipathie hängen nach modernen Erkenntnissen unter anderem von unserem Immunsystem ab: Je unterschiedlicher es ist, desto eher „stimmt die Chemie“, also der persönliche Duft. Vermutlich suchen wir so unbewusst einen Partner mit möglichst unterschiedlichem Erbgut: Dies sichert dem Nachwuchs eine große genetische Bandbreite und eine wirksame Körperabwehr.
Hormonstatus und Motivation beeinflussen unsere Duftwahrnehmung stark. Zudem ist das Geruchsempfinden abhängig von der Nasenbelüftung und genetischen Faktoren, etwa der Art der Geruchsrezeptoren. Ähnlich wie beim Sehen und Hören sinkt ab etwa 40 Jahren leider auch unsere Riechfähigkeit. Also tief einatmen und den Sommergeruch speichern!

Spielerisch Gerüche raten

Mitverbundenen Augen können Sie mit Kindern Düfte erkunden. Wenn es mit dem Riechen nicht auf Anhieb klappt, dürfen die Kinder ertasten, woran sie geschnuppert haben, z. B. an Zitrusfrüchten, Gewürzpflanzen, Zwiebeln, Käse oder Gurken. Gute Alternativen sindRiechdosen : Präparieren Sie blickdichte Dosen oder Schachteln mit duftenden Materialien und lassen Sie die Mitspieler durch Löcher schnuppern – beispielsweise an Zahnpasta, Schuhcreme oder Kaffee. In Gläsern verwenden Sie Wattebäusche, auf die Sie Flüssigkeiten auftropfen. Mit je zwei gleichen Gläsern spielt die ganze Familie dannGeruchsmemory . Dafür eignen sich Öle, Fruchtsäfte, Essig oder Kosmetikprodukte. Geübte Rater versuchen sich inVergleichsdüften: Ist das Apfel-, Trauben- oder Möhrensaft? Riechen so etwa Zitronen, Grapefruits oder Orangen? Ziemlich kompliziert ist die Unterscheidung von Apfelsorten – nach Geruch oder Geschmack. Ziel ist es, den Geruchssinnzu schulen und zu verfeinern – und die Verbindung zum Wortschatz zu trainieren.


FOTOS: RAMONA HEIM - SHOTSHOP.COM; GETTYIMAGES/HERO IMAGES/BRAND X/KEN WRAMTON (3); PR