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Faszination Angeln: SPINNFISCHEN: Mit Leichtigkeit zu Pollack & Co.


Kutter & Küste - epaper ⋅ Ausgabe 73/2018 vom 09.10.2018

Beschlossene Sache: Auf der gemeinsamen Ferientour nach Norwegen kommen nur Spinnruten ins Gepäck – so haben esRAINER KORN und seine SöhneJONAS undMILAN abgesprochen. Das Experiment sorgte für einige Überraschungen …


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Bruderhilfe: Jonas landet einen starken Pollack von Milan.


FOTOS: R. KORN

Prachtvolle Pollackbrocken von Vikna .


Drei Minuten! Da waren wir 11 Stunden von Oslo aus gefahren und nun das: Da verpassen wir die kleine Fähre um genau drei Minuten. Am Pier angekommen, sehen wir sie noch Fahrt aufnehmen. Es ist 22 Uhr und es ist die letzte für heute gewesen. Dabei hätten wir die Fähre gar ...

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... nicht zu nehmen brauchen! Blödes Navi, das uns diese Strecke präsentiert hat. Erst in Namsos verrät das Gerät, das wir in 45 Kilometern eine Fähre nehmen müssen. Ein hektischer Blick aufs Smartphone verrät uns, dass wir dafür nur noch 35 Minuten haben, sonst ist die letzte Fähre des Tages eben weg. Eine Horde Rentiere, ein Elch sowie jede Menge Schafe auf der Straße bremsen uns aus – das ist nicht mehr zu schaffen. Übernachtung im Auto ist angesagt. Eine kleine Unterwegs-Angelbox mit ein paar Spinnern, Twistern und Blinkern wird auf einen Holzsteg verfrachtet, die bereit liegenden Spinnruten für „unterwegs“ sind schnell montiert. Nach dem ersten Biss ist bei meinen Jungs Jonas (20) und Milan (13) der Frust über die verpasste Fähre schon Geschichte – jetzt wird geangelt! Und so war auch der Plan für diesen besonderen Trip: Wir haben ausschließlich Spinnruten dabei, mit Wurfgewichten bis 80 Gramm sowie prall gefüllte Köderboxen, die fast nur mit Gummifischen, Twistern und Jigköpfen bestückt sind. Der Hafenort Rørvik auf der Inselkommune Vikna etwas südlich der Insel Leka ist unser Ziel, das wir dann hoffentlich am nächsten Tag recht früh erreichen sollten…

Pollackhausen liegt bei Rørvik

Im Vorfeld der Story hatte ich mit Mitarbeitern von DinTur Deutschland gesprochen, welches Revier sich ihrer Meinung nach am besten zum leichten Spinnfischen eignete. „Rørvik – da müsst ihr hin“, war die klare Ansage von Matthias Müller und Andree Hörrmann. Auch K&K-Autor Sebastian Rose war schon dort gewesen. Er hatte einen Revierbericht für K&K 71 angefertigt und hatte ebenfalls von den „Pollackhügeln“ geschwärmt. Also hatten wir uns dieses Revier ausgesucht und steuern nun Mitte Juli die ersten verdächtigen Plätze an. Wir haben verschiedene Spinnruten dabei, ältere Modelle, die schon so manche Tour erlebt haben, wie die Bloody von Hart, ein echter Allroundstock, kurz, asymmetrisch geteilt überm Griff. Aber auch Neuheiten wie die Sportex Curve Spin mit 60 Gramm Wurfgewicht und 2,40 Meter Länge. Oder den Prototypen einer neuen Pollackrute aus dem Hause MB-Fishing. Wir wollen viel ausprobieren und sind heiß wie Frittenfett.

Als Köder kamen ausschließlich Gummifische an leichten Jigköpfen zum Einsatz.


Pollackparadies: die unzähligen Plateaus und Berge vor Rørvik.


Fische satt! Das Echo platzt förmlich vor Seelachs und Pollack.


Den größten Fisch der Tour konnte Rainer Korn verhaften: Der 1,06-Meter-Seelachs machte ordentlich Krawall an der Spinnrute.


Berge der Sehnsucht

Die unzähligen Unterwasserberge und -plateaus südwestlich Rørviks sind unser erstes Ziel. Unsere Köder: der Wedge Tail Zander (Version 2) von Egret Baits, verschiedene Kopytos von Relax (Classic und River), Shaker von Lunker-City, Fat Swing Impact von Keitech und noch einige Spezialitäten mehr – zumeist im klassischen Pollackformat zwischen acht und 12 Zentimetern. Als Rollen dienen 3000er und 4000er Modelle, bespult mit Geflochtenen zwischen 0,10 und 0,14 Millimetern. Monofile Vorfächer von 0,45 Millimeter sind per Albrightknoten direkt ans Geflecht geknotet. Als Einhänger dienen die praktischen Fastach-Einhänger, in die die Köder nur schnell hineingedreht werden. So ist blitzschneller Köderwechsel möglich und auch Jigköpfe mit sperrigen Ösen sind rasch montierbar.

Milan mit einem der vielen Tangdorsche in Top-Kondition.


Wir treiben über den ersten Berg, der so flach ist, dass wir dank unserer Polbrillen das Kraut über ihm gut erkennen können. Sofort die erste Attacke! Mein jüngster drillt einen strammen Pollack, der aus dem Kraut heraus auf den Köder geschossen war. Na, das geht ja gut los! Und es geht gut weiter. Auch Jonas und ich drillen nun unsere ersten Fische – alles klasse Pollacks zwischen 50 und 70 Zentimeter. Was für ein Auftakt. Nach einigen Driften lassen die Bisse merklich nach. Das kenne ich vom Pollackangeln: Als wenn die Unruhe der Attacken und Drills und nicht zuletzt des Motorbootes sich auf das Beißverhalten der Fische auswirkt. Also wechseln wir den Platz. Das fällt angesichts der unzähligen Plateaus und Unterwasserberge nicht wirklich schwer. Nächster Berg, die nächsten Fische. Bisse im Minutentakt. Seltsam, dass kein einziges anderes Boot in der Nähe ist. Das gesamte Superrevier, das einige Quadratkilometer umfasst, beangeln wir ganz allein. Wir fragen uns, wo die anderen Gäste unser Anlage und die anderer Ferienhäuser wohl angeln. Bei uns geht’s weiter Schlag auf Schlag. Nun lasse ich uns bewusst hundert Meter weiter treiben, um über die Bergkante zu angeln. Schnell sind 50, 60 Meter Tiefe erreicht. Ich werfe meinen Kopyto Classic weit in die Abdrift zum Berg und lasse ihn absinken. Dann hole ich ultralangsam ein. Der Schnurwinkel ist super flach, genau, wie es die Pollacks lieben. Mitten im Freiwasser, irgendwo hinterm Berg, steigen nun die besseren Pollacks fast auf Ansage ein. Auch vor Vikna gilt die alte Pollack-Regel: Die größere Exemplare stehen gern im Freiwasser etwas vom Plateau entfernt.

Fisch satt

Die ersten drei Tage wildern wir mit unseren Spinnruten in den Pollacks. Niemand an Bord vermisst schwereres Gerät, die leichte Angelei, fast wie zuhause am See auf Hecht und Barsch, hat uns vollkommen in den Bann geschlagen. Vor allem wer mit kleineren Kindern auf dem Nordmeer unterwegs ist, für den eignet sich Spinnfischen einfach perfekt. Zur Not, wenn’s mit dem Werfen noch hapert („Papa, ist das dein Ohrläppchen an meinem Haken?“), brauchen die Gummiköder auch einfach nur an der Bordwand abgelassen zu werden. Beim langsamen Hochkurbeln donnern Pollacks drauf, beim Zuppeln am Grund Dorsche.

Nach drei Tagen im Südwesten wollen wir den Norden erkunden. Das ist wirklich praktisch an Rørvik: Je nach Windrichtung fährt man Richtung Norden oder Süden aus dem langen Sund heraus. Weht’s gar allzu heftig, fischt man eben im Sund, der es zuweilen so richtig in sich hat – das sollen wir auch noch mitbekommen…

Seelachs-Berge

Wir nehmen uns die spannend aussehenden Plateaus im Norden Viknas vor. Das Echolot zeigt Fisch ohne Ende – vor allem halbstarke Seelachse. Das passt prima, ein paar Köhlerfilets wollten wir sowieso noch mitnehmen. Vor allem die Kopyto Classic in elf Zentimetern an 40-Gramm-Köpfen sind der Knaller. Unsere Top-Farben: Reinweiß-Schwarz (002), Kristall-Glitter-Schwarz (065) und Crawfish-Violett-Electricblue-Glitter (175) – dieser UV-aktive, bei Tageslicht eher unscheinbar aussehende violette Gummifisch mutiert im Wasser zu einem beige scheinenden Shad in Krebsfarbe (deswegen trägt er auch das Wort Crawfish, zu Deutsch Krebs, in seinem Namen!). Im Lesertest holte sich diese Farbe eine Goldmedaille (Ergebnis in K&K 64, Seite 44). Jonas drillt am leichten Gerät gekonnt einen 1,03 Meter langen Seelachs aus – ein fetter Fisch mit breitem Rücken, ein echter Havsei*. Dieser biss auf einen weißen Kopyto 4“. Am nächsten Tag bekomme ich an derselben Stelle noch einen 1,06 Meter langen Köhler ans Band – übrigens auf einen elf Zentimeter langen Kopyto Classic 175.

An den leichten Spinnruten machte jeder Drill doppelt Spaß.


Den letzten Angelabend wollen wir gemütlich im Haussund ausklingen lassen, doch das gemütlich müssen wir bald gegen das Wort „Wahnsinn!“ austauschen. Köhler und Pollacks rauben wie von Sinnen, oft an der Oberfläche. Es ist schon fast dunkel, als das große Fressen losbricht. Wir drillen wie im Rausch. Setzen viele Fische wieder zurück, weil unsere Kühlbox nur noch wenig Luft hat. Als hätte ich eine Ahnung gehabt, hatte ich ein paar Oberflächenwobbler, sogenannte Popper, mit eingepackt. Wie verrückt stürzen sich die Fische auf den blubbernden Köder an der Oberfläche, die Bisse jagen Adrenalin durch die Adern. Ich kann meine ersten Norwegenfische auf Popper fangen, Seelachse bis 70 Zentimeter und Pollacks bis über 60. Kurz vor Toreschluss will mein Jüngster auch noch seinen Fisch auf Popper. Kurz vor dem Boot stürzt sich plötzlich ein Kapitaler auf den Köder. Ein irrer Tanz beginnt, dann liegt ein 96 Zentimeter langer Pollack vor dem Boot. Im Wasser vermessen wir den Brocken und lassen ihn sofort wieder schwimmen. Auch jetzt noch, einige Wochen nach dieser Tour, reden meine Jungs und ich oft von diesem verrückten Abend vor Rørvik. Das ist das Wunderbare am Angeln: Egal, wie groß der Altersunterschied ist, ob Opa, Vater, Bruder, Sohn oder Schwester – Angeln schweißt zusammen und die Erlebnisse bleiben erhalten, oft über Jahrzehnte. Noch heute kann ich mich genau daran erinnern, wie ich als Steppke meinen Vater Anfang der 70er Jahre zum Angeln an seinen „Kiessee“ begleitete – oft mit meiner Schwester. Wie ich meinen ersten Hecht fing, unglaubliche 35 Zentimeter lang und meine Schwester und ich erst dachten, wir hätten eine Schlange gefangen… Da weiß ich, dass meine Söhne auch noch in vielen Jahren an unsere zahlreichen, einmaligen Angelerlebnisse denken werden – das ist eine der großen Faszinationen des Angelns. Und an den verrückten Abend vor Rørvik im Juli 2018, als uns die Fische tatsächlich fast ins Boot sprangen.

QR-Code scannen und Rainer Korns Filmbericht über seine „Light Tackle“- Tour nach Rørvik anschauen.


* Havseis sind starke, große Köhler, die im Sommer und Frühherbst von der offenen See in Küstengebiete ziehen, um zu fressen.

REISEN NACH RØRVIK

Rørvik liegt rund 800 Straßenkilometer nördlich Oslos. Fahrzeit Oslo-Rørvik: ca. 12 Stunden. Die Anlage Rørvik Rorbuer liegt direkt im Hafen des Städtchens Rørvik. Supermarkt und Angelladen sind zu Fuß erreichbar. Acht gepflegte und komfortable Apartments bieten Platz für je 4-6 Personen. Gepflegte GfK-Boote zwischen 18 und 22 Fuß, motorisiert mit Außenbordern zwischen 40 und 115 PS, stehen bereit. Alle Boote sind mit Echolot, GPS und Plotter ausgestattet. Anlagenbetreiber Trond ist ehemaliger Fischer, kennt sich bestens im Revier aus, angelt selbst in jeder freien Minute und spricht sehr gut Englisch.

Die Inselkommune Vikna mit ihrem Hauptort Rørvik liegt 300 Kilometer nördlich Trondheims.


Rørvik Rorbur und ein Teil der sehr guten Bootsflotte.


Praktisch: In der Marina gibt’s eine Bootstankstelle.


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Diese Reise wurde von DinTur unterstützt. Über den Inhalt der Reportage entscheidet allein die Redaktion.