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familie&erziehung: Konstruktiv streiten


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 04.07.2018

EinLeben ohne Konflikte gibt es nicht. So finden Eltern den richtigen Weg, Auseinandersetzungen mit ihren Kindern zu lösen – und dabei ein gutes Vorbild zu sein


Artikelbild für den Artikel "familie&erziehung: Konstruktiv streiten" aus der Ausgabe 8/2018 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 8/2018

Schimpfen, Vorwürfe und schlechte Laune – keiner will das. Und doch passiert es. Aber es ist nie zu spät, eine bessere Streitkultur zu entwickeln


Bloß keinen Streit! Das wünschen wir uns. Dabei: Es lohnt sich! Zugehörigkeit, Lebenfreude und Geborgenheit wachsen, wenn die großen und kleinen Konflikte des Lebens nicht verdrängt, sondern da sein, sozusagen mit uns am Abendbrottisch sitzen dürfen. Selbst die stets perfekte „Conni“ erlebt Konflikte. ...

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... In Lesemaus Band 84 streitet sie sich mit ihrer Freundin Julia. Also: Streit darf sein. Streit muss sein. Reibung erzeugt Wärme. Soweit die Theorie! Aber wie geht das in der Praxis?

Eltern in der Doppelrolle

Das Besondere an Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Kindern ist, dass sie anderen Regeln unterliegen als die unter Erwachsenen. Ein Kind ist auf die Hilfe und Fürsorge seiner Eltern angewiesen, die ihm an Wissen, Macht und Können überlegen sind. Kinder haben noch nicht die gleichen kommunikativen Kompetenzen wie Erwachsene!
In Auseinandersetzungen müssen Eltern deshalb mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen. Sie sollen die Eigenheiten und Interessen ihres Kindes wahrnehmen und akzeptieren – und ihren eigenen Standpunkt klar vermitteln. Das ist wie bei einem Konflikt mit einem Erwachsenen. Aber gleichzeitig sind Eltern auch dafür zuständig, den Nachwuchs beim Streiten klug anzuleiten – zum Beispiel zu vermitteln, dass Ich-Botschaften und Eigenverantwortung besser sind als Vorwürfe und Ausflüchte. Wir sind sozusagen Moderator und Teilnehmer zugleich.
Meist füllen wir diese Doppelrolle intuitiv richtig aus. Aber es gibt auch Momente, da fällt das schwer. Zum Beispiel, wenn bei einer Auseinandersetzung ein wunder Punkt in uns berührt wird.

Familien reagieren wie ein Mobile

Wie gut es gelingt, ein Problem mit Kindern zu lösen, hängt nicht nur vom „Was“ ab, das geklärt werden muss, sondern auch vom „Wie“. Ein Beispiel: Warum läuft es bloß beim Vokabellernen so oft schief? Wenn ich die Frage zwischen Tür und Angel mit meinem Sohn klären will, wird das Gespräch hundertprozentig anders verlaufen, als wenn ich mich in Ruhe mit ihm hinsetze, um es zu besprechen.
Eigentlich völlig klar, man vergisst es nur so leicht. Ein Konfliktgespräch unter Zeitdruck bringt selten Klärung, sondern häufiger noch mehr Streit und Frust. Eine Seite lässt Dampf ab, die andere zieht sich zurück – eine Lösung kommt kaum zustande. „Verhalten steht immer in Wechselwirkung, die Familie reagiert wie ein Mobile“, so die Psychologin Doris
Heueck-Mauss. Sie rät Eltern zudem, vor einem Konfliktgespräch zuerst zu reflektieren, um welches Problem es sich eigentlich handelt: Ärgern Sie sich darüber, dass Ihr Kind zu wenig tut, etwa im Haushalt mithelfen? Oder geht es um störendes, unerwünschtes Verhalten, das aufhören soll, etwa andauerndes Dazwischenreden? Oder sorgen Sie sich? Zum Beispiel wegen der Schulleistungen oder Eifersucht unter den Geschwistern?
Weitere wichtige Fragen: Welche Erwartungen habe ich gerade an mein Kind? Über- oder unterfordere ich es? Was habe ich mit dem Problem zu tun? In welcher Stimmung befinde ich mich? Und wie geht es meinem Kind gerade? „Haben Sie sich schon im Vorfeld Gedanken über das Problem gemacht, können Sie die Ursachen des Konflikts erkennen und somit besser einschätzen“, so Heueck-Mauss.

Geschwisterstreit: kleine und große Lösungen

Gekabbel, Gemotze – und dann wird auch noch gekloppt! Was hilft?

1. Alle raus! Manchmal gehenKi nder sich einfach gegenseitig auf die Nerven. Vielleicht, weil sie sich langweiligen oder sich zu wenig bewegt haben. Eine Tüte frische Luft, laufen und toben lösen die Spannung oft schnell auf.

2. Ablenkung Grundsätzlich ist es richtig, Konflikte und Streit ernst zu nehmen. Aber manchmal kann es auch die richtige Maßnahme sein, die Streithähne ein wenig abzulenken - oder für Entspannung zuso rgen. Gereiztheit zwischenG eschwistern entsteht mitunter auch aus Müdigkeit oder Frust (der gar nichts mit dem Bruder oder der Schwester zu tun hat).

3 Geduld haben Man muss nicht sofort in jeden Streit alsSc hlichter einsteigen. Manchmalk lärt sich das Gekabbel schnell er, wenn kein Erwachsener eingreift. Wichtig: Fairness undEbe nbürtigkeit (geht auch unter Geschwistern in verschiedenem Alter) sollten gegeben sein.

4 Selbstkritisch sein Wenne s zwischen Geschwistern andauernd Konflikte und Streit gibt, kann das auch am elterlichen Verhalten liegen: Wird durch Vergleiche Rivalität entfac ht? Gibt es ein Lieblingskind?

Bloß keine Angst vor Störungen

Die allermeisten Menschen, ob groß oder klein, haben ein großes Bedürfnis nach Harmonie. Und wir ängstigen uns vor starken Gefühlen wie Wut und Ärger. Wir fürchten die Veränderungen, die auf ein klares Wort folgen könnten. Mitunter verfahren wir deshalb nach dem Motto: Wenn ich über ein Problem nicht spreche, dann existiert es auch nicht.

Miteinander reden! Bei einer Familienkonferenz können die verschiedenen Standpunkte und Bedürfnisse geklärt und ausgehandelt werden


FOTOS: MAURITIUS IMAGES/PHOTONONSTOP/CATHERINE DELAHAYE; GETTY IMAGES/KLAUS VEDFELT

Familien, die darin geübt sind, über Schwierigkeiten offen miteinander zu reden, sind im Vorteil. Heueck-Mauss: „Je öfter Konfliktgespräche stattfinden, umso mehr sinkt die Hemmschwelle, Störungen sofort anzusprechen. Dann müssen sich diese gar nicht mehr zum Problem aufbauen. Gemeinsames Reden und Suchen nach Veränderungen und Lösungen verbindet. Destruktiver Streit trennt.“ Es ist für Kinder enorm stärkend, wenn sie erfahren: Die Welt bricht nicht zusammen, wenn mal nicht alle einer Meinung sind. Man kann ja darüber sprechen und einen Kompromiss finden. Welch einen Schatz geben wir unseren Kinder mit, wenn wir Unterschiede grundsätzlich bejahen! Sie spüren: Ich darf eigenwillig und anders sein – und bin trotzdem angenommen und mit meinen Lieben verbunden.

Belastungen annehmen und lindern

Wir können uns in Konflikten mit unseren Kindern leichter reflektiert und angemessen verhalten, wenn es uns selbst gut geht. Es ist wie bei einem Notfall im Flugzeug: Bevor wir anderen helfen, müssen wir zunächst uns selbst die Atemmaske aufsetzen. Aber genau das tun wir im Alltag oft nicht: ständige Erreichbarkeit, Mehrfachbelastungen durch familiäre und berufliche Verpflichtungen und das Gefühl, allen zu 100 Prozent gerecht werden zu müssen – wir überschreiten oft unsere Grenzen.

Kommt es dann zu Hause zu einem Streit, geraten wir in einen negativen Strudel von Vorwürfen statt ruhig den Überblick zu behalten. Kluges Konfliktmanagement beginnt also mit Selbstfürsorge. Aber wie gelingt das?
Ob Spazierengehen, Schwimmen, Laufen: Regelmäßiges Ausdauertraining lindert Stress sehr gut. Sehr erholsam sind zudem Sportarten, die uns eine hohe Konzentration abfordern, zum Beispiel Tischtennis oder das Balancieren auf einer Slackline. Das hilft vor allem, aus destruktiven Grübelspiralen herauszufinden. Pflanzliche Mittel wirken auch oft gut. Einige Pflanzen steigern durch spezielle Inhaltsstoffe die Widerstandskräfte des Organismus gegenüber Stress. Hilfreich sind zum Beispiel in der Apotheke erhältliche Präparate, die Rosenwurz enthalten (z. B. rhodioLoges) oder Lavendel (z. B. Lasea). Massagen mit Lavendel- oder Sandelholzöl (Naturkosmetikladen, Bioladen) lösen stressbedingte, muskuläre Verspannungen, die Aromen der Öle beruhigen zusätzlich.

Kinder kennen Stress, erkennen ihn aber nicht

Meditation, Progressive Muskelentspannung und Autogenes Training haben ebenfalls nachweislich einen sehr positiven Einfluss darauf, wie wir Alltagsstress und Konflike erleben und bewältigen. Diese Entspannungstechniken erlernt man am besten in einem Kurs, um sie dann im Alltag für sich nutzen zu können. Oft übernehmen die Krankenkassen die Kosten.
Es gibt übrigens auch Angebote speziell für Kinder, denn auch sie erleben schon Stress – und sind dann bei Auseinandersetzungen doppelt überfordert. Aber während Erwachsene eher den Überblick über das Geschehen haben und erkennen können, dass Kopfschmerzen oder Reizbarkeit auf eine Überlastung zurückzuführen sind, sind Kinder dazu noch nicht in der Lage. Sie kennen zwar schon im Grundschulalter das Wort „Stress“, aber stellen eher selten den Zusammenhang zwischen ihren Beschwerden und einer belastenden Situation her. Das zu erkennen, ist unsere Aufgabe als Eltern.
Wer übrigens Zweifel daran hat, wie wichtig es ist, sich gut um sich selbst zu kümmern: Auch beim Thema Selbstfürsorge lernen Kinder vor allem am Vorbild. Wir sind das Modell, das sie prägt. Wenn wir achtsam mit unseren Kräften umgehen, können sie es uns nachtun – und am Ende auch besser Konflikte konstruktiv anpacken.

BUCHTIPPS

DER KLEINE STREITBERATER

Stephanie Schneider. Kösel, 9,99 Euro
Praktischen Denkanstöße und Sofort-Hilfe-Maßnahmen unterstützen dabei, Zoff in der Familie mit Herz und Verstand aufzulösen.

SO REDE ICH RICHTIG MIT MEINEM KIND

Doris Heueck-Mauß. humboldt, 12,99 Euro
Die Diplom-Psychologin erklärt anschaulich, wie es mit einer klaren Kommunikation gelingt, Konflikte fair zu lösen und stressfreier zu erziehen. Für Eltern von 3- bis 10-Jährigen.

DISZIPLIN OHNE DRAMA

Daniel Siegel/Tina Payne Bryson. Arbor, 19,90 Euro
Mit achtsamer Kommunikation einen sinnvollen, mitfühlenden Umgang mit Wutausbrüchen, Spannungen und Tränen finden.

HILFE, MEINE KINDER STREITEN

Adele Faber u. a. Oberstebrink, 19,95 Euro
Rivialitäten abbauen, Selbstbewusstsein stärken: Wie Sie Geschwistern helfen, einander zu respektieren.