Lesezeit ca. 5 Min.
arrow_back

Fantastische Klänge


Logo von guitar
guitar - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 20.10.2022

Tech-Talk Pedalboards: Markus Birkle/Die Fantastischen Vier

Artikelbild für den Artikel "Fantastische Klänge" aus der Ausgabe 11/2022 von guitar. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: guitar, Ausgabe 11/2022

(1)

Seit wann bist du bei Fanta 4 Gitarrist?

Markus Birkle: Ich bin seit dem Jahr 2000 Bandmitglied. Vor meiner Zeit gab es in der Band keinen Gitarristen. Die Fantas kommen natürlich aus dieser DJ-, Sample-, Hip-Hop-Historie und haben dann früh begonnen, mit einem Drummer zusammen zu arbeiten, der nach wie vor in der Band spielt. Dann kam ein Bassist dazu, anschließend ein Pianist und ein Perkussionist. Ich bin das fünfte Mitglied der Band. Und seit 2000 ist die Besetzung der Band auch unverändert, was ein seltenes Gut ist, wenn man in die Musikhistorie schaut. Wir haben musikalisch etwas geschaffen, was nur mit viel gemeinsamer Zeit und Kontinuität möglich ist. Eine Art eigene Sprache, ein eigener unverwechselbarer Sound, bei dem die einzelnen Elemente miteinander verschmelzen. Nach der langen Corona-Pause wurde mir auch wieder bewusst, wie ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 6,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von guitar. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Neue Vintage-Träume. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Neue Vintage-Träume
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von QR-CODES, PLAYALONGS & DOWNLOADS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
QR-CODES, PLAYALONGS & DOWNLOADS
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von Booklet. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Booklet
Titelbild der Ausgabe 11/2022 von ROCKANTENNE 20 Jahre Tuff Stuff. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ROCKANTENNE 20 Jahre Tuff Stuff
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Hier gibt es echte Player-Gitarren
Vorheriger Artikel
Hier gibt es echte Player-Gitarren
Brandneu & Vintage
Nächster Artikel
Brandneu & Vintage
Mehr Lesetipps

... toll sich das gemeinsame musizieren mit dieser Band anfühlt.

Deine musikalischen Vorbilder liegen ja eher in den Sechzigern und Siebzigern, nicht wahr?

Meine Roots sind tatsächlich in den Sechzigern und Siebzigern zu finden, da hast du recht. Hendrix, Led Zeppelin und Cream, aber auch Jazz und Jazz-Rock. Miles Davis und auch die Gitarristen aus dieser Ära mit Hall, Scofield, Metheny, Abercrombie. Und dann natürlich Motown, R’n’B, Funk, Soul und elektronische Musik. Als übergeordnete Themen haben mich immer Songwriting, Arrangement, Instrumentierung, Bandperformance und Klang interessiert. Atmosphäre, Stimmung, harmonischen Facetten, Klangphilosophie.

Was ist bei dir und den Fantas in nächster Zeit geplant?

Wir haben eine Riesen-Tour hinter uns, eine Stadion-Tour. Da wird eine Live-DVD, Vinyl und CD veröffentlicht. Ab nächster Woche werden wir in Liechtenstein bei einem sehr guten Freund und langjährigem Weggefährten von mir eine Platte aufnehmen. Wir spielen da Stücke ein, die zum Teil 20, 30 Jahre alt sind. Diese Tracks haben wir über die Jahre weiterentwickelt und auf ein anderes Level gebracht. Einige dieser Songs werden wir im Studio so aufnehmen, wie wir sie heute performen. Eine Art Retrospektive.

Du hast dir 2018, also schon sehr früh ein Schmidt-Array-Pedalboard bauen lassen. Kannst du uns erklären, wie dein Board aufgebaut ist? Ich sehe du nutzt das Gigrig Switching System G3.

Eine ganz wichtige Neuerung des G3 gibt mir die Möglichkeit die Reihenfolge der Loops zu verändern.

Ich kann beispielsweise beim Thema Gainstufen entscheiden, ob ich den Boost vor oder nach dem Verzerrer schalte. Eine weitere positive Verbesserung ist die MIDI-Fähigkeit und die einfache MIDI-Programmierung, sowie das Display. Ich kann eine Song-Liste erstellen und ganz einfach per Handy 30 Sekunden vor dem Gig noch eine andere Setliste reinladen.

Das ist ja wirklich genial.

Ich gehe streng nach Setliste vor. Innerhalb gespeicherter Songs kann ich entweder komplexe Sounds umschalten oder Pedals per Stompbox-Modus an und ausschalten. Das gibt mir die Möglichkeit, spontan Sounds zu verändern. Wenn ich beispielsweise im Solo merke, dass es mich woanders hinzieht, kann ich ein Fuzz oder andere Pedals hinzuschalten. Eine tolle Eigenschaft der Schmidt-Array-Boards ist die Möglichkeit die Outputs, Inputs und zusätzliche Remotes oder Loops individuell zu gestalten. Somit kann ich jederzeit ein zusätzliches Pedal für eine Show oder in einer Studiosituation ins Board integrieren.

In der Regel gehe ich zuerst in den Isle Of Tone Haze 67 Fuzz. Danach folgt ein weiteres Fuzz, der Austin Blender von DanDrive. Das Isle-Of-Tone-Fuzz ist im Grunde ein Fuzz-Face, das bei voll aufgedrehtem Volume, ganz breit und fett klingt, und je weiter ich das Volume bei der Gitarre absenke vom Crunch in einen schönen Cleanup aufgeht. Der Austin Blender dagegen reagiert eher wie eine Zonk Machine, es „gated“ leicht und hat auch diese hohe Oktave im Ton, was sich bei Mehrklängen dann auch ein wenig wie ein Ringmodulator anhört. Damit spiele ich etliche Melodie-Linien, die kantiger klingen sollen, zum Beispiel bei „Troy“.

Loop 3 ist ein Treblebooster von Bernd Meiser. Treblebooster – wissen wir ja – lieben angezerrte Amps. Meine Amps sind eigentlich eher clean. Ich nutze den Treblebooster meistens, um in ein Zerrpedal zu gehen, das dann so reagiert als wäre der Amp angezerrt. Ich gehe damit entweder in den Vermuram Jan Ray oder in die Crunch Box von MI Audio. Der Vermuram ist weicher und ein bisschen dicker im Klang, die Crunch Box hingegen hat mehr Höhen und Mitten und ist damit sehr präsent im Mix, was für gewisse Songs von Vorteil ist.

Die restlichen Pedale sind dann aber wirklich „Effekte“, oder?

Ich habe mein Wah in ein Lehle Parallel eingeschliffen. Damit kann ich das Verhältnis von Wah-Wah und Clean-Tone selbst regeln. Der zweite Lehle Parallel ist mit meinem Eventide H9 verbunden. Der H9 ist immer 100 Prozent Wet geregelt.

Welche Effekte nutzt du beim Eventide?

Ich verwende Hall, eine Menge Delays – sämtliche „getimeten“ Delays sowie ein Rotary-Sound kommen vom Eventide. Neben dem Eventide habe ich noch zwei analoge Delays, nämlich das Llama Delay von Jam Pedals für Slapback Echos und das Maxon Analog Delay, ein großartiges Bucket-Brigade-Delay, für längere Delayzeiten. Für Modulationen benutze ich die Vibe Machine von DryBell und den Maxon Rotary Phaser. Der Phaser kommt oftmals bei cleanen Funk-Gitarren zum Einsatz.

Dann habe ich noch ein großes Pedal auf dem Board. Den Moogerfooger Filter. Diesen Filter benutze ich mit einem Expression-Pedal von Lehle für eine ganz langsame Filter-Fahrt. Das klingt dann sehr clubmäßig, da der Cutoff kontinuierlich über 16 oder 32 Takte aufmacht.

Wie schaut es mit den Amps aus?

Da ich vier verschiedene Amp-Sounds aus zwei Amps – Fender- und Marshall-Nachbau – nutze, der G3 jedoch nur zwei Ausgänge hat, benutze ich einen Lehle 1at3 an Ausgang 2 und kann vier Sounds umschalten. Das Lehle-Pedal wird auch vom G3 per MIDI umgeschaltet. Ebenso schaltet das G3 ein Amp-Tremolo und den Federhall an und aus. Diese Tremolo-Kanäle bei den alten Sechzigerjahre-Marshalls klingen fantastisch. Die beiden Nachbauten des Fender- und des Marshall-Amps stammen von der Firma Audio Amp Co (aus Giengen an der Brenz, Anm. d. Redaktion).

Und welche Gitarren verwendest du?

Ein wichtiger Teil der Klangfindung basiert letzten Endes auf der Wahl der Gitarre und selbstverständlich auf die Art wie ich diese Gitarre dann spiele. Da gibt es meistens zwei Teles. Auf dieser Tour habe ich allerdings nur eine aus den frühen Siebzigerjahren mit Ahornhals dabei gehabt. Diese Gitarre setzt sich sehr gut durch, wir haben lediglich einen Kondensator gewechselt, da diese Siebzigerjahre-Gitarren oft ein wenig zu schrill klingen. Für die Fantas ist das eine Hammer-Gitarre. Sie ist schnell, direkt, twangig und findet einfach immer ihren Platz im Mix. Toll für die cleanen, funkigen Parts. Dann, um in der Fender-Welt zu bleiben, nutze ich noch eine Strat von 1965, die ich schon sehr lange spiele. Für surfige und twangige Sounds habe ich eine Jazzmaster und eine Les Paul Special mit P90s dabei. Dann habe ich noch eine Les Paul für Humbucker-Sounds. Auf dieser Tour hatte ich noch eine SG für rockige Riffs im Gepäck.

Welche Pickups verwendest du da?

Bei Humbuckern stehe ich total auf den PAF-Sound. Kurz vor der Tour war ich mit meiner Les Paul bei Andreas Kloppmann. Seine Tonabnehmer sind sensationell.

Die Les Paul ist eine neue Gitarre, oder?

Das ist eine Achtzigerjahre-Les-Paul, und zwar eine sogenannte Guitar Trader. In den Achtzigern gab es etliche Kunden und Vertriebe, die Gibson bekniet haben wieder Bursts zu bauen. In dieser Zeit sind ein paar unglaublich gute Repliken von Bursts, zum Teil mit Original-Teilen aus den Fünfzigern und Sechzigern entstanden. Das wär’s zu den Gitarren. Seit langer Zeit spiele ich Elixir Saiten und nutze Kabel der Firma Sommer Cable.

Du verwendest auch weiterhin Kabel auf der Bühne?

Ja, ich verwende Kabel aus klanglichen Gründen und ich habe jetzt auf dieser Tour tatsächlich ein paar Herausforderungen meistern müssen, weil wir wirklich auch eine fulminante Bühne hatten mit drei Stockwerken. Da habe ich mich viel bewegt und es gab des Öfteren mit dem Kabel Komplikationen, die mein Team aber gut lösen konnte. Manchmal wird meine Interaktion mit Kabeln auf der Bühne dann auch Teil der Show. Das kann ja auch schön sein. (lacht)

Interview: Philipp Opitz Text: Bruno Wolf