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FERNGESTEUERTER Terror


Welt am Sonntag Gesamtausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 34/2021 vom 22.08.2021

Artikelbild für den Artikel "FERNGESTEUERTER Terror" aus der Ausgabe 34/2021 von Welt am Sonntag Gesamtausgabe. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Welt am Sonntag Gesamtausgabe, Ausgabe 34/2021

Drohnen sind ein elementarer Teil der iranischen Kriegsführung. Hier sind die Waffen bei einem Manöver im nordiranischen Semnan zu sehen

Die Drohnen trugen Sprengköpfe und schlugen direkt unter der Kommandobrücke des Öltankers „Mercer Street“ ein. Dort liegen die Kabinen der Crew. Zwei Menschen starben, darunter der Kapitän. Die Attacke ereignete sich an der Straße von Hormus, einem neuralgischen Punkt der weltweiten Ölversorgung. Das Muster des Angriffs von Ende Juli ist bekannt. Niemand zweifelt, wer dahintersteckt: der Iran. Teheran setzt inzwischen systematisch eine ganze Drohnenarmee ein.

Das Arsenal der ferngesteuerten Fluggeräte erstreckt sich vom Libanon, von Syrien und dem Irak über den Golf bis in den Jemen. Die Technologie wird von iranischen Verbündeten eingesetzt – von der Hisbollah und der Hamas gegen Israel, von den jemenitischen Huthis gegen Saudi-Arabien, von schiitischen Milizen gegen die US-Armee. Oder eben vom Iran selbst, wie gegen die „Mercer Street“.

Inzwischen lichtet sich der Nebel um das Drohnenprogramm der ...

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... Mullahs. Die beiden verantwortlichen Köpfe sind nach israelischen Geheimdienstinformationen der Luftwaffen-Chef der iranischen Revolutionsgarden, Amir Ali Hajizadeh, und der Kommandeur der Drohneneinheit, Said Aghajani. Heute sind Drohnen Teherans Technologie der Wahl für Spezialoperationen. „Diese Waffe passt perfekt zur mafiösen Kriegsführung des Iran in der Region“, sagt der israelische Drohnenexperte Seth Frantzman, der gerade ein Buch zum Thema („Drone wars“) veröffentlicht hat. Teheran arbeitete Jahrzehnte an Langstreckenraketen. Aber die sind teuer, unflexibel, ihr Abschussort ist leicht auszumachen.

Drohnen sind leicht herzustellen und zu bedienen, erfordern wenig Personal und können zwischen Orten und Milizen verschoben werden. Sie können quasi von überall starten, auch von kleinen Schnellbooten im Golf. Und das Wichtigste: Sie sind auf dem Radar kaum zu orten, ihr Ursprungsort ist schwer zu erkennen. Für den Iran kommt hinzu: Das Land kann die Waffen trotz internationaler Sanktionen relativ günstig bauen. Sie ersetzen die iranische Luftwaffe, die, abgesehen von uralten US-Kampfjets, nicht existiert. Mit Drohnen kann man den Gegner treffen, ohne einen offenen Krieg zu provozieren. Für den Iran, der seine Feinde über Handlanger in Stellvertreterkriege verwickelt, das ideale Mittel.

KOPIERTE DROHNEN-BAUTEILE

Laut der israelischen Armee verfügt der Iran über eine vollständige Produktionskette, vom Flugkörper bis zum Navigationssystem. Die Teile sind dabei oft kopiert, nach Angaben Teherans etwa von US-Drohnen, die der Iran in der Vergangenheit abgeschossen hat. Er verfügt inzwischen über Drohnen, die Raketen abfeuern können – und sogenannte Kamikaze-Drohnen, die, mit Sprengstoff beladen, ihr Ziel rammen.

Die Flugkörper tragen Namen wie Schahid (Märtyrer) oder Gaza; Drohnenübungen betitelt der Iran mit „Jerusalem“ – ein nicht eben subtiler Hinweis, gegen wen die Manöver gerichtet sind. Eine neue Drohne der vom Iran unterstützten Huthis im Jemen soll eine Reichweite von 2000 Kilometern haben. Weit genug, um den Süden Israels zu erreichen. „Die Drohnen können mit intelligenter Munition kombiniert werden, über die auch Marschflugkörper verfügen“, sagt Experte Frantzman. „Und sie können in Schwärmen eingesetzt werden.“

Vor zwei Jahren ereignete sich das „Pearl Harbor“ des Drohnenkriegs: Der Iran attackierte mit Drohnen und Raketen die Abqaiq-Raffinerie des weltgrößten Erdölkonzern Aramco in Saudi-Arabien. Die saudische Luftabwehr war machtlos. Die Attacke brachte die Ölexporte Saudi-Arabiens für mehrere Monate zum Erliegen. Die weltweite Ölproduktion brach um sechs Prozent ein. Selbst israelische Militärexperten waren verblüfft. Seitdem setzt der Iran systematisch auf die Waffen. Drohnen sollen für mindestens fünf Angriffe im Mai und Juni auf US-Stützpunkte in Syrien und im Irak verantwortlich sein. Auch im letzten Gazakrieg spielte iranische Drohnentechnologie eine Rolle. So feuerte die Hamas im Mai nicht nur 4000 Raketen auf Israel. Sie setzte auch eine neue sprengstoffbeladene Drohne ein, die das israelische Luftabwehrsystem Iron Dome umgehen sollte – was jedoch nicht gelang. Der Iron Dome ist für Raketenangriffe gedacht, nun muss er auf Drohnen angepasst werden. Doch die sind wegen ihrer schwachen Radarsignatur schwerer zu erfassen. „Die Herausforderung, die die Drohnen des Iran und seiner Satelliten für uns darstellen, wird immer größer“, sagte ein hoher Generalstabsoffizier der israelischen Zeitung „Ha‘aretz“. Man arbeite daran, die Abwehr zu verbessern – „aber wir sind noch nicht sicher, ob die Antwort ausreicht“.

Iran treibt Atomprogramm voran

Der Iran hat die Anreicherung von Uran auf eine fast-waffentaugliche Reinheit erneut beschleunigt. Die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) teilte in dieser Woche mit, dass Teheran erstmals 20 Prozent angereichertes Uranmetall hergestellt habe. Zugleich seien die Produktionskapazitäten ausgebaut worden, um Uran auf bis zu 60 Prozent anreichern zu AN können. Deutschland, Frankreich und Großbritannien teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit, die beiden Schritte seien „entscheidend“ für die Entwicklung einer Atomwaffe. Iran habe keinen glaubwürdigen zivilen Bedarf für diese Maßnahmen. Das internationale Atomabkommen von 2015, aus dem die USA inzwischen ausgestiegen sind, gestattet dem Iran eine Urananreicherung von 3,67 Prozent für die zivile Nutzung. Der Schwellenwert der Urananreicherung für eine militärische Nutzung liegt bei 90 Prozent.

IRANS DROHNEN – EIN INTERNATIONALES PROBLEM

Die jüngste Attacke auf die „Mercer Street“ ist womöglich aber nicht so verlaufen wie beabsichtigt. Wollte der Iran wirklich Tote provozieren? „In jedem Fall hat sich Teheran ins eigene Bein geschossen“, sagt Amos Yadlin, Ex-General und Berater am Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv. Denn der Vorfall hat den Drohnenkrieg des Iran ins Scheinwerferlicht gerückt – und Israels stete Warnung unterstrichen. Sie lautet: Der Iran ist nicht nur ein regionales, sondern auch ein internationales Problem. Israel und die Golfstaaten warnen schon lange, die Welt solle nicht nur auf das Atomprogramm des Iran blicken, sondern auf Teherans regionalen Terror – und damit auch die Drohnenarmee. Die Atomgespräche in Wien liegen auf Eis, da der Iran die Regierungsbildung durch den neuen Präsidenten Ebrahim Raisi abwarten wollte. Es ist jedoch fraglich, ob es unter der neuen Führung überhaupt zu einer Wiederbelebung des Atomabkommens mit den USA kommt. Zuletzt sorgte ein Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zum Fortschritt bei der iranischen Urananreicherung für Beunruhigung. (siehe Kasten) Das Regime in Teheran weitet unterdessen seine Kampfzone aus – ferngesteuert.