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FELIX STURM: SCHWIERIGE RUNDE


BoxSport - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 24.06.2020

Vom gefeierten Champion zum Betrüger: Felix Sturm hat nicht nur Steuern hinterzogen, sondern er wurde auch wegen Dopings verurteilt. Nach über vier Jahren Ringpause plant der gefallene Held nun ein Comeback.


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Bildquelle: BoxSport, Ausgabe 8/2020

Ein Sieg, der zur Niederlage wurde: Felix Sturm (l.) Anfang 2016 in seinem letzten Kampf gegen Fedor Chudinov


Training beendet für heute. War eine harte Woche, aber die Vorbereitung läuft sehr gut!“ Das schrieb Felix Sturm am 12. Juni um 18.05 Uhr auf seiner Facebookseite. Dazu postete der 41-Jährige in den sozialen Medien ein Video, das ihn beim Training im Gym von Fitnesscoach Chris Mohr zeigt. ...

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... Grundlagentraining für Boxer, sozusagen. Schon am 8. Mai hatte der frühere Weltmeister im Mittel- und Supermittelgewicht Comeback-Pläne angekündigt. Und erklärt: „Kampfdatum, gegen wen und wo ich boxen werde, werden wir schnellstmöglich bekanntgegeben.“

Der Ex-Champ, der zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt wurde, will sich ins Box-Business zurückkämpfen. Sturm hat sich vor dem Gesetz schuldig gemacht. Schuldig der Steuerhinterziehung und der Einnahme von Dopingmitteln, auch wenn er Letzteres abstreitet und gegen das Urteil des Kölner Landgerichts in Revision ging. Nach seinem Titelkampf am 20. Februar 2016 gegen den Russen Fedor Chudinov war Sturm positiv getestet worden, in seinem Urin fanden sich Spuren der anabolen Substanz Hydroxy-Stanozolol, ein verbotenes Muskelpräparat. „Ich werde alles tun, um meine Unschuld zu beweisen“, wandte sich der Supermittelgewichtler damals an seine Fangemeinde. „Wenn alles aufgeklärt ist, werdet ihr einen ausführlichen Bericht dazu bekommen.“ Doch diesen ist er bis heute schuldig geblieben, und das dürfte viele Fans ebenso enttäuschen wie ein Doping-Vergehen selber.

EINER DER BESTEN

Unbestritten ist, dass Felix Sturm, der mit bürgerlichem Namen Adnan Catic heißt, zu Hochzeiten zu den talentiertesten und technisch besten Fightern seines Limits zählte. In seiner Karriere stellte er sich vielen hochklassigen Gegnern, auch wenn der Wunsch der Fans nach einem Duell gegen Ausnahme-Boxer Gennady Golovkin unerfüllt blieb. Sturms Kämpfe sahen Millionen im Fernsehen, und er verdiente Millionen damit.

Felix Sturm (l.) mit Anwalt während seiner Verhandlung im Kölner Landgericht


Nach einer erfolgreichen Amateur- Karriere (134 Siege, 9 Niederlagen) mit nationalen und internationalen Titeln im Nachwuchs- und im Senioren-Bereich gibt der gebürtige Leverkusener mit bosnischen Wurzeln Anfang 2001 sein Profidebüt, boxt sich in den Ranglisten hoch. Im Juli 2003 gewinnt er den Interconti-Gürtel der WBO. Nur zwei Monate später kommt es in Berlin zum Duell mit WBO-Champion Hector Velazco, als Bert Schenk wegen Verletzung ausfällt und Sturm kurzfristig einspringt. Schließlich knöpft er dem Argentinier den Mittelgewichts-Titel ab. Mit nur 24 Jahren ist Sturm erstmals Weltmeister. Als er am 5. Juni 2004 seinen Titel in Las Vegas gegen Oscar de la Hoya verteidigt, liefert der junge Deutsche einen großartigen Fight ab, den er hätte gewinnen müssen. Doch die Strippenzieher haben andere Pläne und bringen Sturm um den verdienten Lohn – Punktsieg und WM-Gürtel gehen an de la Hoya. Doch der Universum- Profi gibt nicht auf: In den Folgejahren holt er im Mittelgewicht die WM-Titel der Verbände WBA (2006 und 2007), IBF (2013) sowie den WBA-Gürtel im Supermittelgewicht (2016).

Aber die Ring-Auftritte des Wahl-Kölners mit den schnellen Fäusten verlieren mit den Jahren an Souveränität. 2011 lässt er in den Ringschlachten gegen die Briten Matthew Macklin und Martin Murray Federn. Gegen Macklin gewinnt der mittlerweile zum „WBA-Superchamp“ erhobene Sturm höchst umstritten, im Fight gegen den unbequemen Murray springt nicht mehr als ein Unentschieden heraus. Im September 2012 verliert er bei der Titelvereinigung gegen IBF-Champ Daniel Geale. Im Dezember 2013 holt Sturm sich den Gürtel von Darren Baker, mittlerweile IBFWeltmeister. Doch nur fünf Monate später ist der Gürtel wieder weg, nach einer Punktniederlage gegen Sam Soliman. Im Mai 2015 erhält Sturm die nächste WMChance, dieses Mal im Supermittelgewicht, verliert aber das Duell um den vakanten WBA-Titel gegen Fedor Chudinov einstimmig nach Punkten. Im Rematch am 20. Februar 2016 besiegt er den Russen in einem engen Fight knapp nach Punkten. Aber es soll Sturms letzter Kampf bis dato sein. Zwei Monate später wird bekannt, dass bei ihm entnommene Dopingproben positiv waren. Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen den mehrmaligen Champion auf. Im Oktober 2016 legt Sturm seinen Titel im Supermittelgewicht nieder, begründet dies offiziell mit einer hartnäckigen Ellenbogen-Verletzung.

HOHES STRAFMASS

Doch Sturm hat noch ein anderes Problem: Steuerhinterziehung. Zunächst ist von mehreren Millionen Euro die Rede. Im April 2019 wird er für acht Monate in Untersuchungshaft genommen, gegen eine Kaution von 300.000 Euro kommt er auf freien Fuß. Schließlich verurteilt ihn das Gericht am 30. April dieses Jahres wegen Steuerhinterziehung von rund einer Million Euro, die er in den Jahren 2008 bis 2010 sowie 2013 dem Fiskus vorenthalten hat, zu drei Jahren Haft. Das Strafmaß fällt so hoch aus, weil der Boxprofi bereits 2012 wegen Steuerhinterziehung zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden war. Außerdem gilt die Verurteilung wegen Dopings mit daraus resultierender Körperverletzung.

Zwischenzeitlich hatte Sturm seinen Wohnsitz nach Bosnien verlegt, kehrte aber im Herbst 2018 wieder nach Deutschland zurück. Während des Prozesses erklärte er sich als „vermögenslos“. Um sich eine neue Existenz aufzubauen und seine Steuerschulden zu begleichen, will er wieder arbeiten, sprich boxen. Ein medienwirksames Duell der Alt-Champions gegen Arthur Abraham, 40, soll das Ziel sein. Auf BOXSPORT-Nachfrage erklärte Abraham dazu: „Ich bin bereit, jeder Zeit gegen ihn zu boxen. Mehr kann ich nicht sagen.“

Der Umgang mit Felix Sturm ist nicht einfach, heißt es in der Box-Szene. Manche empfinden ihn auch als arrogant und egoistisch. Von seinem Promoter Klaus- Peter Kohl trennte sich der Ring- Stilist 2009 im Streit, daraufhin machte er sich selbstständig und gründete in der Kölner Südstadt sein eigenes Box-Unternehmen. Während andere Berufskollegen zur Wettkampfvorbereitung in Trainingslager reisten, blieb Sturm lieber zu Hause und trainierte in seinem Gym, dem „Felix Sturm Boxing“. Ein moderner Fitnesstempel in der Kölner Südstadt mit Trainingsgeräten, speziell gefertigt nach den Körpermaßen des früheren Weltmeisters.

Felix Sturm ist ein absoluter Familienmensch, das betont er immer wieder. Bereits früh musste er den Verlust seiner Mutter Zahida verkraften, die im Jahr 2000 an Krebs verstarb. Sein privates Glück fand der Boxer in seiner langjährigen Partnerin Jasmin, die er 2007 heiratete. Gemeinsam hat das Paar zwei Kinder, Mahir und Nahla. Das Wohl seiner Familie mag ein Grund sein, weshalb Felix Sturm Dinge riskierte, die er besser gelassen hätte. Doch für seinen tiefen Fall als Boxer ist der einstige Ring-Held selbst verantwortlich.

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DOPING ALS STRAFTATBESTAND

Lange wurde bei Doping im Profiboxen eher weggeschaut. Doch mit der Verurteilung von Felix Sturm musste sich nun erstmals ein Sportler dafür strafrechtlich verantworten. Grund dafür ist das seit Dezember 2015 eingeführte Gesetz gegen Doping im Sport (AntiDopG), das Doping in Deutschland zum Straftatbestand macht. Im Fall Sturm argumentierte das Gericht, dass damit die Fairness-Regeln im Boxen verletzt werden. Wer gedopt boxt, führt keinen fairen Wettkampf mehr, sondern begeht schlicht Körperverletzung.


Fotos: imago images/ Future Image (1)/ Norbert Schmidt (1), facebook.cim/ SturmFelix (1)