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Fertigspachtelmassen: Kommt nicht aus der Tube


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 5/2015 vom 08.05.2015

Wer keine Lust hast, selbst den Gips anzurühren, um Löcher zuzuspachteln, kann die Masse auch einfach aus der Tube drücken. Doch so ganz ohne Mängel war in unserem Test keine der untersuchten Fertigspachtelmassen: Bei vielen haperte es im Praxistest, einige fielen mit problematischen Konservierungsstoffen auf.


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Foto: ahmet ercan senkaya/iStock/Thinkstock

Kleine Löcher in der Wand – zum Beispiel an Stellen, an denen vorher Dübel Halt für Bilder, Regale und Schränke gegeben haben – müssen spätestens beim Umzug geschlossen werden. Und zwar möglichst so, dass sie nicht mehr sichtbar sind. Möglicherweise haben ...

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... gerade mühsam eingesetzte Dübel auch nicht gehalten, ein Stück Wand ist herausgebrochen und nun klafft ein größeres Loch. Eigentlich braucht man jetzt nur etwas Gips, den man mit Wasser anrühren und verspachteln muss. Findige Hersteller hatten jedoch die Idee, ein Fertigprodukt anzubieten, das diesen kleinen Arbeitsschritt einspart: Fertigspachtelmassen, die aus der Tube direkt in das Loch oder den Riss gedrückt und dann glatt gezogen werden.


Ein Nachteil von Fertigspachtelmassen: Sie sind häufig konserviert


Letztlich bestehen auch die Fertigspachtelmassen meist aus Gips oder ähnlichen Bindemitteln. Da sie fast immer mit Wasser vermischt sind, müssen sie mit Konservierungsmitteln haltbar gemacht werden. Und diese sind oft gesundheitlich nicht unproblematisch. Meist fügen die Hersteller noch Kunststoffe oder Kunstharze zu, welche die Massen geschmeidiger machen sollen.

Profis unterscheiden zwischen Füllund Feinspachtel: Der gröbere Füllspachtel eignet sich zum Füllen von Löchern, Rissen und Fugen, der hochwertigere Feinspachtel zum Nachspachteln, um eine schöne glatte Oberfläche zu erzielen. Die Spachtelmassen aus dem Baumarkt sind allerdings eher selten in diese Kategorien eingeteilt.

Wir kauften 16 weiße Fertigspachtelmassen ein, um sie sowohl auf Inhaltsstoffe als auch in der praktischen Anwendung prüfen zu lassen.

Das Testergebnis

Meist nur Mittelmaß. Voll überzeugen kann keine Fertigspachtelmasse. Im Praxistest gibt es bei allen mehr oder weniger kleine Schwächen, und mit einigen Konservierungsmitteln sind wir auch nicht einverstanden. Dennoch können wir drei „gute“ Produkte empfehlen. Fünf Spachtelmassen landen mit „mangelhaft“ am Testende.
Problematische Konservierungsmittel. Die meisten Rezepturen sind mit Isothiazolinonen konserviert, die Allergien auslösen können. Wir werten jedoch nur hohe Gehalte sowie chlorierte Isothiazo-linonverbindungen (CIT) ab, da Letztere ein besonders hohes sensibilisierendes Potenzial haben und bereits kleine Mengen reichen, um allergische Reaktionen auszulösen. Nicht einverstanden sind wir auch mit Formaldehyd/abspaltern. Hinzu kommt, dass sich die Hersteller sehr verschwiegen zeigen und die eingesetzten Konservierungsmittel nicht deklarieren. Auch eine Allergikerhotline sollte bei Produkten mit Isothiazolinonen angeboten werden. Lediglich die MoltoSpachtelmasse braucht wegen des enthaltenen Alkohols nicht konserviert zu werden. Dafür riecht diese bei der Anwendung ganz ordentlich, das verflüchtigt sich aber schnell.

Ob Risse geschlossen , Putz erneuert oder Löcher gestopft werden müssen: Kleinere Reparaturenkann jeder Heimwerker mit einem Maler- oder Japanspachtel selbst ausführen.


Foto: Peter Hoffmann

Nachspachteln ist angesagt. Nur einmal spachteln und fertig – das wäre schön. Das leistet keine untersuchte Spachtelmasse, auch bei Aufträgen von nur vier bis fünf Millimetern wie in unserem Test. Alle schrumpfen beim Trocknen und bilden eine Delle. In fünf Fällen sank die Masse zwar nur leicht ein, dennoch muss ein zweites Mal gespachtelt werden, um eine glatte Oberfläche zu erzielen. Auf anderslautende Versprechen einiger Hersteller darf man sich also nicht verlassen. Eine zweite Spachtelschicht empfehlen die Anbieter – wenn überhaupt – meist nur bei dickeren Spachtelaufträgen. Der Knauf Rotband Reparaturspachtel machte unseren Testern jedoch schon vorher das Leben schwer: Die Masse mit „MikroperlenTechnologie“ bekommt man nur unter Aufbietung aller Kräfte aus der Tube; will man gar einen Riss oder einen Schlitz schließen, kann man schier verzweifeln.
Lückenhafte Anwendungshinweise. Gute Anleitungen sind Mangelware. Anscheinend gehen die Hersteller nur von versierten Anwendern aus. Wie man mit schwierigem Untergrund umgehen soll, zum Beispiel, wenn er sandig oder porös ist, teilen etliche Hersteller nicht mit. In so einem Fall muss nämlich unbedingt grundiert werden, sonst hält nichts, warnt unser Experte. Besonders dürftig sind die Hinweise von Hellweg und Hornbach.
Keine oder falsche Auskünfte. Einige Hersteller werben mit einer besonderen Infotelefonnummer, nur einer gibt eine Allergikerhotline an. Diese riefen wir an und fragten nach den eingesetzten Konservierungsmitteln. In drei Fällen schienen die Auskunftgebenden aber nicht gut informiert: „Da dürften keine Isothiazolinone drin sein“, meinte unsicher der Ansprechpartner bei Knauf – obwohl die beauftragten Labore im Produkt welche nachgewiesen haben. Und: „Ja, da sind Isothiazolinone drin“, erklärte man uns bei Anruf der Infonummern der Marken Sycofix und Toom, deren Spachtelmassen aber tatsächlich mit Formaldehydabspaltern konserviert sind. Im Fall des Aviana Füllspachtels blieb die versprochene Antwort ganz aus.

So reagierten die Hersteller

J. W. Ostendorf , Hersteller der Spachtelmassen von FLT und Toom, teilte uns mit, dass er den Zulieferer wechseln wolle. Die analysierten Konservierungsmittel entsprächen nicht seinen Vorgaben.
Akzo Nobel , Hersteller von Molto, weist auf den begrenzten Platz auf einem Gebinde hin, weshalb nicht alle Anwendungshinweise genannt würden. Man biete online eine ausführliche Anleitung an, dazu gebe es einen Hinweis auf der Deklaration. Wir meinen jedoch, dass kaum ein Normalverbraucher vor der Anwendung einer Spachtelmasse ins Internet geht. Laut Akzo Nobel sei das Produkt zudem für kleinere Löcher und Risse ausgerichtet, bei denen in der Regel die einmalige Spachtelung ausreiche. In unserem Test schrumpfte die MoltoSpachtelmasse jedoch – wenn auch nur leicht. Für größere Löcher empfiehlt der Hersteller, das Material überhöht einzufüllen und mit einem leichten Hügel zu spachteln. Auch diese Variante wurde von unserem Fachmann geprüft: Es blieb eine Unebenheit, die abgeschliffen werden muss – also auch keine Garantie für nur einen Arbeitsgang.
Knauf schrieb uns, dass sich der Kollege am Infotelefon bei unserer Anfrage nach dem eingesetzten Konservierungsmittel am Sicherheitsdatenblatt und der darin enthaltenen Zusammensetzung des Produkts orientiert habe, darin sei aber kein Konservierungsmittel aufgeführt. Das aktuelle Sicherheitsdatenblatt würde nun um die Gefahrenhinweise für Isothiazolinone ergänzt.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: BIT = Benzisothiazolinon. CIT = Chlormethylisothiazolinon. MIT = Methylisothiazolinon.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 242.
Anmerkungen: 1) Spachtelmasse lässt sich nur äußerst schwer aus der Tube drücken. 2) Weiterer Mangel / Deklarationsmangel: keine Angabe des Konservierungsstoffs. 3) Weiterer Mangel / Deklarationsmangel: unpräzise Angabe des Konservierungsstoffs (nur „Isothiazolinone“ bzw. „BIT“ statt der Kombination MIT/BIT). 4) Weiterer Mangel / Deklarationsmangel: keine Angabe einer Allergikerhotline, falls Isothiazolinone enthalten. 5) Lückenhafter Hinweis zur Untergrundvorbereitung: kein Hinweis auf eine Grundierung bei sandigen, porösen Untergründen. 6) Weiterer Mangel: keine oder keine korrekte Auskunft bei Anruf des Info telefons auf die Frage nach der Art des Konservierungsmittels. 7) Laut Anbieter werden ab sofort (Charge 032017) keine Formaldehyd-Depotstoffe und Chlorisothiazolinone mehr eingesetzt. Das Produkt werde jedoch in Kürze vom Markt genommen und durch ein Nachfolgeprodukt Modulan ersetzt. 8) Lückenhafter Hinweis: keine Angabe zur Art des Untergrunds auf dem Etikett (nur im Internet). 9) Laut Anbieter wird das Produkt voraussichtlich ab Mai 2015 mit überarbeitetem Etikett ausgeliefert, auf dem der Gefahrstoffhinweis auf Isothiazolinone (CIT/MIT) aufgedruckt sein wird. 10) Laut Hersteller handelt es sich beim Etikett des getesteten Produkts nicht mehr um die neueste Fassung. Es enthalte mittlerweile einen Gefahrstoffhinweis auf Isothiazolinone (MIT/BIT) sowie Hinweise zur Entsorgung. 11) Laut Anbieter wird das Produkt zurzeit umgestellt. Ab circa Mitte August 2015 wird die neue Ware (erkennbar an Balken „verbesserte Qualtität“) in den Baumärkten zu finden sein mit verbesserten Verarbeitungseigenschaften, geringerem Schrumpf und ohne Formaldehyd. 12) Laut Hersteller ist das Produkt nicht mehr im Sortiment, offensichtlich werden noch Restbestände abverkauft.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 20 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um eine Note führt: eine chlorierte Isothiazolinonverbindung (CIT). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ der jeweiligen Methode. Das Testergebnis Praxisprüfung setzt sich zusammen aus der Bewertung der Anwendungshinweise (Hinweise zu Untergrund/-vorbereitung und Weitere Anwendungshinweise) zu 30 Prozent und der Bewertung der Anwendung (Schrumpfen bei Trocknung / Delle) zu 70 Prozent. Unter der Bewertung Anwendungshinweise führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) lücken hafte Hinweise zur Art des Untergrunds und zur Untergrundvorbereitung (kein Hinweis zur Art des Untergrunds oder kein Hinweis auf eine erforderliche Grundierung bei sandigen oder porösen Untergründen); b) insgesamt sehr dürftige Hinweise zur Art des Untergrunds und zur Untergrundvorbereitung. Ein bis zwei weitere Mängel in den weiteren Anwendungshinweisen („mit leichten Mängeln“) verschlechtern die Bewertung der Anwendungshinweise um eine Note. Drei weitere Mängel in den weiteren Anwendungshinweisen („mit Mängeln“) verschlechtern die Bewertung der Anwendungshinweise um zwei Noten. Als Mängel wurden gewertet: kein Hinweis auf eine kindersichere Aufbewahrung und/oder kein Hinweis zur Lagerung; kein Hinweis zur Reinigung der Arbeitsgeräte; keine Hinweise zur Entsorgung. Unter der Bewertung der Anwendung (Schrumpfung bei Trocknung / Delle) füh-ren zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Spachtelmasse lässt sich nur äußerst schwer aus der Tube drücken; b) ein (deutliches) Schrumpfen bei Trocknung („ja“). Zur Abwertung um ein Note führt: ein „leichtes“ Schrumpfen bei Trocknung. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) keine Angabe des Konservierungsstoffs; b) keine oder keine korrekte Auskunft bei Anruf des Infotelefons (Frage nach der Art des Konservierungsmittels). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) keine Angabe einer Allergikerhotline, falls Isothiazolinone im Produkt enthalten sind; b) unpräzise Nennung des Konservierungsstoffs („Isothiazolinone“ oder nur „BIT“ statt BIT/MIT). Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um zwei Noten. Das Gesamturteil beruht zu gleichen Teilen auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und dem Testergebnis Praxisprüfung. Es kann aber nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.

Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „N1505“ eingeben.
Bereits veröffentlicht undStand der Ergebnisse: ÖKO-TEST-Magazin 4/2015. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Einkauf der Testprodukte: November 2014.

So haben wir getestet

Der Einkauf
16 weiße Fertigspachtelmassen in der Tube, überwiegend aus Baumärkten: Reparatur-, Renovier-, Füll-, Fein- oder Fertigspachtel. Die Preise liegen bei circa 3,50 bis 5,50 Euro pro Tube bei unterschiedlich schwerem Inhalt.

Die Inhaltsstoffe
In der Regel sind die Fertigspachtel wasserbasiert und konserviert. Zu diesem Zweck landen zum Beispiel problematische Formaldehyd/-abspalter oder Isothiazolinone in der Tube, die reizen und Allergien auslösen können. Besonders die chlorierte Verbindung Chlormethylisothiazolinon (CIT) hat ein hohes allergenes Potenzial. Noch kritischer sehen wir Formaldehyd, weil es unter Krebsverdacht steht. Wir ließen die Produkte unter anderem auf verschiedene Konservierungsmittel testen.

Die Praxisprüfung
Wie sich die Spachtelmassen verarbeiten lassen, das prüfte ein Berufsschulfachlehrer und Malermeister. Als Vorbereitung fertigte er circa vier Millimeter tiefe Schlitze in verputzten Oberflächen, in Holzwerkstoffplatten und in gestrichenen Platten an, um diese dann – je nach Angaben der Hersteller – mit den Fertigmassen auszuspachteln und mit einem flexiblen Metallspachtel (Japanspachtel) zu glätten. Nach dem Trocknen wurde die Fuge fachmännisch geprüft und mit Dispersionsfarbe überstrichen. Außerdem nahm unser Experte die Verarbeitungs-, Lager- und Entsorgungshinweise unter die Lupe.

Die Schlitze sind nach einem Arbeitsgang noch nicht eben, sondern mehr oder weniger eingedellt.


Fotos: Peter Hoffmann

Die weiteren Mängel
ÖKO-TEST prüfte eingehend die verbraucherrelevanten Angaben zur Rezeptur: Welche Konservierungsmittel werden eingesetzt? Werden Gefahrstoffe richtig deklariert? Wird eine Hotline für Isothiazolinon-Allergiker angeboten und bekommt man dort und am Infotelefon auch richtige Auskünfte? Außerdem ließen wir die Verpackung auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen testen.

Die Bewertung
Inhaltsstoffe haben bei unserer Bewertung oberste Priorität, denn der Verbraucher möchte zu Hause keine dicke Luft haben. Das heißt, ein Gesamturteil kann nicht besser sein als dieses Testergebnis. Die weiteren Mängel beziehen sich auf die Deklaration der Inhaltsstoffe und verschlechtern somit dieses Testergebnis.

ÖKO-TEST rät

■ Die „guten“ Spachtelmassen eignen sich eher für kleine Löcher und Risse. Eventuell mehrere dünne Schichten aufbringen.
■ Wenig Gips in etwas Wasser einrühren – fertig ist die Spachtelmasse, mit der sie auch größere Löcher und Lücken stopfen können. Gips bindet aller dings schnell ab! Im Baumarkt bekommen Sie auch kleine Tüten Bau-, Hobby- oder Modelliergips.
■ Vor allem für Isothiazolinon-Allergiker sind Fertigspachtelmassen nicht empfehlenswert.