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FANGT AM BESTEN KLEIN AN


Bauen Aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 15.08.2019

In der Baubranche ist BIM das Gebot der Stunde. Doch viele Unternehmen sind sich noch nicht im Klaren, welche Anforderungen das mit sich bringt und wie BIM-Methoden erfolgreich einzuführen sind. Gary Pattison, zertifizierter technischer Experte für BIM & Digital Construction bei der BSI Group, erklärt, worauf es wirklich ankommt, wenn man Bauprojekte mit BIM effektiver planen will.

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Bildquelle: Bauen Aktuell, Ausgabe 2/2019

Bild: Krauchanka Henadz, shutterstock.com


Bauen Aktuell: Welche aktuellen Entwicklungen in der Bauwirtschaft halten Sie für besonders wichtig?

Gary Pattison, zertifizierter technischer Experte für BIM & Digital Construction bei ...

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... der BSI Group.


Gary Pattison: Eine der treibenden Entwicklung ist die Digitalisierung. Die Digitalisierung des Bausektors im Allgemeinen schafft neue Möglichkeiten für die Durchführung von Arbeiten sowohl vor Ort als auch innerhalb der Organisation. Die Digitalisierung ermöglicht es, dass Building Information Modeling (BIM) entstehen konnte.
Durch die neue digitale Transparenz von Anlageninformationen können alle Daten von allen beteiligten Parteien der gesamten Lieferkette gemeinsam genutzten werden.
Dabei ist jedes Element in der BIM-Welt genau definiert und ermöglicht vorausschauende Berechnungen bzgl. Auslastungen und Risikoerwartungen.
Bauprojekte können effektiver geplant werden und basieren auf einem datengesteuerten Management geprägt durch die kontinuierliche Entwicklung von 3D-Drucktechnologien und Off-Site-Konstruktionen. Die Zauberworte für erfolgreiche BIM-Projekt sind „Digital Design“ und „Informationsmanagement“. So können BIG-Data (SCs/IoT/etc.) einheitlich gesteuert werden und Probleme fallen nicht erst auf, wenn es schon zu spät ist – was oftmals den Alltag bei Bauprojekten bestimmt. Dies verstärkt auch die Möglichkeiten von weiteren technischen Innovationen, wie zum Beispiel VR/AR/Drohnen/4d/5D/6D-Modelle.
Die Digitalisierung schafft weitreichende Möglichkeiten, die risikoreduzierte und effizientere Bauprojekt ermöglichen.

Bauen Aktuell: Welche Hürden sehen Sie derzeit für den Einsatz von Building Information Modeling (BIM)?
Gary Pattison: Wir haben gemerkt, dass mittlerweile zwar viele über BIM reden, es jedoch eher ein mangelndes Bewusstsein für die Vorteile von BIM gibt – insbesondere in der Phase der Anlagenverwaltung ist das Wissen darüber, wie BIM-Anforderungen richtig spezifiziert und bewertet werden sowie die Gewichtung, die BIM während der Ernennung beimisst, nicht oder nur in geringem Umfang gegeben.

Zudem kann die Einführung der BIM-Funktionsweisen in Unternehmen aufgrund der Größe und Komplexität vieler (internationaler) Organisationen ein komplizierter, kostspieliger und zeitaufwendiger Prozess sein. BIM-Prozesse werden dabei manchmal noch als uneinheitliche Prozesse zu einem organisatorischen Kernprozess der Unternehmensführung angesehen.

Das BIM-Fachvokabular ist sehr speziell und wird von einigen gut, von anderen eher nicht so gut aufgenommen. BIM sollte besser als ‚Digital Engineering‘ oder ‚Informationsmanagement‘ verstanden werden.

Eine weitere Hürde kann es sein, dass BIM-Anforderungen und das, was sie verlangen, in hohem Maße interpretierbar sind, was zu einem Mangel an einheitlicher Auslegung der Anforderungen der BIM führen kann. Durch die Einführung der ISO 19650 dieses Jahr wurde dies aber schon vereinheitlicht und dadurch verbessert.

Bauen Aktuell: Aus welcher Richtung kommen Ihrer Meinung nach die wichtigsten Impulse, um diese Hürden zu beseitigen?
Gary Pattison: Meiner Meinung nach muss ein effektives Change Management-System in jedem Unternehmen vorhanden sein, das die Einführung neuer Prozesse steuert und ermöglicht. Hierbei sollte auch ein interner Verantwortlicher als ‚BIM-Champion‘ ernannt werden, der dem Unternehmen hilft (von oben nach unten), die Vorteile von BIM zu verstehen und die Einführung voranzutreiben. Wir sagen unseren Kunden immer: ‚Fangt klein an!‘. Nehmt Euch Zeit und implementiert BIM als stufenweisen und abteilungsbezogenen Ansatz. Dies ermöglicht ihnen die

Flexibilität, BIM-Prozesse kontrolliert und fokussiert zu entwickeln. Die gewonnenen Erkenntnisse können dann im gesamten Unternehmen umgesetzt werden.

Ein weiterer wichtiger Impuls ist die kommerzielle Dynamik: Viele Unternehmen sehen sich als Marktführer und wollen daher immer die Ersten sein. So gab es viel Aufmerksamkeit von Organisationen, die BIM einführten, insbesondere bei prestigeträchtigen Projekten. Das animiert viele Unternehmen, mitziehen zu wollen.

Ein zusätzlich echter Gewinn kommt von Organisationen, die die Einführung von BIM-Prozessen nicht nur als notwendiges Sprungbrett für den Zugang zu mehr Ausschreibungen sehen, sondern als eine Mög-lichkeit, das, was sie tun, sowohl in Bezug auf ihre Leistung als auch auf die interne Effizienz wirklich zu verbessern.

Bauen Aktuell: Inwieweit können Normen und Zertifizierungen BIM fördern?
Gary Pattison: Die Normenreihe PAS 1192 legt den Rahmen für den BIMProzess über den gesamten Lebenszyklus von Anlagen fest. Sie definieren einen einheitlichen, gemeinsamen und konsistenten Ansatz für die Verwaltung von Projekten und Anlagen, die ein gewisses Maß an Qualität und Sicherheit bietet. Normen geben Organisationen den Best-Practice-Rahmen, der nötig ist, BIM richtig im Unternehmen einführen zu können.

Ein grundlegendes Merkmal in den BIM-Normen ist zum Beispiel der vorgeschriebene kollaborative Informationsaustausch, so dass ein gemeinsamer Rahmen für den Umgang mit Anlageninformationen gegeben ist.

Mit der Veröffentlichung der ISO 19650 Teil 1 und 2 wurden die BIMAnforderungen weiter manifestiert und für alle Länder vereinheitlicht, um einen internationalen Ansatz für gleiche BIM-Anforderungen zu gewährleisten. So können Organisationen verschiedener Länder auf einem gemeinsamen Level und mit gleichen Prozessen gemeinsam Bauprojekte realisieren. Durch eine BSI BIMZertifizierung gemäß der ISO 19650 können Organisationen sichergehen, dass sie Informationen gleich managen, effektive Prozesse leben und einheitliche BIM-Anforderungen erfüllen. Die ISO 19650 Zertifizierung ermöglicht es demzufolge, die Zu-Mögsammenarbeit zwischen Ländern und Organisationen zu verbessern und hilft Unternehmen dabei, große Ausschreibung zu gewinnen.

Welche Dienstleistungen bietet BSI Group für Architektur-und Ingenieurbüros, die BIM-Prozesse einführen oder optimieren wollen?

Damit ein BIM-Projekt erfolgreich sein kann, muss es eine einheitliche BIM-Methodik über die gesamte Lieferkette einführen. Hinsichtlich der Art und Funktion einer bestimmten Organisation innerhalb der Lieferkette wird es unterschiedliche Ergebnisse und Funktionen (Verantwortlichkeiten) geben und in Bezug auf BIM müssen diese berücksichtigt werden.

So bieten wir weltweit diverse BIM-Zertifizierungen an, die sowohl einzelne BIM-Designmodelle einer bestimmten Anlage entsprechen, oder die ein gesamtes Bauprojekt oder Anlagenmanagement auszeichnen. Das gesamte Projektteam kann Zertifizierungen erhalten: Auftraggeber, Auftragnehmer, Architekten, Designer, Ingenieure, MEP-Berater usw. Jeder, der im Bausektor mit BIM arbeitet, kann eine Zertifizierung anstreben. Zusätzlich bieten wir weltweit Schulungen für ISO-Standards an – so auch für die Baunorm ISO 19650. Mit einer reinen Zertifizierung ist es nicht getan, die Mitarbeiter sind die Säulen des unternehmerischen Handelns und sollten an die Prozesse professional herangeführt werden.

Bauen Aktuell: Herr Pattison, vielen Dank für das Gespräch. | ANM

Das Interview führte Andreas Müller.