Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

FED CUP: ”WIR SOLLTEN AUCH IN RICHTUNG ZUKUNFT SCHAUEN


tennisMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 40/2020 vom 16.03.2020

Sein Einstand als Fed Cup-Kapitän verlief erfolgreich. Im Gespräch mit tennis MAGAZIN spricht Rainer Schüttler über seine neue Aufgabe, das Finalturnier in Budapest und seine Zusammenarbeit mit Angelique Kerber


Artikelbild für den Artikel "FED CUP: ”WIR SOLLTEN AUCH IN RICHTUNG ZUKUNFT SCHAUEN" aus der Ausgabe 40/2020 von tennisMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: tennisMAGAZIN, Ausgabe 40/2020

TEAMPLAYER: Rainer Schüttler spielte acht Jahre für das deutsche Davis Cup-Team. Nun will er die Fed Cup-Damen zum Erfolg führen.


Herr Schüttler, Sie haben Ihr erstes Match als Fed Cup-Kapitän mit 4:0 in Brasilien gewonnen. Welches Fazit ziehen Sie nach Ihrem Debüt?
Es war eine gute Woche in Florianopolis. Die Stimmung im Team war super. Es war etwas schade, dass Angelique Kerber und Andrea ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von tennisMAGAZIN. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 40/2020 von KULISSE AM KAP. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KULISSE AM KAP
Titelbild der Ausgabe 40/2020 von TOPS & FLOPS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TOPS & FLOPS
Titelbild der Ausgabe 40/2020 von NACHGEFRAGT BEI MANDY MINELLA: „ICH BEKOMME VIELE KOMPLIMENTE“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NACHGEFRAGT BEI MANDY MINELLA: „ICH BEKOMME VIELE KOMPLIMENTE“
Titelbild der Ausgabe 40/2020 von TITELSTORY: BYE BYE, MARIA. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TITELSTORY: BYE BYE, MARIA
Titelbild der Ausgabe 40/2020 von DAVIS CUP: EINER RAGT HERAUS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DAVIS CUP: EINER RAGT HERAUS
Titelbild der Ausgabe 40/2020 von LEUTE PORTRÄT: ZAUBER-LEHRLING. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LEUTE PORTRÄT: ZAUBER-LEHRLING
Vorheriger Artikel
DAVIS CUP: EINER RAGT HERAUS
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel LEUTE PORTRÄT: ZAUBER-LEHRLING
aus dieser Ausgabe

... Petkovic verletzungsbedingt nicht zur Verfügung standen. Bei Julia Görges stand vorher schon fest, dass sie einen anderen Turnierplan hat. Gegen Brasilien waren wir in der Favoritenrolle, dies wird in Budapest anders sein. Der Druck auf uns war aber groß, weil jeder von uns den Sieg und die Qualifikation für das Finalturnier erwartet hat. Die Spielerinnen und das gesamte Betreuerteam haben ihre Sache richtig gut gemacht. Es ist immer schön, als Team unterwegs zu sein. Das war einer der Gründe, warum ich das Kapitänsamt angenommen habe. Für mich als Kapitän war es insgesamt ein toller Einstand.

Werden wir beim Finalturnier in Budapest das stärkstmögliche Team sehen? Also mit Angelique Kerber und Julia Görges?
Angie wäre auch gerne in Brasilien dabei gewesen. Sie hat bereits gesagt, dass sie in Budapest spielen möchte. Ich gehe davon aus, dass wir mit der stärksten Mannschaft nach Ungarn reisen werden.

Wie halten Sie von dem neuen Modus im Fed Cup?
Ich war und bin ein Fan vom Fed Cup und Davis Cup mit Heim- und Auswärtsspielen mit der besonderen Atmosphäre. Wir müssen schauen, wie es sich beim Finalturnier in Budapest entwickelt. Die Davis Cup-Finalrunde in Madrid habe ich etwas im Fernsehen verfolgt und freue mich, nun selbst meine Erfahrungen zu sammeln. Generell ist der Fed Cup immer etwas Besonderes, weil man für sein Land spielt, genauso wie auch bei Olympia. Das hat einen ganz anderen Stellenwert sowie eine völlig andere Dynamik. Es wird bestimmt ein tolles Turnier. Die große Frage wird sein, ob man das besondere Fed Cup-Flair erzeugen kann und Fangruppen aus allen Ländern nach Budapest kommen. Für uns als Team wäre es schön, wenn viele deutsche Fans nach Ungarn reisen würden.

Deutschland ist beim Finalturnier in Budapest in einer Gruppe mit Tschechien und der Schweiz. Wie ist Ihre Einschätzung zur Auslosung?
Die Gruppe ist sehr schwer. Tschechien hat mit Karolina Pliskova, Petra Kvitova und Marketa Vondrousova drei Top 20-Spielerinnen. Dazu mit Barbora Strycova eine überragende Doppelspielerin. Die Tschechinnen haben nicht ohne Grund den Fed Cup im letzten Jahrzehnt sechsmal gewonnen. Bei der Schweiz ist Belinda Bencic dabei. Die Gruppe ist was völlig anderes im Vergleich zu Brasilien. Ich hoffe, dass wir mit der besten Mannschaft spielen können. Dann haben wir auch gute Chancen in der Gruppe.

Ist es fair, dass Ungarn als Gastgeber ohne Topspielerin im Einzel eine Wildcard bekommen hat?
Ich finde schon. Bei anderen großen Events ist es ebenfalls der Fall, dass der Gastgeber unabhängig von der Spielstärke automatisch dabei ist. Wenn sie nicht gut genug sind, werden sie die Vorrunde ohnehin nicht überstehen.

Hat der neue Modus eine Rolle gespielt bei Ihrer Entscheidungsfindung, das Kapitänsamt zu übernehmen?
Das hat keine Rolle gespielt. Ich habe mir zunächst die Frage gestellt: Habe ich Spaß daran? Das habe ich klar mit Ja beantwortet. Die zweite Frage war: Schaffe ich es zeitlich? Ich bin ja zudem beim ATP-Turnier in Genf involviert. In einigen Gesprächen mit dem Deutschen Tennis Bund haben wir schnell bemerkt, dass es kein zeitliches Problem geben wird. Außerdem habe ich mit Barbara Rittner und dem Trainer Dirk Dier ein tolles Team um mich, das mich tatkräftig unterstützt.

HALLO FINALTURNIER: Das Team um Kapitän Rainer Schüttler, Tatjana Maria, Laura Siegemund, Anna-Lena Friedsam und Antonia Lottner präsentierte sich in Florianopolis als Einheit.


Wie sieht Ihre Zielsetzung als Fed Cup-Kapitän aus?
Das nächste große Ziel ist es, so gut wie möglich abzuschneiden in Budapest. Wir sollten auch in Richtung Zukunft schauen und ein Team langsam aufbauen, das nach der aktiven Zeit von Angie, Julia und Andrea ebenfalls erfolgreich sein kann.

Mit Kerber, Görges, Siegemund, Maria, Petkovic sind die besten deutschen Spielerinnen über 30 Jahre alt. Ist dieses Jahr in Budapest die letzte große Chance, in absehbarer Zeit um den Titel im Fed Cup mitzuspielen?
Im Sport weiß man es nie. Anna-Lena Friedsam war lange Zeit verletzt und hat bereits bewiesen, wie gut sie spielen kann. Auch Antonia Lottner hat sich im Fed Cup bewährt. Bei den Australian Open hatten wir mit Alexandra Vecic eine Juniorin im Halbfinale. Es kann alles sehr schnell gehen im Tennis, dass jemand nachkommt und man plötzlich doch kein Nachwuchsproblem hat. Ich würde die Situation nicht allzu schwarzmalen. Wichtig ist, dass man die jungen Spielerinnen, die eine Chance haben, dabei fördert, nach oben zu kommen.

Was für ein Typ Führungsperson sind Sie?
Es ist immer sehr schwer, sich selbst zu beschreiben. Ich lasse das lieber andere für mich machen.

Sie waren ein gutes halbes Jahr Trainer von Angelique Kerber. Ist das ein Vorteil bei Ihrer Rolle als Fed Cup-Kapitän oder birgt das auch Konfliktpotential?
Konfliktpotential hat meine Kapitänsrolle gar nicht, weil Angie und ich unsere Trainer-Spieler-Beziehung freundschaftlich beendet haben. Die Ergebnisse meiner Zusammenarbeit mit Angie waren weder richtig gut noch richtig schlecht. Sie stand in der Jahresweltrangliste vor Wimbledon in den Top 10. Das muss man auch festhalten. Das Zweitrunden-Aus in Wimbledon war für uns beide nicht befriedigend. Danach haben wir uns entschieden, die Zusammenarbeit einzustellen und uns über alle Dinge ausgesprochen. Angie hat mich auch dabei unterstützt, Fed Cup-Kapitän zu werden. Es gibt keine Sache, die zwischen uns steht.

Den Namen Rainer Schüttler verband man zuvor nur mit Herrentennis, auch als Turnierdirektor in Genf. Wie schwer fiel Ihnen die Umstellung von Herrentennis auf Damentennis?
Ich war vor meiner Zeit als Trainer von Angie auch als unterstützender Coach für einige Spieler tätig, für Ricardas Berankis, Vasek Pospisil und Janko Tipsarevic. Für mich war es zunächst so, dass ich lieber Männer trainieren wollte, weil ich genau weiß, was auf mich zukommt. Als Angie mich gefragt hat, ob ich ihr Trainer sein möchte, habe ich zunächst gesagt, dass ich wohl nicht der Richtige bin. Nachdem wir uns zusammengesetzt und über ein Engagement geredet haben, merkte ich schnell, dass es für mich sehr reizvoll ist, wie sie die Dinge sieht, was sie erwartet und dass ich die Sache angehen möchte. Es ist eine spannende Aufgabe, zu versuchen, bei einer Topspielerin etwas bewirken zu können. Ich habe in den acht Monaten mit Angie, inklusive Saisonvorbereitung, gemerkt, dass es große Unterschiede zwischen Damen- und Herrentennis gibt. Für mich als Mensch und als Trainer war es wichtig, diese Erfahrung zu machen. Ich denke, dass ich als Fed Cup-Kapitän ein paar Sachen anders mache, weil ich mit Angie auf Tour war, als wenn das Kapitänsamt direkt mein Einstieg ins Damentennis gewesen wäre.

Sie sind immer noch der letzte Grand Slam-Finalist im Einzel bei den Herren aus Deutschland. Wann werden Sie abgelöst?
Ich bin zunächst sehr stolz auf meine Finalteilnahme bei den Australian Open 2003, dass ich so etwas Außergewöhnliches erreicht habe. Ich wäre auch sehr froh, wenn es nach mir noch viele andere deutsche Herren geschafft hätten. Dann würde es diese Diskussion, die ich gar nicht mag, nicht geben. Wir hatten immer gute deutsche Herren. Potentielle Grand Slam-Sieger wie Boris Becker oder Michael Stich sind in allen Ländern sehr rar. Ich bin mir sicher, dass Alexander Zverev meinen Erfolg sehr bald einstellen wird. Sascha ist ein so guter Spieler und hat noch so viele Jahre auf der ATP-Tour vor sich. Er wird definitiv ein Grand Slam-Turnier gewinnen.

RESULTATE FED CUP

Brasilien -Deutschland 0:4
Pereira -Siegemund 3:6, 3:6
Ce -Maria 3:6, 6:7
Ce -Siegemund 1:6, 2:6
Pigossi/Stefani -Friedsam/Lottner 1:6, 4:6

INFOS FED CUP-FINALTURNIER

Termin: 14. bis 19. April 2020
Ort: Budapest
Belag: Sandplatz (Indoor)
Titelverteidiger: Frankreich
Teams: 12 Nationen, darunter Deutschland
Format: Vier Dreiergruppen (Deutschland spielt in einer Gruppe mit Tschechien und Schweiz). Die vier Gruppensieger ziehen ins Halbfinale ein. Ab dort gibt es K.o.-Spiele
Regeln: Pro Begegnung werden drei Partien gespielt: zwei Einzel und ein abschließendes Doppel (jeweils über zwei Gewinnsätze).
Mehr Infos: www.fedcup.com


FOTO: CLAUDIO GÄRTNER

FOTO: PORSCHE