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familie&gesundheit: KLEINE KOPF LAUS-KUNDE


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 05.09.2018

Wenn Kinder sich häufig am Kopf kratzen, könnte das anklitzekleinen, krabbelnden Mitbewohnern liegen. Wir erklären, wie das kommt und wie man sie schnell wieder loswird


Artikelbild für den Artikel "familie&gesundheit: KLEINE KOPF LAUS-KUNDE" aus der Ausgabe 10/2018 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 10/2018

Denker-Pose oder Parasitenbefall? Das lässt sich nur beantworten, wenn Kopfhaut und Haare gründlich gecheckt werden


Kindergärten und Schulen sind ideale Brutstätten für die lästigen Krabbelviecher


1 So lebt die Laus

Menschen und Läuse
Ihre Geschichte ist eng miteinander verknüpft. Das flügellose Insekt (Pediculus humanus capitis) hat sich unseren Schopf als Wohnraum ausgesucht und seine drei Beinpaare und sichelartigen Klauen über ...

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Menschen und Läuse
Ihre Geschichte ist eng miteinander verknüpft. Das flügellose Insekt (Pediculus humanus capitis) hat sich unseren Schopf als Wohnraum ausgesucht und seine drei Beinpaare und sichelartigen Klauen über Jahrtausende hinweg „haargenau“ an dessen Beschaffenheit angepasst.

Woher kommen die Kopfläuse?
Wann die erste Laus sich an ein menschliches Haar klammerte, kann niemand sagen. Fest steht, dass wir der sogenannte „Wirt“ der Laus sind: Die sesamkorngroßen Parasiten leben auf und von uns. Sie ernähren sich von unserem Blut, bekommen auf unserem Kopf ihren Nachwuchs und fallen erst von uns ab, wenn sie tot sind.
Ein geschlechtsreifes Weibchen produziert pro Tag fünf Eier (Nissen). Die weißen Kügelchen klebt es an der Kopfhaut fest, bevorzugt in der Nähe der Schläfen, hinter den Ohren und im Nacken. Da haben es seine Jungen schön warm.
Innerhalb von acht bis zehn Tagen entwickeln sich aus den Nissen neue Kopfläuse. Sie können sich in unserer Frisur flink bewegen und verstecken. Sie können aber weder fliegen noch springen (wie Flöhe) oder schwimmen.
Um zu überleben, muss jede Laus alle drei bis vier Stunden eine Blutmahlzeit zu sich nehmen, weshalb das Insekt nicht freiwillig vom Kopf auf „blutleere“ Objekte wie Kissen oder Kuscheltiere überwechselt.

Nach einer (Blut-)Mahlzeit färbt sich der Hinterleib der durchsichtigen Laus bräunlich


Warum suchen sich die Viecher speziell Kinderköpfe aus?
Läuse finden die Köpfe von Erwachsen gleichermaßen attraktiv, aber sie erreichen sie seltener als die von Kindern. Das liegt daran, dass Erwachsene im täglichen Kontakt miteinander meist einen „Sicherheitsabstand“ einhalten, den die sprungunfähige Laus nicht überbrücken kann.
Kinder hingegen schmusen und kuscheln gern und stecken die Köpfe beim Spielen zusammen. So kann die Laus bequem das Haar eines anderen Kindes entern. Kindergärten und Grundschulen sind ideale Brutstätten der Parasiten. Ärzte schätzen, dass sie bei ein bis drei Prozent aller Kinder in den Industrieländern auf der Kopfhaut herumkrabbeln.
Statistisch gesehen erwischt es Sieben- bis Neunjährige am häufigsten und Mädchen doppelt so oft wie Jungen. Und zwar nicht wegen der langen Mähnen der Mädchen, sondern weil sie sich beim Spielen näherkommen. Eine Übertragung über gemeinsam genutzte Bürsten, Schals, Mützen oder Fahrradhelme ist theoretisch möglich, kommt in der Praxis aber selten vor.

Woran erkenne ich, dass mein Kind Läuse hat?
Wenn sich ein Kind häufig am Kopf kratzt, sollten Eltern und Erzieher der Ursache auf den Grund gehen. Vielleicht ist es bloß eine Angewohnheit, vielleicht aber quälen das Kind Läusebisse. Rote Flecken hinter den Ohren oder im Nacken von Kindern (meist unter langen Haaren) sollten Eltern auf jeden Fall beachten.
Juckreiz und Rötungen allein sind jedoch keine zuverlässigen Hinweise auf eine Pedikulose, wie der Lausbefall medizinisch heißt. Gewissheit bekommen Eltern nur mit einer Methode: Nissen-Kamm besorgen und den gesamten Kopf gründlich anschauen!
Der Nissen-Kamm, ein Kamm mit extrafeinen Zinken aus Kunststoff oder Metall, zählt zu den ältesten therapeutischen Instrumenten des Menschen. In keltischen Gräbern wurden Exemplare gefunden, die im 8. Jahrhundert v. Chr. der Parasitenbekämpfung dienten. Eine Behandlung beginnt aber erst, wenn Nissen oder eine lebendige Laus auf dem Kopf gefunden wurden.
Nach einer Haar-Spülung, die die lichtscheuen und flinken Krabbelviecher für eine Zeitlang lähmt, wird Strähne für Strähne, von der Kopfhaut zur Haarspitze, gekämmt. Nach jedem Strich wird der Kamm auf einem hellen Papiertuch abgestrichen und auf Läuse untersucht. Die Eier erkennt man sehr gut sogar mit bloßem Auge.

Irrtümliche Annahmen

1 Kinder mit gepflegten Haaren bekommen keine Läuse
Kopfläusen ist es völlig schnuppe, ob ein Haar sauber oder ungepflegt ist, Hauptsache, es ist ein menschliches Haar.

2 Kopfläuse lauern in Mützen Schals und Fahrradhelmen
Die Krabbler wechseln fast nie von der nährenden Nähe der Kopfhaut auf einen leblosen Gegenstand, denn dort sterben sie schnell ab.

3 Mit einem Saunabesuch lassen sich die Parasiten vertreiben
Leider nicht – und auch ein heißer Föhn entlaust keine befallenen Köpfe.

4 Läuse-Bekämpfungsmittel sind pures Gift
Dies ist eine weitverbreitete Annahme, aber es gibt Mittel ohne Insektizide.

5 Kuscheln mit Haustieren Läuse übertragen
Läuse sind spezialisiert auf ihren jeweiligen Wirt (Tier oder Mensch) und laufen nicht über.

Haar-Spülungen erleichtern das Auskämmen der Haare. Für gute Laune können Musik oder ein Hörbuch sorgen


Schon in Gräbern aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. wurden Nissen-Kämme gefunden


Läuse- und Nissen-Kämme leisten wertvolle Dienste beim Auffinden und Auskämmen der Parasiten


2 Läuse erfolgreich bekämpfen

Welche Sorten von Mitteln gibt es?
Schon in der Antike wurde aus Chrysanthemen-Blüten das persische „Insektenpulver“ gewonnen und gegen Läuse angewendet. Auch in den heutigen Entlausungspräparaten (Pedikuloziden) steckt zum Teil noch der Wirkstoff der Spätsommerblume. Er greift das Nervensystem der Läuse an und tötet sie so ab. Nachteil: Manche Laus ist mittlerweile gegen das Gift resistent geworden. Zudem vertragen nicht alle Menschen diese Mittel.
Ungiftige Tinkturen auf Basis von Silikon-Ölen (Dimeticone) töten die Tierchen ebenfalls ab. Plus: Sie können von Kleinkindern und Schwangeren benutzt werden. Nachteil: Sie sind leicht entflammbar. Zur Bekämpfung können auch ätherische Öle eingesetzt werden. Oder man kämmt die Läuse und Nissen über einen längeren Zeitraum aus. Nachteil: Dabei können sie überleben. Apotheker beraten über die passende Therapie und eine mögliche Kostenerstattung.
Jede Behandlung verläuft nach einem festen Schema: Am ersten Tag Spray oder Haarkur auftragen und einwirken lassen, danach Haare waschen und nass auskämmen. Am fünften Tag Haare nass auskämmen. Am neunten oder zehnten Tag Mittel nochmals auftragen und danach wieder waschen und nass auskämmen. Nach zwei Wochen Haare wiederum nass auskämmen.

Wie kämmt man die Haare ohne Stress aus?
Damit beim Nass-Auskämmen keine Tränen fließen, kommt Spülung ins Haar – so gleitet der Kamm besser hindurch. Trotzdem bleibt die Prozedur eine Geduldsprobe. Flotte Lieblingsmusik oder ein spannendes Hörbuch machen sie erträglicher.

Web-Tipps und Infos

www.pediculosis-gesellschaft.de
Von einem genervten Vater gegründeter, unabhängiger Verein in Hannover, der Läuse-Infos gut verständlich weitergibt.

www.kindergesundheit-info.de
Die Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist sehr übersichtlich gegliedert und bietet dazu kostenlose Infos zum Downloaden.

www.gesundheit.de
Portal, das wissenschaftliche Informationen gut lesbar umsetzt. In das Suchfeld das Stichwort „Kopfläuse“ eingeben.

Muss ich die ganze Wohnung „entlausen“?
Nein, da Läuse sehr selten über „blutleere“ Gegenstände übertragen werden, ist die Reinigung des Umfeldes zweitrangig. Der Kopf hat Priorität. Für ein besseres Gefühl können Sie Bettwäsche, Handtücher und Schlafanzug bei 60 Grad waschen. Kuscheltier, Schal und Mütze können für ein bis zwei Tage in einem geschlossenem Plastikbeutel verschwinden. Bürsten, Kämme, Haarspangen und -gummis werden mit heißer Seifenlösung abgespült.

Gibt es wirkungsvolle Vorbeugungsmaßnahmen?
Es gibt in Apotheken vorbeugende Sprays zu kaufen. Aber möchten Sie den Kopf Ihres Kindes wirklich jahrelang täglich damit einnebeln? Besser sind regelmäßige Kontrollen mit dem Nissen-Kamm und ein offener Umgang mit dem Thema Läuse. Wenn jeder bei einem Lausbefall schnell und entschlossen handelt, hätten Läuse es schwer, sich zu verbreiten.

Mädchen kommen sich beim Spielen näher als Jungen – das freut die Kopfläuse


Kopfläuse sind zwar lasting, aber in unseren Breiten absolut ungefährlich


3 Paragrafen rund um die Laus

Wie und wo muss ich melden, dass mein Kind Läuse hat?
Läuse sind in unseren Breiten zwar lästig, aber sie übertragen keine gefährlichen Krankheiten. Trotzdem besteht in Deutschland eine Meldepflicht (§34 des Infektionsschutzgesetzes). Denn die Parasiten können sich gerade in Gemeinschaftseinrichtungen rasant ausbreiten.
Sofort nach dem Erkennen eines Befalls müssen Eltern die Erkrankung ihres Kindes dem Erzieher im Kindergarten oder der Lehrerin mündlich oder schriftlich mitteilen. Die Institutionen sind verpflichtet, diese Info an das Gesundheitsamt weiterzugeben und dafür zu sorgen, dass das Umfeld des Kindes Bescheid weiß. Dafür werden in der Regel vorbereitete Formulare benutzt – die gefürchteten „Läuse-Zettel“.
Eltern sollten zudem daran denken, enge Kontaktpersonen außerhalb des Kita- bzw. Schulbereichs zu informieren: Nachbarkinder, die regelmäßig zum Spielen kommen, Verwandte, die zu Besuch waren, oder Babysitter. Und nicht zuletzt sollten Eltern ihren eigenen Kopf checken lassen!

Was muss ich tun, wenn das Kind mit einem Läuse-Zettel nach Hause kommt?
Bei sehr guten Lichtverhältnissen wird der gesamte Kopf des Kindes auf Nissen bzw. Läuse untersucht (siehe zum Erkennungsverfahren S. 68, „Woran erkenne ich, dass mein Kind Läuse hat“). Auch wenn es viel Zeit und guten Willen erfordert, sind Eltern dabei zu größtmöglicher Sorgfalt aufgerufen.

Muss ich dem Kindergarten oder der Schule eine ärztliche Gesundschreibung vorlegen?
Nein, die Nachricht der Eltern, dass ihr Kind läusefrei ist, reicht aus. In der Regel wird der unterschriebene Läuse-Zettel an Erzieher oder Lehrer zurückgegeben. Man kann aber auch einfach in der Kita oder Schule anrufen.

4 Blick in die Zukunft

Kommt bald ein Wundermittel auf den Markt?
Die University of Utah in den USA setzt auf eine spezielle Austrocknungs-Behandlung. Ein kommerzieller Ableger der Uni verkauft für mehr als 2000 Dollar ein Gerät namens LouseBuster. Der Megafön ist für Kitas, Schulen oder Kinderärzte gedacht.
Das Fraunhofer Institut verkündete bereits 2015, einen Plasma-Kamm gegen Läuse entwickelt zu haben, der die Parasiten chemiefrei abtötet. Das Patent wurde angemeldet, ein Produkt ist aber noch nicht auf dem Markt.


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