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familie&schule: SICHER UNTERWEGS in der dunklen Jahreszeit


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 06.02.2019

Noch ist es winterlich kalt und morgens ziemlich finster. Das stellt unsere Kinder vor besondere Herausforderungen. Ein intensivesSchulwegtraining sorgt dafür, dass sie zu jeder Jahreszeit wohlbehalten an ihr Ziel kommen


Über 700000 Kinder werden jedes Jahr in Deutschland eingeschult. Bereits im Kindergarten werden sie auf den Schulstart vorbereitet, u.a.durch ein intensives Schulwegtraining. Das fällt auf fruchtbaren Boden, denn die Kinder fühlen sich nun größer und selbstständiger und möchten nur zu gerne auf eigenen Beinen stehen.
Dennoch sollte der Weg zur Schule von den Eltern nicht unterschätzt ...

Artikelbild für den Artikel "familie&schule: SICHER UNTERWEGS in der dunklen Jahreszeit" aus der Ausgabe 2/2019 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 2/2019

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Über 700000 Kinder werden jedes Jahr in Deutschland eingeschult. Bereits im Kindergarten werden sie auf den Schulstart vorbereitet, u.a.durch ein intensives Schulwegtraining. Das fällt auf fruchtbaren Boden, denn die Kinder fühlen sich nun größer und selbstständiger und möchten nur zu gerne auf eigenen Beinen stehen.
Dennoch sollte der Weg zur Schule von den Eltern nicht unterschätzt werden. Denn: Kinder haben eine andere Wahrnehmung als Erwachsene und können Gefahren noch nicht gut einschätzen. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern den Weg zur Schule ausgiebig üben. Dabei gilt es, auf einige Dinge zu achten, denn besonders an dunklen Wintertagen kommen ungewöhnliche Herausforderungen auf die Kleinen zu.
Vor der Einschulung machen sich die Eltern auf die Suche nach dem sichersten Weg für ihr Kind. Das bedeutet, dass sie auf der Strecke vorhandene Fußgängerampeln und Zebrastreifen sowie möglichst breite Bürgersteige ausfindig machen. Dabei zeigt sich: Nicht immer ist der kürzeste Weg auch der sicherste!

Reflektierende und fluoreszierende Flächen auf Kleidung und Schulranzen sorgen für gute Sichtbarkeit im Straßenverkehr


Die wichtigsten Regeln besprechen

Nur den vereinbarten Weg nehmen, mit keinem Fremden mitgehen, sich nicht von anderen Kindern überreden lassen, über die Straße zu rennen – das sind wichtige Grundregeln, die Eltern mit ihren Kindern besprechen sollten. Denn: Kinder lassen sich schnell ablenken. Wenn Schnee liegt, kommen sie beispielsweise auf die Idee, eine Schneeballschlacht zu starten oder auf vereisten Wegen herumzuschlittern. In solchen Situationen achten sie dann nicht mehr ausreichend auf den Verkehr.
Eine der wichtigsten Regeln lautet, beim Überqueren der Straße immer erst stehen zu bleiben und zu warten, bis die Fahrbahn wirklich frei ist. Das ist deshalb so wichtig, weil es für Kinder noch extrem schwierig ist, Entfernungen und Geschwindigkeiten richtig einzuschätzen. Sie sehen insgesamt „langsamer“ als Erwachsene, da sie länger brauchen, Sinneseindrücke zu verarbeiten. Und: Was Erwachsene im Augenwinkel noch irgendwie mitbekommen, sehen Kinder gar nicht, da ihr Blickfeld deutlich eingeschränkt ist.

Rollentausch: Kinder unterrichten Erwachsene

Auf Kindergarten- und Grundschulkinder wirken alle Autos gleich schnell – entsprechend schwer fällt es ihnen, den Bremsweg eines Fahrzeugs einzuschätzen. Kinder bis ca.sechs Jahre können nicht einmal zwischen stehenden und fahrenden Autos unterscheiden. Aus all diesen Gründen erkennen die Kinder Gefahren erst sehr spät und haben kaum noch Zeit, sich darauf einzustellen. Nicht zu vergessen: Kinder können erst mit etwa sieben Jahren zwischen „links“ und „rechts“ unterscheiden. Wenn der Schulweg ein paar Mal geübt wurde, können die Eltern als Test einen Rollentausch vornehmen: Das Kind zeigt dem Erwachsenen, wie es seinen Schulweg geht. So können Eltern am besten einschätzen, ob ihr Kind souverän unterwegs ist. Dabei sollten folgende Fragen im Vordergrund stehen: Kann sich mein Kind gut auf den Verkehr und die jeweiligen jahreszeitlichen Bedingungen einstellen? Hält es sich an die getroffenen Absprachen und geht tatsächlich den gemeinsam vereinbarten Weg? Erst wenn das Kind bewiesen hat, dass es sich an die Regeln hält, ist es reif, allein und selbstständig zur Schule zu gehen. Zeigt sich, dass ein Erstklässler gefährlichen Situationen nicht gewachsen ist, sollte er den Schulweg vorläufig nur in Begleitung eines Erwachsenen zurücklegen.

Durch Schnee, Matsch und Glätte auf dem Schulweg kommen auf die Kinder ganz neue Herausforderungen zu


Wenn es kalt und dunkel ist

Sehen und gesehen werden – darauf kommt es vor allem im Winter an. Dabei stellt dunkle Kleidung eine zusätzliche Gefahrenquelle dar. Laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat ist die Anzahl der Unfälle mit Kindern imWinter doppelt so hoch wie im Sommer. Deshalb sollten Kinder vor allem in der kalten Jahreszeit helle und leuchtende Kleidung tragen, damit sie von den Autofahrern früh gesehen werden. Den besten Schutz bietet retroreflektierende Kleidung, mit der Kinder von Weitem gut zu sehen sind. Zusätzliche Sichtbarkeit liefern reflektierende Flächen auf Schuhen und Mützen sowie zurückstrahlende Schutzwesten oder blinkende Reflektoren, wie sie auch gute Schulranzen haben.

Kleidung darf Sichtfeld nicht einschränken

Kinder, die mit diesen Sicherheitsfeatures ausgestattet sind, werden im Dunkeln schon auf eine Entfernung von 130 bis 160 Metern gesehen. Zum Vergleich: Ein dunkel gekleidetes Kind wird erst auf 25 bis 30 Meter wahrgenommen – bei dieser Entfernung kann selbst in Tempo-30-Zonen oft ein Unfall nicht mehr vermieden werden. Wenn es im Winter kalt wird, spielt auch warme Winterkleidung und gutes, rutschfestes Schuhwerk für Schnee und Glätte eine entscheidende Rolle. Aber Achtung: Mütze, Schal und Kapuze dürfen das Sichtfeld des Kindes nicht einschränken! Speziell am Zebrastreifen gilt im Winter besondere Vorsicht. Regen oder Schnee behindert die Sicht der Autofahrer – sie erkennen Kinder, die die Straßenseite wechseln möchten, oft erst spät. Bei Schnee und Matsch kommt noch ein weiteres Problem hinzu: Oft sind die Zebrastreifen nicht gut zu erkennen. Hier müssen Schulkinder und Autofahrer besonders aufpassen. Am Zebrastreifen gilt für Kinder immer die Regel: So lange warten, bis das Auto wirklich angehalten hat! Trotz aller Gefahren sollten Eltern ihren Kindern aber grundsätzlich vermitteln, dass sie Vertrauen in deren Umsicht und Achtsamkeit haben, denn Angst macht Kinder unsicher – auch und gerade im Straßenverkehr.

Die drei Stufen des Gefahrenbewusstseins

Kinder entwickeln erst sehr spät ein Bewusstsein für Gefahrenquellen im Verkehr. Drei Phasen kennzeichnen diesen Prozess :
1. Akutes Gefahrenbewusstsein Mit etwa sechs Jahren verfügen Kinder nur über ein akutes Gefahrenbewusstsein. Sie erkennen eine gefährliche Situation erst, wenn sie eingetreten ist. Zeit zum Handeln bleibt dann kaum.
2. Vorausschauendes Gefahrenbewusstsein In dieser Phase, die mit ca.acht Jahren einsetzt, erkennt ein Kind eine Gefahr bereits im Vorfeld. Es beginnt, sich die weitere Entwicklung einer Situation vorzustellen, und kann dadurch noch Einfluss auf das Geschehen nehmen.
3. Vorbeugendes Gefahrenbewusstsein Dieses Bewusstsein entwickeln Kinder in der Regel erst mit neun oder zehn Jahren. Dann können sie bewusst so handeln, dass mögliche Gefahren erst gar nicht eintreten.

TIPPS

Mit dem Fahrrad zur Schule

1. Sicherheit auf dem Fahrrad:Helm, Reflektoren und Protektoren nicht vergessen und immer anlegen! Wenn möglichFahrradwege benutzen! Eltern sind Vorbilder: Auch sie sollten stets einen Helm tragen!
2. Kinder solltenfrühestens ab der vierten Klasse nach der Radfahrausbildung mit dem Fahrrad auf der Straße zur Schule fahren!
3. Fahrrad winterfest machen: DasLicht muss besonders im Winter kontrolliert werden! AuchFelgen undSchutzbleche sowieBremsen undReifen müssen vor dem Winter überprüft werden. Abgefahrene Bremsen oder Reifen ohne Profil sollten für den Winter auf jeden Fall ausgetauscht werden!.
4. Sehen und gesehen werden:Stets sichtbar gekleidet sein! Vor allem im Winter solltenleuchtende undreflektierende Kleidung und eineWarnweste getragen werden!

INTERVIEW:Routine zahlt sich aus

Bernhard Müller ist Referent für Verkehrsprävention des Polizeipräsidiums Freiburg

familie&co: Verkehrserziehung beginnt meist schon im Kindergarten. Warum ist es wichtig, damit schon so früh anzufangen?
Bernhard Müller: Kinder sollten in der Lage sein, den Schulweg selbst zu bestreiten. Um diese Kompetenz zu erreichen, ist es wichtig, dass man im Vorschulalter bereits mit dem Üben anfängt. Wir führen unsere Beschulungen bereits mit Vorschulkindern durch. Da merkt man natürlich unterschiedliche Entwicklungsstände und Vorkenntnisse bei den Kindern. Es zahlt sich sehr aus, wenn man eine gewisse Routine in den Schulweg hineinbringt.

Sollten die Eltern ihre Erstklässler-Kinder begleiten?
Ganz am Anfang auf jeden Fall, später ist es natürlich immer vom Schulweg abhängig. Bei schwierigen Wegen kommt es darauf an, wo die Kinder die Straßenseite am besten wechseln können, das müssen die Eltern anfangs genau zeigen und erklären. Es gibt auch Schulwegpläne an fast jeder Schule, an denen sich die Eltern gut orientieren können.

Worauf sollte beim Schulwegtraining besonders geachtet werden?
Die größte Gefahr birgt die Überquerung der Fahrbahn. Bei Zebrastreifen sollten Kinder immer anhalten, schauen ob ein Auto kommt und dann bitte stets warten, bis das Auto wirklich anhält! Autofahrer unterstützen Kinder nicht, indem sie langsam fahren oder hektisch winken, dass die Kinder loslaufen sollen. Damit sind die Kinder überfordert. Als Autofahrer ist man also auch in der Pflicht, anzuhalten und zu warten, bis das Kind sicher auf der anderen Seite angekommen ist.

Was können Eltern zusätzlich tun?
Eltern sollten ihre Kinder nicht ständig mit dem Auto zur Schule fahren. So können die Kinder gar nicht an die Teilnahme am Straßenverkehr gewöhnt werden. Die Elterntaxis erhöhen außerdem das Verkehrsaufkommen vor Schulen extrem und gestalten die ganze Situation sehr unübersichtlich. Davon abgesehen sind Kinder, die zur Schule laufen, dort viel aufmerksamer, was sich sogar positiv auf die Noten auswirkt.

Worauf ist im Winter besonders zu achten?
In dieser Zeit sollten Eltern natürlich sehr auf die Erkennbarkeit ihres Kindes Wert legen – mit verschiedenen Reflektoren und heller, leuchtender Kleidung. Kinder machen Fehler. Wenn aber der motorisierte Verkehrsteilnehmer das Kind frühzeitig erkennt, kann er den Fehler, den das Kind womöglch gemacht hat, durch seine Reaktion noch ausbügeln. Gute Sichtbarkeit ist also gerade in der Winterzeit absolute Pflicht.

Hauptregeln im Verkehr

1. Vor dem Überqueren einer Straße immer zuerst denKontrollblick nach links, nach rechts und wieder nach links richten.
2. ZumÜberqueren der Straße nach Möglichkeit den Zebrastreifen oder die Fußgängerampel benutzen.
3. An derAmpel : Bei Grün gehen, bei Rot stehen! Eltern müssen Kindern ein Vorbild sein.
4. AmZebrastreifen : Genau hinschauen und warten, bis das Auto wirklich anhält! Erst dann die Straße überqueren. Im Winter besonders vorsichtig sein!
5. Auf demBürgersteig nicht am Straßenrand laufen, sondern am besten in der Mitte des Weges. Den Gehweg ausschließlich zum Überqueren der Straße verlassen!
6. Niemalsplötzlich über die Straße rennen.

FOTOS: SHUTTERSTOCK.COM/ROMRODPHOTO; GETTYIMAGES/ISTOCKPHOTO.COM/FATCAMERA; PRIVAT.