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FEISTHIRSCHE IM REVIER HALTEN: Der König des Feldes


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 70/2019 vom 14.06.2019

Pünktlich vor Beginn der Jagdzeit verschwinden vielerorts die Feisthirsche aus dem Revier, weil sie nach der Raps-oder Getreideernte keinen Grund zum Bleiben sehen. Revierjagdmeister Ronny Andresenverrät einige Tipps, wie sie sich noch ein paar Tage zum Verweilen überreden lassen.


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Feisthirschrudel: braucht Ruhe und Äsung, damit es bis zur Jagdzeit im Revier bleibt.


FOTO: KLAUS HERBERT SCHRÖTER

Im Februar hatte es doch noch einmal geschneit, und tatsächlich waren die dicken Flocken liegen geblieben. Die beeindruckende Fährte im flockigen Schnee war eine Überraschung gewesen. Mit zum Boden gesenktem Blick ...

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... war er den mächtigen Trittsiegeln bis zum Rand einer verwilderten Streuobstwiese gefolgt. Nun spähte er zwischen den Brombeerranken hindurch in der schwachen Hoffnung, einen Blick auf den Verursacher der Schneespuren zu erhaschen. Statt des Hirsches sah er immerhin eine seiner Abwurfstangen neben dem Wechsel liegen. Sie war so gewaltig, dass er sich auszumalen begann, welche Bilder er von der Wohnzimmerwand verbannen müsste, falls er eines Tages in die Verlegenheit kommen sollte, ein wenig Platz für eine solche Trophäe schaffen zu müssen.

Raps: beliebter Einstand der Rothirsche in der Feistzeit. Denn nun bietet er den Geweihten genügend Äsung und Deckung – jedoch nur bis zur Ernte.


FOTO: SVEN-ERIK ARNDT

BIS ZUR ERNTE

Mit dem Frühling und dem zaghaft zu blühen beginnenden Raps kam der dazugehörige Hirsch manchmal schon am späten Nachmittag am Rand des kleinen Wäldchens in Anblick, und nachdem die ersten hitzigen Tage der Bockjagd vergangen waren, gesellten sich weitere Hirsche zu ihm. Die Junggesellen ließen es sich in ihrem Sommereinstand gut gehen, wurden immer runder und feister und waren recht zuverlässig in Anblick zu bekommen. Vielleicht hatte der Auserwählte noch nicht ganz das Reifealter erreicht, aber noch vor dem ersten August kam der 27. Juli und mit ihm die unvermeidliche Rapsernte. Irgendwann in der Nacht zum 28. Juli besuchten die Hirsche ihren seit Wochen angestammten Einstand ein letztes Mal und blieben dann verschwunden.

NEUER VERSUCH

Als Ende des folgenden Januars wieder eine Hirschfährte auf dem Acker an der Streuobstwiese auftauchte, konnte der enttäuschte Jäger es kaum glauben. Ebenso wenig, als er am Ende des folgenden Monats ein Stangenpaar fand, das an Länge und Masse im Vergleich zum Vorjahr noch einmal zugelegt hatte. Jetzt war der Hirsch sicher alt genug. Als der Jäger aber diesmal am 29. Juli die Staubwolke über dem Acker stehen sah, die unweigerlich auf die Abreise der Geweihten hindeutete, wendete er sein Auto schon einen halben Kilometer vorher. So würde es ihm nie gelingen, einen der Hirsche im eigenen Revier zu erlegen. Denn auch in den folgenden Jahren besuchten Rothirsche während der Feiste recht zuverlässig sein Revier, verschwanden aber gemeinsam mit den Ackerfrüchten noch vor Beginn der Jagdzeit.

FEISTHIRSCHE IM REVIER HALTEN

Rotwild liebt Wasser, wie dieser Augusthirsch verdeutlicht. Bereits vor der Brunft suhlt er gern.


FOTO: KARL-HEINZ VOLKMAR

Finden die Feisthirsche nährstoffreiche Pflanzen auf dem Wildacker, bleiben sie nach der Getreideernte gern etwas länger im Revier.


FOTO: BILDAGENTUR SCHILLING

DIE BEDÜRFNISSE

Wie jede andere Schalenwildart hat auch das Rotwild nach Geschlecht und Jahreszeit getrennte Bedürfnisse, die es zu befriedigen sucht. Nur allzu oft konkurrieren diese Bedürfnisse mit Reviergrenzen. So verfügt nicht jedes Revier, das in der Feistzeit Äsung sowie Ruhe bietet, auch über einen Brunftplatz, an dem das Kahlwild schon wartet. Trotzdem erscheint es so manchem als ungerecht, wenn er den Landwirt den Sommer über jeden zweiten Abend beruhigen muss, weil die Hirsche noch vor der Tagesschau im Weizen stehen, dieser aber noch vor Beginn der Jagdzeit verschwunden ist und mit ihm die Hirsche. Um doch einmal die Chance zu bekommen, einen Lebenshirsch zu erlegen, wäre es schon ausreichend, die Hirsche nur ein paar Tage länger im Revier zu halten. Hat man keinen Brunftplatz mit dem dazugehörigen Kahlwild im Revier, wird man es ohnehin nicht schaffen, die Geweihten ewig zu halten, denn irgendwann wird die Macht der Hormone immer siegen. Es gilt also, Bedingungen zu schaffen, die die Hirsche trotz Ernteschock noch ein bisschen im Feisteinstand halten. Allen voran wären da Äsung und Ruhe zu nennen.

BRUNFTRESERVEN

In den wenigen Tagen zwischen Abschluss der Geweihbildung und der Brunft benötigen die Hirsche immer noch möglichst energie-und nährstoffreiche Äsung. Natürlich werden die angelegten Reserven für die bevorstehenden Brunftanstrengungen benötigt, aber ein Großteil muss auch dazu genutzt werden, den Skelettknochen, der während der Geweihbildung gelitten hat, möglichst zu regenerieren. Schließlich sind poröse Knochen ein Risiko und gingen auch zulasten des folgenden Geweihzyklus.

GUTE ALTERNATIVEN

Sind es vor allem die Feldfrüchte, die die Hirsche ins Revier locken, muss man ihnen eine gute Alternative bieten, um sie zu halten. Da eine künstliche Fütterung weder erlaubt noch erwünscht ist, bleibt der Wildacker das Mittel der Wahl. Er sollte sich möglichst nah am Einstand befinden. Da er schon lange vor dem ersten August angelegt werden muss, ist er keine Lösung auf die Schnelle, aber auch für die anderen Wildarten eine gute Idee, denn der Ernteschock trifft auch sie unvorbereitet. Bis kurz vor der Ernte kann man einen Teil des Wildackers zäunen, um die Attraktivität zu erhalten.

BESONDERES BIETEN

Will man den Hirschen schon nach der Brunft etwas Besonderes bieten, so wird der Wildacker bereits im September mit Roggen bestellt. So wird er schon nach der Brunft attraktiv, und das einstige Feistrevier, wenn es denn ruhige Ecken aufweist, wird möglicherweise schon zum Erholungsgebiet nach der Brunft. Bringt man im darauffolgenden Frühjahr ab März Klee als Wurf-und Untersaat aus, kann man einen dauerhaften Anlaufpunkt schaffen.

NOTLÖSUNGEN

Wer keine Wildackerfläche zur Verfügung hat, kann an Hecken, Randstreifen oder Lichtungen Mitte Mai Raps,mit Hafer, Klee und Buchweizen gemischt, aussäen. Dieses Gemisch wird dann im Juli so attraktiv sein, dass es von den Hirschen gerne aufgesucht wird. Und wer völlig verzweifelt ist, kann versuchen, den Landwirt dazu zu überreden, den Erntezeitpunkt etwas zu verschieben oder einen Teil der Ernte – möglichst in Einstandsnähe – noch ein paar Tage stehen zu lassen und dafür eine Ausfallzahlung anzubieten. Da dies je nach Wetter zu großen Ernteverlusten führen kann, wir dies jedoch mitunter ein kostspieliger Spaß.

Ebereschen: werden vom Rotwild gerne als Äsung angenommen. Sie sollten im Feisthirschrevier auf keinen Fall fehlen, denn sie werten dieses auf.


FOTO: KARL-HEINZ VOLKMAR

Lecke: Während des Schiebens bis nach dem Fegen haben die Hirsche ein großes Verlangen nach Salz.


FOTO: BILDAGENTUR SCHILLING

Hirschrudel: in der Feistzeit bei bestem Licht im Feld. Hat man alles richtig gemacht, so wird man mit ein bisschen Glück mit solch einem Anblick belohnt.


FOTO: JÜRGEN SCHIERSMANN

IMMER MIT DER RUHE

All diese Maßnahmen bringen natürlich wenig, wenn vor der Ernte fröhlich weiter auf Rehund Schwarzwild gejagt wird. Feisthirsche brauchen zum Verstoffwechseln der energiereichen Äsung möglichst viel Ruhe und wenig Stress. Zudem hat vertrautes Rotwild den Vorteil, dass man noch bei gutem Licht die Chance bekommt, den Auserwählten richtig anzusprechen. Wer also die Feisthirsche nach der Ernte bis zum Aufgang der Jagdzeit im Revier – und dabei halbwegs vertraut – hal-ten möchte, der sollte sich in absoluter Selbstdisziplin üben. Dafür müssen sämtliche jagdliche Aktivitäten bis zum ersten August ruhen, und auch dann ist peinlich auf bedachtes Verhalten zu achten.

DAS I-TÜPFELCHEN

Zusätzlich zu den beiden Hauptbedürfnissen lässt sich mit ein paar weiteren Kleinigkeiten die Attraktivität des Reviers beziehungsweise des Feistzeiteinstands erhöhen. Während des Schiebens und auch besonders kurz vor und während des Fegens sind die Gelüste nach Salz beim Rotwild hoch. Eine Salzlecke hat da geradezu magische Wirkung und wird immer wieder aufgesucht. Auch wenn die Zeit des besonders intensiven Suhlens erst noch kommt, auch in der Sommerhitze und bei Insektenplagen verachtet Rotwild die Möglichkeit zum Suhlen nicht. Wasser sollte ohnehin im Revier zur Verfügung stehen. Wenn es nicht natürlich vorkommt, lohnt sich – auch langfristig – das Anlegen einer Suhle. Ein mit Buchenholzteer angestrichener Malbaum in der Nähe wird gerne angenommen und erhöht damit die Attraktivität.

GUTE INVESTITION

Die interessanten Rothirsche sollten schon deutlich vor dem ersten August gefegt haben. Dafür werden die passenden Bäume und Sträucher im Revier benötigt. In Vorbereitung auf die kommende Brunft reagieren sich die Feisten auch gerne an Ästen sowie Stämmen ab. Wer ein Revier längerfristig bewirtschaftet, der sollte deshalb über die Pflanzung vor allem von Douglasien und Weiden nachdenken. Während das Pflanzen von Douglasien eine kostspielige Angelegenheit ist, lassen sich Weiden ganz leicht und zudem kostenlos aus Stecklingen vermehren. Mit Holunder und Eberesche zusammen gepflanzt, die dazu gerne beäst werden, kann man so weiter zu einer Verbesserung des Einstands beitragen. Hat man vor allem Rehwild als Standwild, so tut man gerade mit Holunder sowie Eberesche auch diesem etwas Gutes.

GLÜCK GEHÖRT DAZU

Am Ende wird man jedoch nicht nur mit einer der Maßnahmen, sondern nur mit einer Kombination und einer gehörigen Portion Glück zu Erfolg kommen.