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FEINES UPDATE


digit! - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 30.08.2019

Mit der Version 12.1.1 hat Phase One dem RAW-Workflowtool Capture One Pro nicht nur die neuesten Kamera-und Objektivunterstützungen spendiert, sondern auch die Werkzeuge für die Bildgestaltung ergänzt. Zusätzlich erhält Capture One Studio, die Unternehmensvariante des Programms, neue oder verbesserte Funktionen. Michael Marczok hat sich angeschaut, was die neuen Funktionen bei der praktischen Arbeit bringen.


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Bildquelle: digit!, Ausgabe 5/2019

V.l.n.r.: Die Varianten im neuen Rasterwerkzeug von Capture One Pro 12.1.1: Rechteckig … | … Goldener Schnitt … | … und Fibonacci-Spirale. Alle drei unterstützen die Bildgestaltung sowohl live beim ...

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... Tethered Shooting als auch auf Dateiebene.

Für Einzelnutzer von Capture One Pro 12.1.1 sind die Neuerungen für diese Version maßgebend interessant. Zunächst zum Rasterwerkzeug: In älteren Versionen gab es die Anzeige von Hilfslinien und dem Raster lediglich als Menüpunkt, einfach an oder aus bzw.eine neue Hilfslinie hinzufügen oder löschen. In der neuesten Version hat das Raster ein eigenes Werkzeug, welches wie gewohnt in einem Register untergebracht oder als schwebende Palette angezeigt werden kann. Und natürlich hat das neue Werkzeug einige Funktionen mehr, die bei der Bildgestaltung helfen sollen.

Raster satt
Es werden drei Arten von Rasterüberlagerungen angeboten. Gleich ganz oben auf der Liste ist ein einfaches Raster, welches hier „Rechteckig” heißt. Die Anzahl der horizontalen und vertikalen Linien kann frei gewählt werden. Das ist prima, wenn es zum Beispiel im Layout schon ein festes Gestaltungsraster gibt. Ein Tipp: Möchte man eine quadratische Teilung haben, so kann man einfach das Bildseitenverhältnis eingeben, also bei 3:2 gebe ich für die lange Kante 2 und dementsprechend für die kurze Kante 3 ein. Schon habe ich eine quadratische Aufteilung. Die Bezeichnungen für die Kanten sind ein wenig gewöhnungsbedürftig, ich hätte es genau anders herum bezeichnet. Die Macher der Software haben sich aber wohl nicht nach den Linien, sondern nach den aus der Rasterung entstehenden Bildteilen gerichtet, dann macht es wieder Sinn. Aber egal wie, dieses Raster hilft mir sehr bei der Ausrichtung von Horizonten oder dergleichen und bei der Positionierung meiner bildwichtigen Teile, zum Beispiel im Verhältnis zu später eingefügtem Text. Natürlich kann ich, wie auch bei den folgenden Rastervarianten, die Farbe der Gitterlinien wählen und bestimmen, ob das Raster dem Zuschnitt oder dem unbeschnittenen Bild folgt. Wenn die Objektivkorrektur eingesetzt wurde, entsteht immer ein leichter Zuschnitt und in diesem Fall könnte diese Funktion wichtig werden. Übrigens dreht sich das Raster korrekt mit, wenn ich von einem Bild im Hoch-auf eines im Querformat wechsele.

Der Goldene Schnitt
Die zweite Variante ist ein Klassiker, ein Raster nach dem Goldenen Schnitt. Der Goldene Schnitt ist ein Teilungsverhältnis einer Strecke oder einer Fläche, bei der das Ganze zum größten Teil das gleiche Verhältnis hat wie das des größten Teils zum kleinsten Teil. Die entstehende Zahl ist irrational, also nicht als Bruch ganzer Zahlen darstellbar. Es gibt übrigens keine gesicherten Belege, dass nach dem Goldenen Schnitt komponierte Kunstwerke wirklich als besonders ansprechend und harmonisch empfunden werden. Auch ist nicht klar, ob klassische Künstler nach diesem Gestaltungs-prinzip gearbeitet haben, auch wenn es ihnen heute nachgesagt wird.

Links: Ein Raster nach dem Goldenen Schnitt. | Rechts: Das gleich Motiv mit einer Fibonacci-Spirale als Rasterüberlagerung.

Die Bildüberlagerung hilft besonders direkt bei der Aufnahme. So können Produkte, wie diese beiden nicht ganz deckungsgleich liegenden Ketten, schnell passend positioniert werden. Die bunte Kette ist das aktuelle Motiv, die silberne die Überlagerung.


Wie auch immer: Es schadet nicht, sich nach dem Goldenen Schnitt zu richten. Dazu sollte das Motiv das gesamte Bild im Goldenen Schnitt, also in einem Verhältnis von ca. 0,618 teilen oder in einem Abstand vom Bildrand zur Bildlänge nach diesem Verhältnis positioniert sein. Das Raster in Capture One Pro 12.1.1 hilft mir bei dieser Gestaltung. Im Bildbeispiel läuft der Rand des kleinen Sees in Island durch einen Schnittpunkt des Rasters, und die Aufteilung von Wasser und Land ist nahezu gleich.

Eine vereinfachte Variante, die oft in der Fotografie angewendet wird, ist die sogenannte Drittel-Regel. Dabei nähert man sich dem Verhältnis des Goldenen Schnittes = 0,618 an, indem man das Bild in neun gleich große Felder aufteilt – prima zu realisieren mit dem rechteckigen Raster. Das entsprechende Verhältnis in diesem Fall wäre dann rund 0,667. Die Drittel-Regel ist auch bei der Aufnahme mit einem Sucherraster leichter zu realisieren.

Ein Sonderfall
Die Goldene Spirale ist grundsätzlich nach dem Goldenen Schnitt konstruiert. Man nähert sich ihr in der Praxis durch Viertelkreise an, die immer um 90° gedreht werden und deren Radius sich bei jeder Drehung um das Verhältnis des Goldenen Schnittes verändert. Das Verhältnis der Radien der Kreissektoren entspricht der sogenannten Fibonacci-Folge, also 1,1,2,3,5,8,13 … Je weiter man in dieser Zahlenfolge fortschreitet, desto näher kommt das Verhältnis zweier aufeinanderfolgender Zahlen dem Verhältnis des Goldenen Schnittes.

In unserem Raster-Werkzeug finden wir also als dritte Variante die dort sogenannte Fibonacci-Spirale. Diese Spirale lässt sich in jeder Ausrichtung nutzen. Dazu gibt mir das Werkzeug die Möglichkeit, sie zu spiegeln oder die Drehrichtung zu ändern. Die Spirale kann so genutzt werden, dass der bildwichtigste Teil des Motivs, z. B. ein Auge einer Person, im ihrem Zentrum liegt und sich die anderen Motivteile je nach Bildwichtigkeit aus dem Bild „heraus drehen”.

Alle drei Rastervarianten helfen mir schnell, mein Bild zu komponieren. Den Goldenen Schnitt und die Fibonacci-Spirale wende ich an, wenn ich harmonische Bilder gestalten möchte. Bei mehr technischen, layoutbasierten Kompositionen wähle ich das rechteckige Raster. Trifft beides nicht zu, fotografiere ich einfach frei.

Die Überlagerung
Ein weiteres Werkzeug für die Bildgestaltung in Capture One Pro 12.1.1 ist die Überlagerung. Es gibt sie schon in einigen Vorgängerversionen und sie gibt mir die Möglichkeit, nomen est omen, ein beliebiges Bild über mein zu gestaltendes Motiv zu legen. Das ist wichtig in der Studiofotografie, wenn zum Beispiel Produkte immer an der gleichen Stelle und in identischer Ausrichtung positioniert sein sollen. Ich kann die Überlagerung bei einer Tethered-Aufnahme über das Livebild legen oder im normalen Workflow über das gewählte Bild. Beides kann Sinn machen.

Die Überlagerung in der neuen Programmversion unterscheidet sich nicht sehr von den Vorgängervarianten. Nach wie vor kann ich natürlich das Überlagerungsbild wählen sowie die Deckkraft, die Vergrößerung und die Position einstellen. Letzteres per Schieberegler oder mit einem Handwerkzeug frei. Neu ist einmal, dass ich über einen Pfeil direkt zum Speicherplatz meines Überlagerungsbildes im Finder komme. Und zum Zweiten habe ich die Möglichkeit, dieses Bild dem Zuschnitt des Motivs anzugleichen, genau so wie beim Rasterwerkzeug.

Neuerungen in der Capture-One-Studio-Version
Capture One Studio ist die Programmvariante für Unternehmen wie Großstudios, die immer wiederkehrende Abläufe automatisieren wollen und spezielle Funktionen für Live-Eingaben und Bildausgaben für den E-Commerce brauchen. Auch kann Capture One Studio Bilder direkt während der Aufnahmen in einem Back-up sichern.
Neu in der Version 12.1. sind neben den beschriebenen Rasterund Überlagerungswerkzeugen noch solche für einen Barcode-Scanner und für Hilfslinien. Verbessert wurden darüber hinaus die Funktionen für Back-ups, für die Eingabe von Metadaten und Keywords. Alle Werkzeuge können nun zum Schutz vor unbeabsichtigtem Eingriff gesperrt werden. Außerdem gibt es spezielle, voreingestellte Arbeitsumgebungen.

Fazit Capture One Pro entwickelt sich weiter zu einem Fototool, an dem Profis nicht mehr vorbeikommen. Mit den neuen Tools für die Bildgestaltung kommt man noch schneller, einfacher und genauer zu finalen Bildern, ohne je das Programm zu verlassen.