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familie & schule: FREIZEIT ganz ohne Lernstress


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 14/2018 vom 19.12.2018

Ausgerechnet in der schulfreien Zeit wackelige Schulnoten stabilisieren, muss das sein? Das ThemaNachhilfe in den Weihnachtsferien ist vor allem für Eltern eine Frage der Abwägung


Artikelbild für den Artikel "familie & schule: FREIZEIT ganz ohne Lernstress" aus der Ausgabe 14/2018 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 14/2018


„Abwechslung und Erholung vom Schulalltag sind wichtig!“
INGO WÜRTL, KINDERPSYCHOLOGE


Zum Glück sind jetzt erst mal Ferien! Zwei bis drei Wochen – je nach Bundesland – durchschnaufen, schöne Weihnachtstage mit der Familie erleben, die Großeltern oder andere Verwandtschaft besuchen, und dann steht auch noch die Silvesterparty an oder vielleicht geht es ja auch in den Skiurlaub? Jedenfalls wird viel los sein in der kurzen Zeit ...

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... – wer denkt da ausgerechnet an Nachhilfe?

„Wir schon“, sagen Sabine und Jochen Schmidt aus Nürnberg unisono. Ihre Tochter Marie (10) hat so ihre Schwierigkeiten im ersten Jahr am Gymnasium. „Und wenn sie nicht bald die Kurve kriegt“, fürchtet ihr Vater, „wird das Halbjahreszeugnis entsprechend mies ausfallen. Und wer weiß, ob sie dann im zweiten Halbjahr wieder Anschluss findet.“

Daher läuten bereits die ersten Alarmglocken – und Maries Eltern beschäftigen sich mit der Frage, ob ihre Tochter die Ferien dazu nutzen sollte, mittels gezielter Nachhilfe Wissenslücken zu schließen und Lerninhalte, die sie noch nicht verstanden hat, zu verinnerlichen. „Zu Englisch hat sie noch gar keinen richtigen Zugang gefunden, aber auch Mathe könnte deutlich besser laufen“, findet Jochen Schmidt.


„Kinder haben Freude daran, miteinander zu üben und Gelerntes anzuwenden“
PROF. PETER STRUCK, ERZIEHUNGSWISSENSCHAFTLER


TIPPS FÜR ZU HAUSE: Mit guten Vorsätzen durchstarten

Nach den Weihnachtsferien wird es Zeit, das Steuer herumzureißen? Mit unseren Tipps bieten Sie Ihrem Nachwuchs gute Rahmenbedingungen

Eine gute Arbeitsatmosphäre für die Hausaufgaben schaffen: Alles, was ablenkt, hat auf dem Schreibtisch nichts verloren. Alle nötigen Schulsachen sind übersichtlich in Griffnähe. Auch gute Lichtverhältnisse sind wichtig, ebenso die Vermeidung störender Nebengeräusche.

Eltern, die ehrliches Interesse an Unterrichtsthemen zeigen, ohne dadurch großen Druck auszuüben, können ihrem Nachwuchs eine echte Hilfe sein. Suchen Sie das Gespräch, ohne Ihr Kind „abzufragen“, regen Sie es durch spannende und weiterführende Fragen dazu an, den Schulstoff aus neuen Blickwinkeln zu sehen.

Helfen Sie Ihrem Kind bei der Gliederung seines Tagesablaufs: Freizeit und Spielen müssen sein, ebenso sollte klar sein, wann es Zeit für Hausaufgaben und gegebenenfalls zum Lernen ist. Beispiel: Nach dem Mittagessen wird relaxt, aber um 15 Uhr sind die Hausis dran.

Nachhaltiger als jeder Crashkurs ist regelmäßige Übung

Einen Einstieg ins „Aufholprogramm“ durch einen Kompaktkurs in den Ferien fassen Maries Eltern deshalb ins Auge. Aber gibt es derlei überhaupt? „Die meisten Nachhilfe-Institute bieten Unterricht auch in den Ferien an“, sagt Dr. Cornelia Sussieck, Vorsitzende des Bundesverbandes der Nachhilfe- und Nachmittagsschulen (VNN), und ergänzt: „Gerade die Ferien sind eine Zeit, in der man entspannt lernen, nachholen und vorbereiten kann.“

Nachhaltiger als ein auf die Ferien beschränkter Kompaktkurs sei aber kontinuierliche Nachhilfe. „Vielen Schülern fehlt die regelmäßige Übung“, legt Dr. Sussieck dar. „So entstehen mit der Zeit Lücken, das Wissensfundament beginnt zu bröckeln, schließlich wird der Anschluss verpasst.“ Regelmäßiger schulbegleitender Nachmittagsunterricht sei ein guter Schutz vor dieser Entwicklung.

Auch für den Kinderpsychologen Ingo Würtl ist Nachhilfe nur dann sinnvoll, wenn sie über längere Zeit angeboten wird – doch als Startzeitpunkt hält er die Weihnachtsferien für ungeeignet: „Dafür sind die zu kurz, da sind Erholung und Abwechslung vom Schulalltag angesagt.“ Wichtiger als der Anfangszeitpunkt sei die Interaktion zwischen Nachhilfeschüler und -lehrer: „Ein guter Nachhilfelehrer weckt Begeisterung! Er hilft dem Schüler, einen spannenderen Zugang zum Lehrstoff zu finden.“

Ungeduldige Eltern sind als Nachhilfelehrer ungeeignet

Könnte nicht auch der Vater oder die Mutter ein solcher Motivator sein, gerade jetzt in den Weihnachtsferien, wenn sich ein qualifizierter Nachhilfelehrer so schnell nicht auftreiben lässt? Bloß nicht, meint der frühere Hamburger Professor für Erziehungswissenschaft Peter Struck: „Eltern sind durchweg schlechte Nachhilfelehrer, weil sie zu dicht am Kind dran sind und die nötige Geduld nicht aufbringen.“ Ausnahmen bestätigen sicherlich auch hier die Regel. Aber: Eine solche Ausnahme sind Maries Eltern nicht, und das wissen sie auch. „Vielleicht sind wir einfach zu ungeduldig“, räumt Jochen Schmidt selbstkritisch ein.

Den schließlich gefundenen Kompromiss hat Marie selbst vorgeschlagen: Sie wird in den Ferien Besuch von Hannah bekommen, ihrer Klassenkameradin und besten Freundin – so haben es die Eltern beider Kinder vereinbart. Und neben Spielen ist dann immer auch ein bisschen Zweiergruppenarbeit in Englisch und Mathe angesagt. Zumal Hannah in beiden Fächern auf einer glatten Zwei steht.

Ein zunächst „weicher“ Ansatz, den alle gut finden – auch Prof. Struck, der eine Mini-Lerngruppe aus zwei Kindern, die sich gut verstehen, für sehr effektiv hält: „Kinder haben Freude daran, miteinander zu üben, Gelerntes anzuwenden und zu wiederholen.“

Das Thema professionelle Nachhilfe bleibt den Schmidts als Option natürlich erhalten. „Aber vor einer solchen Entscheidung sprechen wir erst mal in Ruhe mit der Englisch- und der Mathelehrerin, vielleicht löst sich der Knoten dann von ganz allein“, haben Maries Eltern beschlossen. Na dann können die Weihnachtsferien ja kommen!

BUCHTIPPS

SCHÜLERJAHRE: WIE KINDER BESSER LERNEN

von Remo H. Largo und Martin Beglinger. Piper, 12,95 Euro
Largo stellt die Kinder in den Mittelpunkt und fragt, wie sie lieber und damit besser lernen – und was für eine Schule sie dafür brauchen.

DUDEN BASISWISSEN GRUNDSCHULE – KL. 1 BIS 4

Bibliographisches Institut, je 9,99 Euro
Drei Bände mit Unterrichtsinhalten für Deutsch, Englisch und Mathematik und jeweils einer CD-ROM mit übersichtlichen Arbeitsblättern und Übungsmöglichkeiten.

NACHHILFE, ABER WIE? Beratung muss sein

Dr. Cornelia Sussieck, Vorsitzende im Bundesverband der Nachhilfeund Nachmittagsschulen (www.nachhilfeschulen.org )

familie&co: Wenn sich Eltern für Nachhilfe entscheiden – ist Einzelunterricht dann immer die beste Wahl?
Dr. Cornelia Sussieck: Nein, die Entscheidung ist individuell zu treffen. Einzelunterricht ist gut geeignet, wenn ein Schüler den Anschluss verpasst hat und schnell aufholen möchte. Dann braucht er den Coach, der ihm den Stoff genau nach seinem Lernvermögen passend aufbereitet. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass einige Schüler, die über einen längeren Zeitraum Einzelunterricht hatten, ihre Selbstständigkeit verloren haben. Sie verlassen sich dann zu sehr darauf, dass ihr Lehrer sofort einschreitet, wenn ein Fehler passiert ist.

In welchen Fällen ist Gruppenunterricht empfehlenswert?
Schulbegleitender, fachhomogener Gruppenunterricht mit zwei bis vier Teilnehmern ist gut für Schüler, die Sicherheit abholen und zusätzlich üben möchten. Dabei wird auch das selbstständige Arbeiten gefördert. Unterricht in größeren Gruppen eignet sich als allgemeine Wiederholung von Inhalten.

Wie finden Eltern seriöse Anbieter?
Verlässlichkeit ist wichtig, nachzulesen in den AGB. Und es muss einen kompetenten Ansprechpartner für die Eltern geben – und natürlich kompetente und geschulte Lehrkräfte. Auch wichtig: Achten Sie auf das Kleingedruckte, persönliche Beratung, Empfehlungen sowie die Möglichkeit, zunächst nur einen Probe monat buchen zu können.


FOTOS: FANCY; FOTOLIA.COM/SOMENSKI; PR