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familie & erziehung: ACHTUNG, Schmollschnute


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 14/2018 vom 19.12.2018

Was tun, wenn Kinder oft eingeschnappt sind? Eine Patentlösung gibt es nicht – aber einige gute Ideen, wie Eltern ihren Kindern wiederaus dem Gefühlstief heraushelfen können


Artikelbild für den Artikel "familie & erziehung: ACHTUNG, Schmollschnute" aus der Ausgabe 14/2018 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 14/2018

Am besten erfahren Eltern, was in ihren Kindern vorgeht, wenn sie sich Zeit für sie nehmen und ein offenes Ohr für ihre Gedanken haben


Dieses grummelige und gemeine Gefühl kennt jeder: Alle anderen sind blöd. Keiner versteht mich. Alles ist ungerecht. Man ist wütend, enttäuscht und traurig zugleich. Und wir erkennen sofort, wenn sich die beste Freundin oder eine Kollegin zurückzieht, wegen eines falschen Wortes oder einer ...

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... vergessenen Verabredung.

Als Eltern erleben wir Schmollereien sowieso jede Woche mehrfach. Zum Beispiel, wenn der sechsjährige Sohn tränenreich einschnappt, weil der Rest der Familie keine Lust hat, den Schleich-Dinosaurier-Kampf zum zehnten Mal anzuschauen. Oder wenn die elfjährige Tochter eine Stunde lang nicht mehr aus ihrem Zimmer kommt, bloß weil Papa gefragt hat, ob gerade ein Chinaböller in ihrem Haar explodiert sei.

Wie sich Schmollen anfühlt, weiß also jeder sofort. Aber was steckt eigentlich genau dahinter? Das ist gar nicht so leicht zu erklären! Schmollen ist nämlich, wenn man genauer hinschaut, eine ziemlich komplizierte Angelegenheit.

„Es ist der widersprüchliche Appell an die Außenwelt: ‚Lasst mich alleine!‘, aber auch ‚Helft mir!‘. Denn im Inneren der Schmollenden toben verwirrende Gefühle: Sie fühlen sich überfordert und/oder sind unfähig, auszudrücken, was gerade nicht stimmt. Wer schmollt, wünscht sich eine Auszeit und Abstand. Gleichzeitig sehnt er sich danach, den anderen wieder näher zu sein und eine Klärung der Situation zu erreichen“, erklärt die Diplom-Psychologin Dr. Angelika Faas diese Gefühlslage.


Das Gespräch suchen, geduldig zuhören, Verständnis zeigen, aber auch den eigenen Standpunkt klarmachen


Auf dieses Bündel von Appellen und Gefühlen richtig zu reagieren, ist für Eltern gar nicht so einfach. Das Wichtigste ist aber, dass Kinder tief in ihrem Inneren immer wissen: Ich kann zurückkommen und werde ohne große Worte wieder in die Gemeinschaft aufgenommen. „Strafen oder böse Kommentare sind in keinem Fall sinnvoll“, sagt Angelika Faas. Viel besser sind freundliches Mitgefühl und eine gewisse Feinfühligkeit.
Es gibt von dem Dichter Friedrich Schiller den schönen Satz: „Willst du die anderen verstehen, blicke in dein eigenes Herz.“ Und genau dort spürt jeder: Wenn man schmollt, empfindet man – meist mit einer kleinen Zeitverzögerung – auch so etwas wie Scham. Schließlich schmollt man nur, wenn man ein Problem anders nicht lösen konnte, wenn man sich in die Ecke gedrängt und hilflos fühlt. Wer sich maulend zurückzieht, signalisiert damit auch Schwäche. Vermutlich hat das Schmollen deshalb keinen besonders guten Ruf, weder unter Kindern noch bei Erwachsenen.
Was es natürlich auch gibt: Kinder setzen das Schmollen ein, um ihre Eltern zu „erpressen“. Keinen Schokoriegel im Supermarkt? Erst mal einen Flunsch ziehen! Mami kritisiert meine Tischmanieren? Dann sag ich den Rest der Mahlzeit eben kein Wort mehr! Der Spuk geht am schnellsten wieder zu Ende, wenn Eltern gelassen bleiben, keine allzu große Sache daraus machen und durch einfache, aber verbindliche Regeln einen klaren Rahmen vorgeben, wie man in der Familie miteinander umgeht.


Manchmal sind alle so doof! Dann will ich keinen sehen. Nur mein großer Bruder versteht mich dann.
CARL, 7 JAHRE, GRUNDSCHÜLER


„Wenn Kinder Schmollen häufiger als Waffe einsetzen, können Eltern sich aber durchaus einmal fragen, warum ihr Nachwuchs das tut“, schlägt Angelika Faas vor. Mögliche Gründe: Papa oder Mama benutzen diese Form von Beziehungs- und Kommunikationsabbruch selbst häufiger, um beim Partner etwas zu erreichen. Kinder beobachten das – und imitieren die Strategie.

„Ihr seid alle doof!“ Setzen Kinder das Schmollen gezielt ein, könnten sie das abgeschaut haben


KINDERKUMMER: „Lasst mich doch alle in Ruhe“

Manchmal ziehen Kinder sich scheinbar grundlos zurück. Was steckt dahinter?
Das Kind ist still, lustlos und überempfindlich. Aber anders als beim Schmollen liegt die Ursache unerklärlich im Dunkeln. Eltern bleibt dann nichts anderes übrig, als sich als feinfühlige Detektive zu betätigen: Fühlt sich das Kind in der Schule überfordert? Ist eine Freundschaft in die Brüche gegangen? Oder gibt es belastende Probleme in der Familie? Oft glauben wir, wir könnten Konflikte vor Kindern verbergen, dabei spüren die doch sehr genau, wenn etwas nicht stimmt. Direktes Nachfragen hilft oft nicht, weil die Kinder selbst nicht genau wissen, was mit ihnen los ist. Sie haben die Gefühle, können aber die Ursache nicht klar erkennen. Man erfährt am ehesten etwas über ihren Seelenzustand, wenn man Zeit mit ihnen verbringt und ein offenes Ohr für ihre Gedanken hat.


Schmollen kann ein Ausdruck von Hilflosigkeit sein – dann gilt es, behutsam nachzufragen


Manchmal ziehen sich Kinder auch in die Schmollecke zurück, weil sie sich vor offenen Konflikten fürchten. „Dann ist es doppelt wichtig, dass Eltern ihnen immer wieder bewusst vermitteln: ‚Es ist okay, wenn wir mal streiten. Ich liebe dich trotzdem‘“, sagt die Psychologin.
Kinder setzen sich mitunter auch mit Schmollen zur Wehr, wenn sie keine andere Möglichkeit sehen, ihre Interessen und Wünsche durchzusetzen. Zum Bei spiel, weil sie abgekanzelt werden, sobald sie widersprechen oder ihre eigene Meinung kundtun. „Dass Eltern ihren Kindern das Wort abschneiden oder ungehalten auf Einspruch reagieren, passiert im hektischen Alltag häufiger“, sagt Angelika Faas. „Schließlich stehen sie oft unter Zeitdruck.“ Es fehlt die Ruhe, einfühlsam auf den Nachwuchs einzugehen. Und so rutschen einem schon mal Ansagen wie „Ende Gelände!“ heraus – oder auch ein „Du beleidigte Leberwurst“.
Aber woher kommt überhaupt diese Redewendung? Im Mittelalter gingen die Gelehrten davon aus, dass alle Gefühle in der Leber produziert werden. Und dann gab es noch eine alte Erzählung von einer Leberwurst, die im kochenden Wasser ei nes Kessels vor Wut platzte, weil der Metzger sie erst als Letzte herausnahm. In dem Begriff ‚beleidigte Leberwurst‘ sind beide Geschichten miteinander vereint. „Für ihren eingeschnappten Nachwuchs sollten Eltern den Ausdruck aber nicht verwenden“, meint Angelika Faas. „Spott und Ironie können eine Situation humorvoll entspannen, beides ist trotzdem nicht für den Umgang mit Kindern geeignet.“ Kinder können nämlich noch nicht angemessen kontern und fühlen sich auf diese Weise verletzt und nicht ernst genommen.


Versteht mich überhaupt jemand? Manchmal bin ich so enttäuscht, dass ich weinen muss …
EMILIA, 10 JAHRE, GRUNDSCHÜLERIN


Ein Gespräch auf Augenhöhe wirkt so manches Mal entschmollend. Dabei gilt: Gelassen bleiben!


GEFÜHLS-ABC: Doofe Schmoll-Liese!

Das hilft, wenn Kinder im Spiel mit Gleichaltrigen schnell einschnappen

1 Ruhe bewahren
Schmollende Spielkameraden werden oft gehänselt. Das versetzt auch ihren Eltern einen Stich ins Herz. Trotzdem: Nicht dramatisieren. Kinder üben das Miteinander erst Schritt für Schritt ein.

2 Handwerkszeug vermitteln
Wer schmollt, weiß sich noch nicht anders zu helfen. Es dauert einfach, bis ein Kind gelernt hat: Wie vertrage ich mich wieder? Wie sage ich, was ich will? Was tue ich, wenn ich sauer und enttäuscht bin? Hilfreich: In passenden Büchern können Kinder sich abgucken, wie andere solche Situationen bewältigen. Auch gut: Eltern erzählen kindgerecht von ihren eigenen „Schmoll-Erlebnissen“.

3 Mut machen In Krisenmomenten brauchen Kinder vor allem Ermutigung und das Gefühl: „Ich bin okay. Und wenn ich es diesmal nicht hinbekomme, dann bestimmt das nächste Mal“.

Zweitens: Sensibel wahrnehmen, ob das Kind die Sache hinterher besprechen möchte – oder eben nicht. In manchen Fällen ist es besser, freundlich und ohne große Worte wieder zur Tagesordnung überzugehen.
Drittens: Auch wenn die vorgeschobene Unterlippe, die feuchten Augen oder die patzigen Antworten nerven, sollten Eltern sich nicht in die Gefühle ihres Nachwuchses verstricken lassen oder das Schmollen gar persönlich nehmen. „Ein Kind, das schmollt, kann in aller Regel nicht anders. Der Erwachsene sollte die Größe haben, gelassen zu bleiben“, sagt Angelika Faas.
Viertens: Lobend anerkennen, wenn es dem Kind gelingt, eine schwierige Situation ohne Schmollen zu meistern. Etwa so: „Ich habe gemerkt, dass du sauer warst, weil Finn dich nie Piraten-Chef sein ließ. Aber ich fand es klasse, dass du trotzdem weiter mitgespielt hast.“ Solche kleinen Bemerkungen wirken nach.
„Zu lernen, mit Frustrationen und Unsicherheit klug und gelassen umzugehen, ist eine Lebensaufgabe“, sagt Angelika Faas. Gönnen wir unseren Kindern also dann und wann einen Rückzug in den Schmollwinkel – und seien wir ihnen ein gutes Vorbild, wie es auch anders gehen kann.


„Wenn ich Stress mit meinen Eltern habe, chatte ich mit einer Freundin. Die weiß, wie ich mich fühle.“
CLARA, 11 JAHRE, REALSCHÜLERIN


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