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familie&ernährung: Abgelaufen – undtrotzdem genießbar?


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 04.07.2018

Kaum ist dasMindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln überschritten, landen sie im Mülleimer. Muss das sein? Wie Sie sie richtig lagern und effektiv vermeiden, zu viel wegzuwerfen


Artikelbild für den Artikel "familie&ernährung: Abgelaufen – undtrotzdem genießbar?" aus der Ausgabe 8/2018 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 8/2018

Am liebsten mögen wir unsere Lebensmittel, so frisch es geht. Mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), das auf verpackte Lebensmittel gedruckt ist, geben uns die Hersteller eine Frist, wie lange ein Produkt einwandfrei genießbar ist, solange es originalverpackt bleibt. Dieses Datum legen sie selbst nach Lagerversuchen fest. Der Zweck: „Wird über das MHD hinaus gelagert, gibt es bei Beanstandungen keine Garantie mehr vom ...

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Am liebsten mögen wir unsere Lebensmittel, so frisch es geht. Mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), das auf verpackte Lebensmittel gedruckt ist, geben uns die Hersteller eine Frist, wie lange ein Produkt einwandfrei genießbar ist, solange es originalverpackt bleibt. Dieses Datum legen sie selbst nach Lagerversuchen fest. Der Zweck: „Wird über das MHD hinaus gelagert, gibt es bei Beanstandungen keine Garantie mehr vom Verkäufer“, sagt Dr. Detmar Lehmann, Vorsitzender des Bundesverbandes der Lebensmittelchemiker/-innen im öffentlichen Dienst e.V. (BLC).
Das heißt nicht, dass die Lebensmittel nach Ablauf des MHD sofort entsorgt werden müssen. „Milch kann noch einige Tage, Joghurt oder Quark ein bis zwei Wochen genießbar sein. Bei Konser-vendosen, Nudeln oder Reis führt meist auch monatelanges Überschreiten des MHD zu keinen Einbußen“, infor-miert die Verbraucherzentrale Bayern. Vorsicht gilt bei leicht verderblichen Lebensmitteln wie Hack- und Geflügelfleisch oder Räucherlachs: Diese Produkte sind mit dem sogenannten Verbrauchsdatum gekennzeichnet. Über den festgelegten Zeitpunkt hinaus dürfen sie nicht verzehrt werden, weil danach gesundheitliche Gefahren von Keimen wie Salmonellen ausgehen können.

Optimale Lagerung

Kühlkette beachten!
Beim Einkauf und Transport von gekühlten Lebensmitteln Kühltaschen oder -boxen verwenden und alles nach dem Einkauf schnell in den Kühlschrank räumen.

Welche Temperatur?
Die Lagertemperatur ist meist zu sammen mit dem MHD oder dem Verbrauchsdatum auf der Ver pa ckung angegeben. Besonders empfindliche Waren wie Hackfleisch und Fisch dürfen oft nur bei max. 2° C gelagert werden.

Wo im Kühlschrank?
Im untersten Kühlschrankfach ist es meist am kältesten, im Ge müsefach am wärmsten. Tipp: Thermometer verwenden!

In Behälter füllen!
Lebensmittel aus geöffneten Verpackungen in saubere, trockene und verschließbare Behälter umfüllen und schnell verbrauchen oder einfrieren.

First in, first out!
Einlagerung nach dem „First in, first out“-Prinzip, also neu eingekaufte, länger haltbare Ware stets hinter den älteren Produkten einräumen.

Gegartes nach oben!
Rohe Lebensmittel unter gegarten Speisen im Kühlschrank lagern, Tropfwasser vermeiden.

Schimmel

Schimmelpilze auf Lebensmitteln können giftige Mykotoxine bilden. Es besteht zwar keine Vergiftungsgefahr, denn „dazu müssten erhebliche Mengen belasteter Lebensmittel mehr aufgenommen werden“, so die Verbraucherzentrale Berlin. Doch bei bei regelmäßiger Aufnahme über einen langen Zeitraum wächst die Gefahr von Leberschädigungen bzw.das Risiko, an Leber- und Nierenkrebs zu erkranken. Mykotoxine sind nicht nur im Schimmelrasen, sondern auch unsichtbar in tieferen Schichten des Lebensmittels enthalten! Gerade bei Nahrung, die für Kinder bestimmt ist, gilt bei Schimmel: Wegwerfen!

Ein überschrittenes MHD dagegen ist erst einmal völlig unbedenklich. Dennoch wirft jeder Deutsche laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft jährlich Nahrungsmittel im Wert von 235 Euro weg – oft noch originalverpackt. Würde man sie wiegen, käme man auf rund sieben Millionen Tonnen. (Weitere Infos auf www.zugutfuerdietonne.de).

Obst, Gemüse, Salat und Joghurt verderben oft
Dr. Jasmin Geppert von der Sektion Haushaltstechnik am Institut für Landtechnik der Uni Bonn untersuchte zusammen mit Dr. Simone Thomas den Umgang mit Lebensmitteln europaweit. „Laut den Angaben von 1000 Befragten in Europa verderben Obst, Gemüse, Salat und Joghurt im Haushalt am häufigsten. In 43 Prozent der Haushalte sind diese Lebensmittel in den letzten sechs Monaten vor der Befragung mindestens einmal verdorben, Wurst, Käse, Milch und Essensreste in 32 Prozent sowie Fleisch, Eier und Brot in 19 Prozent“, fasst Dr. Geppert einige Ergebnisse zusammen.

Obst & Gemüse: Kontrolle mit Augenmaß

Wie werden Lebensmittel im Supermarkt überwacht?
„Solche Ware in den Märkten, die abzulaufen droht, wird zunächst im Preis reduziert. Noch bevor das MHD überschritten ist, geben wir die Ware dann an die lokalen Tafeln. Bei Obst und Gemüse entscheiden unsere dafür geschulten Mitarbeiter, wann etwa eine Handels klas se nicht mehr eingehalten werden kann und die Ware aussortiert werden muss“, sagt Christhard Deutscher, Pressesprecher der EDEKA Südwest.
Tipp für zu Hause: Lagern Sie kälteemp find liches Obst und Gemüse nicht im Kühlschrank. Dazu gehören z. B. Kartof feln, Tomaten, Gurken und Zitrusfrüchte. Blumenkohl, Möhren und Äpfel dürfen dagegen im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Mindesthaltbarkeitsdatum immer beachten

Wie die Wissenschaftlerinnen herausfanden, räumen 32 Prozent aller Befragten in Europa die Lebensmittel zu Hause ein, ohne das MHD oder Lagerhinweise auf der Packung zu beachten. Dabei lohnt sich der Blick darauf. Ernährungsexperte Detmar Lehmann erklärt: „Bei falscher Lagerung, wenn z. B. trocken zu lagernde Produkte im feuchten Keller landen, kann ein Verderb lange vor dem MHD eintreten. Generell gilt, dass die Produkte im frischen Zustand nach der Abpackung am besten schmecken, abgesehen von Produkten wie Hartkäse.“ Wichtig: Das MHD gilt nur bei einer Lagertemperatur von unter 22° C, bei gekühlten Produkten darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden. Wie lange nach Ablauf des MHD ein Lebensmittel noch genießbar ist und inwieweit sich sein Geschmack verändert, ist vom jeweiligen Lebensmittel abhängig. Für familie&co hat Dr. Detmar Lehmann einige unter die Lupe genommen:

Verderbliches

„Bei leichter verderblichen Produkten z. B. mit Kühlungsvorgabe wird eine deutliche Überschreitung des MHD meist auch zu einem Verderb führen. Bei Toastbrot etwa setzt dann oft Schimmel ein. Es ist Restfeuchte vorhanden, die sich mit der Zeit auf der Oberfläche sammelt – das begünstigt das Auskeimen von Schimmelsporen.“

Milchprodukte

„Bei vergorenen Milchprodukten bieten die Milchsäurebakterien einen gewissen Schutz vor Verderb. Wenn aber die Kühlkette unterbrochen wird, kann sich Kondenswasser auf den Produkten bilden. Darin können beispielsweise Schimmelpilzsporen auskeimen. Bei pasteurisierter Milch wird, anders als bei H-Milch, nur ein erheblich geringerer Teil der Keime abgetötet. Bei längerer Lagerung können sich die verbliebenen Keime vermehren. Die deutlich sichtbare Folge: Die Milchpa ckung im Kühlschrank wirkt wie aufgeblasen und droht zu platzen. Bei Speisequark sind oft Hefen im Spiel, die bei Überschreitung des MHD den Quark verderben lassen. Das Gleiche gilt für eingelegten Schafskäse in Lake. Ist er in Speiseöl eingelegt, können sich Hefen und Bakterien nicht so schnell vermehren. Allerdings kann das Öl mit der Zeit oxidieren und so geschmacklich verderben. Ebenso verdirbt auch überlagertes Speiseöl. Butter wird bei gekühlter Lagerung nach Ablauf des MHD ranzig.“

Konservendosen

„Auch in Konserven verlieren die Lebensmittel mit der Zeit an Geschmack. Hier kann sich die Konsistenz verändern. Gesundheitsschädlich ist dies meist nicht, aber der Genusswert wird gemindert.“

Schokolade

„Schokolade verändert ihre Konsistenz. Die Mischung ist auf Dauer nicht lagerstabil. Aus der Umgebung können Gerüche aufgenommen werden. Ebenso werden die flüchtigen Aromastoffe an die Umgebung abgegeben. Bei den meisten Produkten ist mit einer Wertminderung zu rechnen, wenn über das MHD hinaus gelagert wird.“ Verbraucher sollten deshalb möglichst wenige Produkte mit abgelaufenem MHD lagern – und vor dem Einkaufen immer gut überlegen, was wirklich in den Einkaufskorb gehört.


FOTOS: THINKSTOCK.COM/ISTOCKPHOTO/AKOVA; THINKSTOCK/MARTIN POOLE; WDR/BETTINA FÜRST-FASTRE