Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 7 Min.

FAMILIENMENSCH


drums & percussion - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 06.10.2021

Artikelbild für den Artikel "FAMILIENMENSCH" aus der Ausgabe 6/2021 von drums & percussion. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: drums & percussion, Ausgabe 6/2021

White (2.v.l.) mit der aktuellen Yes-Besetzung (v.l.n.r.): Steve Howe, Geoff Downes, Jon Davison und Billy Sherwood

Alan, Gratulation zum Bandjubiläum von Yes. Wie fühlt es sich an, eine von einer Handvoll Bands zu sein, die es geschafft haben, nach einem halben Jahrhundert immer noch erfolgreich und ständig auf Welttour zu sein?

Wenn mir das jemand vor 50 Jahren gesagt hätte, ich hätte es nie für möglich gehalten. Aber wir stehen immer noch auf der Bühne und haben unglaublichen Spaß mit dem, was wir tun. Wie waren immer schon eine Tourband – das war das, was wir immer wollten. Selbst wenn der ein oder andere aus unterschiedlichen Gründen keinen Bock hatte, letztlich hat das Tourfieber ihn doch wieder mitgerissen. Aber ja, wir sind sehr dankbar und glücklich über diese Tatsache. Trotz Höhen und Tiefen sind wir noch fit genug, um wieder richtig loszulegen. Wir wären schon 2020 unterwegs gewesen, wenn diese Pandemie nicht auch uns ausgebremst hätte. So ist es nun mal – aber wir freuen uns schon auf nächstes Jahr. ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von drums & percussion. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2021 von 8-Bit, Streaming und Marathonlauf. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
8-Bit, Streaming und Marathonlauf
Titelbild der Ausgabe 6/2021 von HAFFNERS »DREAMBAND« TOURT IM NOVEMBER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HAFFNERS »DREAMBAND« TOURT IM NOVEMBER
Titelbild der Ausgabe 6/2021 von NACHLESE: »AUSTRIAN PERCUSSION CAMP« 2021. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NACHLESE: »AUSTRIAN PERCUSSION CAMP« 2021
Titelbild der Ausgabe 6/2021 von ELFJÄHRIGER SHOOTINGSTAR. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ELFJÄHRIGER SHOOTINGSTAR
Titelbild der Ausgabe 6/2021 von »Boum«: Premiere für die MULTIPERCUSSION. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
»Boum«: Premiere für die MULTIPERCUSSION
Titelbild der Ausgabe 6/2021 von Das Herz eines JAZZERS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Das Herz eines JAZZERS
Vorheriger Artikel
»In der EINFACHHEIT steckt das SCHWIERIGE«
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel HI-RES ab 15 Euro
aus dieser Ausgabe

...

Yes hatte 1983 mit »Owner of a Lonely Heart« einen weltweiten Smash-Hit, für Bandverhältnisse geradezu ein kurzer, knackiger Popsong. Einer, den endlich auch die Radiosender spielen konnten. In der Flowerpower-Ära habt ihr mit ein paar anderen Bands etwas losgetreten, das heute Progressive-Rock genannt wird. Was habt ihr damals darunter verstanden?

Ja, »Owner of a Lonely Heart« war unser weltweiter Nummer-Eins-Single-Hit. Das Album »90125« war unser elftes Album und, trotz eines Stilwechsels, bis dato das erfolgreichste. Wir hatten gute Leute an Bord, unter anderen Trevor Horn, der heute noch begeistert ist von diesem Album und der Studioarbeit damals. Ja, Prog-Rock, meine Güte – wir haben eben viel ausprobiert, wollten uns nicht an die langweiligen Regeln halten, sondern die eingefahrenen Strukturen revolutionieren. Nichts weniger als das ging uns in der Euphorie damaliger Zeiten durch den Kopf. Da war es uns auch egal, ob wir das Publikum oder das Musikbusiness vor den Kopf stoßen oder nicht. Was als Prog-Rock definiert wurde, war noch nicht einmal wirklich klar. Wir haben alles ausprobiert, weil wir Musik eben anders begriffen haben.

BIOGRAFIE

Alan White, geboren am 14. Juni 1949 in Pelton, England, fing im Alter von sechs Jahren an, Klavier zu spielen. Später kam das Schlagzeug dazu. Seine erste Band hatte er mit 13 Jahren. In den späten Sechzigerjahren war er Mitglied bei Ginger Baker’s Air Force. Er wirkte als Studiomusiker auf Alben verschiedener Künstler mit, unter anderem Joe Cocker und The Ventures. 1971 tourte er mit John Lennons Plastic Ono Band und spielte Lennons zweites Soloalbum »Imagine« mit ein. Bei Lennons Beatles-Kollegen George Harrison ist er auf dessen Album »All Things Must Pass« vertreten, neben Ringo Starr und Ginger Baker. 1972 stieg er für Bill Bruford bei Yes ein. 1975/76 erschien sein Soloalbum »Ramshackled«. Mit Yes-Bassist Chris Squire und Led-Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page formte er Anfang der 1980er-Jahre das Projekt XYZ.

Seit 2005 existiert sein Projekt White, 2006 erschien das gleichnamige Album. 2017 wurde er in die »Rock & Roll Hall of Fame« aufgenommen. Mit Yes spielte er mit »The Quest« jüngst das 23. Studioalbum der Band ein. Eine Tour ist für 2022 geplant (Termine s. Seite 41).

Neben dem 50. Bandjubiläum feiert ihr auch das 50. Jubiläum der Alben »Fragile« und »The Yes Album«, vom »Rolling Stone«-Magazin auf die Top-Ten-Liste der besten Prog- Rock-Alben aller Zeiten gesetzt. Wie siehst du, der du danach eingestiegen und seitdem für mehr Rockelemente in den Songs zuständig bist, diese Platten?

Ja, ich bin ein Jahr später eingestiegen. Bill Bruford brachte damals seine Jazzattitüde in die Band ein, und als sein Nachfolger ließ ich meine rockige Ader einfließen. Nun ja, wenn man diese Platten jahrzehntelang spielt, werden sie zum eigenen Baby. Wir haben allerdings so viele Alben gemacht, da könnte ich kaum sagen, welche ich bevorzuge. Ich spiele sie alle immer noch so gerne wie damals.

WIR HABEN ALLES AUS- PROBIERT, WEIL WIR MUSIK EBEN ANDERS BEGRIFFEN HABEN

Vor deinen Einstieg 1972 und auch danach hatte Yes ständig wechselnde Bandmitglieder. Sänger Jon Anderson verließ die Band, andere nach ihm. Bassist Chris Squire ist verstorben. Du hast der Band immer die Treue gehalten. Hattest du jemals darüber nachgedacht, etwas anderes zu machen?

Nein, es gab Zeiten, die schwieriger waren – die Punkwelle zu Beispiel. Da haben wir uns mit Soloprojekten ausprobiert. Chris [Squire] und ich haben mit Jimmy Page [Gitarrist von Led Zeppelin] das Projekt XYZ im Studio gemacht. Auch das war eine sehr inspirierende Zeit. Es gab auch eine kurze Episode, in der es zwei Yes-Formationen gab. Hätte Jon [Anderson] uns nicht wieder zusammengebracht, hätte es niemals das »Union«-Album und die darauffolgende Tour gegeben.

Da seid ihr mit den Mitgliedern beider Bands auf Welttourneen gewesen. Wie war das Miteinander?

Natürlich gab es bei den Konzerten viele Momente, wo einfach keiner die Bühne verlassen wollte, ohne ein zehntes Solo gespielt zu haben. Da konnte es dann auf der Bühne schon mal eng werden [lacht]. Aber bei solchen großartigen Musikern war das schon okay – insgesamt war es auch sehr befruchtend. Ich hatte meinen Spaß, und das Publikum hat es geliebt.

EQUIPMENT

Drums: Ludwig, Classic Maple 22“ x 16“ Bassdrum, 8“ x 8˝ Tom, 10“ x 10˝ Tom, 12˝ x 12“ Tom, 13˝ x 13“ Tom, 14˝ x 14“ Tom, 16“ x 16˝ Tom, 14“x 6,5“ »Hammered Brass«-Snare Hardware: Gibraltar, Axis-Doppelpedal

Cymbals: Zildjian (versch. Serien) 15˝, 16˝, 17˝ Crash-Cymbals 17˝ China 20˝ Ride-Cymbal 13˝ oder 14˝ »Quick Beat«-Hihat

Stöcke: Zildjian (Alan-White-Signature-Modell Z4A)

Felle: Remo (»Emperor«-Clear, »CS«-Coated (Snare))

Elektronik: Yamaha DTX-Multi 12 und DTX-Pads Roland TD-10 Percussion-Modul, PD-80-Pads

Du hast viele fantastische Dinge gemacht, aber das Verrückteste war sicher die Erfahrung in John Lennons Plastic Ono Band? Und wie war das mit George Harrison? Wie hast du das überlebt, ohne vor Lampenfieber durchzudrehen?

Ich war sehr jung, erst 20 Jahre alt, und noch naiv – bereit, alles aufzusaugen, was sich mir anbot. Schon als kleiner Junge habe ich Beatles-Platten gehört, aber dass mich wenige Jahre später John anrufen würde, um mich zu seinem ersten Gig ohne die Beatles, mit Yoko, nach Toronto einzuladen, hielt ich erst für einen schlechten Scherz. Ich hatte genau zwei Tage Zeit. Wir probten auf dem Hinflug auf den Flugzeugsitzen. John war so aufgeregt vor dem Gig, dass er sich übergeben musste. Dass meine Art zu spielen John gefallen hatte, machte mich stolz und froh. In dem Alter dachte ich aber nur, das sei keine große Sache, nur ein weiterer Schritt auf meinem Weg. Bei einem Gig kam ich auf die Bühne, und es war noch kein Schlagzeug aufgebaut. Ich setzte mich auf den Hocker, es wurde hektisch um mich herum aufgebaut, plötzlich hieß es: 1, 2, 3, 4, los geht’s! So war das. Wir hatten so gut wie nie geprobt. Dann spielte ich auf Johns Album »Imagine«. George kam auch ab und zu im Studio vorbei; da lernten wir uns kennen und haben dann zusammengearbeitet, zum Beispiel bei seinem Album »All Things Must Pass«. Im Grunde waren sie wie die Jungs von nebenan, die Spaß haben wollten. Großartige, talentierte Jungs, die mich in ihre Beatles-Family aufgenommen haben. John war ein bisschen älter als ich und nahm mich unter seine Fittiche. Das Vibrafon auf »Jealous Guy« habe ich übrigens aus Platzmangel in Johns Badezimmer eingespielt, bei offener Tür. Der Sound war ausgezeichnet!

Du hast auch Keyboards bei Ginger Baker’s Air Force gespielt. Wie seid ihr miteinander zurechtgekommen?

Ginger war ein etwas schwieriger Typ. Ich habe ihn über die Jahre gut kennengelernt und kam irgendwie klar mit ihm. Es gab drei Songs, die ich mit Ginger zusammen auf den Drums spielte. Eigentlich waren vier Drummer in der Band. Ein organisiertes Chaos, um genau zu sein.

Zurück zum Hier und Jetzt: Ein neues Yes-Album erscheint am 1. Oktober. Ihr habt es mehr oder weniger über den Globus verteilt aufgenommen – wer kam auf die Idee, alle wieder zusammenzubringen?

DISKOGRAFIE

(Auswahl)

George Harrison: All Things Must Pass (1970) John Lennon: Imagine (1971)

Joe Cocker: Something to Say (1972)

White: White (2006) mit Yes u.a.:

Tales From Topographic Oceans (1974), Drama (1980), 90125 (1983), Big Generator (1987), Union (1991), Magnification (2001), Heaven and Earth (2014), The Quest (2021)

TOURTERMINE

D-A-CH 2022

20.05.2022 CH-Zürich, Kongresshaus 23.05.2022 AT-Wien, Arena 24.05.2022 Halle (Saale), Steintor-Varieté 26.05.2022 Berlin, Admiralspalast 08.06.2022 Mönchengladbach, Red Box

NETZ

www.yesworld.com, www.alanwhite.net

Wir fingen schon 2019 damit an, Songideen zu sammeln. Steve [Howe, Gitarrist von Yes] hat uns angerufen und kam mit der Idee um die Ecke, ein neues Album zu machen. Seit dem letzten Album »Heaven and Earth« [2014] hatten wir wenig zusammen gemacht. Ich habe mit meiner Band White meine eigenen Sachen in Seattle gemacht. Billy Sherwood [jetziger Bassist von Yes] und ich waren in L. A. im Studio, und die anderen nahmen in England auf. Dieses Album beinhaltet das wahre Potenzial und die gesamte Erfahrung der Band. Unser Hauptaugenmerk lag auf der Betonung der Melodien sowie auch auf einigen ausgedehnten Instrumental-Soloparts. Wir gaben viele Orchestrierungen in Auftrag, um den Gesamtklang dieser frischen neuen Aufnahmen zu verbessern – und hoffen, so unseren Hörern ein außergewöhnliches Hörerlebnis zu bieten. Es ist das erste Mal, dass wir ein Album auf diese Weise gemacht haben. Es war ein Experiment, das ich gut gelungen finde.

Ihr habt vorab die erste Single-Auskopplung »The Ice Bridge« veröffentlicht. Die Videoanimation dazu stammt von Roger Dean, der schon das bemerkenswerte Artwork vom »Fragile«-Album gemacht hat...

Roger ist ein alter Freund und hat die Message des Songs perfekt umgesetzt. »The Ice Bridge« ist, könnte man sagen, die Speerspitze des Albums. Es ist die Summe aller Songs, obwohl alle ihren eigenen Kopf haben. Auf jeden Fall ist es ein für die Radios gut spielbarer Song. Die nächste Auskopplung wird »Dare to Know« sein, auch mit einem großartigen Video. Ich bin gespannt, wie das Publikum darauf reagieren wird, wenn wir den Song live spielen.

Eure Europa-Tourtermine für 2022 stehen. Sieht nach einem straffen Terminplan, aber auch nach einer Menge Spaß aus.

Wir sind natürlich gespannt auf das Feedback unserer Fans. Ein voller Tourplan ist genau das, was wir nach so einer langen Pause brauchen. Wir sind nun mal eine Tourband, unterwegs auf unserer Mission. Ehrlich gesagt freue ich mich schon auf die Arbeit fürs nächste Album und auf die nächste Tour!

Text: Rachel Rep