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familie&erziehung: GUCK MAL, was alles in dir steckt!


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 04.04.2018

Manche Kinder überraschen durch ganz besondere Fähigkeiten. Aber auch in jedem Normalbegabten schlummernindividuelle Talente


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Bildquelle: familie & co, Ausgabe 4/2018

Versuch’s noch mal! Kinder brauchen meist elterliche Unterstützung, um sich zum Üben zu motivieren


Neulich schauten mein Sohn, 11, und ich uns ein YouTube-Erklärvideo an, um ein neues Kartenspiel zu verstehen. Nach einmaligem Abspielen legte mein Sohn das Smartphone beiseite und meinte: „Alles klar. Wir können loslegen.“ Ich entgegnete: „Ähm, ich muss mir das mindestens noch drei Mal angucken …“
Tatsächlich hatte mein Sohn, der sonst stundenlang über seinen Hausaufgaben sitzt, die ...

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Neulich schauten mein Sohn, 11, und ich uns ein YouTube-Erklärvideo an, um ein neues Kartenspiel zu verstehen. Nach einmaligem Abspielen legte mein Sohn das Smartphone beiseite und meinte: „Alles klar. Wir können loslegen.“ Ich entgegnete: „Ähm, ich muss mir das mindestens noch drei Mal angucken …“
Tatsächlich hatte mein Sohn, der sonst stundenlang über seinen Hausaufgaben sitzt, die Anleitung auf Anhieb verstanden. Und ich wunderte mich, was in seinem Kopf wohl so vor sich geht. Hat er vielleicht Fähigkeiten, von denen ich nichts ahne?

Der erste Intelligenztest wurde 1904 entwickelt
Zu welchen Leistungen ist ein Mensch in der Lage? Über welche Geisteskraft verfügt er? Das wollten Menschen schon immer wissen.
Bereits vor 3000 Jahren ließ der chinesische Kaiser Bewerber für einen Posten an seinem Hof mit strengen Prüfungen testen.
Den ersten Intelligenztest der Neuzeit entwickelte der französische Psychologe Alfred Binet 1904. Er stellte Schülern Testaufgaben wie: Was reimt sich auf Schule? Oder die Kinder mussten Gewichte in die richtige Reihenfolge bringen und aus einzelnen Worten einen sinnvollen Satz bilden. Schüler sollten nicht mehr allein nach dem subjektiven Eindruck ihrer Lehrer bewertet und gefördert werden, sondern Binet wollte objektiv messen, wie intelligent die Kinder sind.
Aber was ist Intelligenz überhaupt? Das derzeit gängigste Modell unterscheidet zwischen fluider und kristalliner Intelligenz. Die fluide Intelligenz kann man sich als eine Art allgemeine Intelligenz vorstellen. Genauer: die Schnelligkeit und Effektivität, mit der jemand Informationen verarbeitet, logische Zusammenhänge herstellt, Hypothesen aufstellt und neues Wissen im Gedächtnis behält – eben das, was Binet testen wollte.
Diese allgemeine Intelligenz ist die Basis für die sogenannte kristalline Intelligenz. Damit sind die spezifischen Begabungen und Talente gemeint, die ein Mensch im Laufe seines Lebens entwickelt, etwa Sprachtalent oder mathematische Fähigkeiten. Man kann sich das Ganze als Baum vorstellen: Je dicker der Stamm (die allgemeine Intelligenz), desto prächtiger und reichhaltiger können die Zweige (die kristalline Intelligenz) wachsen.

Und was ist mit den Gefühlen?
Der US-amerikanische Psychologe Howard Gardner hat in den 1980er-Jahren ein alternatives Modell entworfen, nämlich das der „multiplen Intelligenzen“. Seine Bücher wurden Bestseller.

Talentsuche: 2,2 Millionen Kinder in Deutschland kicken


ELTERNCOACHING: Talente herauskitzeln

1 Zeit für Zweitgeborene!

Erstgeborene haben im Schnitt einen um 2,3 Punkte höheren Intelligenzquotienten (IQ) als ihre jüngeren Geschwister. Das ergab eine Auswertung von 250 000 Tests. Vermutlich, weil sie länger die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Eltern genießen konnten. Also: Die Kleinen nicht nur „mitlaufen“ lassen, sondern zwischendurch exklusiv für sie eine Papa- oder Mama-Zeit freischaufeln.

2 Langeweile zulassen

Langeweile ist unbeliebt, aber sie versetzt Kinder (und Erwachsene) in die Lage, Vergangenes zu verarbeiten, sich selbst zu erkennen und einen klareren Blick zu gewinnen auf das, was kommen soll, kann und darf. „Mir ist sooo langweilig“ – das ist ein guter Anstoß, etwas Neues auszuprobieren.

3 Ausprobieren

Bis zum Alter von acht Jahren sollten Kinder möglichst vielfältig sportlich gefördert werden, so der Sportwissenschaftler Klaus Bös, Professor an der Uni Karlsruhe. Erst dann ist es sinnvoll, dass man schaut, wo das besondere Talent liegen könnte.

4 Versuch und Irrtum

Ich darf Fehler machen! Kinder, die mit diesem Wissen groß werden, sind experimentierfreudiger und trauen sich eher, Neuland zu betreten!

5 Offener Blick

Eltern, denen es gelingt, ihre Kinder immer wieder neu zu sehen, entdecken mehr. Kinder haben manchmal überraschende Talente, die sonst keiner in der Familie hat.

Geduld beim Tüfteln: Manchen liegt’s im Blut, üben kann es jeder


Mädchen und Technik – da geht eine Menge


Ihm zufolge gibt es verschiedene Intelligenzen, die unabhängig voneinander existieren: eine sprachliche, eine logisch-mathematische, eine naturkundliche, eine musikalische, eine bildlichräumliche, eine körperliche, eine musikalische und eine soziale Intelligenz.
Das klingt zwar einleuchtend, aber Gardners Idee hat sich nicht durchgesetzt. Auch die „emotionale Intelligenz“, die der US-amerikanische Psychologe, Autor und Wissenschaftsjournalist Daniel Goleman vor einigen Jahren populär gemacht hat, gilt bei Intelligenzforschern nicht als Teil der Intelligenz, sondern als ein davon unabhängiges, gleichwohl sehr bedeutsames Persönlichkeitsmerkmal.

Allgemeine Intelligenz ist zum Teil angeboren
Vor allem Eltern interessiert die Frage: Woran liegt es denn nun, wie dick der Stamm der fluiden Intelligenz ist? Ist es angeboren? Oder liegt es an der Erziehung? Welchen Einfluss hat die Familie? Tatsächlich ist die allgemeine Intelligenz zu einem guten Teil angeboren. Aber sie entwickelt sich erst im Kontakt mit der Umwelt, durch Erfahrungen und die Beziehungen, die Kinder erleben dürfen. Mit der Geburt steht keinesfalls fest, wie schlau ein Mensch einmal sein wird.
So wird ein Kind, das mit besonders guten Gaben geboren wird, aber unter schwierigen, lieblosen Bedingungen aufwächst, nicht so aufblühen, wie seine Gene es versprachen. Ein anderes Kind ist vielleicht „nur“ normalbegabt. Aber ein entspanntes, liebevolles und anregendes Elternhaus ermöglicht ihm, das Gegebene optimal ausschöpfen.
Die beiden Kognitionspsychologen Aljoscha Neubauer und Elsbeth Stern sagen deshalb: „Begabung ist wichtig, aber nicht selten kann ein Weniger an Begabung durch ein Mehr an Lernen wettgemacht werden.“
Lernen heißt dabei nicht pauken, sondern ausprobieren, erfahren, begreifen. Die Leistungen, die ein Mensch erbringt, basieren stets auf mehreren Ursachen. Es ist das angeborene Talent. Aber es braucht auch Übung. Und Frustrationstoleranz, aufstehen, Krönchen zurechtrücken und weitermachen. Ein Kind muss motiviert sein und an die eigenen Fähigkeiten glauben. Dafür braucht es ein gutes Selbstwertgefühl.

Geschafft!

Geduld und Beharrlichkeit sind für den Erfolg genauso wichtig wie Intelligenz. Wie können Eltern diese kostbaren Fähigkeiten fördern?

1 Sichere Aussichten Kinder, die ihre Eltern als verlässlich und berechenbar erleben, verinnerlichen, dass sich geduldiges Warten lohnt. Also: gegebene Versprechen unbedingt einhalten.

2 Wenn-dann-Pläne Was tue ich, wenn ich keine Lust habe, mein Zimmer aufzuräumen? Wie beruhige ich mich, wenn mein Bruder nervt? Kinder, die geübt haben, Pläne zu schmieden, sind ausdauernder und lassen sich nicht so leicht von spontanen Gefühlen ablenken.

3 Vorlesen Dabei üben Kinder, sich zu konzentrieren und einer Geschichte, einem Gedanken ausdauernd zu folgen.

4 Vorbild sein Unsere Kinder beobachten uns. Wenn sie im Alltag immer wieder erleben können, wie wir geduldig an einer Sache dranbleiben, wirkt sich das positiv aus.

INTERVIEW: Den Schatz heben

Thomas Rachel, Mitglied des Deutschen Bundestages, ist Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung

familie&co: Was ist der „Tag der Talente“?
Thomas Rachel: Mit dem „Tag der Talente“ bringt das Bundesministerium für Bildung und Forschung einmal im Jahr talentierte junge Menschen zusammen. Seit 2006 waren es rund 3500 Preisträgerinnen und Preisträger aus rund 30 Jugendwettbewerben, die die Bundesregierung fördert. Bereits als Schülerinnen und Schüler haben sie außergewöhnliche Leistungen erbracht und begonnen, intensiv zu forschen, zu musizieren, zu dichten oder ein eigenes Unternehmen zu gründen. Beim „Tag der Talente“ kommen sie zusammen – und stellen vielleicht fest, dass sie sich neben „ihrem“ Fach auch für weitere Felder begeistern.

Wie läuft dieser Tag ab?
Der „Tag der Talente“ ist tatsächlich eine dreitägige Veranstaltung an attraktiven Orten in Berlin. Das Programm ist vielfältig und reicht von einem Bühnenprogramm, bei dem sich ausgewählte Wettbewerbsbeiträge vorstellen, über Workshops zu unterschiedlichen Themen bis zu einer feierlichen Abschlussveranstaltung. Mit dem „Tag der Talente“ wollen wir die jungen Leute für ihre Leistung auszeichnen und sie ermutigen, auf ihrem Weg weiter zu gehen. Außerdem wollen wir öffentlich auf das Thema Begabung aufmerksam machen. Begabungen sind verschieden, das zeigt die Vielfalt der jungen Menschen, die der „Tag der Talente“ zusammenbringt.

In welchen Bereichen gibt es eigentlich Wettbewerbe?
Das Spektrum der Wettbewerbe ist so breit wie die Vielfalt der individuellen Stärken. Es reicht von Naturwissenschaften über Sprache bis hin zu Theater und Tanz. Darunter sind zum Beispiel der Europäische Wettbewerb, der Bundeswettbewerb Mathematik oder der sehr bekannte Wettbewerb „Jugend forscht“.

Wie erfahre ich, wann und wo diese Wettbewerbe stattfinden
Einen Überblick über viele Wettbewerbe und die Anmel defristen bietet beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe im Internet unter www.bundeswettbewerbe.de

Erkennen die Schulen in jedem Fall Begabungen?
Unerkannte Talente sitzen in jedem Klassenzimmer. Diesen Schatz wollen wir verstärkt heben, indem wir begabte Schülerinnen und Schüler frühzeitig entdecken und fördern. Dafür setzen Bund und Länder mit der neuen gemeinsamen Initiative „Leistung macht Schule“ 125 Millionen Euro ein. Bis 2022 werden zunächst an bundesweit 300 Schulen die Entwicklungsmöglichkeiten talentierter Kinder und Jugendlicher gefördert. Im Anschluss sollen die Konzepte und Ansätze allen interessierten Schulen in Deutschland zugutekommen.

Individuelle Gaben wertschätzen
Sicher ist: Für ein glückliches, erfolgreiches Leben ist keine Hochbegabung notwendig. Hochbegabung ist die Ausnahme von der Regel. Maximal zwei Prozent der Bevölkerung, etwa 1,6 Millionen Deutsche, gelten als hochbegabt. Es geht also darum, die normalen Talente eines Kindes individuell zu entdecken und zu fördern. Kinder brauchen dafür gelassene, unaufgeregte Eltern, die ihre Kinder nicht mit aller Macht zur Perfektion zwingen wollen.
Wer seine Kinder aufmerksam beobachtet, ihnen zuhört und sich Zeit für sie nimmt, erkennt am besten, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Ganz wichtig: Talente entdeckt man nicht, wenn man auf Mängel fokussiert ist. Wie oft denken wir: Mein Kind ist zu laut, zu ängstlich, zu eigensinnig …
Die Lehrerin Heidemarie Brosche hat ein wunderbares Buch geschrieben (s. u.), um Eltern Mut zu machen, das abwertende „zu“ zu verbannen. „Auf dass kleine und große Menschen sich nicht als Mängelwesen fühlen müssen, weil sie so sind, wie sie sind, sondern voller Zuversicht darauf vertrauen, genau mit diesem So-Sein ein gutes Leben führen zu können“, schreibt sie.
Mein Sohn stöhnt weiterhin über jeden Satz, den er ins Deutschheft schreiben soll. Aber als ich neulich einen Dampfdrucktopf angeschafft habe – die Anleitung war dicker als die Bibel –, da hat er mir erklärt, wie das Ding funktioniert.

ALLTAG MIT HOCHBEGABTEN KINDERN

hrsg. von der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind.
Was Hochbegabung bedeutet und was Eltern tun sollten, um die Entwicklung ihrer Kinder zu fördern.
INFO, 10 EURO

MEIN KIND IST GENAU RICHTIG, WIE ES IST

von Heidemarie Brosche.
Die Lehrerin ermutigt, Kinder in ihrem So-Sein zu akzeptieren.
KÖSEL, 16,99 EURO

INTELLIGENZ TESTEN UND FÖRDERN

von Irina Bosley und Erich Kasten.
Wie misst man Intelligenz? Fundierter Elternratgeber mit Übungsaufgaben für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahre.
SPRINGER, 19,99 EURO

JEDES KIND IST HOCH BEGABT

von Gerald Hüther und Uli Hauser.
So entfalten Kinder ihre individuellen Möglichkeiten.
BTB, 9,99 EURO


FOTOS: PREMIUN; MAURITIUS IMAGES/MITO IMAGES/ROBERT NIEDRING; GETTY IMAGES/WESTEND61; THINKSTOCK.COM; TOBIAS KOCH