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Ferien in Deutschland: Sternegucken im Westhavelland


Clever reisen! - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 09.10.2018
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Bildquelle: Clever reisen!, Ausgabe 4/2018

Am liebsten hätten wir ihn auf den Mond geschossen. Ging aber leider beim besten Willen nicht, war er doch selbst der Störenfried in dieser lauen Sommernacht im Sternenpark Westhavelland. Er plusterte sich zu halber Größe auf, und es schien, als ob der Mann im Mond eine extra helle Birne in seine Laterne geschraubt hätte. Doch Arktur, Polarstern und der ganze große Rest der Milchstraße gaben alles, um ihrem Ruf, in dieser dünn besiedelten Region Brandenburgs besonders gut sichtbar zu sein, gerecht zu werden. Sicher hatten auch schon die Havelländer bemerkt, dass man hier ganz gut das Firmament ...

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... beobachten kann, doch dauerte es bis ins 21. Jahrhundert, ehe die Nachricht durchsickerte und 2009 den niedersächsischen Astrophysiker Andreas Hänel erreichte. Er machte sich auf den Weg ins Havelland, um das zu überprüfen. Das, was die Messgeräte anzeigten, brachte den Leiter der Sternwarte Osnabrück regelrecht aus dem Häuschen: Inmitten des Naturparks Westhavelland, des größten zusammenhängenden Feuchtgebiets des europäischen Binnenlandes, ist es so dunkel, dass man die Milchstraße bei klarem Himmel auch mit bloßem Auge in schönster Vollendung sehen kann. Flugs wurde ein Antrag zur Aufnahme in den erlauchten Kreis der weltweit nur etwa zwei Dutzend Sternenparks bei der International Dark Sky Association (ida), der Internationalen Gesellschaft zum Schutz des dunklen Nachthimmels, gestellt. Am 12. Februar 2014 überreichte sie dem Westhavelland als erster Region in Deutschland die erhoffte Urkunde. War der 1998 gegründete 1315 Quadratkilometer große Naturpark bis dahin vor allem ein Refugium für Wassersportler und Hobbyornithologen, zieht er jetzt auch immer mehr Hobbyastronomen und Otto-Normal-Sternengucker an. In jeder klaren und möglichst mondlosen Nacht pilgern sie dorthin, um sich von Sternenkundigen den Nachthimmel erklären zu lassen. Von Marion Werner beispielsweise, die seit ihrer Kindheit begeistert in die Sterne guckt. Seit ein paar Jahren macht sie das immer häufiger mit anderen, die oftmals – wie wir – von »Sternen und Planeten« keine Ahnung haben und deshalb ihr „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel“ absolut wörtlich nehmen. „Da muss man sich ja nicht wundern, wenn Sie soviel wissen“, sagt Conni, die ganz fasziniert in den Himmel starrt. Werner grinst und erklärt, dass dieser Satz kein Einblick ins Familienleben, sondern eine Eselsbrücke ist. Denn nimmt man die Anfangsbuchstaben der Wörter, hat man die Planeten unseres Sonnensystems in der Reihenfolge ihrer Nähe zur Sonne: Merkur, Venus, Erde, Mars Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Lichtverschmutzung - nein, danke! Die erste Lektion haben wir gelernt. Doch was hat es mit dem Begriff „Lichtverschmutzung“ auf sich, und warum ist sie im Sternenpark so gering? „Ein gutes Stichwort“, findet Werner, „denn damit steht und fällt hier alles. Lichtverschmutzung ist künstliches Licht, das den Nachthimmel erhellt und so die natürliche Dunkelheit und die Sichtbarkeit der Sterne verschlechtert“, erklärt sie. „Es entsteht durch zu hohe Lichtmengen, unnötige oder falsch platzierte Beleuchtung, die nicht nur die Straßen und Wege erhellt, sondern auch in den Himmel und auf Fassaden strahlt.“ Im Sternenpark haben sich die Kommunen verpflichtet, auf solche Lichtquellen zu verzichten. „In vielen Orten, wie hier in Strodehne, hat man sich auch längst dafür entschieden, einen Teil der Straßenlampen auszuschalten“, sagt sie. Tatsächlich: Erst jetzt fällt uns auf, dass nur jede Zweite brennt und es im Ort trotzdem hell genug ist. Dass es im Westhavelland solch ideale Bedingungen für einen Sternenpark gibt, hängt auch damit zusammen, dass große Flächen der Region Seen und Flüsse sind und es so auch weniger Bebauung gibt als anderswo. Je weiter wir uns aus dem Ort in die kunstlichtfreie Natur bewegen, und je weiter die Nacht fortschreitet, desto mehr ist am Firmament zu erkennen. „Guckt mal, wie hell der Polarstern ist“, zeigt Ines in Richtung eines auffallend hell Strahlenden. „Das ist Arktur“, korrigiert Marion, „der hellste Stern am Nordhimmel und der dritthellste überhaupt. Den Polarstern könnt ihr in der fünffachen Verlängerung der Rückwand des Großen Wagens sehen.“

„Weißt du, wie viel Sternlein stehen…?“

Ein wenig sind wir ja enttäuscht vom Nordstern: Gegen Arktur ist er wirklich nur ein kleines Licht. Die Frau hat Ahnung, da kann sie uns sicher auch die viel gesungene Frage: „Weißt du, wie viel Sternlein stehen…?“ beantworten. Kann sie, zumindest in groben Zügen: einige hundert Milliarden. Genau aber weiß sie, dass es insgesamt 88 Sternbilder gibt. Das nämlich hat 1922 die erste Generalversammlung der Internationalen Astronomischen Union in Rom festgelegt. Immerhin zwei erkennen wir ohne Expertenhilfe: den Großen Wagen und das Himmels-W, also Kassiopeia, dessen Spitze auf den Polarstern zeigt. Marion Werner zeigt uns noch ein paar andere, darunter den Bärenhüter oder Bootes mit Arktur als auffälligem Hauptstern. So interessant all die Erklärungen sind, irgendwann sind uns Schütze, Pegasus oder Steinbock schnuppe, wir wollen einfach nur noch den Sternenhimmel bewundern. Wie das funkelt, wie die Milchstraße immer deutlicher als ein glitzernder Strom sichtbar wird – einfach nur fantastisch! Und soll er doch scheinen, der Mond, uns stört er längst nicht mehr, im Gegenteil, er macht den Himmel erst komplett.

GUT ZU WISSEN:

Sternenpark: www.sternenpark-havelland.de www.nabu-westhavelland.de. Individuelle Sternenwanderungen: www.marion-werner.de Allgemeine Infos: www.havelland-tourismus.de

Tipp: Man kann sich auf seinen Computer ein kostenloses Programm herunterladen, mit dessen Hilfe man das aktuelle Sternenbild am Standort sehen kann: www.stellarium.org/de/

Neben dem Westhavelland gibt es noch zwei weitere deutsche Sternenparks in der Rhön und der Eifel.


Bild: pixabay