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FAST wie FRÜHER


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Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 10.11.2021

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„UNSER GEIST KANN UNS AN ZIEMLICH FINSTERE ORTE FÜHREN...

MICHAEL POULSEN

M ichael, das neue Studioalbum SERVANT OF THE MIND ist während des Lockdowns 2020 entstanden. Wie genau hat sich seine Entwicklung gestaltet?

Uns erging es wie allen anderen auch:Eigentlich waren wir kurz davor, auf Tour zu gehen. Doch dann kam dieser Anruf, dass aufgrund der Pandemie alles abgesagt wird. Wir warteten, und ein paar Monate später wurde wiederholt alles abgesagt. Auch wenn ich die Zeit mit meiner Familie genossen habe und ich nicht groß deprimiert war, weil ich wusste, dass es irgendwann sicher wieder auf Achse gehen würde, war das insgesamt natürlich eine eher traurige Zeit. Man trug Sorge um Familie und Freunde, und die ganze Welt war im Begriff, sich zu verändern. Schließlich sagte ich aufs Blaue hinaus – und ziemlich großspurig – zu unserem Management, dass ich dann eben einfach ein neues Album schreiben ...

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... würde. Und sie entgegneten: perfekt! Erst daraufhin fiel mir auf, was ich mir eingebrockt hatte. (lacht) Es war eine Herausforderung, da es sonst nichts zu tun gab.

Inwieweit unterschied sich diese Albumarbeit unter den bekannten besonderen Umständen von der gewohnten?

Ich habe alle Songs, die Musik, die Texte und alle Gitarren-Parts innerhalb von drei Monaten geschrieben. Anschließend waren wir für zweieinhalb Wochen im Studio. Die Ergebnisse haben wir dann Rob (Caggiano, Gitarrist) rübergeschickt, der in New York saß und ihn gebeten, ein paar Soli einzuspielen. Der Plan war, mit der neuen Platte in der Hinterhand nach Pandemieende direkt wieder auf Tour zu gehen. Niemand konnte ahnen, dass sich alles so lange hinziehen würde. Jetzt kommt das Album im Dezember auf den Markt, wobei es schon im Dezember letzten Jahres im Kasten war. Normalerweise brauchen wir für ein neues Album anderthalb Jahre, weil die Aufnahmen immer von Tourneen unterbrochen sind. Diesmal war ich total inspiriert, bin alles spontan angegangen und in meiner Blase geblieben. Ich hatte großen Spaß daran, zu Hause die Akustische und meine alte Gibson-Gitarre auszupacken und die Lautstärke auf elf zu drehen. Ohne groß darüber nachzudenken, ist das Ganze deutlich härter ausgefallen.

Wie ging es nach den heimischen Songwritingsessions weiter?

Ich probte mit Kaspar (Boye Larsen, Bassist) und Jon (Larsen, Schlagzeuger) zweimal die Woche und sie waren aus dem Häuschen, dass ich jedes Mal einen neuen Song anschleppte. Es war ein bisschen wie früher, als es mit der Band losging. Damals hatten wir noch nicht ständig Konzerte geplant und auch keine Jobs, sondern uns im Proberaum verschanzt und Songs geschrieben, in der Hoffnung, sie eines Tages live zu spielen. Ähnlich haben wir uns wieder gefühlt. So wie mit 18, 19. Entsprechend sind die Einflüsse diesmal ziemlich metallisch. Die Arbeit mit Jacob Hansen (Hausproduzent – Anm.d.A.) verlief auch recht spontan und zügig, wie in den Anfangstagen. Es gibt nicht zu viele Spuren und Schichtwerk auf der Scheibe. Wir haben keine Zeit vergeudet.

Als REWIND, REPLAY, REBOUND vor zwei Jahren herauskam, erwähntest du im Vorfeld, dass ihr eine EP mit härteren, metallischeren Nummern geplant hättet. Von diesem Material kam auf SERVANT OF THE MIND aber nichts zur Verwendung, oder?

Nein, diese EP-Songs haben wir noch immer in der Hinterhand, auch wenn noch nichts davon aufgenommen ist. Das gehen wir an, wenn wir Lust darauf haben. Bei den letzten Alben, die wir gemacht haben, war die erste Intention immer, dass es heavy und metallisch ausfallen soll. Aus irgendwelchen Gründen wurden es dann aber stets eher Rock-lastige Alben. Diesmal sind wir im Härtemodus geblieben.

„ICH HABE ALLES INNERHALB VON DREI MONATEN GESCHRIEBEN.

MICHAEL POULSEN

Zwei Songs fallen etwas aus dem härteren Rahmen heraus...

‘Wait A Minute My Girl’ ist ein purer Rock’n’Roll-Song mit Fünfziger-Feel, inklusive Saxofon und Piano (erneut eingespielt von den JD McPherson-Bandcracks Doug Corcoran sowie Raynier Jacildo – Anm.d.A.). Und dann haben wir noch den Pop-Rock-Song ‘Dagen Før’. Beide haben wir als Singles veröffentlicht, die eher in eine Rock-Richtung gehen. Es sind beides auch Songs, die ich schon im Zuge der REWIND, REPLAY, REBOUND-Sessions geschrieben, aber noch nicht vollendet hatte. Sie im Sommer als Singles rauszubringen, war gutes Timing. Die Leute brauchten damals etwas positive Energie. Außerdem war es gut, sie vorauszuschicken, da der Rest des Albums doch recht anders ist und mehr die harte Gangart einschlägt.

Man kann auf jeden Fall einen Neunziger-Metallica-Vibe heraushören. Ihr habt mit einem Cover von ‘Don’t Tread On Me’ kürzlich euren Beitrag zum METALLICA BLACKLIST-Mammut- Sampler geleistet. War das eventuell auch eine Inspiration für euch?

Wir sind schon immer von Metallica inspiriert, und das neue Album war bereits fertig, als wir den Anruf bekamen, ob wir nicht Teil der BLACKLIST-Sache sein wollten. Davon abgesehen hatten frühe Metallica-Songs genauso wie ihr Schwarzes Album einen Einfluss auf das neue Material. Dazu gesellten sich noch die Black Sabbath der Ronnie James Dio-Ära und sogar ein paar Old School-Death Metal-Sachen, The Cramps und ein bisschen Psychobilly. Würde ich jetzt die Gitarre wieder in die Hand nehmen und das nächste Album angehen, würde das wohl wieder in eine ähnlich harte Richtung gehen.

War REWIND, REPLAY, REBOUND zum Teil von Kindheitserinnerungen bestimmt, weisen die neuen Stücke textlich eher eine mythologische und spirituelle Prägung auf...

Der Albumtitel SERVANT OF THE MIND drückt in gewisser Weise meine Sicht auf die Menschheit aus. Wir sind alle Diener unserer eigenen Denkweisen. Unser Geist kann uns an ziemlich finstere Orte führen, die wir eigentlich lieber nicht aufsuchen sollten, was schon recht furchteinflößend sein kann. Genauso aber kann er uns in wunderschöne Welten führen, wo man das Leben und seine positiven Seiten zu lieben und schätzen weiß. Ich denke, das Album spiegelt das wider und repräsentiert diese beiden Zustände, die ich in der Vergangenheit und Gegenwart erfahren habe. Es gibt also ein paar echt düstere Texte auf der Platte, genauso aber welche, die viel positive Energie und Lebenslust versprühen. Ich bin nicht religiös und unterstütze keine Religion, bin aber ein sehr spiritueller Mensch und glaube an die spirituelle Welt. Innerhalb dieser gibt es genauso schöne wie schreckliche Orte.

Das bereits erwähnte ‘Dagen Før’, ein Duett mit der dänischen Sängerin Stine Bramsen von der Band Alphabeat, entstammt musikalisch wie textlich eher der von dir angesprochenen Sonnenseite des Lebens. Der Song hat zudem fast schon etwas von japanischer Pop-Musik, er könnte Titelsong einer Anime-Serie sein...

Das ist das erste Mal, dass ich das höre. Danke. Das werde ich künftig verwenden, um uns zu promoten: Wir klingen japanisch! (lacht) Nein, ich weiß, worauf du anspielst. Ich mag Stines Stimme und hatte diesen halbfertigen Song mit ihr im Hinterkopf fast vergessen. Meine Verlobte brachte mich wieder darauf. Also habe ich mich noch mal rangesetzt und ihn in einer halben Stunde fertiggestellt.

Apropos Japan: Mir war bislang seltsamerweise entgangen, dass es ein Pokémon namens Volbeat gibt...

Oh ja, das wurde mir schon vor sehr vielen Jahren bewusst gemacht. Ich arbeitete damals tagsüber noch als Förderlehrer an einer Schule. Die Schüler fragten mich, was ich in meiner Freizeit treibe, und ich erzählte ihnen, dass ich in einer Band spiele. Als ich ihnen deren Namen verriet, fingen sie an zu lachen. Ich dachte mir, was stimmt mit denen denn nicht, das ist doch ein cooler Name, diese wörtliche Vermischung aus Lautstärke und Rhythmus. Sie zeigten mir dann im Internet das Pokémon. Ich dachte daraufhin nur: Wenn Kids der Name schon ein Begriff ist, ist das vielleicht gar nicht so schlecht. Zum Glück waren wir früh dran mit der rechtlichen Namenssicherung – Pokémon kann uns also nichts anhaben. Eine andere witzige Anekdote in diesem Zusammenhang hat sich auf unserer ersten gemeinsamen US-Tour mit Metallica zugetragen: Als wir am ersten Tag unseren Garderobenraum suchten, hatte James Hetfield schon ein großes Poster mit der Volbeat-Pokémon-Figur an dessen Tür gepinnt. (lacht)

Dieses Jahr steht euer zwanzigstes Band-Jubiläum an. Große

„DIESMAL SIND WIR IM HÄRTEMODUS GEBLIEBEN .

MICHAEL POULSEN

Feierlichkeiten waren leider nicht möglich, nicht wahr?

Nein, wir hatten auch nichts geplant, weil sich die Pandemie dem komplett in den Weg gestellt hat. Nun müssen wir eben warten und dann zum 30-Jährigen ein echt großes Fass aufmachen!

Gibt es ein paar Errungenschaften in eurer bisherigen Karriere, die du dir vor zwanzig Jahren nicht zu erträumen gewagt hättest?

Eigentlich alles. Anfangs war eine Band Ausdruck des Andersseins, weil wir uns nicht in der Schule verwirklicht sahen, sondern beim Musikmachen. Danach war alles, von der ersten Show, die wir gespielt haben, bis zu der letzten vor ein paar Wochen, einfach nur vollkommen atemberaubend.

Anfang nächsten Jahres spielt ihr mit Ghost eine große US-Doppel- Headlinertour. Eine interessante Konstellation – auch im Hinblick darauf, dass ihr beide als skandinavische Bands in den USA sehr erfolgreich seid und überhaupt zu den letzten Bands nach der Jahrtausendwende zählt, die es geschafft haben, mit jedem ihrer Alben größer zu werden...

Es steckt kein Geheimrezept dahinter, aber ist in der Tat spannend, dass zwei skandinavische Bands dazu imstande sind, in den Staaten solch ein großes Publikum anzuziehen. Es hat meiner Ansicht nach etwas mit der Eigenständigkeit zu tun, die beide Bands besitzen. Das Gros der aktuellen amerikanischen Bands klingt sehr gleich. Es gibt viele tolle Gruppen dort, keine Frage, aber das ist alles schon sehr gleichförmig. Die Amis mögen es scheinbar, dass wir und Ghost dem Rock und Metal einen eigenen speziellen Dreh verpassen, zugleich aber hörbar ist, dass wir beide von Amerika inspiriert sind. Dazu kommt wohl auch noch, dass beide Bands in Stilfragen stets sehr stur geblieben sind und wir uns unseres jeweiligen Sounds und Auftretens immer sicher waren – ohne dabei zu versuchen, wie all die anderen zu klingen.

FRANK THIESSIES