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Fendt Favorit 3:Altes Flaggschiff mit neuem Elan


Traktor Classic - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 04.07.2019

KLASSENSTÄRKSTER Einst gehörte der Favorit 3 mit 52 bis 55 PS zur absoluten Oberklasse und war seinerzeit der erste Schlepper mit Vierzylindermotor bei Fendt. Bei der Familie Burkhardt im Rheinland steht eines der fast 4.000 gebauten Exemplare kurz vor der Wiedergeburt als Einsatzschlepper …


Artikelbild für den Artikel "Fendt Favorit 3:Altes Flaggschiff mit neuem Elan" aus der Ausgabe 5/2019 von Traktor Classic. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Traktor Classic, Ausgabe 5/2019

Der Favorit 3 vor gezogenem Mähdrescher in der damaligen Werbung


Es dürfte ein erhabener Anblick gewesen sein – damals, Mitte der 1960er- Jahre: Vor der Kulisse des kleinen rheinländischen Dörfchens Nörvenich mit dem markanten Siloturm dreht ein Rundhauber im schnellen Schritttempo seine Bahnen in der flachen ...

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... Ackerlandschaft mit goldgelben Getreidefeldern. Dabei zieht er ein hoch über den Fahrer hinausragendes Gerät und eine gewaltige Staubwolke hinter sich her.

Dass sengende Sommerhitze herrscht, und dass der gezogene Claas-Mähdrescher, um den es sich bei der gezogenen Maschine handelt, samt vollem Korntank gut drei Tonnen wiegt und mindestens 35 PS an der Zapfwelle benötigt, macht dem Schlepper wenig aus: Dank seines Vierzylinders mit 52 PS Leistung arbeitet er sich im gleichmäßigen Brummton Bahn für Bahn voran.

Bestes Pferd im Stall

So oder so ähnlich wie in der zeitgenössischen Fendt-Werbung dürfte es ausgesehen haben, als der 1965 gebaute Fendt Favorit 3, der heute der Familie Burk - hardt gehört, auch unter harten Einsatzbedingungen zeigen musste, was in ihm steckt. Damals war der Schlepper nicht nur der größte und stärkste Traktor auf dem Hof in der Zülpicher Börde, sondern auch das Flaggschiff von Fendt: Erstmals stattete das Unternehmen aus Marktoberdorf einen Traktor mit einem Vierzylindermotor aus; erstmals überschritt sein Schlepper-Angebot damit die 50-PS-Marke.

Zum Status als einstiges Flaggschiff will das heutige Bild nicht so recht passen: In der sauberen und trockenen Scheune auf dem Familien- Anwesen schlummert der „Großtraktor“ von damals im Dunkeln vor sich hin. Nur ein Langloch in der Mitte der Ackerschiene erinnert daran, dass der Traktor viele Kampagnen lang als Zugmaschine für einen Rübenroder und besagten Mähdrescher diente.

die übersichtlichen Armaturen mit den wichtigsten Anzeigen für Kühlwassertemperatur (links) und Traktormeter


Bei sechs Gängen mal zwei Gruppen zuzüglich Kriechganguntersetzung kann man beim Traktorwechsel schon mal den Überblick verlieren. Die Schaltkulisse hilft weiter


Ohne Schnellganggetriebe erreicht der Favorit 3 offiziell eine Geschwin - digkeit von nur 20 km/h, in Wirklichkeit aber etwas mehr


Zu schade zum Stehenlassen

Doch das ruhige Dasein dürfte bald vorbei sein: „Ich würde mit ihm gerne wieder arbeiten; zum Beispiel mit meinem Rabe- Zweischar-Pflug oder meinem Kreiselmäher von Fahr“, verrät Hobby-Landwirt Daniel Burkhardt (36). Schon seit einigen Jahren setzt er seine IHC-Schlepper 733 und 946 ein, um auf eigenen Flächen Heu zu machen und benachbarte Landwirte bei der Düngung, Grünlandarbeiten und der Kartoffelernte zu unterstützen.

„Jetzt haben wir noch etwas Grünland dazubekommen. Da kann ein dritter Traktor nicht schaden. Zum einen macht es Spaß, zur Abwechslung auch mal mit einem Traktor aus einem früheren Jahrzehnt und mit anderer Technik zu fahren. Zum anderen kann man sich dadurch hin und wieder den An- und Abbau von Geräten sparen und die Betriebsstunden auf mehrere Schlepper verteilen. Und zum Stehenlassen ist so ein schöner 52-PS-Schlepper doch zu schade“, erklärt Daniel dazu.

Per Heirat zum Fendt

Zu dem Fendt kam der IHC-Fan auf besondere und zugleich ganz einfache Weise: durch Heirat. Daniels Frau Jutta brachte den Favorit 3 mit seinen fast 10.000 Betriebsstunden vom elterlichen Betrieb mit in die Ehe. Da traf es sich gut, dass Daniel gelernter Landmaschinenschlosser ist. Ohne große Kosten, aber mit viel Engagement hat er den Schlepper einer umfangreichen Inspektion unterzogen und im Laufe der letzten Monate wieder einsatztauglich gemacht.

So hat er alle Öle und Filter gewechselt sowie die Hubkolbenabdichtungen des Heckkrafthebers erneuert. Im Zuge der Inspektion hat er zugleich die Ventile neu ein- gestellt sowie die Elektrik überprüft und die Blinkerschaltung erneuert. Die Vorder - räder erhielten neue Reifen. Außerdem hatte Daniel festgestellt, dass die Hinterradkotflügel innen von Korrosion betroffen waren. „Ich habe sie von Rost befreit und innen mit Schutzlack versehen.“

Originalzustand erhalten

Obwohl der Schlepper äußerlich etwas verblichen aussieht, ist er nun bis auf die Anhängerkupplung technisch in einwandfreiem Zustand. Komplett neu lackieren will Daniel den Traktor aber nicht – aus gutem Grund: „Auch wenn ich ihn künftig hin und wieder einsetzen möchte, ist und bleibt er vor allem ein Erinnerungsstück. Da gilt es, die alte Patina, in der sich die Ge schichte des Traktors abzeichnet, so weit wie möglich zu erhalten.“

Aus diesem Grund verbleiben auch die Radgewichte am Schlepper, die ein besonderes Kennzeichen dieses Favorit sind. „Der Vorgänger des Fends war ein Deutz- Traktor. Von dem stammen noch die Radgewichte“, erzählt Daniel.

Davon, dass der Schlepper einwandfrei läuft, konnten wir uns bei einer Testfahrt überzeugen: Den Motor ohne Anlaufschwierigkeiten nach kurzem Vorglühen gestartet, geht es zunächst in den langsa- men Gängen vom Hof, um dann auf Privatwegen auch die schnelle Gruppe des 16/4- Halbsynchrongetriebes auszutesten. Dabei zeigt sich, dass in puncto Beschleunigung, Bremsverhalten, Geländetauglichkeit und Lenkbarkeit nichts zu beanstanden ist.

Feine Gangabstufung

Geschaltet wird mit insgesamt drei Hebeln: dem Gangschalthebel für fünf Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang, einem Hebel, mit dem sich eine Kriechganguntersetzung für die unteren drei Gänge ein- und ausschalten lässt sowie einen Hebel zur Auswahl der schnellen oder der langsa men Gruppe.

Insgesamt ergibt sich damit eine relativ feine Gangabstufung mit 16 Vorwärts- und vier Rückwärtsgängen. „Das reicht auch für heutige Anwendungen vollkommen aus“, findet Daniel. Bevor der Traktor neu angemeldet werden kann, muss gar nicht mehr so viel getan werden. Nur die festgegammelte Anhängerkupplung, die sich daher nicht mehr dreht, muss wieder freigängig gemacht werden.

Wenn alles gut läuft, wird der Favorit schon in diesem Sommer zur zweiten Grasmahd wieder eingesetzt werden. Dazu wünschen wir ihm und seinen Besitzern alles Gute.


Fotos: Sascha Jussen