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familie& gesundheit: SCHLEIMHÄUTE Wie wir sie richtig pfl egen


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 06.02.2019

Im Inneren unseres Körpers sorgen feuchte, faltige Hautschichten fürSchutz und Abtrennung der Organe: in Nase, Augen, Rachen und Lunge ebenso wie im Magen und Darm


Artikelbild für den Artikel "familie& gesundheit: SCHLEIMHÄUTE Wie wir sie richtig pfl egen" aus der Ausgabe 2/2019 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 2/2019

Nasenschleim nehmen wir nur bei Erkältung wahr – dabei erfüllt er jeden Tag wichtige Abwehraufgaben


Die Fläche eines größeren Einfamiliengrundstücks – 600 Quadratmeter – ergäben alle ausgebreiteten und entfalteten Schleimhäute eines Menschen, schätzen Experten. Sie überziehen die Grenzfl ächen im Körperinneren, kleiden Hohlräume und Organe aus. Spezielle Drüsen produzieren den Schleim, dem sie ihren Namen verdanken. Dieser Schleim, auch ...

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... Mukus genannt, schützt die Organe vor Austrocknung und Fremdkörpern.

Sein Hauptbestandteil ist Mucin, ein mit Zucker verknüpfter Eiweißstoff, der für die Elastizität des Schleims sorgt. Die verschiedenen Mucine sind spezialisiert auf ihren jeweiligen Einsatzort. Magen-Mucine beispielsweise können besonders gut Magensäure binden und so die eigenen Hautschichten vor der desinfi zierenden Säure schützen.

Die Schleimschicht ist je nach Organ 200 bis 500 Mikrometer stark – etwa so dick wie zwei bis fünf Seiten dieser Zeitschrift. Alle Schleimhäute bestehen aus mehreren Schichten. In der Nasenschleimhaut beispielsweise ist die Grundlage dünnes, gut durchblutetes Bindegewebe, an das eine dickere Kollagenschicht anschließt. Obenauf befi nden sich die spezialisierten Zellen: Am oberen Naseneingang sind das die Riechzellen. Feine Härchen ragen aus der Schleimhaut heraus; an ihrer Spitze docken die Duftmoleküle an. So können die Härchen Geruchsinformationen aufnehmen und an das Gehirn weiterleiten.

Die Schleimhaut ist ein wahres Multitalent

Der restliche Nasenbereich ist von einer anderen Schleimhaut ausgekleidet, spezialisiert auf die Atemwege. Sie säubert die Luft und wehrt Krankheitserreger ab. In ihr sitzt ein Teppich aus feinen Härchen sowie einzelnen Zellen. Sie produzieren einen durchsichtigen Schleim, der die gesamte Oberfl äche feucht hält. Die Härchen schlagen wellenartig im Millisekundentakt. Damit bewegen sie den Schleim innerhalb einer knappen Viertelstunde vom Naseneingang zum Rachen. Abwehrstoffe aus der Schleimhaut erkennen und markieren dabei Krankheitserreger, die das Immunsystem dann vernichten kann.

Das Wasser aus der Nasenschleimhaut befeuchtet die Atemluft. Die gut durchblutete Hautschicht sorgt auch bei frostigen oder heißen Temperaturen für stabile 33 Grad Celsius. So gelangt immer warme, feuchte und keimarme Atemluft in die Lungen.

„Hatschi“ – Eindringlinge werden hinausgeschleudert


Wir können uns also kaum „erkälten“, weil die Nase für die nötige Lufterwärmung sorgt. Allerdings ist die Funktion der Schleimhäute bei trockener oder schmutziger Luft erschwert – besonders im Winter, wenn wir uns viel in geheizten und wenig gelüfteten Räumen aufhalten. Dann kann es passieren, dass das Abwehrsystem der Nase überfordert ist und sich Viren ausbreiten.

Darauf reagiert das Immunsystem: Über die Blutbahnen konzentriert sich die Abwehr am Infektionsherd – die Nase wird rot, dick und entzündet sich. Mit verstärkter Bildung von Schleim und Tränenfl üssigkeit versucht der Körper, die Eindringlinge auszuspülen. Ein kräftiges „Hatschi!“ schleudert die Fracht hinaus – bis zu 180 Stundenkilometer haben Wissenschaftler dabei gemessen. Den größten Teil der eingeschleimten Erregerfracht schlucken wir hinunter.

Auf 200 Quadratmetern werden Erreger bekämpft

Im Magen vernichten dann starke Säuren und bestimmte Enzyme gezielt fast alle Erreger. Damit dieses Organ nicht von seiner eigenen Säure angegriffen wird, schützt es sich mit einer Schleimschicht. Auch im Magen erfüllt die Schleimhaut also eine wichtige Aufgabe.

Die Schleimhautoberfl äche im Darm ist besonders groß. Unzählige Falten bilden eine Fläche von 200 Quadratmetern. Der Dünndarm setzt sich aus fi ngerförmigen Darmzotten zusammen, die wiederum mit einer Art winziger Bürstenhaare besetzt sind. Diese Struktur erlaubt es, auf einer möglichst großen Fläche viele Nährstoffe aus dem Darm in die anliegenden Blutgefäße aufzunehmen. Auch hier sorgt eine schleimige Zuckerschicht dafür, dass der Darm sich nicht selbst verdaut. Die Darmschleimhaut ist sehr vielfältig: Sie enthält Drüsen zur Bildung von Darmsaft, Enzyme zur Spaltung der Nährstoffe, Zellen zur Aufnahme der Nährstoffe aus dem Darm ins Blut und Zellen zur Abwehr von Krankheitserregern. Hormone sorgen für die Freisetzung der Enzyme, die die Fettketten, Kohlenhydrate und Eiweißstoffe aus unserer Nahrung abbauen. Der Verdauungsprozess dauert mehrere Stunden bis Tage, abhängig vom Lebensmittel. Obst und Gemüse werden schneller verwertet als Käse oder Fleisch. Die Schleimschicht schmiert den Darminhalt während des Transports bis hin zur Ausscheidung ein.


Unsere Schleimschicht ist je nach Organ 200 bis 500 Mikrometer stark – etwa so dick wie zwei bis fünf Seiten dieser Zeitschrift


Korperabwehr findet vorallem im Darm statt


Die Darmschleimhaut ist zudem ein wichtiger Teil des Immunsystems. Sie enthält zwei Drittel der Antikörper produzierenden Zellen des Körpers. So kann der Körper genau unterscheiden zwischen schädlichen Mikroorganismen und solchen, die wichtig und nützlich sind. Hunderte verschiedener Mikroben produzieren wichtige Vitamine und helfen bei der Verwertung der Nährstoffe. Diese „Darmfl ora“ macht ein bis zwei Kilogramm unseres Gesamtgewichts aus. Bei Kindern ist der Anteil noch geringer; er steigt mit zunehmendem Alter. Über die Schleimhaut im Dünn- und Dickdarm wird ein Großteil des Wassers wieder vom Körper aufgenommen. Nur die unverwertbaren Reste scheidet der Körper schlussendlich aus.

Auch Harnleiter und Geschlechtsorgane sind von einer Schleimhaut ausgekleidet, ebenso wie Lunge, Rachen und Mund.

Bei Entziindungen: Joghurt,kühle Speisen und Getränke

Die Mundschleimhaut dient der Befeuchtung der Atemwege und schützt vor Krankheitserregern. Außerdem enthält sie Geschmackssensoren und Speichel produzierende Drüsen. Doch auch Schleimhäute können sich entzünden. Kinder leiden vergleichsweise häufig unter Entzündungen der Mundschleimhaut.Oft bilden sich kleine, weißliche „Pickel“ namens Aphthen. Sie sind sehr schmerzhaft. Der Auslöser ist bis heute nicht eindeutig geklärt; vermutlich kommen Veranlagung und äußere Einfl üsse zusammen. Dazu zählen kleine Verletzungen, etwa wenn sich ein Kind von innen auf die Backe gebissen hat, Herpesviren oder ein schwaches Immunsystem sowie Vitamin- und Mineralienmangel oder Stress.

Harte, heiße, scharfe und säurehaltige Nahrungsmittel können dann ziemlich wehtun. Monika Niehaus vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte empfi ehlt daher glatte, kalte Kost wie Joghurt. Aphthen heilen meist innerhalb einer Woche von allein ab. Bei starken Schmerzen kann der Kinderarzt ein Gel mit örtlich betäubendem Wirkstoff verschreiben.

Schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut können Herpesviren auslösen, weit verbreitet ist die Mundfäule oder aphthöse Stomatitis (Gingivostomatitis herpetica). Die Bläschen in der Mundhöhle erscheinen meist nach fi ebrigen Tagen, begleitet von starkem Speichelfl uss. Kühle Speisen und Getränke, notfalls auch Schmerzmittel helfen gegen die Symptome, die nach einer Woche verschwinden.

Gründliches Zähneputzen schiitzt vorbeugend

Ein weißlicher Belag auf der Schleimhaut geht auf übermäßiges Wachstum von Hefepilzen zurück, die in geringerer Zahl im Mundraum normal sind. „Wenn Babys schlechter als gewöhnlich an der Brust oder aus der Flasche trinken, kann das ein erstes Anzeichen sein“, sagt Barbara Teichmann vom Landesverband der Kinder- und Jugendärzte Sachsen.

Diesen bei Säuglingen häufi gen „Soor“ sollte ein Arzt begutachten. Er kann die entzündeten Stellen mit einem Antipilzgel bepinseln. Gründliches Zähneputzen schützt in diesen Fällen vorbeugend.

Auch die Magenschleimhaut kann sich entzünden – wissenschaftlich fundiertes Zahlenmaterial für Kinder fehlt allerdings. Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Bauchschmerzen sind Symptome, die mit vielen Erkrankungen einhergehen und daher in der Regel schwer zuzuordnen sind.

Neben bakteriellen Infektionen können sehr scharf gewürztes Essen und viel Süßes möglicherweise eine Magenschleimhautentzündung fördern – ein Grund mehr für eine ausgewogene Ernährung. Vielfältige und leichte Kost schont unseren Körper, erleichtert unserem Abwehrsystem die Arbeit und trägt zu gesunden, aktiven und gut durchbluteten Schleimhäuten bei.

Die Nasenschleimhaut enthält Riechzellen, mit denen wir etwa 10000 Düfte unterscheiden können


ROTZ UND WASSER

Wenn die Nase läuft …

Einen guten Liter Schleim produziert unsere Nase am Tag. Das meiste läuft den Rachen hinunter. Er ist durchsichtig und besteht neben Wasser aus Eiweiß sowie Mineralsalzen und Fetten. Antikörper dienen der Abwehr von Keimen. Die Schleimproduktion steigt bei Reizungen wie Rauch, Schmutz, starken Duft- oder Fremdstoffen, die sich in der Nase festgesetzt haben. Bei Allergikern versucht der Körper, den vermeintlichen „Feind“ (Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare) wieder loszuwerden. Bei Erkältungen bildet sich vermehrt Schleim, der anfangs durchsichtig und dünnfl üssig ist. Im Idealfall werden damit die Erreger ausgeschleust – weitere Krankheitssymptome bleiben aus. Nach drei Tagen wird der Schleim zähfl üssig und gelblich. Dafür sind körpereigene Abwehrzellen, die weißen Blutkörperchen, verantwortlich. Abgelöste Zellbestandteile, Enzyme und abgetötete Erreger verändern Farbe und Festigkeit des Nasenschleims. Meist leitet der dickere Schleim einen Rückgang der Krankheitssymptome in den folgenden Tagen ein.

Schleimhdute im Winter pflegen

Im Winter sind die Schleimhäute der Atemwege besonders beansprucht. Ihnen schadet allerdings weniger die Kälte als vielmehr diestaubtrockene Heizungsluft. Diese trocknet die Schleimhäute aus und verklebt die feinen Härchen, was deren Säuberungstätigkeit erschwert. Zudem ist die Atemluft in wenig gelüfteten Räumen mit vielen Menschen oft mit Krankheitserregern belastet. Hilfreich istviel Bewegung an der frischen Luft. Das fördert die Durchblutung und damit den Transport von Abwehrstoffen auch in entfernte Körperbereiche. RegelmäßigesStoßlüften , wenige Minuten pro Stunde, verbessert die Raumluft. Besonders das Schlafzimmer sollte kühl und gut gelüftet sein. Zum Trocknen aufgehängte Wäscheerhöht die Luftfeuchtigkeit . Wer mag, kann heißen Wasserdampf, mit Salz oder ätherischen Ölen vermischt, unter einem Handtuchinhalieren oder die Nase täglich mitSalzlösung (ein Esslöffel Salz auf einen halben Liter Wasser) spülen. Nasensprays sollten nur nach Arztanweisung und nicht länger als drei Tage verwendet werden.

BINDEHAUT

Schutz des Auges

Die Bindehaut bedeckt neben dem Augapfel auch die Innenseiten der Augenlider. Sie zählt zu den Schleimhäuten und verbindet die beiden Augenbereiche, schützt vor Eindringlingen und ermöglicht fl exible Augenbewegungen. Die feinen Äderchen der Bindehaut sind gut zu erkennen. Drüsen in der Bindehaut unterstützen die Tränendrüsen bei der Bildung des Tränenfi lms. Er befeuchtet die Hornhaut, versorgt sie mit Nährstoffen und spült Fremdstoffe aus. Spezielle Zellen bilden Schleimstoffe (Mucine), die den wässrigen Tränenfi lm auf dem Auge halten. Mechanische Reize, Allergien, Viren oder Bakterien können eine Entzündung der Bindehaut auslösen. Gerötete, geschwollene oder verklebte Augen sollte immer ein Arzt untersuchen.