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Fenster erneuern: HIGHTECH MIT DURCHBLICK


Umbauen + Modernisieren - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 23.10.2019

Licht ist ein Lebensmittel, wichtig für die Gesundheit, gerade im Winter. Schade, wenn man es dann ausgerechnet in Nähe der Fenster vor Kälte kaum aushält. Ganz klar: neue sind fällig.


Artikelbild für den Artikel "Fenster erneuern: HIGHTECH MIT DURCHBLICK" aus der Ausgabe 12/2019 von Umbauen + Modernisieren. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Solarlux

Heute: Faltwand aus sechs hochwärmedämmenden Glaselementen, eines davon separat als Tür zu nutzen


Nicht untypisch für Häuser der 1960er: Panoramafenster mit niedriger Brüstung, dahinter mit Heizkörper.


Nun aber sollte es die bodentiefe Verglasung sein. Dafür mussten Brüstung und Rippenheizkörper dran glauben. Solarlux


Was zeitgemäße Fenster mit Lebensqualität zu tun haben, merkt man als Altbaubewohner oft erst, ...

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... wenn man im Winter Freunde oder Verwandte im gerade fertiggestellten Einfamilienhaus besucht. Das Mehr an Tageslicht ist fast schon erschreckend und trotz der Minusgrade draußen lässt es sich in Nähe der Scheiben gut aushalten. Angenehm besonders in der dunklen Jahreszeit, wenn jedes Lumen mehr die Stimmung aufhellen kann. Zu Hause dagegen fröstelt man, der Lichtmangel drückt aufs Gemüt.

Die Flamme verrät’s

Wer wissen will, woran er mit seinen Fenstern ist, macht den Feuerzeugtest. Einfach die Flamme vor die Verglasung halten, pro Scheibe gibt es zwei Reflektionen. Vier identische Spiegelbilder verraten die „Zweischeiben-Isolierverglasung“, ab 1977 vorgeschrieben. Kein echter Schutz vor Kälte, aber schon mit deutlich besserem Dämmvermögen beziehungsweise geringeren Wärmeverlusten als die altehrwürdige Einscheiben-Verglasung. Zeigt sich jedoch eine der Spiegelungen farblich verändert, wurde die betreffende Scheibenoberfläche mit Silber bedampft, verfügt über eine sogenannte Low-E-Beschichtung, die die Wärmestrahlung aus dem Raum reflektiert. Man hat ein „Wärmeschutzfenster“ vor sich, ab 1995 obligatorisch. Zusätzlich ist der Zwischenraum zwischen den Scheiben hermetisch abgedichtet und enthält anstatt Luft schlecht wärmeleitende Edelgase (Argon, Krypton, Xenon oder Mischungen). Dieser Typ dämmt fünfmal so gut wie ein Einscheiben-Fenster, wird aber noch übertroffen vom Drei-Scheiben-Wärmeschutzfenster, wie es heute Stand der Technik ist, mit zwei Low-E-Beschichtungen. Herrschen außen minus zehn Grad, misst man innen an der Oberflächen 17 Grad plus – beim Einscheiben-Fenster minus ein Grad.

Passivhaustauglich

Auch die alten Rahmen lassen unnötig viel Wärme entkommen. Angefangen bei der warmen Raumluft, die durch die Fuge zwischen dem in der Laibung befestigten Blendrahmen und dem beweglichen Flügelrahmen entweicht. Moderne Rahmen besitzen umlaufende, dauerelastische Dichtlippen, die damit Schluss machen. Bestehen sie aus Holz, werden sie zum Beispiel mit Dämmungen aus Polyurethan-Hartschaum (PU-Hartschaum) ergänzt. An den Außenseiten können sie mit einer Schale aus Aluminium als Witterungsschutz versehen werden. Reine Metallrahmen sind aus naheliegenden Gründen out. Dafür kommt in Kunststoff-Fenstern, aus Polyvinylchlorid (PVC), Stahl zum Einsatz, zur Stabilisierung. PVC ist beliebig formbar, es ermöglicht die Herstellung komplizierter Kammer- Systeme, wodurch der Wärmedurchgang eingeschränkt wird. Erst recht, wenn die Kammern mit Dämmstoffen gefüllt sind, PU-Hartschaum oder expandiertem Polystyrol (EPS). Weil Stahl das Isoliervermögen beeinträchtigt, werden zur Aussteifung des Rahmens alternativ zunehmend leichte, glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK) verwendet.
Mit die höchsten Ansprüche an den Wärmeschutz stellt das Passivhaus Institut in Darmstadt. Passivhäuser sollen so gut wie ohne Raumheizung zu allen Jahreszeiten behaglich sein. Ihre Fenster müssen, zumindest auf der Südseite, Energieversorger sein: Ihre Energiebilanz muss selbst in den Wintermonaten positiv sein, die solaren Gewinne müssen die Verluste übersteigen. Genügen Glas und Rahmen den Anforderungen des Instituts, können sie ein entsprechendes Zertifikat erhalten.

Drei-Scheiben-Fenster, laut Hersteller in der Standardausführung mit einem Uw-Wert von 0,95 W/(m2K): Alte Einscheiben-Fenster dagegen überschreiten teils die Marke von 5 W/(m2K). Weru


Markenfenster sind heute Schwergewichte, sind aber trotzdem – Stichwort: Barrierefreiheit – meist ohne nennenswerten Krafteinsatz zu öffnen und zu schließen. Kneer Südfenster


Rollladen- und Raffstorekasten für massive Außenwände, aus Porenbeton, innen mit einer Dämmung aus Polystyrol versehen. Beck + Heun


Wasser und Wind können diesem Fenster auch nach vielen Jahren nichts anhaben, so der Hersteller. Dafür sorgten regelmäßige Kontrollen und eine ausgefeilte Qualitätssicherung. LiDEKO


REGELMÄSSIG GEPRÜFT

Testen und testen lassen, so hält es die Firma Amelingmeyer Metallbau GmbH aus Osnabrück, Hersteller dieser großformatigen Dachschiebefenster der Marke LiDEKO. Sie müssen bei Wind und Wetter absolut dicht schließen, luftdicht und schlagregendicht, müssen stoßfest sein und schalldämmend. Das Unternehmen verfüge über einen eigenen Prüfstand, sagt Geschäftsführer Hendrik Amelingmeyer. „Darüber hinaus ließ LiDEKO seine einflügeligen „Classic“- und die zweiflügeligen „Premium“-Fenster durch das Prüfzentrum für Bauelemente in Stephanskirchen bei Rosenheim unter die Lupe nehmen.“ Im Werk begutachte einmal jährlich das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung (RAL) gemeinsam mit dem Institut für Fenstertechnik (ift Rosenheim) die Produktionsprozesse sowie die Einhaltung der Qualitätsleitfäden. Letzte und wichtigste Prüfinstanz aber sei der Kunde: „Wir freuen uns über jede Rückmeldung.“

Energieberater hinzuziehen

Seit einigen Jahren sind Rahmen mit integrierter Lüftung auf dem Markt. Zur Lösung eines Problems, das keines sein müsste, und das in der Regel schlicht auf fehlender Planung der Maßnahme beruht: Tauscht man lediglich die alten Fenster gegen neue, luftdicht schließende, kann sich die feuchtwarme Raumluft nicht mehr wie zuvor ungehindert durch die Fugen davonstehlen. Ist das Haus noch dazu mangelhaft oder eventuell gar nicht gedämmt, kondensiert die Feuchte nun an den kalten Wänden, sofern man nicht wesentlich öfter lüftet. Der Schimmel fühlt sich wohl, wächst und gedeiht.
Bevor man also den Montagebetrieb beauftragt, sollte man immer einen Energieberater hinzuziehen. Er kennt die bauphysikalischen Zusammenhänge, sieht das Haus im Ganzen und wird den Besitzer vor derartigen Fehlinvestitionen bewahren. Denn häufig macht es mehr Sinn, sich die Modernisierung der Haushülle insgesamt vorzunehmen, inklusive einer nachträglichen Außendämmung, dem wirksamsten Schimmelschutz: Ordentlich isolierte Außenwände halten die Wärme und auf warmen Oberflächen bleibt Tauwasserausfall die Ausnahme.

Einbruchhemmend: Fenster mit Pilzkopfbeschlägen, gegen Aufhebelversuche, sowie mit abschließbarem Griff. Profine Kömmerling


Dieses Fenster kann man zwecks Luftwechsel „schlöffnen“: Zwischen Flügel- und Blendrahmen entsteht ein 6-mm-Spalt, einbruchhemmend bleibt es laut Hersteller dennoch. Winkhaus


Glasfassade mit Holz-Aluminium- Rahmen: Holz taugt aufgrund seiner hervorragenden statischen Eigenschaften für filigrane Konstruktionen. Unilux


KENNWERTE UND GÜTEZEICHEN

Uw-Wert: gibt an, wie viel Watt durchs Fenster gelangen, wenn die Temperaturdifferenz von einer Seite zur anderen genau 1 Grad Kelvin beträgt (das kleine „w“ steht für „window“), je kleiner, desto besser; Einheit „W/(m2K)“; der meist niedrigere Ug-Wert bezieht sich nur auf die Verglasung („g“ für „glazing“, engl. für „Verglasung“)

g-Wert: verrät, wie viel der auf die Fenster auftreffenden Solarenergie durchkommt; Drei-Scheiben-Verglasung lässt nur etwa die Hälfte der Gratisenergie ins Haus, der g-Wert beträgt ca. 0,5 (oder 50 Prozent)

Q-Wert/Luftdichtheitsklasse: Maß des Luftverlustes bei definiertem Druckgefälle, Einheit m3/hm (Kubikmeter pro Stunde und Laufmeter Fensterfuge); je kleiner, desto dichter, auch schalldichter; anhand der Werte Einteilung in Luftdichtheitsklassen 0 (sehr durchlässig) bis 4 (kaum durchlässig)

Schalldämm-Maß „R“: Angabe in Dezibel für die Minderung der Lautstärke; zur Vereinfachung Einteilung in 6 Schallschutzklassen (Einscheiben-Fenster: Klasse 1); empfehlenswert an stark befahrenen Straßen: Klasse 3 oder 4

Widerstandsklasse/RC (Resistance Class): je nach einbruchhemmender Wirkung, Klassen von 1 bis 6; RC 2 für Erdgeschoss-Fenster in der Regel ausreichend

Gütezeichen: Fenster und Montagebetriebe – RAL-Gütezeichen RAL-GZ 695 bzw. das „ift-zertifiziert“-Zeichen (www.ift-rosenheim.de); Zertifizierung hochdämmender Verglasungen und Rahmen durch das Passivhaus Institut, Darmstadt (www.passiv.de )

Sonnenschutz

Schon der Austausch als solcher muss energetisch (und statisch) genau durchgerechnet werden. Zumal, wenn die Fensterflächen vergrößert werden. Mehr Glas bedeutet mehr Sonneneinstrahlung, kann im Sommer zu Überhitzung führen, wird der Sonnenschutz nicht berücksichtigt. Den bringen Rollläden, Außenjalousien, Raffstores, Markisen. So ist es möglich, komplette Südfronten zu öffnen: Man entfernt die Brüstungen, setzt bodentiefe Festverglasungen und Glastüren ein, zum Beispiel leichtgängige Hebe-Schiebe-Türen. Dabei nicht den Einbruchschutz vergessen, gerade im Erdgeschoss – Tipps gibt es von der Versicherung und den Beratungsstellen der Polizei. Ebenso muss der Schallschutz beachtet werden (doch sind heutige Fenster in diesem Punkt dank Mehrfachverglasung und dicht schließender Profile den Vorgängermodellen weit überlegen).

Im Baudenkmal

Wird zugleich eine Außendämmung angebracht, empfiehlt es sich, die neuen Fenster nach vorne zu setzen, in die Dämmebene, mittels Spezialzargen oder Konsolen. So vermeidet man den „Schießscharteneffekt“. Rollladenkästen müssen von innen gedämmt sein, bei einigen Modellen sind zusätzlich die Lamellen selber mit Dämmstoff gefüllt.
Steht allerdings das Gebäude unter Denkmalschutz oder genießt die Fassade „Ensembleschutz“, sind optische Veränderungen tabu. Dann sind Abstriche beim Wärmeschutz in Kauf zu nehmen. In einigen Fällen führt indes bereits das Auswechseln der Verglasung und das Nachrüsten der Rahmen mit Dichtlippen zu einer spürbaren Verbesserung. Wahlweise lässt sich ein zweites Fenster, von außen nicht sichtbar, hinter das Original in die Laibung setzen. Teurer sind natürlich originalgetreue Nachbauten mit einer Wärmeschutzverglasung.

Arbeit für Experten: Die Fenster müssen im Lot sein, die Blendrahmen am Ende luftdicht mit der Laibung abschließen. Kneer Südfenster


Erst wird vorgebohrt, dann werden die Blendrahmen mit Spezialschrauben im Mauerwerk verankert. Kneer Südfenster


Auch ausgefallene Fensterformen lassen sich mit der passenden Verschattung versehen: hier mit maßgeschneiderten Aluminium-Rollläden. Schanz


Endlich effizient

Mehr Transparenz ist hier keine Option, würde einem historischen Haus auch nicht gut stehen. Es sei denn, es handelt sich um ein ohnehin großzügig verglastes Beispiel klassisch-moderner Architektur, im Bauhaus-Geist entworfen. Vielleicht um einen Bungalow der 1960er-Jahre. Solche Gebäude sind im unsanierten Zustand in der kalten Jahreszeit überhaupt nur mit rund um die Uhr glühenden Heizkörpern bewohnbar. (Einigen Vertretern der Moderne war diese Schwäche durchaus bewusst.) Die Technik hinkte dem fortschrittlichen Denken der Bauhäusler lange hinterher. Doch sie hat aufgeholt. Jetzt kann man in dem, was einst nur Avantgarde, hell und innovativ war, auch noch leben. Und das energieeffizient, mit niedrigen Heizkosten und mit kleinem CO2-Fußabdruck.

PLANUNG UND WEITERE INFOS

KOSTEN UND FÖRDERUNG:
Holzfenster, Dreifachverglasung – 600 bis 800 _/m2
Kunststofffenster, Dreifachverglasung – 400 bis 500 _/m2

Gefördert wird die Leistung des Energieberaters (vom BAFA, Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, Tel.: 0 61 96/9 08 – 18 80, Fax: 0 61 96/9 08 - 8 00,www.bafa.de ) sowie die energetische Modernisierung und zusätzlich die Baubegleitung durch einen unabhängigen Sachverständigen (von der KfW, kostenloses Infotelefon: 08 00/5 39 90 02, Mo – Fr von 8:00 bis 18:00 Uhr, Fax: 069/74 31 – 95 00;www.kfw.de ; E-Mail: info@kfw.de).

PLANUNG: Hausdiagnose vorab durch den unabhängigen Energieberater (zu finden unter: www.energie-effizienz-experten.de), ggf. weitere Maßnahmen erforderlich; bei geplanter Erweiterung der Fensterflächen nach der neuen DIN EN 17037 „Tageslicht in Gebäuden“ vorgehen (geht über die in den Landesbauordnungen geforderte Mindestversorgung hinaus), u. U. ist Sonnenschutzglas einzusetzen, mit niedrigen g-Werten (siehe Kasten „Kennwerte und Gütezeichen“); Vorgaben der Energieeinspar- Verordnung (EnEV): Uw-Werte der neuen Fenster nicht über 1,3 (Ausnahmeregelungen für Baudenkmäler); Montage der Fenster nur durch Fachbetrieb, am besten durch RAL-zertifizierten Montagebetrieb (zu finden über den VFF).

INFO-ADRESSEN: ift Rosenheim – Institut für Fenstertechnik e.V. in Rosenheim, Prüf- und Forschungseinrichtung der Branche, Infos u. a. zu Wärmeschutz, Einbruchhemmung, Schallschutz –www.ift-rosenheim.de

Passivhaus Institut – Infos zu Bauweise und Bauteilen eines Passivhauses, u. a. zu Fenstern, Liste zertifizierter Verglasungen und Rahmen –www.passiv

VFF – Verband Fenster + Fassade, u. a. Adressen güteüberwachter Montagebetriebe –www.window.de/guetegemeinschaft-fenster/herstellersuche/