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Female Careers: Von Hinderern & Erfolgsstrategien


SHE works - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 12.07.2021

Das Wichtigste zuerst: Unternehmen, mit mindestens 3 Frauen in Top-Führungspositionen erwirtschaften bis zu 35% mehr Eigenkapitalrendite.

Doch wie bei vielen dieser Studien zeigt sich dann schnell das „Henne-Ei-Problem“. Sind diese Unternehmen erfolgreicher, weil sie von der Besonderheit des Female Leadership profitieren? Oder sind diese Unternehmen so erfolgreich, weil sie bereits über eine diverse Unternehmenskultur verfügen, und in der Female Leadership selbstverständlich ist?

Ich persönlich finde diese Diskussion lenkt eher vom Thema ab, denn Fakt ist: Wir brauchen mehr Frauen, die Führungsverantwortung tragen, doch die Zahlen zeigen leider ein ganz anderes Bild: Seit 2016 liegt der Anteil von Frauen an der Spitze privatwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland unverändert bei 26% und ist seitdem nicht gewachsen, dabei sind bundesweit 44% aller Beschäftigten Frauen.

In den neuen Bundesländern ...

Artikelbild für den Artikel "Female Careers: Von Hinderern & Erfolgsstrategien" aus der Ausgabe 3/2021 von SHE works. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: SHE works, Ausgabe 3/2021

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... fällt der Anteil von Frauen in Führungspositionen etwas höher aus, er liegt bei 31%, in Westdeutschland dagegen bei nur 25%.

Hinderer Nr. 2: Wir drücken auf die (Karriere)-Bremse, sobald das Thema Vereinbarkeit von Karriere und Familie ein Thema wird

Und eigentlich nicht erst dann, sondern schon unbewusst viel früher: Kennt Ihr den Gedanken „Ich fühle mich jetzt schon so belastet, wie soll ich den nächsten Karriereschritt stemmen und dann noch ausreichend Zeit für die Familienplanung haben?“ Das höre ich von vielen Frauen in meinen Seminaren, wenn es zu dem Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ kommt.

Welche Erfolgsstrategie hilft?

Die Auseinandersetzung mit den eigenen Glaubenssätzen und Antreibern.

Auch Männer denken über diese Frage nach, nur anders: „Wenn ich Familie gründen will, dann möchte ich in der Lage sein ausreichend zu verdienen, um der Rolle des Versorgers gerecht zu werden. Außerdem kann ich in einer höheren Position meine Zeit besser selbst einteilen und delegieren.“ Das höre ich fast nie von einer Frau. Wir haben andere Rollenmodelle und auch oftmals andere innere Antreiber. Wir wollen die Rollen perfekt gestalten, die der Mutter, der Tochter und der Mitarbeiterin oder Führungskraft. Dass das ohne Unterstützung nicht geht, wird uns früh bewusst. Diese Muster zu überdenken, die Rollen neu zu verhandeln und Unterstützung einzufordern, sind die Schlüssel zum Erfolg.

Hinderer Nr. 3: Die Mental Load ist immer noch ungleich verteilt

„Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau, die ihm den Rücken stärkt.“ Dieser Satz ist vielfach zitiert und weithin bekannt. Doch wer steht hinter einer erfolgreichen Frau?

Um Rollenmuster aufzulösen, braucht es einen langen Atem.

Insbesondere in Zeiten der Pandemie! Während ich diesen Artikel schreibe, hat uns die Coronakrise fest im Griff. Während des Lockdowns fanden sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in kürzester Zeit im Homeoffice wieder. Und auch Schulen wurden geschlossen und neben der eigenen Tätigkeit im Homeoffice ging es auch darum, Homeschooling für die Kinder zu ermöglichen, und die vielleicht schon betreuungsbedürftigen Eltern in diesen besonderen Zeiten zu unterstützen.

Welche Erfolgsstrategie hilft?

Von Single Care zu Equal Care.

Es geht nicht nur um die gerechte Verteilung der sichtbaren Aufgaben, sondern auch um das Mitdenken bei den vielen unsichtbaren Aufgaben. Es geht um die Frage der gefühlten Gesamtverantwortung, die oft zu einer sehr hohen Belastung führt. An vielen alltäglichen Aufgaben hängt ein Rattenschwanz an Planungsund Koordinierungsaufgaben.

Damit wir die „Mental Load“ gerecht verteilen können, und daraus „Equal Care“ wird, muss Unsichtbares sichtbar gemacht werden.

Hinderer Nr. 4: Das Gender Pay Gap schlägt spätestens bei der Familienplanung zu.

Der Gender Pay Gap ist noch immer groß, und das, obwohl Frauen mit gleicher Qualifikation und Zielerreichung schon längst auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen sind. Die Faktoren sind vielfältig, doch wir Frauen selbst haben einen Anteil daran: Wir verhandeln oftmals schlechter!

Welche Erfolgsstrategie hilft?

Erfolgreich in die Gehaltsverhandlung einsteigen

Es wird Zeit, mit einigen Vorurteilen aufzuräumen! Vielfach höre ich die unausgesprochene Regel: „Über Gehälter spricht man nicht!“ Eine Coachingklientin berichtete neulich, dass sie eine neue Führungsfunktion mit deutlich mehr Verantwortung angeboten bekommen hat. Da sie die neue Verantwortung erst einmal so reizvoll fand, hat sie das Gehaltsverhandlungsthema ganz hintenangestellt. Jetzt, mehr als 2 Jahre später, stellte sie mit Erschrecken fest, dass beide männlichen Teamleiterkollegen, die in Erfahrung und Qualifikation nicht mehr zu bieten hatten als sie, sich über bis zu 35 Prozent mehr Jahresgehalt freuen durften. 35 Prozent!

Gehe frühzeitig mit Vorgesetzten ins Gespräch und mache ihn zu Deinem Verbündeten.

Gut vorbereitet adressiert Ihr am Ende des Jahresgesprächs das Thema „Gehalt“. Und was sagt der Chef ? Natürlich, dass es ihm wirklich sehr leidtäte, aber das Budget für das kommende Jahr völlig ausgereizt sei.

Nutze dieses Verhalten für Deine Strategie. Schon mindestens 6 Wochen vor den jährlichen Mitarbeitergesprächen kündige Deinem Chef an, dass Du in diesem Jahr mit ihm auch über das Thema Entgelt sprechen möchtest.

Informiere Dich über Gehaltsbänder und Vergleichsgehälter in der Branche

Argumentiere mit Zahlen, Daten und Fakten.

Verhandele eine stufenweise Erhöhung und Zusatzleistungen

Falls Dein Chef noch immer nicht von seiner Blockadehaltung abrücken sollte, dann schlage ihm eine stufenweise Erhöhung vor. Mache Vorschläge für eine Splittung zu Anfang und zur Mitte des Jahres.

Aber vergesse bitte nicht, Dir das schriftlich bestätigen zu lassen.

Eine andere Entgeltkomponente ist vielleicht eine größere Fortbildung, die Du gern machen möchtest.

Hinderer Nr. 5: Die klassischen Karriereerfolgsfaktoren sind eher männlich

Aktuelles Wissen erhöht Deine Employability und die Chance für den nächsten Karrieresprung. Doch fast noch wichtiger sind Dein Selbstmarketing und Dein Netzwerk. Und wenn es um diese beiden Themen geht, dann sitzen die Herren noch immer in der Pole-Position.

Welche Erfolgsstrategie hilft?

Verkaufe Dich „wert-voll“ und investiere in Dein Netzwerk

Werde zur Markenmacherin

Bist Du Dir Deiner Leistung bewusst, und kannst Du diese anhand von Zahlen, Daten und Fakten deutlich zu machen? So rate ich meinen Klientinnen, sich ein „Erfolgsjahrbuch“ anzulegen. Welche Projekte hast Du verantwortet, welche Leistungen waren in diesem Jahr herausragend, welches zusätzliche Know-how hast Du aufgebaut? Warum bist Du für das Unternehmen unverzichtbar? Markenmacher sprechen in dem Zusammenhang vom USP, der „Unique Selling Proposition“. Das also, was die Marke von Wettbewerbsprodukten unterscheidet, was sie einzigartig macht. Was macht Dich einzigartig?

Investiere in Dein Netzwerk

Für erfolgreiches Netzwerken sind neben der tatsächlichen Anzahl der Netzwerkpartner auch die Auswahl und der Kontakt von Bedeutung. Es gilt klug auszuwählen, wen Du in Dein Netzwerk aufnehmen und mit wem Du wirklich den Kontakt pflegen willst. Obwohl durch Social Media die Kontaktaufnahme heute so einfach wie nie ist, bleibt doch die Kapazität der wirklichen Kontaktpflege nach wie vor limitiert.

Wenn sich Frauen vernetzen, dann eher mit Gleichgesinnten, die ihnen sympathisch sind. Das spielt bei Männern eine eher untergeordnete Rolle. Meist unausgesprochen, aber mit großer Priorität, versehen ist die Frage: „Kann mir mein Netzwerkpartner weiterhelfen?”

Netzwerken ist „zielgerichtetes Anfreunden”.

Frauen netzwerken, wenn überhaupt, eher zu Anfang oder gegen Ende ihrer Karriere, Männer hingegen durchgängig. Frauen halten das Netzwerken meist auf Sparflamme, wenn Sie in der Lebensphase der „Überholspur” angekommen sind – wenn Sie so viele Rollen bekleiden (müssen) und mit so vielen Bällen jonglieren (müssen), dass sie sich bald selbst überholen.

Suche Dir ausgewählte Foren aus! Hier zählt die Klasse, nicht die Masse!

Was gehört alles zum erfolgreichen Netzwerken?

Dass Dein Netzwerk nicht wie ein Stiefmütterchen behandelt werden sollte, ist klar. Es braucht Pflege und zwar eine dauerhafte. Überlege, welche Verbündete und Unterstützer Du konkret brauchst und werde aktiv. Schaffe Anlässe und Gelegenheiten!

So weit zum Rahmen. „Und dann?”, werden ungeübte Netzwerker fragen. „Worüber unterhalte ich mich mit mir unbekannten Menschen?” Von vielen Frauen höre ich immer wieder, wie anstrengend sie Small Talk finden. Mit einer entgegenkommenden und interessierten, offenen Haltung wird zunächst jedes Eis gebrochen. Offene Fragen zu stellen und aktiv zuzuhören, sind die Gesprächstechniken auf die es ankommt. Die meisten Menschen sprechen gern über sich. Wenn Du gezielte Fragen stellst und Deinem Gesprächspartner die volle Aufmerksamkeit widmest, dann ist das pure Wertschätzung. Wenn Du in dem Gespräch Ansätze findest, Deinem Gesprächspartner weiterzuhelfen, dann tue das! Scheue Dich aber auch nicht, selbst Unterstützung anzunehmen. Ein „Danke” genügt.

Und zum Abschluss? Tausche Visitenkarten aus. Insbesondere, wenn Du das Gespräch beenden willst, um noch andere Gäste kennenzulernen.

Auf einen Blick

• Geben und Nehmen: Zahle zuerst auf das Beziehungskonto ein, dann profitierst Du später davon.

• Klasse statt Masse: Schaue genau, wer in Dein Netzwerk passt.

• Dranbleiben: Ein Netzwerk braucht Pflege.

• Eindruck machen: Suche nach passenden Themen, aber überziehe nicht.

• Interessiert sein: Menschen erzählen gern von sich selbst und ihren eigenen Projekten.

• Offen sein: Unterschiedliche Einstellungen und Kompetenzen können befruchtend sein. Manch einer punktet erst auf den zweiten Blick!

• Vorbereitet sein: Plane, was Du zu bieten hast, z.B. einen Kontakt oder ein Konzept.

• Am Ball bleiben: Merke Dir die wichtigsten Themen Deiner Netzwerkpartner. Jeder freut sich beispielsweise über eine Rückfrage nach einer wichtigen Präsentation.

• Verlässlich sein: Halte Dein Versprechen: „Ich melde mich“ oder „Ich erkundige mich für Dich.”

• Gemeinsamkeiten entwickeln: Suche Übereinstimmungen, das schafft Sympathie.

• Bleibe geduldig: Beziehungen brauchen Zeit, um sich zu entwickeln.

• Bleibe flexibel: Aktualisiere Netzwerk, wenn sich Deine beruflichen Schwerpunkte verändern

(aus Neumann, Reiner: Die Macht der Macht, S. 164ff.)

Was wirklich zählt

Eine IBM-Studie sagt aus, dass das Selbstmarketing mit 30

Prozent noch wichtiger ist als die berufliche Leistung. An der Spitze der Erfolgsfaktoren stehen die beruflichen Kontakte und Beziehungen. Letztere punkten bei der Karrieregestaltung mit 60 Prozent, wobei die persönlichen Leistungen nur auf 10 Prozent kommen.

Das sind erschreckende Zahlen. Doch gute Leute haben eben gute Kontakte, und diese zählen beim Erklimmen der Karriereleiter.

Menschen umgeben sich gern mit ähnlichen Menschen! Solange wir also noch nicht ausreichend Frauen in Führungspositionen haben, verändert sich nichts von selbst.

Leider haben wir immer noch viel zu wenig Vorbilder zur Orientierung!

Welche Frau fällt Dir auf Anhieb ein, die diese Rolle erfüllt, von der Du lernen möchtest?

In Zeiten der Digitalisierung und des stetigen Wandels muss Führung neu gedacht und gelebt werden. Wie das gelingen kann, dazu gibt Anja Mahlstedt in ihren Büchern und Vorträgen Einblicke und Ausblicke. Sie ist Management-Trainerin und Coach, Moderatorin und Buchautorin, und hat schon früh eigene Führungserfahrung sammeln können. Praxisnah und unterhaltsam zeigt sie, wie Führung echten Mehrwert in Zeiten von Agilität, Digitalisierung, Frauenquote und Co. bieten kann.

Es gibt in ihren Augen noch so viele Potenziale zu heben, im Großen und im Kleinen. Das fängt bei der persönlichen Karrieregestaltung und der Eigen-PR an und hört bei dem Thema Chancengleichheit noch lange nicht auf. In ihrer Beratungstätigkeit macht sie Frauen Mut zur Karriere, denn sie ist davon überzeugt, dass es noch mehr Frauen in Deutschlands Chefetagen braucht. Sie ist Expertin für Führung und Kommunikation, gefragte Karrieregestalterin und hat das Karrieretool FAKT entwickelt. Foto studioline Fotostudio Hamburg Osdorf Elbe Einkaufszentrum

Wenn da niemand direkt in Deinem Umfeld ist, dann mache Dich auf die Suche nach einer Mentorin.

Hilfreich ist es, wenn die Mentorin aus einem anderen Unternehmensbereich als dem eigenen kommt und schon länger im Unternehmen ist.

Dann hat sie zum einen ein Netzwerk, in das sie Dich mitnehmen kann.

Nicht zu unterschätzen sind auch Tipps aus der eigenen beruflichen Karrieregestaltung:

• Wie ist sie in ihre Position gekommen?

• Welchen Karriereplan hat sie verfolgt?

• Was rät sie Dir?

Habt Ihr Frauen im Unternehmen, die bereits auf oberster Führungsebene angekommen sind? Dann bemüht Euch darum, diese als Mentorin zu gewinnen. Bessere Tipps aus erfahrenem Munde kannst Du nicht bekommen.

Und vergiss nicht: Auch die Mentorin profitiert von der Mentorenbeziehung, genau wie Du selbst.

Viel Erfolg bei Deinen nächsten Karriereschritten. Und wenn Du sagen kannst „jetzt bin ich mit meinem Stärken genau am richtigen Ort und kann gestalten“, dann hast Du vieles richtig gemacht!