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FARBE Jetzt wird’s bunt!


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familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 03.11.2022
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Bildquelle: familie & co, Ausgabe 11/2022

Man muss erst mal gar nicht so viele Farben bereitstellen. Kinder wollen selbst mischen und forschen

Kleidung, Möbel, Bücher – alles ist bei Kindern bunter als bei Erwachsenen. Und viele Bücher und Spiele für sie drehen sich sogar explizit ums Thema Farbe: Farben erkennen, Farben zuordnen, Farben benennen. All das lernen Kinder schon im sehr frühen Alter. Aber warum eigentlich? Welche Bedeutung hat Farbe für Kinder? Obwohl der Sehsinn bei Babys von allen Sinnen am wenigsten ausgeprägt ist, erkennen bereits Neugeborene Farben, am besten knallige Töne wie Rot, und außerdem starke Kontraste. Schon im Alter von vier Monaten sind Lieblingsfarben erkennbar. Für Kinder im Krippenalter, die mit Fingerfarben, Quarkfarben, Kleister- oder Erdfarben herummatschen, spielt Farbwahl allerdings nur eine untergeordnete Rolle. „Was hier zählt, ist die Erfahrung, dass manche Dinge auf einem Untergrund eine Spur ...

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... hinterlassen, wie eben der mit Fingerfarbe eingeschmierte Finger auf einem weißen Papier“, sagt Jakobine Wierz, Autorin und Diplom-Pädagogin aus Trier. Ob das nun Spinat ist, der eine grüne Spur auf der weißen Tischdecke hinterlässt, oder rote Farbe auf einem weißen Papier, ist für die Kinder erst mal gar nicht wichtig. „Sie nehmen eher das Material wahr und erkennen, dass es sich unterschiedlich anfühlt und funktioniert“, sagt Jakobine Wierz.

Farbwirkung gekonnt einsetzen

Während einige Dinge, die wir mit bestimmten Farben verbinden, erst gelernt werden müssen, gibt es auchWirkungen von Farbe,die bereits Kinder instinktiv wahrnehmen. Sie merken zum Beispiel, dass es ihnen bei warmenFarben in ihrer Umgebung auch gleich wärmer ums Herz wird. Das Kinderzimmer sollten Sie also am besten in warmen Farbtönen gestalten. Blautöne sollten hingegen vermieden werden, da sie Kälteausströmen und eher frösteln lassen. Diese Wirkung gilt sogar für Kleidung:In roten Socken hat man automatisch wärmere Füße als in blauen – probieren Sie es einfach mal aus! Doch an der Wand kann knallrote Farbe störend wirken und sogar aggressivmachen, grüne Farbe wiederum wirkt beruhigend.

Mit Stift und Pinsel die Motorik schulen

Die Farbe kommt erst dann ins Spiel, wenn die Kinder einen Stift in der Hand halten können. Dabei gibt es natürlich Unterschiede: Zunächst werden dicke, weiche Wachsmalkreiden und Buntstifte eingesetzt, erst später können es auch dünnere Bunt- oder Filzstifte sein. Der nächste Schritt ist das Malen mit Pinsel, hier arbeiten sich Kinder ebenfalls von dicken zu dünnen Pinseln vor. Welche Malwerkzeuge sie benutzen, hängt stark von der Entwicklung ihrer Motorik ab. Mit zunehmendem Alter wird diese feiner und damit das Arbeiten filigraner. Das starke Interesse an Farbigkeit entwickelt sich mit dem Interesse an Gegenständen. Wenn Kinder erkennen, dass der Himmel blau und die Wiese grün ist, wollen sie das möglichst wirklichkeitsgetreu abbilden. Auch auf ihren Bildern muss jetzt der Himmel auf jeden Fall blau sein – und die Wiese natürlich grün. „Kinderzeichnungen oder Gemälde sind immer Zeugnis dessen, was Kinder schon gelernt haben und wissen“, sagt Jakobine Wierz.

Manches bekommt nun auf Kinderbildern seine reale Farbe zugeordnet – Experten sprechen von der Lokalfarbe –, andere Dinge können in ihrer Farbigkeit variieren. Das Gelb der Sonne oder das Blau des Wassers sind in aller Regel eindeutig, unwichtigere Dinge müssen dagegen keine bestimmte Farbe haben. Dafür benutzen Kinder dann meistens ihre aktuelle Lieblingsfarbe, zum Beispiel Pink oder Orange. So haben Häuser immer ein rotes Dach, die Farbe der Wand ist jedoch stark variabel.

Auch bei Spielzeug gilt: Hauptsache, farbig!

Je kleiner die Kinder, desto weniger ist ihre Farbdifferenzierung ausgeprägt und desto mehr folgen sie knallbunten Farben. Es fällt ihnen deswegen auch leichter, nach bunten Dingen zu greifen. Diesen Effekt nutzen auch Hersteller von Kinderprodukten – insbesondere bei Spielwaren. Die geschlechterspezifische Farbzuordnung, dass Mädchen-Spielsachen meist in Pink und die für Jungs in Blau gehalten werden, ist jedoch der Werbung geschuldet: Hier wird eher einem Bedürfnis der Eltern als einem der Kinder gefolgt. Für die Kinder ist die Eindeutigkeit der Farbe wichtig, ob Gelb oder Lila ist erst mal egal. Weil Kinder Farbkontraste so gerne mögen, ist es auch wichtig, dass man ihnen kein buntes Papier gibt, um ein farbenfrohes Bild zu malen – sonst kann die Reinheit der Malfarbe nicht mehr wirken, sie wird getrübt durch den Untergrund. Kinder wollen den sauberen Kontrast von Knallgelb zu Knallblau auf einem weißen Papier malen und bewundern.

Spielerisch die Welt der Farben entdecken

Jakobine Wierz rät, Kinder spielerisch an Farben heranzuführen und dabei erst mal gar nicht so viele Farben anzubieten. Besser ist es, die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau zur Verfügung zu stellen und Kinder selbst ausprobieren und Erfahrungen sammeln zu lassen. Sie können ganz einfach per Zufall Mischverhältnisse erkennen, selbstständig forschen und experimentieren, wie verschiedene Farben miteinander kombiniert neue Farben ergeben. Auch die Erfahrung, dass bei zu vielen Farben ineinandergemischt ein eher braunes Chaos entsteht, das vielleicht gar nicht schön ist, kann dazugehören.

Parallel dazu wird der Umgang mit Farbe natürlich auch im Kindergarten gezielt gefördert. Hier nutzen die Erzieherinnen verschiedene, einfach umzusetzende Möglichkeiten. Zum Beispiel lassen sie die Kinder mit Gegenständen aus dem Raum einen Farbkreis legen. So kann man gemeinsam herausfinden und erfahren, wie Farben ineinander übergehen. Wer sich als Erzieher oder Elternteil ein wenig auf wissenschaftlicher Ebene informiert, kann mit Kindern auch darüber sprechen, wie Farben im Farbkreis (nach Itten oder Goethe) angeordnet sind. Das schärft den Blick für Variationen und Unterschiede.

Wenn Kinder malen, geht es darum, dass sie sich die Umgebung bildlich erobern und mit zunehmendem Alter so detailgetreu wie möglich festhalten wollen

Eltern können mit ihren Kindern auch ganz spielerisch und unkompliziert das Erkennen und Benennen von Farben trainieren: Dazu eignen sich altbewährte Spiele wie „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Eine andere Möglichkeit ist, das Kind auf dem Spielplatz oder zu Hause aufzufordern, möglichst viele Gegenstände einer Farbe zusammenzusuchen („Bring mir mal ganz viele grüne Sachen!“). Oder, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: beim Aufräumen mal ein neues Konzept anwenden und alle grünen Spielsachen in einer Kiste, alle roten in einer anderen verstauen.

Wenn die Maltechnik wichtig wird

„Im Schulalter entwickeln Kinder beim Malen einen neuen Anspruch: die Umgebung ganz genau abzubilden und dabei auch Schatten und Perspektive zu berücksichtigen“, sagt Jakobine Wierz. Mitunter entwickelt sich sogar ein gesteigertes Interesse an Maltechniken, das sich auch auf weitere Farbmaterialien beziehen kann: So können sich die jungen Künstler z. B. für Tempera-, später sogar Öl-, Druck- oder Aquarellfarbe begeistern.

Und noch ein wenig später? Mit einem Blick in Modekataloge oder auf die Straße erkennt man schnell, dass Jugendliche sich stark einheitlich kleiden. Sie greifen im Gegensatz zu Kindern nicht mehr zum leuchtend gelben Pullover, sondern eher zum dezent graumelierten. Natürlich orientieren sie sich jetzt auch an neuen Vorbildern wie der Lieblingssängerin oder dem Lieblingsschauspieler. Dieses Phänomen lässt sich mittlerweile auch schon bei jüngeren Kindern beobachten: Die Vorbilder Prinzessin Lillifee oder Eiskönigin Elsa wirken bereits im Kindergarten und in der Grundschule.

Symbolik: Welche Farbe stellt „süß“ dar?

Farben werden bei uns immer mit bestimmten Dingen assoziiert. Das ist teilweise kulturell bedingt, teilweise hängt es aber auch an individuellen Erfahrungen und Empfindungen: Wenn Kinder aufgefordert werden, mit Farbe darzustellen, wie „süß“ aussieht, kann es zu verschiedenen Ergebnissen kommen. Ein Kind malt pink, ein anderes orange und ein drittes braun. Dann ist es wichtig nachzufragen, wieso sich die Kinder für die eine oder die andere Farbe entschieden haben. Ein Kind nascht am liebsten Orangen-Bonbons – klar, dass „süß“ dann orange aussieht. Mag es am liebsten Schokolade, ist Braun die Farbe der Süße. Diese individuelle Farbwahrnehmung basiert auf persönlichen Erfahrungen.

Ähnlich verhält es sich, wenn Kinder einen Ton oder ein Geräusch malen sollen. Der Klang einer Triangel wird dann zum Beispiel rot gemalt, weil er als grell empfunden wird, oder gelb, weil er so hell ist. Später kommt hinzu, was man gelernt hat: Rot steht für Gefahr, Grün für Hoffnung, Schwarz für Trauer. Wichtig ist, dass man mit Kindern darüber spricht, warum sie diese Farbe einem konkreten Geschmack zuordnen oder jene einem bestimmten Ton.

Vorsicht bei dem Versuch, aus Kinderbildern konkrete Schlüsse zu ziehen!

Auskunft über die motorische Entwicklung

Verstecken sich also in Kinderbildern generell bestimmte Aussagen? Hier rät Jakobine Wierz zu Vorsicht: „Aus einem Kinderbild kann man natürlich etwas ablesen, vor allem aber kann man darin erkennen, was das Kind bereits fein- und grobmotorisch gelernt und welche Techniken es angewendet hat.“ Weitere Schlüsse sollten aus Kinderzeichnungen jedoch allenfalls gezogen werden, wenn sich bestimmte Bearbeitungsmerkmale häufen und ständig wiederholen. Erst dann kann man sich die Frage stellen, ob eventuell etwas nicht stimmt.

Um Missverständnisse auszuräumen, ist es wichtig, beim Kind nachzufragen, was denn dieses oder jenes bedeuten soll. Jakobine Wierz erzählt von einem Beispiel: Ein Kind malt ein farbenfrohes Bild mit vielen bunten Gegenständen. Am Schluss übermalt es plötzlich alles mit Schwarz. Auf Nachfrage erklärt das Kind, dass ein Gewitter aufgezogen und deswegen alles dunkel geworden sei. Die schwarze Farbe hat hier also nichts mit einem schlimmen Vorfall zu tun. Das Kind wollte lediglich von einem Gewitter berichten, das es erlebt hat. Kinder erzählen eben gerne von ihren Erlebnissen und Dingen, die sie beeindrucken. Auch durch bunte Bilder.