Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

familie & kita:NICHTS WIE RAUS!


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 05.06.2019

Ob im Park oder Wald, am Bach oder auf der Streuobstwiese: Außerhalb der Kita gibt esviel Spannendes zu entdecken . Warum der Lernraum Natur für unsere Kinder so wichtig ist

Artikelbild für den Artikel "familie & kita:NICHTS WIE RAUS!" aus der Ausgabe 7/2019 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 7/2019

Energisch und immer tiefer stochert die vierjährige Chiara mit dem Ast in den hohlen Baumstumpf, pult verfaultes Kernholz, Blätter und Moos heraus. Auch einen schwarzen Käfer befördert sie ans Tageslicht. Aufgeregt krabbelt das Tier im Eiltempo über den Waldboden. Chiara folgt ihm. Fasziniert beobachtet sie das flinke Zusammenspiel der sechs Beinchen. Dass der nicht stolpert! Als der Winzling im Wurzelwerk einer Fichte ...
Viele ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 0,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von familie & co. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 7/2019 von AUS DER REDAKTION …. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AUS DER REDAKTION …
Titelbild der Ausgabe 7/2019 von familie & leute:Menschen des Monats. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
familie & leute:Menschen des Monats
Titelbild der Ausgabe 7/2019 von familie & do it yourself:Glitzerstaub und Regenbogen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
familie & do it yourself:Glitzerstaub und Regenbogen
Titelbild der Ausgabe 7/2019 von So wird Ihr Kind zum TEAMPLAYER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
So wird Ihr Kind zum TEAMPLAYER
Titelbild der Ausgabe 7/2019 von GUT zu wissen:Selbst ist das Kind. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GUT zu wissen:Selbst ist das Kind
Titelbild der Ausgabe 7/2019 von HELLO, I’M SIX!:Bonjour, j’ai six ans!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HELLO, I’M SIX!:Bonjour, j’ai six ans!
Vorheriger Artikel
familie & bildung:GUT zu wissen: Digital lernen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel familie & medien:BÜCHER:Jahre:Warum Monster Zähne p…
aus dieser Ausgabe

Energisch und immer tiefer stochert die vierjährige Chiara mit dem Ast in den hohlen Baumstumpf, pult verfaultes Kernholz, Blätter und Moos heraus. Auch einen schwarzen Käfer befördert sie ans Tageslicht. Aufgeregt krabbelt das Tier im Eiltempo über den Waldboden. Chiara folgt ihm. Fasziniert beobachtet sie das flinke Zusammenspiel der sechs Beinchen. Dass der nicht stolpert! Als der Winzling im Wurzelwerk einer Fichte verschwindet, wendet sie sich um und läuft den anderen Kindern hinterher. Der Waldtag, der in ihrem Kindergarten regelmäßig am Mittwoch stattfindet, ist Chiaras Lieblingstag.
Viele Kitas haben das Thema „Natur / draußen spielen“ als Erlebnis- und Bildungsangebot in ihr Programm aufgenommen. Allerdings nicht zum Selbstzweck: Hintergrund dafür ist die zunehmende Verhäuslichung der Kindheit – und damit der Verlust eines wichtigen Lern- und Erfahrungsraums. Nach Beobachtungen des Karlsruher Sportmediziners Klaus Bös spielt nur noch jedes dritte Kind jeden Tag im Freien. Zweimal pro Woche und häufiger tun das 39 Prozent der Kinder, 25 Prozent kommen sogar nur einmal pro Woche oder noch seltener zum Spielen an die frische Luft.

Von der Parkbank bis zum Erdloch
Umso wichtiger ist es, Kinder schon früh in Kontakt mit der Natur zu bringen und ihnen den Aufenthalt und das Spielen im Freien schmack-Schon ein einfacher Bachlauf bietet eine Vielzahl von Spiel- und Lernanlässen haft zu machen. Ein Anliegen, das Kindergärten auf recht unterschiedliche Weise in die Praxis umsetzen. Dabei reicht das Spektrum vom spontanen, zweistündigen Ausflug in den nahen Park oder Wald über regelmäßige Waldtage und -wochen bis hin zum Wald- bzw. Naturkindergarten als Ganzjahreseinrichtung. So unterschiedlich die Angebote und Projekte auch sein mögen, so eint sie doch die Erkenntnis, dass Parks und Wälder, Baumkronenpfade, Streuobstwiesen und Lehrbauernhöfe, Strände, Wildgehege und Bachläufe geradezu ideale Ziele für Exkursionen in die Natur sind.

Der Waldkindergarten als Vorbild
Der Klassiker und zugleich das große Vorbild für alle gängigen Spielarten naturpädagogischer Kinderbetreuung ist der Waldkindergarten. Seit Gründung der ersten Waldkita 1993 in Flensburg sind deutschlandweit Hunderte Nachfolger entstanden. Zwei Varianten dominieren: Bei der ersten sind die Kinder immer draußen, können sich aber bei extremen Witterungsverhältnissen in einen Bauwagen oder in eine Schutzhütte zurückziehen. Bei der zweiten Variante sind sie vormittags draußen und am Nachmittag in der angegliederten Kita.
Waldkindergärten kommen mit wenig aus: Das Frühstück im Rucksack und wetterfeste Kleidung – mehrerleben schneibraucht ein Kind nicht. Alles andere ist im Überfluss vorhanden; Raum für Bewegung, Zeit zum Spielen und vor allem: Natur. In ihr erleben die Kinder das Wetter und den Wechsel der Jahreszeiten, beobachten Leben und Entwicklung von Tieren und Pflanzen – und erfahren sich als einen Teil von ihr. Am deutlichsten zeigt sich der pädagogische Grundgedanke der Waldkita im fantasievollen Umgang mit dem, was die Kinder vorfinden: Äste, Laub, Moos, Steine, Zapfen, Bucheckern, Rinde, Wasser und Erde bieten überreiche Anlässe zu kreativen Spielideen, zum Beispiel zum Kochen einer Tannennadelsuppe oder zum Bau eines Staudamms.

Schon ein einfacher Bachlauf bietet eine Vielzahl von Spiel- und Lernanlässen


Biophilie, die Liebe zur Natur und allem, was in ihr kreucht und fleucht, ist Kindern nach Ansicht von Forschern angeboren


Waldkinder sind sozial besonders kompetent
Angst, ihre Kinder könnten im Waldkindergarten nicht ausreichend auf die Schule vorbereitet werden, müssen Eltern nicht haben. Laut einer Heidelberger Studie schneibraucht ein Kind nicht. Alles andere ist im Überfluss vorhanden; Raum für Bewegung, Zeit zum Spielen und vor allem: Natur. In ihr erleben die Kinder das Wetter und den Wechsel der Jahreszeiten, beobachten Leben und Entwicklung von Tieren und Pflanzen – und erfahren den die Waldkinder in den Bereichen soziale Kompetenz, Selbstständigkeit, Motivation und Konzentration besonders gut ab, sie sind kreativ, fantasievoll und wenig aggressiv. Auch beim Lesen, Schreiben und Rechnen liegen sie mit den anderen Kindern gleichauf. Die Grobmotorik kann im Modell des Waldkindergartens besser entwickelt werden, die Bildung feinmotorischer Fähigkeiten kommt im Waldkindergarten ebenfalls nicht zu kurz.
Viele „normale“ Kitas haben den regelmäßigen Naturbezug bzw. Aufenthalt unter freiem Himmel ebenfalls institutionalisiert und bieten Waldtage oder -wochen an. Obwohl der Kontakt zur Natur zeitlich begrenzt ist, bieten auch diese Anlässe viele Gelegenheiten zur Begegnung mit allerlei Pflanzen und Getier.
Dabei zeigt sich auch hier: Durchgeplant und mit pädagogischem Hintersinn aufgebrezelt sollten diese Projekte nicht werden. Vielmehr können Eltern und Erzieherinnen auf das vertrauen, was Wissenschaftler „Biophilie“ nennen: die alle Menschen verbindende Liebe zum Belebten und ihr angeborenes Interesse an der Natur. Schon Babys, das zeigen empirische Untersuchungen, besitzen eine vitale Zuneigung zu allem, was kreucht und fleucht – wofür sie ihr Stofftier gerne mal links liegen lassen.

Auch kiirzere Ausfliigehaben ihren Reiz
Sind im Rahmen regelmäßiger Aufenthalte in der Natur Besuche von Lieblingsplätzen und selbst gebauten Höhlen oder Hütten nahezu selbstverständlich, so beschränken sich sporadisch stattfindende, oft nur wenige Stunden dauernde Ausflüge in die Natur auf die spontane Auseinandersetzung mit dem, was sich – meist in Form von Wiesen, Stadtwäldern und Parks – kurzfristig und problemlos erreichen lässt. Aber auch diese Aufenthalte in der Natur bieten den Sinnen und der Neugier der Kinder eine Fülle von Anlässen, ihre Umwelt näher kennenzulernen. Eine Möglichkeit, solche spontanen Ausflüge zur intensiveren Auseinandersetzung mit der Natur zu nutzen, ist das Sammeln von Gräsern, Blüten und kleinen Tieren, die anschließend im Kindergarten genauer untersucht und bestimmt werden.
Wie auch immer die Begegnungen mit der Natur im Detail aussehen: Mit Kindern spannende Orte außerhalb der Kita zu entdecken macht einfach allen Spaß.

Und das muss mit

Diese Dinge sollten bei Ausflügen und längeren Aufenthalten außerhalb des Kindergartens unbedingt mitgenommen werden:

Kinder
•bequem sitzender, mdglichst wasserdich- ter Rucksack
•zweckmaBige (Regen-)Kleidung
•Sonnenschutz
•gutes Schuhwerk
•Vesper und Getranke
•Sitzunterlage

Erwachsene
•Erste Hilfe Set
•Sonnencreme
•Taschentucher/ Feuchttucher
•Handy und Telefonliste
•evtl. ein Bollerwagen fur Gepack, Proviant, Wasser, Ersatzkleidung, Fundstucke, Schaufel, Eimer, Kescher etc.
•Becherlupe
•Bestimmungsbucher
•Fotoapparat
•Fernglas
•Papier und Stifte

BUCHTIPPS

DAS PRINZIP NATUR
von Richard Louv. Beltz, 19,95 Euro
Das Buch des amerikanischen Umweltaktivisten zeigt auf, wie wichtig die Natur als Mittel der Entschleunigung und als unverzichtbarer Ruhepol im hektischen, mediendominierten Alltag ist.

STARTKAPITAL NATUR
von Andreas Raith & Armin Lude. oekom, 24,95 Euro
Das fachlich sehr fundierte Buch beschäftigt sich mit der Frage, wie Naturerfahrungen die kindliche Entwicklung beeinflussen und wie man sie gezielt fördern kann. Dazu werden zahlreiche Studien ausgewertet.

INTERNET-TIPPS

www.bvnw.de Auf der Seite des Bundesverbandes der Natur- und Waldkindergärten in Deutschland e. V. finden Interessierte Informationen rund um Mensch, Natur und Umwelt im Kontext von Kita und Pädagogik.
www.naturdetektive.de Die vom Bundesamt für Naturschutz zur Verfügung gestellte Seite hat sich zum Ziel gesetzt, Kinder altersgerecht, anschaulich, verständlich, spielerisch und spannend für die Natur zu begeistern


FOTOS: GOODSHOOT; PIXLAND/MAURITIUS IMAGES